. a& Die Stämme der Wirbeltiere Von Othenio Abel o. ö. Professor der Paläobiologie an der Universität Wien S LT) = (T -CD ■D 5 i o 1 m CD m Mit 669 Figuren im Text V w Berlin und Leipzig 1919 Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter & Co. vormals G. J. Göschen'sche Verlagshandlung :: ). Guttentag, Verlags- buchhandlung :: Georg Reimer :: Karl J. Trübner :: Veit & Comp. Copyright by Vereinigung wissenschaftlicher Verleger Walter de Gruyter&Co. Berlin und Leipzig 1919. . Druck von Metzger & Wittig in Leipzig. Vorwort Die ersten tastenden Versuche zur Aufhellung einer Stammes- geschichte der Wirbeltiere haben sich auf die vergleichende Osteologie und allgemeine Anatomie der lebenden Formen beschränkt. Als später die Embryologie zu einer hohen Blüte gelangte, hat man mit ihrer Hilfe den Schlüssel zur Beantwortung vieler phylogenetischer Probleme zu finden gehofft und geglaubt. Die Stimmen, welche da und dort für eine eingehendere Berücksichtigung der paläontologischen Dokumente laut geworden sind, wurden von den eingeschworenen Vertretern der embryologischen Forschungsrichtung kaum beachtet und noch heute stehen viele bedeutende Zoologen auf dem Standpunkte, daß uns die Paläontologie nur einen sehr unvollständigen Aufschluß über die Ver- gangenheit der Tierwelt zu liefern vermag und daß die großen Er- wartungen, welche man auf die Resultate der Paläozoologie gesetzt hatte, stark enttäuscht worden sind. Noch immer gilt für viele Zoologen als Grundsatz, daß die paläontologischen Urkunden zu selten, zu dürftig und zu schlecht erhalten sind, um aus ihnen weittragende phylogene- tische Schlüsse ableiten zu können und sie vertiefen sich lieber in die Irrgänge morphologischer Spitzfindigkeiten, wofür die Geschichte der Forschungen über den Verbleib des Quadratums im Säugetierschädel ein treffendes Beispiel liefert. Wer als Nichtfachmann die Mehrzahl der Publikationen über die fossilen Wirbeltierreste durchmustert, wird sich freilich zu der Ansicht hingezogen fühlen, daß aus den häufig sehr fragmentarisch erhaltenen fossilen Dokumenten keine zwingenden' Beweise für oder gegen jene Anschauungen abgeleitet werden können, welche aus den Forschungen über die lebenden Wirbeltiere gewonnen worden sind. Dieses Gefühl der Unsicherheit und des Zweifels wird noch durch die wiederholt wech- selnden Ansichten über die Deutung einzelner Reste von Seiten verschie- dener Paläozoologen verstärkt, ebenso wie durch die häufig vorschnell ausgesprochenen Meinungen über die phylogenetische Stellung und Be- deutung verschiedener Formen. IV Vorwort. Wie jeder zu einer eigenen Forschungsrichtung ausgebaute Zweig der Biologie hat auch die Paläozoologie ihre eigenen Methoden ausgebaut und entwickelt. Das fossile Dokument hat für den, der nur mit voll- ständigen Objekten zu arbeiten gewöhnt ist und der morphologischen Rekonstruktion nicht bedarf, häufig nur den Wert eines unbestimm- baren Scherbens. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß für den Histo- riker selbst ein fragmentärer Rest einer Urkunde oder einer Inschrift immer von höherem Werte sein und bleiben wird als die Anhaltspunkte für die hypothetische Rekonstruktion der Vergangenheit auf Grund der mündlichen Überlieferungen, die sich bis in die Gegenwart gerettet haben. Freilich ist eine fragmentär erhaltene Urkunde für denjenigen, der nicht gewohnt ist, solche Reste zu lesen, zu ergänzen und zu deuten, viel- fach ein Buch mit sieben Siegeln. Erst durch d.e sorgfältige Rekon- struktion der fragmentären fossilen Urkunde wird sie zu einem auch für die Fernerstehenden brauchbaren und verwertbaren Beweismittel. Daraus ergibt sich für den Paläozoologen die Pflicht, das aus seinem engeren Forschungskreise stammende Beweismaterial für die Stammes- geschichte in leichter lesbarem, rekonstruiertem Zustande allgemein zu- gänglich zu machen. Diese Erwägungen haben in mir den Entschluß gereift, eine zu- sammenfassende Darstellung der wichtigsten fossilen Dokumente aus der Stammesgeschichte der Wirbeltiere zu entwerfen und auf diese Weise den Beweis dafür zu liefern, daß die Paläozoologie der Wirbeltiere schon heute als die entscheidende Grundlage der Stammesgeschichte dieser Tiergruppe betrachtet werden muß. Die Achse der ganzen Darstellung konnte nur die vergleichende Osteologie der fossilen und lebenden Wirbeltiere sein, eine Forschungsrichtung, die in der letzten Zeit mehr und mehr in die Hände der Paläozoologen übergegangen ist und unter den verschiedenen Zweigen der biologischen Forschung über lebende Wirbeltiere gegenwärtig stark in den Hintergrund gerückt erscheint. Mit diesem hier skizzierten Grundplan, eine Übersicht der ,, Stämme der Wirbeltiere" zu entwerfen, mußte der Versuch verbunden werden, die verschiedenen fossilen und lebenden Stämme in ein „System" zu bringen, um auf diese Weise einen leichteren Überblick zu ermöglichen. Da es vor allem darauf ankam, die Rolle festzulegen, welche die fossilen Vertreter der Wirbeltiere für deren Stammesgeschichte spielen, durften sowohl jene Formen, die sich enge an die lebenden anschließen, als auch die lebenden Gruppen selbst nur in groben Umrissen dargestellt werden, wenn nicht der Umfang der Darstellung weit über das gesteckte Ziel hinausgreifen sollte. Einzelne besonders wichtige Typen und Verbindungs- glieder mußten eingehender besprochen werden als die Vertreter jener Gruppen, über deren Geschichte die fossilen Funde keinen anderen Auf- Vorwort. V Schluß zu geben vermögen, als der durch die Untersuchungen über die lebenden Vertreter dieser Stämme gewonnen worden ist. Aus diesem Grunde sind beispielsweise die jüngeren Stämme der Teleostomen oder die der Vögel nur in großen Zügen umrissen worden, da die fossilen Gattungen und Arten bis jetzt zu keinen grundlegenden Verschieden- heiten der Ansichten über die Geschichte dieser Stämme geführt haben. Die Säugetiere wurden zwar aus der Darstellung nicht ausgeschieden, aber kürzer behandelt, da es mir vor allem darauf ankam, die phylo- genetischen Beziehungen der Fische, Amphibien und Reptilien dar- zulegen und weil ich außerdem erst vor kurzem die Phylogenie der Säugetiere in einem selbständigen Werke („Die vorzeitlichen Säuge- tiere", Jena, bei G. Fischer, 1914) besprochen habe, so daß ich auf dieses Buch verweisen darf. Daß die hier gegebene Darstellung von den genetischen Zusammen- hängen der einzelnen Gruppen in vielen Punkten von den bisherigen Ansichten über die Beziehungen zwischen den Stämmen und der Stelle ihrer Verzweigungen abweicht, darf nicht auf die Rechnung der Un- vollständigkeit der fossilen Reste und ihrer Bedeutungslosigkeit für phylogenetische Fragen gestellt werden, wie dies so häufig zu geschehen pflegt. Der hauptsächlichste Grund für diese Verschiedenheiten unter den Ansichten der Paläozoologen liegt in der verschiedenen Bewertung der morphologischen Merkmale, nicht in der verschiedenen Deutung derselben. Freilich sind auch die Deutungen der einzelnen Skelett- elemente keineswegs immer dieselben und unterliegen in einzelnen Fällen weitgehenden Meinungsverschiedenheiten. Wer sich in Einzelheiten jener Fragen, in deren Beantwortung, Deutung und phylogenetischen Bewertung ich von anderen Forschern abweiche, eingehender zu orien- tieren sucht, wird in dem möglichst eingehenden Literaturverzeichnisse die weiteren Wege gewiesen finden. Das wichtigste Hilfsmittel einer Darstellung, die den Zweck hat, über die bisher erreichten Ergebnisse der phylogenetischen Forschungen auf dem Gebiete der fossilen Wirbeltiere aufzuklären, muß eine aus- reichende Menge von Abbildungen sein. Diese Abbildungen müssen, wie ich früher dargelegt habe, vor allem rekonstruktiv sein und mög- lichst klar die morphologischen Merkmale zur Schau tragen. Mehrere hundert Abbildungen habe ich für diese Darstellung selbst gezeichnet, entweder nach Originalen entworfen oder nach Originalabbildungen um- gezeichnet oder aus solchen kombiniert, wenn bisher nur Detailbilder vorlagen. Ein anderer Teil der Abbildungen ist unmittelbar den Original- werken entnommen. Wer die Summe unserer bisherigen Kenntnisse von der phylo- genetischen Bedeutung der fossilen Wirbeltiere mit dem Stande der Forschung vor etwa zwei Jahrzehnten vergleicht, wird sich dem Ein- VI Vorwort. drucke kaum entziehen können, daß auf diesem Gebiete eine gewaltige Arbeit geleistet und sehr bedeutende Fortschritte erzielt worden sind. Was im folgenden als ein Ausschnitt dieser Forschungsergebnisse der Paläozoologie mitgeteilt erscheint, wird bei einem weiteren Fortschritte unserer Forschungen zweifellos in manchen Punkten abgeändert und er- weitert werden müssen, bis das von vielen Vertretern der biologischen Forschung angestrebte Ziel einer Stammesgeschichte der Wirbeltiere wenigstens in den Grundzügen als gelöst betrachtet werden darf. Hoffentlich wird sich dabei immer mehr die Erkenntnis festigen, daß das letzte Wort bei den Lösungsversuchen .dieser Probleme die Palä- ontologie zu sprechen hat, welche uns schon heute über verschiedene Probleme Aufschluß zu geben vermag, die bei der Beschränkung der phylogenetischen Forschungen auf die lebenden Formen stets in Dunkel gehüllt gebliehen wären. Mondsee, Oberösterreich, den 15. August 1919. 0. Abel. Inhalt. Seite Systematische Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbel- tiere IX Einleitung 1 Morphologische Vorbemerkungen 17 I. Physiologische Bedeutung der Skelettbildungen 17 II. Die heterogene Herkunft der, Knochen: Ersatzknochen und Haut- knochen 20 III. Die ersten Anfänge des Wirbelskeletts und dessen Differenzierung 21 IV. Aufbau und Gliederung des Wirbeltierschädels 28 Die Stämme der Wirbeltiere 63 Klasse: Rundmäuler (Cyclostomata) 63 Klasse: Fische (Pisces) 65 I. Unterklasse: Anaspida 65 II. Unterklasse: üsteostraci 69 III. Unterklasse: Antiarchi 86 IV. Unterklasse: Arthrodira 92 V. Unterklasse: Elasmobranchii 104 VI. Unterklasse: Acanthodei 147 VII. Unterklasse: Teleostomi 153 Klasse: Lurche (Amphibia) 220 Die stammesgeschichtliche Stellung der Amphibien 220 Systematik der Amphibien 220 Die Morphologie der Wirbelsäule als Grundlage einer systema- tischen Gruppierung der Amphibien 221 Die Terminologie der Wirbelkörper nach der Form 232 I. Unterklasse: Stegocephalia (Stegocephalen) 233 II. Unterklasse: Anura (Froschlurche) 311 III. Unterklasse: Urodela (Schwanzlurche) 324 IV. Unterklasse: Apoda (Gymnophiona) 332 Klasse: Kriechtiere (Reptilia) 333 4 0) O VIII Inhalt. Seite Klasse: Vögel (Aves) 686 I. Unterklasse: Saururae 693 II. Unterklasse: Ornithurae 695 Klasse: Säugetiere (Mammalia) 710 I. Unterklasse: Monotremata 710 II. Unterklasse: Marsupialia 710 III. Unterklasse: Placentalia 721 Morphologisches Register 878 Übersicht der Famlien und Unterfamilien, Ordnungen und Unterordnungen, Klassen und Unterklassen 892 Verzeichnis der Gattungsnamen 897 Autorenregister 910 Berichtigungen. S. 129 S. 151 S. 384 S. 389 S. 391 S. 392 S. 427 S. 530 Gemündinidae (statt Gemündenidae). Climatius scutiger (statt C. parexus). var. integra (statt var. integrum). (Zeile 9 von unten) : 86,8 cm (statt 36,8 ccm). (Figurenerklärung): HA (statt Hc). (Nachtrag zur Figurenerklärung): Ac = Acetabulum. (Figurenerklärung): F = Foramen magnum (statt Frontale). Baron F. Nopcsa machte mich nach Einsicht in die Aushängebogen auf die fehlerhafte Rekonstruktion des Hinterhauptes von Aetosaurus aufmerksam, die gelegentlich zu berichtigen sein wird. S. 533: XV. Ordnung (statt XIX. Ordnung). S. 554: XVI. Ordnung (statt' XX. Ordnung). (L **> Systematische Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. (Die erloschenen Familien und Gattungen sind durch einen * bezeichnet. Von jeder Familie ist nur je eine Gattung als Beispiel genannt, auch wenn diese Familie eine größere Zahl von Gattungen umfaßt.) I. Klasse: Rundmäuler (Cyclostomata). Myxinidae: Myxine. Petromyzodontidae : Petromyzon. II. Klasse: Fische (Pisces). I. Unterklasse: Anaspida. *Lasanüdae: *Lasanius. *Birkeniidae: *Birkenia. *PteroIepidae: *Pterolepis. II. Unterklasse: Osteostraci. *Coelolepidae: *TheIodus. *Cephalaspidae: *Cephalaspis. "Tremataspidae: *Tremataspis. *Drepanaspidae: *Drepanaspis. *Pteraspidae: *Pteraspis. III. Unterklasse: Antiarchi. *Asterolepidae: *Pterichthys. IV. Unterklasse: Arthrodira. *Coccosteidae: *Coccosteus. *Mylostomidae: *Mylostoma. *Ptyctodontidae: *Ptyctodus. V. Unterklasse: Elasmobranchii. 1. Ordnung: Pleuropterygii. *Cladodontidae: *Cladodus. 2. Ordnung: Ichthyotomi. *Pleuracanthidae: *Pleuracanthus. 3. Ordnung: Plagiostomi. Notidanidae: Notidanus. Chlamydoselachidae: Chlamydoselache. Heterodontidae: Heterodontus. Scylliidae: Scyllium. Carchariidae: Carcharias. Sphyrnidae: Sphyrna. Lamnidae: Lamna. Cetorhinidae: Cetorhinus. Rhinodontidae: Rhinodon. Spinacidae: Spinax. Pristiophoridae: Pristiophorus. Pristidae: Pristis. Rhinidae: Rhina. Rhinobatidae: Rhinobatus. Rajidae: Raja. Torpedinidae: Torpedo. Trygonidae: Trygon. Myliobatidae: Myliobatis. *Gemuendinidae: *Gemuendina. *Tamiobatidae: *Tamiobatis. *Cochliodontidae: *Cochliodus. *Psammodontidae: *Psammodus. *Petalodontidae: *Petalodus. *Edestidae: *Helicoprion. *Ptychodontidae: *Ptychodus. 4. Ordnung: Holocephali. : Squaloraiidae: *Squaloraja. *Myriacanthidae: *Myriacanthus. Chimaeridae: Chimaera. VI. Unterklasse: Acanthodei. *Acanthodidae: *Acanthodes. VII. Unterklasse: Teleostomi. 1. Ordnung: Crossopterygii. *Osteolepidae: *Osteolepis. *Tarrasüdae: *Tarrasius. *HoIoptychiidae: *Holoptychius. *Rhizodontidae: *Eusthenopteron. *Onychodontidae: *Onychodus. *Coelacanthidae: *Coelacanthus. Polypteridae: Polypterus. X Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. 2. Ordnung: Dipneusti. Ctenodontidae: Neoceratodus. 3. Ordnung: Actinopterygii. *Palaeoniscidae: *Palaeoniscus. *Platysomidae: *Platysomus. *Belonorhynchidae: *Belonorhynchus. *Chondrosteidae: *Chondrosteus. Polyodontidae: Polyodon. Acipenseridae: Acipenser. *Semionotidae: *Semionotus. *Macrosemüdae: *Macrosemius. *Pycnodontidae: *Mesodon. *Pholidophoridae: *Pholidophorus. *Pholidopleuridae: Pholidopleurus. *Aspidorhynchidae: *Aspidorhynchus. Amiidae: Amia. *Pachycormidae: *Pachycormus. *01igopleuridae: *01igopleurus. Lepidosteidae: Lepidosteus. *Leptolepidae: *Leptolepis. Unterordnung: Malacopterygii. Elopidae: Elops. Albulidae: Albula. Chanidae: Chanos. *Plethodidae: *Plethodus. Mormyridae: Mormyrus. Hyodontidae: Hyodon. Notopteridae: Notopterus. Osteoglossidae: Osteoglossum. Phractolaemidae: Phractolaemus. Pantodontidae: Pantodon. *Ctenothrissidae: *Ctenothrissa. *Saurodontidae: *Portheus. Chirocentridae: Chirocentrus. Clupeidae: Clupea. Salmonidae: Salmo. Alepocephalidae: Alepocephalus. Stomiatidae: Malacosteus. Gonorhynchidae: Gonorhynchus. Cromeriidae: Cromeria. Unterordnung: Ostariophysi. Characinidae: Hydrocyon. Cyprinidae: Cyprinus. Gymnotidae: Gymnotus. Siluridae: Silurus. Callichthyidae: Callichthys, Loricarüdae: Loricaria. Aspredinidae: Aspredo. Unterordnung: Symbranchii. Symbranchidae: Symbranchus. Amphipnoidae: Amphipnous. Unterordnung: Apodes. Urenchelidae: *Urenchelys. Anguillidae: Anguilla. Nemichthyidae: Nemichthys. Derichthyidae: Derichthys. Synaphobranchidae: Synaphobranchus. Saccopharyngidae: Saccopharynx. Muraenidae: Muraena. Unterordnung: Haplomi. Galaxiidae: Galaxias. Haplochitonidae: Haplochiton. *Enchodontidae: *Enchodus. Esocidae: Esox. Dalliidae: Dallia. Scopelidae: Scopelus. Alepidosauridae: Alepidosaurus. Cetomimidae: Cetomimus. Kneriidae: Kneria. *Chirothricidae: *Chirothrix. Cyprinodontidae: Cyprinodon. Amblyopsidae: Chologaster. Stephanoberycidae: Stephanoberyx. Percopsidae: Percopsis. Unterordnung: Heteromi. *Dercetidae: *Dercetis. Halosauridae: Halosaurus. Lipogenyidae: Lipogenys. Notacanthidae: Notacanthus. Fierasferidae: Fierasfer. Unterordnung: Catosteomi. Gastrosteidae: Gastrosteus. Aulorhynchidae: Aulorhynchus. *Protosyngnathidae: *Protosyngnathus. Aulostomatidae: Aulostoma. Fistulariidae: Fistularia. Centriscidae: Centriscus. Amphisylidae: Amphisyle. Solenostomidae: Solenostoma. Syngnathidae: Syngnathus. Pegasidae: Pegasus. Unterordnung: Percesoces. Scombresocidae: Scombresox. Ammodytidae: Ammodytes. Sphyraenidae: Sphyraena. Atherinidae: Atherina. Mugilidae: Mugil. Polynemidae: Pentanemus. Tetragonuridae: Tetragonurus. Stromateidae: Nomeus. Icosteidae: Icosteus. Ophiocephalidae: Ophiocephalus. Anabantidae: Anabas. Chiasmodontidae: Chiasmodon. Systemat. Übersicht der erloschenen uud der lebenden Familien der Wirbeltiere. XI Unterordnung: Anacanthini. Macruridae: Macrurus. Gadidae: Gadus. Muraenolepididae: Muraenolepis. Unterordnung: Acanthopterygii. Berycidae: *Hoplopteryx. Aphredoderidae: Aphredoderus. Trachichthyidae: Trachichthys. Holocentridae: Holocentrum. Monocentridae: Monocentris. Pempheridae: Pempheris. Centrarchidae: Centrarchus. Cyphosiidae: Cyphosus. Lobotidae: Lobotes. Toxotidae: Toxotes. Nandidae: Nandus. Percidae: Perca. Acropomatidae: Propoma. Serranidae: Serranus. Anomalopidae: Anomalops. Pseudochromididae: Pseudochromis. Cepolidae: Cepola. Hoplognathidae: Hoplognathus. Sillaginidae: Sillago. Sciaenidae: Sciaena. Gerridae: Gerres. Lactariidae: Lactarius. Trichodontidae: Trichodon. Latrididae: Latris. Haplodactylidae: Haplodactylus. Pristipomatidae: Pristipoma. Sparidae: Dentex. Mullidae: Mullus. Scorpididae: Psettus. Caproirfae: Capros. Chaetodontidae: Chaetodon. Drepanidae: Drepane. Acanthuridae: Acanthurus. Amphacanthidae: Teuthis. Osphromenidae: Osphromenus. Embiotocidae: Ditrema. Cichlidae: Cichla. Pomacentridae: Pomacentrus. Labridae: Tautoga. Scaridae: Scarus. Carangidae: Caranx. Rhachicentridae: Rhachicentrum. Scombridae: Scomber. Trichiuridae: Thyrsites. Paralepidae: Plagyodus. *Palaeorhynchidae: *Palaeorhynchus. Xiphiidae: Histiophorus. Luvariidae: Luvarus. Coryphaenidae: Coryphaena. Bramidae: Bramis. Zeidae: Zeus. *Amphistüdae: *Amphistium. Pleuronectidae: Pleuronectes. Kurtidae: Kurtus. Gobiidae: Gobius. Echeneidae: Echeneis. Caracanthidae: Micropus. Scorpaenidae: Scorpaena. Hexagrammidae: Hexagrammus. Comephoridae: Anoplopoma. Rhamphocottidae: Rhamphocottus. Cottidae: Cottus. Cyclopteridae: Cyclopterus. Platycephalidae: Platycephalus. Hoplichthyidae: Hoplichthys. Agonidae: Agonus. Triglidae: Trigla. Dactylopteridae: Dactylopterus. Trachinidae: Trachinus. Percophidae: Percophis. Leptoscopidae: Leptoscopus. Notothenüdae: Notothenia. Uranoscopidae: Uranoscopus. Trichonotidae: Trichonotus. Callionymidae: Callionymus. Gobiesocidae: Sicyases. Blennüdae: Blennius. Batrachidae: Batrachus. Pholididae: Pholis. Zoarcidae: Zoarces. Congrogadidae: Congrogadus. Ophidiidae: Ophidium. Podatelidae: Podateles. Lamprididae: Lampris. Veliferidae: Velifer. Trachypteridae: Trachypterus. Lophotidae: Lophotes. Unterordnung: Opisthomi. Mastacembelidae: Mastacembelus. Unterordnung: Pediculati. Lophiidae: Lophius. Ceratiidae: Ceratias. Antennariidae: Antennarius. Gigantactinidae: Gigantactis. Malthidae: Malthe. Unterordnung: Plectognathi. Triacanthidae: Triacanthus. Triodontidae: Triodon. Balistidae: Balistes. Ostracionidae: Ostracion. Tetrodontidae: Tetrodon. Diodontidae: Diodon. Molidae: Orthagoriscus. XII Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. III. Klasse: Lurche (Amphibia). 1. Unterklasse: Stegocephalia. 1. Ordnung: Rhachitomi. *Archegosauridae: *Archegosaurus. *Trimerorhachidae: Trimerorhachis. *Eryopidae: *Eryops. *Trematopsidae: Trematops. *Dissorophidae: *Cacops. *Aspidosauridae: *Aspidosaurus. *Zatrachyidae: *Zatrachys. *Micropholidae: *Micropholis. *Labyrinthodontidae: *Capitosaurus. *Plagiosauridae: *Plagiosaurus. 2. Ordnung: Embolomeri. *Cricotidae: *Cricotus. 3. Ordnung: Phyllospondyli. : Branchiosauridae: *Branchiosaurus. *Acanthostomatidae: *Acanthostoma. 4. Ordnung: Pseudocentrophori. *Ceraterpetontidae: *Ceraterpeton. *Ptyonidae: *Ptyonius. *Ophiderpetontidae: *Ophiderpeton. *MoIgophidae: *Molgophis. *PhIegethontiidae: *Dolichosoma. 5. Ordnung: Gastrocentrophori. *Microbrachidae: *Microbrachis. *Hylonomidae: *Hylonomus. *Limnerpetontidae: *Limnerpeton. II. Unterklasse: Anura. 1. Ordnung: Aglossa. Xenopodidae: Xenopus. Pipidae: Pipa. 2. Ordnung: Phaneroglossa. 1. Unterordnung: Arcifera. ■ Palaeobatrachidae: *Palaeobatrachus. Bufonidae: Bufo. Discoglossidae: Alytes. Pelobatidae: Pelobates. Cystignathidae: Ceratophrys. Hylidae: Hyla. Amphignathodontidae: Amphignathodon. Hemiphractidae: Ceratohyla. 2. Unterordnung: Firmisternia. Ranidae: Rana. Engystomatidae: Breviceps. III. Unterklasse: Urodela. *Paterosauridae: *Lysorophus. *Hylaeobatrachidae: *Hylaeobatrachus. Amphiumidae: *Andrias. Salamandridae: Molge. Proteidae: Proteus. Sirenidae: Siren. IV. Unterklasse: Gymnophiona ( =Apoda). Coeciliidae: Ichthyophis. IV. Klasse: Kriechtiere (Reptilia). 1. Ordnung: Cotylosauria (Stammgruppe). *Limnoscelidae: *Limnoscelis. *Diadectidae: *Diadectes. *Stephanospondylidae: *Stephanospon- dylus. *Pantylidae: *Pantylus. *Seymouriidae: *Seymouria. *Sauravidae: *Eosauravus. *Gymnarthridae: *Oymnarthrus. *Pariotichidae: *Pariotichus. *Captorhinidae: *Labidosaurus. *EIginüdae: *EIginia. *Pareiasauridae: *Pareiasaurus. *BoIosauridae: *Bolosaurus. 2. Ordnung: Procolophonia. *Procolophonidae: *Procolophon. 3. Ordnung: Pelycosauria. *Sphenacodontidae: *Dimetrodon. *Palaeohatteriidae: *Palaeohatteria. *Poliosauridae: *Varanosaurus. *Ophiacodontidae: *Ophiacodon. *Caseidae: *Casea. *Edaphosauridae: *Edaphosaurus. 4. Ordnung: Deuterosauria. *Deuterosauridae: *Deuterosaurus. 5. Ordnung: Testudinata. 1. Unterordnung: Cryptodira. *Triassochelyidae: *TriassocheIys. Chelydridae: Chelydra. Cinosternidae: Cinosternum. Dermatemydidae: Dermatemys. Platysternidae: Platysternum. Testudinidae: Testudo. Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. XIII 2. Unterordnung: Cheloniidea. *Thalassemydidae: *ThaIassemys. Cheloniidae: Chelonia. Dermochelyidae: Dermochelys. 3. Unterordnung: Pleurodira. *Archaeochelyidae: *Proterochersis. *Plesiochelyidae: *PIesiochelys. *Amphichelyidae: *Pleurosternum. *Miolaniidae: *Miolania. Pelomedusidae: Podocnemis. Chelyidae: Chelys. 4. Unterordnung: Trionychoidea. Carettochelyidae: Carettochelys. Trionychidae: Trionyx. 6. Ordnung: Theriodontia. 1. Unterordnung: Therocephalia. *Cynognathidae: *Cynognathus. 2. Unterordnung: Dromasauria. *Dromasauridae: *Galepus. 3. Unterordnung: Dinocephalia. *Dinocephalidae: *Delphinognathus. 4. Unterordnung: Dicynodontia. *Dicynodontidae: *Dicynodon. 7. Ordnung: Rhynchocephalia. Sphenodontidae: Sphenodon. *Pleurosauridae: *Pleurosaurus. *Rhynchosauridae: *Rhynchosaurus. *Sauranodontidae: *Sauranodon. *Champsosauridae: *Champsosaurus. 8. Ordnung: Protorosauria. *Protorosauridae: *Protorosaurus. 9. Ordnung: Mesosauria. *Mesosauridae: *Mesosaurus. 10. Ordnung: Ichthyosauria. *Ichthyosauridae: *Stenopterygius. 11. Ordnung: Sauropterygia. *Nothosauridae: *Nothosaurus. *Plesiosauridae: *Plesiosaurus. *Elasmosauridae: *Elasmosaurus. Pliosauridae: *PIiosaurus. 12. Ordnung: Placodontia. *Placodontidae: *Placodus. 13. Ordnung: Parasuchia. *Pelycosimiidae: *Erythrosuchus. *Phytosauridae: *Mystriosuchus. 14. Ordnung: Pseudosuchia. *Proterosuchidae: *Proterosuchus. *Ornithosuchidae: *Ornithosuchus. *Aetosauridae: *Aetosaurus. *Scleromochlidae: *ScIeromochIus. 15. Ordnung: Crocodilia. *Teleosauridae: *Teleosaurus. *Geosauridae: *Geosaurus. *Pholidosauridae: *Pholidosaurus. *Atoposauridae: *Alligatorellus. Crocodilidae: Crocodilus. Gavialidae: Gavialis. 16. Ordnung: Rhamphorhyn- choidea. *Rhamphorhynchidae: *Rhamphorhyn- chus. 17. Ordnung: Pterodactyloidea. *Pterodactylidae: *Pterodactylus. *Ornithodesmidae: *Ornithodesmus. *Ornithocheiridae: *Pteranodon. 18. Ordnung: Dinosauria (= Saurischia). 1. Unterordnung: Coelurosauria. *Podokesauridae: *Podokesaurus. *Hallopidae: *Hallopus. *Coeluridae: *Coelurus. *Compsognathidae: *Compsognathus. 2. Unterordnung: Pachypodosauria. *Zanclodontidae: *Thecodontosaurus. *Plateosauridae: *Plateosaurus. 3. Unterordnung: Theropoda. ♦Anchisauridae: *Anchisaurus. *Megalosauridae: *Megalosaurus. ♦Spinosauridae: *Spinosaurus. 4. Unterordnung: Sauropoda. *Diplodocidae: *Diplodocus. *Atlantosauridae: *Brontosaurus. ♦Cetiosauridae: *Haplocanthosaurus. 19. Ordnung: Ornithischia (= Orthopoda). *Kalodontidae: *Iguanodon. *Trachodontidae: *Trachodon. *Stegosauridae: *Stegosaurus. *Acanthopholidae: *PoIacanthus. *Ceratopsidae: *Triceratops. 20. Ordnung: Araeoscelidia. *Araeoscelidae: *Araeoscelis. 21. Ordnung: Lepidosauria. 1. Unterordnung: Lacertilia. Geckonidae: Phyllodactylus. Eublepharidae: Holodactylus. Uroplatidae: Uroplates. Pygopodidae: Pygopus. Agamidae: Agama. Iguanidae: Iguana. Zonuridae: Zonurus. XIV Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. Anguidae: Anguis. Helodermatidae: Heloderma. Varanidae: Varanus. Teiidae: Tupinambis. Amphisbaenidae: Amphisbaena. Lacertidae: Lacerta. Gerrhosauridae: Gerrhosaurus. Scincidae: Scincus. 2. Unterordnung: Thalattosauria. *Thalattosauridae: Thalattosaurus. 3. Unterordnung: Dolichosauria. *Dolichosauridae: *Adriosaurus. 4. Unterordnung: Mosasauria ( = Pythonomorpha). *Mosasauridae: *Mosasaurus. 5. Unterordnung: Rhiptoglossa. Chamaeleonidae: Chamaeleo. 6. Unterordnung: Ophidia. *PaIaeophidae: *Palaeophis. *Archaeophidae: *Archaeophis. Typhlopidae: Typhlops. Glauconiidae: Glauconia. Boidae: Boa. Pythonidae: Python. Ilysiidae: Ilysia. Uropeltidae: Uropeltis. Colubridae: Tropidonotus. Amblycephalidae: Amblycephalus. Viperidae: Vipera. V. Klasse: Vögel (Aves). I. Unterklasse: Saururae. Ordnung: Archaeornithes. *Archaeopterygidae: *Archaeopteryx. II. Unterklasse: Ornithurae. 1. Ordnung: Odontolcae. *Hesperornithidae: *Hesperornis. 2. Ordnung: Odontormae. *Ichthyornithidae: *Ichthyornis. 3. Ordnung: Struthiones. Struthionidae: Struthio. 4. Ordnung: Aepyornithes. *Aepyornithidae: *Aepyornis. 5. Ordnung: Rheae. Rheidae: Rhea. 6. Ordnung: Dinornithes. Dinornithidae: *Dinornis. 7. Ordnung: Casuarii. Casuariidae: Casuarius. 8. Ordnung: Apteryges. Apterygidae: Apteryx. 9. Ordnung: Tinamif ormes. Tinamidae: Crypturus. 10. Ordnung: Spheniscifor mes. Spheniscidae: Aptenodytes. 11. Ordnung: Colymbiformes. Podicipidae: Podiceps. Colymbidae: Colymbus. 12. Ordnung: Procellariiformes. Procellariidae: Diomedea. 13. Ordnung: Ciconiifor mes. 1. Unterordnung: Steganopodes. Phaetontidae: Phaeton. Sulidae: Sula. Phalacrocoracidae: Phalacrocorax. Fregatidae: Fregata. Pelecanidae: Pelecanus. 2. Unterordnung: Ardeae. Ardeidae: Herodias. Scopidae: Scopus. 3. Unterordnung: Ciconiae. Ciconüdae: Ciconia. Ibidae: Ibis. 4. Unterordnung: Phoenicopteri. Phoenicopteridae: Phoenicopterus. *Odontopterygidae: *Odontopteryx. 14. Ordnung: Anseriformes. 1. Unterordnung: Gastornithidea. *Gastornithidae: *Gastornie. 2. Unterordnung: Palamedeae. Palamedeidae: Palamedea. 3. Unterordnung: Anseres. Anseridae: Anser. 15. Ordnung: Falconiformes. 1. Unterordnung: Cathartae. Cathartidae: Sarcorhamphus. 2. Unterordnung: Accipitres. Serpentarüdae: Serpentarius. Vulturidae: Vultur. Falconidae: Aquila. Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. XV 16. Ordnung: Opisthocomi. Opisthocomidae: Opisthocomus. 17. Ordnung: Gallif ormes. Mesoenidae: Mesoenas. Turnicidae: Turnix. Megapodiidae: Megapodius. Cracidae: Ortalis. Gallidae: Gallus. *Palaeortycidae: *Palaeortyx. *Gallinuloididae: *Gallinuloides. 18. Ordnung: Gruiformes. Rallidae: Gallinula. Gruidae: Grus. Dicholophidae: Cariama. *Phororacidae: *Phororacos. Otididae: Otis. Rhinochetidae: Rhinochetus. Eurypygidae: Eurypyga. Heliornithidae: Heliornis. 19. Ordnung: Charadriif ormes. 1. Unterordnung: Limicolae. Charadriidae: Charadrius. Chionididae: Chionis. Glareolidae: Glareola. Thinocorythidae: Thinocorys. Oedicnemidae: Oedichemus. Parridae: Phyllopezus. 2. Unterordnung: Lari. Laridae: Larus. Alcidae: Uria. 3. Unterordnung: Pterocles. Pteroclidae: Pteroclis. 4. Unterordnung: Columbae. Columbidae: Columba. *Dididae: *Didus. 20. Ordnung: Cuculiformes. 1. Unterordnung: Cuculi. Cuculidae: Cuculus. Musophagidae: Turacus. 2. Unterordnung: Psi'ttaci. Trichoglossidae: Nestor. Psittacidae: Ära. 21,. Ordnung: Coraciif ormes. 1. Unterordnung: Coraciae. Coraciidae: Coracias. Momotidae: Momotus. Alcedinidae: Alcedo. Upupidae: Upupa. 2. Unterordnung: Striges. Strigidae: Bubo. 3. Unterordnung: Caprimulgi. Steatornithidae: Steatornis. Podargidae: Podargus. Caprimulgidae: Caprimulgus. 4. Unterordnung: Cypseli. Cypselidae: Cypselus. Trochilidae: Trochilus. 5. Unterordnung: Colii. Coliidae: Colius. 6. Unterordnung: Trogones. Trogonidae: Trogon. 7. Unterordnung: Pici. *Archaeotrogonidae: *Archaeotrogon. Galbulidae: Galbula. Capitonidae: Indicator. Rhamphastidae: Rhamphastos. Picidae: Picus. 22. Ordnung: Passerif ormes. 1. Unterordnung: Anisomyodi. Eurylaemidae: Eurylaemus. Pittidae: Pitta. Philepittidae: Philepitta. Xenicidae: Acanthidositta. Phytotomidae: Phytotoma. Cotingidae: Cotinga. Pipridae: Pipra. Tyrannidae: Tyrannus. Oxyruncidae: Oxyruncus. Dendrocolaptidae: Phacelodomus. Formicariidae: Pyriglena. Pteroptochidae: Hylactes. 2. Unterordnung: Diacromyodi. Menuridae: Menura. Atrichor nithidae: Atrichornis. Hirundinidae: Hirundo. Musicapidae: Musicapa. Prunellidae: Prunella. Troglodytidae: Troglodytes. Pycnonotidae: Pycnonotus. Campephagidae: Pericrocotus. Ampelidae: Bombycilla. Vireonidae: Vireosylva. Prionopidae: Prionops. Laniidae: Lanius. Corvidae: Corvus. Paradiseidae: Paradisea. Dicruridae: Dicrurus. Oriolidae: Oriolus. Sturnidae: Sturnus. Artamidae: Artamus. Icteridae: Icterus. Coerebidae: Coereba. XVI Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. Tangaridae: Tangara. Fringillidae: Passer. Ploceidae: Ploceus. Mniotiltidae: Dendroica. Meliphagidae: Acanthogenys. Nectariniidae: Nectarinia. Drepanididae: Hemignathus. Zosteropidae: Zosterops. Dicaeidae: Dicaeum. Paridae: Parus. . Sittidae: Sitta. Certhiidae: Certhia. Motacillidae: Motacilla. Alaudidae: Alauda. VI. Klasse: Säugetiere (Mammalia). I. Unterklasse: Monotremata. Ornithorhynchidae: Ornithorhynchus. Echidnidae: Echidna. II. Unterklasse: Marsupialia. 1. Ordnung: Allotheria. *Tritylodontidae: Tritylodon. *Plagiaulacidae: *PIagiaulax. *Polymastodontidae: *Polymastodon. *Polydolopidae: *Polydolops. 2. Ordnung: Diprotodontia. Caenolestidae: Caenolestes. Phalangeridae: Phalanger. Phascolomyidae: Phascolomys. 3. Ordnung: Polyprotodontia. *Dromatheriidae: *Dromatherium. *Triconodontidae: *Triconodon. Dasyuridae: Thylacinus. Didelphyidae: Didelphys. Myrmecobiidae: Myrmecobius. *Caroloameghiniidae : *Caroloameghinia. III. Unterklasse: Placentalia. 1. Ordnung: Pantotheria. *Amphitheriidae: *Amphitherium. *Amblotheriidae: *Amblotherium. *Dicrocynodontidae: *Dicrocynodon. 2. Ordnung: Insectivora. 1. Unterordnung: Dilambdodonta. *Leptictididae: *Leptictis. Talpidae: Talpa. Soricidae: Sorex. Erinaceidae: Erinaceus. Macroscelididae: Macroscelides. Tupaiidae: Tupaia. Galeopithecidae: Galeopithecus. *Adapisoricidae: *Adapisorex. *Mixodectidae: *Mixodectes. *Pantolestidae: *Pantolestes. *Tillotheriidae: *Tillotherium. 2. Unterordnung: Zalambdodonta. Chrysochloridae: Chrysochloris. Centetidae: Centetes. 3. Ordnung: Chiroptera. 1. Unterordnung: Microchiroptera. Rhinopomidae: Rhinopoma. Emballonuridae: Saccopteryx. Noctilionidae: Cheiromeles. Phyllostomidae: Vampirus. Rhinolophidae: Rhinolophus. Vespertilionidae: Vespertilio. 2. Unterordnung: Megachiroptera. Pteropodidae: Pteropus. 4. Ordnung: Carnivora. 1. Unterordnung: Acreodi. *Oxyclaenidae: *Deltatherium. *Mesonychidae: *Mesonyx. *Triisodontidae: "Triisodon. 2. Unterordnung: Pseudocreodi. *Hyaenodontidae: *Hyaenodon. *Oxyaenidae: *Oxyaena. 3. Unterordnung: Eucreodi. *Arctocyonidae: *Arctocyon. *Miacidae: *Miacis. Viverridae: Viverra. Hyaenidae: Hyaena. Felidae: Felis. Mustelidae: Mustela. Ursidae: Ursus. Procyonidae: Procyon. Canidae: Canis. 5. Ordnung: Pinnipedia. Phocidae: Phoca. Otariidae: Otaria. Trichechidae: Trichechus. 6. Ordnung: Cetacea. 1. (Stammgruppe): Archaeoceti. *Zeuglodontidae: *Zeuglodon. *Microzeuglodontidae: *Microzeuglodon. *Agorophiidae: *Agorophius. *Patriocetidae: *Patriocetus. Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. XVI 1 2. Unterordnung: Mystacoceti. Balaenopteridae: Balaenoptera. Balaenidae: Balaena. Rhachianectidae: Rhachianectes. 3. Unterordnung: Squaloceti. *Squalodontidae: *Squalodon. Physeteridae: Physeter. Acrodelphidae: Platanista. *Eurhinodelphidae: *Eurhinodelphis. Ziphiidae: Ziphius. 4. Unterordnung: Delphinoceti. Phocaenidae: Phocaena. Delphinidae: Delphinus. • 7. Ordnung: Xenarthra. 1. Unterordnung: Taeniodonta. *Stylinodontidae: *Psittacotherium. 2. Unterordnung: Anicanodonta. *Gravigradidae: *Megatherium. Myrmecophagidae: Myrmecophaga. Bradypodidae: Bradypus. 3. Unterordnung: Hicanodonta. Dasypodidae: Dasypus. 8. Ordnung: Tubulidentata. Orycteropodidae: Orycteropus. 9. Ordnung: Pholidota. Manidae: Manis. 10. Ordnung: Rodentia. 1. Unterordnung: Simplicidentata. 1. Sektion: Aplodontoidea. Haplodontidae: Haplodon. 2. Sektion: Sciuromorpha. Castoridae: Castor. Sciuridae: Sciurus. Anomaluridae: Anomalurus. 3. Sektion: Myomorpha. Jaculidae: Jaculus. Heteromyidae: Dipodomys. Geomyidae: Geomys-. Spalacidae: Spalax. Bathyergidae: Bathyergus. Muridae: Mus. Myoxidae: Myoxus. 4. Sektion: Hystricomorpha. Viscaciidae: Chinchilla. Caviidae: Cavia. Agutidae: Dasyprocta. Abel, Stämme der Wirbeltiere. Dinomyidae: Dinomys. Octodontidae: Octodon. Coendidae: Erethizon. Hystricidae: Hystrix. Ctenodactylidae: Ctenodactylus. Pedetidae: Pedetes. 2. Unterordnung: Duplicidentata. Ochotontidae: Ochotona. Leporidae: Lepus. Überordnung: Ungulata. (11. — 22. Ordnung der Säugetiere.) 11. Ordnung (Stammgruppe der Ungulaten): Protungulata. *Mioclaenidae: *Mioclaenus. *Periptychidae: *Periptychus. *Pantolambdidae: *Pantolambda. Phenacodontidae: *Phenacodus. *Meniscotheriidae: *Meniscotherium. *Bunolitopternidae: *Didolodus. 12. Ordnung: Artiodactyla. 1. Unterordnung: Hypoconifera. *Dichobunidae: *Dichobune. *Elotheriidae: *Elotherium. 2. Unterordnung: Caenotheria. *Caenotheriidae: *Caenotherium. 3. Unterordnung: Euartiodactyla. Suidae: Sus. Hippopotamidae: Hippopotamus. *Anthracotheriidae: *Anthracotherium. *Anoplotheriidae: *Anoplotherium. *Oreodontidae: *Oreodon. *Xiphodontidae: *Xiphodon. Camelidae: Camelus. Tragulidae: Tragulus. *Hypertragulidae: *Blastomeryx. Cervidae: Cervus. Giraffidae: Camelopardalis. Antilocapridae: Antilocapra. Cavicornia: Bos. 13. Ordnung: Amblypoda. *Coryphodontidae: *Coryphodon. *Uintatheriidae: *Uintatherium. 14. Ordnung: Hyracoidea. Hyracidae: Hyrax. *Saghatheriidae: *Saghatherium. 15. Ordnung: Embrithopoda. *Arsinoitheräidae: *Arsinoitherium. b XVIII Systemat. Übersicht der erloschenen und der lebenden Familien der Wirbeltiere. 16. Ordnung: Proboscidea. *Moeritheriidae: *Moeritherium. *Barytheriidae: *Barytherium. *Dinotheriidae: *Dinotherium. *PaIaeomastodontidae: *Palaeomastodon. Elephantidae: Elephas. *Desmostylldae: *Desmostylus. 17. Ordnung: Sirenia. Halicoridae: Halicore. Manatidae: Manatus. 18. Ordnung: Pyrotheria. *Pyrotheriidae: *Pyrotherium. 19. Ordnung: Notoungulata. 1. Unterordnung: Typotheria. *Notopithecidae: *Notopithecus. *Interatheriidae: * Interatherium. *Hegetotheriidae: * Hegetot heri tun. *Typotheriidae: *Typotherium. 2. Unterordnung: Toxodontia. *AcoeIodidae: *Acoelodus. *Notohippidae: *Notohippus. *Nesodontidae: *Nesodon. *Toxodontidae: *Toxodon. 3. Unterordnung: Entelonychia. *Notostylopidae: *Notostylops. *Isotemnidae: *Isotemnus. *Leontiniidae: *Leontinia. *Homalodontotheriidae: *Homalodonto- therium. 4. Unterordnung: Astrapotherioidea. *Trigonostylopidae: *Trigonostylops. *Albertogaudryiidae: *Albertogaudrya. *Astrapotheriidae: *Astrapotherium. 20. Ordnung: Litopterna. *Macrauchenüdae: *Macrauchenia. *Proterotheriidae: *Proterotherium. ! Adiantidae: *Adiantus. 21. Ordnung: Perissodactyla. Tapiridae: Tapirus. Rhinocerotidae: Rhinoceros. Equidae: Equus. *Titanotheriidae: *Titanotherium. 22. Ordnung: Ancylopoda. *Chalicotheriidae: *Chalicothei ium. 23. Ordnung: Primates. 1. Unterordnung: Lemuroidea ( = Prosimiae). *Notharctidae: *Pelycodus. *Plesiadapidae: *Plesiadapis. *Anaptomorphidae: *Anaptomotphus. *Necrolemuridae: *Necrolemur. *Adapidae: *Adapis. Lemuridae: Lemur. *Archaeolemuridae: *Archaeolemur. t'hiromyidae: Chiromys. Tarsiidae: Tarsius. 2. Unterordnung: Anthropoidea (= Simiae). 1. Sektion: Platyrrhini. Hapalidae: Hapale. Cebidae: *Homunculus. Callithrichidae: Callithrix. 2. Sektion: Katarrhini. Cynopithecidae: Cynopithecidae. *Parapithecidae: *Parapithecus. *Oreopithecidae: *Oreopithecus, Simüdae: *Dryopithecus. Hominidae: Homo. Einleitung. Schon die ersten Versuche, die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen kleineren und größeren Gruppen des Tierreiches zu einem anschaulichen Bilde zu gestalten, haben zu Vergleichen der Geschichte der Tierwelt mit dem Wachstum eines reichverzweigten Baumes geführt. Dieser Vergleich war um so mehr geeignet, die geschichtlichen Ereignisse im Laufe der Entwicklung der Tierwelt dem allgemeinen Verständnisse näher zu rücken, als die „Stammbäume" der Herrscherhäuser und Adelsgeschlechter eine gewohnte Vorstellung waren. So ist man denn auch immer wieder zu diesem Bilde zurück- gekehrt, wenn auch verschiedene Einzelheiten bei dem Vergleiche nicht gut stimmen wollten; die Vorstellung eines „Stammrasens" oder „Stammschachtelhalms" usw. konnte den doch in den meisten Punkten treffenden Vergleich der Geschichte des Lebens mit dem Wachstum eines Baumes nicht ersetzen. Bei diesem Bilde bleibend, konnte man den Vergleich auf die lebenden und abgestorbenen, ge- sunden und absterbenden Äste und Zweige ausdehnen und hat auch in graphischen Darstellungen phylogenetischer Beziehungen diese Par- allele fast ausnahmslos zur Regel genommen. Wird die Geschichte der Tierwelt dem Wachstum eines reich- verzweigten Baumes mit zahllosen dürren und vielen noch grünenden Ästen verglichen, so läßt sich auch das System der Tierwelt, soweit es nur die heute lebenden Formen umfaßt, einem horizontalen Quer- schnitt durch den Wipfel des Stammbaumes vergleichen. Dieser „Wipfel querschnitt" kann naturgemäß nur einen kleinen Teil aller Zweige und Äste des großen Lebensbaumes umfassen; das Querschnitts- bild wird sich bedeutend verändern, wenn wir den Schnitt durch die Baumkrone um ein Stück tiefer legen, das heißt wenn wir z. B. nicht die lebende, sondern etwa die tertiäre Tierwelt zu einem „System" zu gruppieren versuchen. Die durch tiefer gelegene Teile der Stamm- baumkrone gezogenen Querschnitte werden nicht nur dadurch vom Abel, Stämme der Wirbeltiere. ' 2 Einleitung. Wipfelquerschnitt verschieden sein, daß die verschiedenen Astschnitte näher zusammengerückt erscheinen, sondern es werden sich auch Quer- schnitte von vielen dürren Ästen zeigen, welche sich nicht bis zum Wipfel erstrecken und die den in früheren Zeiten erloschenen Zweigen des Tierstammes entsprechen. Dieses Bild, das wir zu einer Veranschaulichung der Vorgänge im Laufe der Stammesgeschichte heranzuziehen pflegen, muß uns deutlich zum Bewußtsein bringen, daß es nur sehr schwer möglich ist, Phylo- genie und Systematik zu einer „systematischen t Phylogenie" oder ,, phylogenetischen Systematik" zu verknüpfen. Wiederholt ist der Versuch unternommen worden, zwischen Syste- matik und Phylogenie ein Kompromiß zustande zu bringen, in der Hoffnung darauf, daß dadurch in die Geschichte der Tierstämme Ord- nung und Übersicht gebracht werden könnte. Das „System" des Tier- reiches ist jedoch ein künstliches Gebilde, das ursprünglich als ein Ausdruck der Beziehungen zwischen den Astquerschnitten des Stamm- baumes geschaffen wurde. In der Tat können wir den Vergleich so weit treiben, daß wir die Querschnitte der kleinsten Zweige als „Arten", die Schnitte der sich zu Büscheln gruppierenden Artenzweige als „Gattungen" usw. ansehen. Aber diese Methode der systematischen Begriffsbildung, die zur Aufstellung eines „Systems" des lebenden Tier- reiches geführt hat, ist eben auf den Beziehungen aufgebaut, wie sie heute zwischen den Arten, Gattungen, Familien und Ordnungen be- stehen. , Die ersten Funde fossiler Wirbeltiere führten zunächst zur Auf- stellung neuer Arten, neuer Gattungen oder auch neuer Familien und Ordnungen. Solange ihre Zahl noch klein war, konnten sie im System der lebenden Tierwelt ohne Aufsehen untergebracht und eingeschoben, werden und ohne daß die Fehlerhaftigkeit dieses Vorganges den Systematikern recht zum Bewußtsein gekommen wäre. Als sich jedoch die Funde mehrten, sah man sich der Alternative gegenüber, entweder für eine jede neue „Gattung" oder eine andere systematische „Größe", die nicht recht in den gegebenen Rahmen passen wollte, eine neue „Kiste" zu zimmern, um einen Ausdruck Darwins zu gebrauchen, oder einem schon vorhandenen Begriff, z. B. einem Familienbegriff, durch „Erweiterung der Diagnose" einen anderen Inhalt zu geben. Beide Wege sind im Laufe der Entwicklung und des Ausbaues der Paläozoologie zu einer umfangreichen Wissenschaft betreten worden. Der erste Weg schien der bequemste zu sein und wurde und wird noch heute von vielen Autoren bevorzugt. Er hat dann eine Berechtigung, wenn über die verwandtschaftlichen Beziehungen einer neu entdeckten Form ernste Zweifel bestehen; wenn dagegen die Verwandtschafts- verhältnisse der neuen Form klar zutage liegen, ist eine derartige Einleitung. 3 Neuaufstellung von systematischen Kategorien als durchaus unstatthaft zu verwerfen. Sie schafft unnötigen Ballast und ist nur geeignet, die bereits ermittelten genetischen Beziehungen zwischen einzelnen Gruppen wieder zu verdunkeln. Solange wir nur die verschiedenen Gattungen der Cephalaspiden, einer erloschenen Familie panzertragender paläozoischer Fische, kannten, war die Aufstellung der neuen Familie der Ateleaspidae für den ober- silurischen Ateleaspis berechtigt, ja sogar notwendig, da wir über die genetischen Beziehungen zwischen Ateleaspis und den Cephalaspiden nur Vermutungen äußern konnten. Nun sind aber vor einigen Jahren im Obersilur Norwegens zwei Gattungen entdeckt worden, Aceraspis und Micraspis, welche nach den Untersuchungen J. Kiaers zweifellos als Zwischenformen anzusehen sind, die sich zwischen die Ateleaspiden und die Cephalaspiden einschieben. J. Kiaer hat für die Gattung Aceraspis die neue Familie der Aceraspidae errichtet, aber die Über- gangsstellung derselben ausdrücklich betont. In diesem Falle scheint es jedoch ebenso wie in allen analogen Fällen das einzig Richtige zu sein, nicht nur von der Neugründung einer Familie abzusehen, sondern auch eine der beiden anderen Familien einzuziehen und alle Gattungen, die sich als Angehörige einer genetisch geschlossenen Gruppe erwiesen haben, in einer einzigen Familie zu vereinigen, in diesem Falle in der Familie der Cephalaspiden. Freilich muß die Diagnose dieser Familie entsprechend verändert und erweitert werden. Wir gelangen aber durch eine entsprechende Fassung der Familiendiagnose zu dem Ergebnisse, daß die „Familie" zu einem phylogenetischen Begriff wird. Wenn wir in diesem Sinne die Diagnose einer Familie derart formulieren, daß wir selbst weit verschiedene Anfangs- und Endglieder in ihr unterbringen können, wenn sie nur durch entsprechende Zwischen- formen miteinander verknüpft erscheinen, so werden wir freilich dem . Systematiker alten Schlages manchen Kummer bereiten, weil die „Bestimmung" einer Form dadurch bis zu einem gewissen Grade er- schwert wird. Die Schwierigkeiten einer solchen Bestimmung werden aber noch dadurch gesteigert, daß sich überall dort, wo zahlreiche Gattungen aus den ersten Anfängen nahe verwandter Familien bekannt sind, die Gegensätze zwischen diesen „Wurzelgattungen" verwischen und die Anfangsgattungen solcher Familien einander viel näher stehen als die Anfangs- und Endglieder innerhalb der einzelnen divergierenden Familien. So unterscheiden sich die Wurzelgattungen der Ungulaten- ordnungen der Perissodactyla, der Artiodactyla, der Ancylopoda, der Amblypoda und der Litopterna sehr wenig voneinander, während die Endglieder dieser Stämme als hochspezialisierte Typen sehr bedeutende Unterschiede aufweisen. Neben diesen Wurzelgattungen der einzelnen genannten Ordnungen stehen aber auch noch andere Formen, deren 1* 4 Einleitung. genetische Beziehungen zu jüngeren Formenreihen, einstweilen wenigstens, noch unaufgeklärt sind. Dies sind z. B. die Formen, die in den Familien der Periptychiden und Pleuraspidotheriiden eingereiht worden sind und die sich von den Wurzelgattungen der fünf früher genannten Ungulaten- ordnungen nur wenig unterscheiden. Wir müssen uns also in diesem Falle wohl oder übel dadurch zu helfen versuchen, daß wir für alle diese Ahnenformen der fünf genannten Huftierordnungen wie auch für die Periptychiden und Pleuraspidotheriiden den Begriff einer ,, Stamm- gruppe" schaffen und in dieser alle Gattungen vereinigen, ohne Rück- sicht darauf, ob sie als Ahnengattungen jüngerer Familien nach- gewiesen worden sind oder nicht. So sind wir zu der Aufstellung der ,,Stammgruppe" der Condylarthra gelangt. Freilich liegt hier ein be- wußtes Durchreißen sichergestellter phylogenetischer Verbände vor, aber dieser Vorgang ist wohl kaum zu umgehen. In diesem wie in allen analogen Fällen muß aber, wie ich schon in meinen ,, Vorzeit- lichen Säugetieren" (Jena, bei G. Fischer, 1914, S. 27 — 34) dargelegt habe, durch die ausdrückliche Bezeichnung einer solchen Gruppe als ,, Stammgruppe" (z. B. Stammfamilie, Stammordnung u. dgl.) deut- lich zum Ausdruck gebracht werden, daß hier eine Begriffsbildung vor- liegt, die mit den sonstigen Begriffen einer Familie, Ordnung usw. nichts zu tun hat und mit diesen nicht auf eine gleiche systematische Stufe gestellt werden darf. Mit Ausnahme dieser notgedrungenen künstlichen Durchreißung phylogenetischer Verbände ist aber jeder Versuch, einzelne Ab- schnitte eines einheitlichen Astes des Stammbaumes durch Aufstellung gesonderter „Familien" zu zerschneiden, unbedingt zu verurteilen und muß energisch bekämpft werden. Wenn es auch kaum möglich ist, in einem „System" die phylogenetischen Beziehungen mit aller Klar- heit zum Ausdrucke zu bringen, so müssen wir doch alles zu ver- meiden suchen, was unnötigerweise zu einer Verschleierung von sicher- gestellten genetischen Verbänden beitragen könnte. Aus denselben Gründen ist auch das Festhalten an den noch immer da und dort vertretenen Anschauungen über ,,polyphyletische" Gruppen auf das Schärfste zu verurteilen. Das „System" des Tier- reiches ist ja nichts Starres und Unabänderliches, sondern nur der je- weilige Ausdruck unserer Kenntnisse von den Verwandtschaftsverhält- nissen der kleineren und größeren Gruppen des Tierreiches oder soll sich doch wenigstens diesem Ideale nähern. Nun kann es aber keinem Zweifel unterliegen, daß wir in sehr vielen Fällen eine nahe Verwandt- schaft von Formen annehmen, die in der Tat nicht besteht. Man hat in früherer Zeit sehr viele systematische Gruppen unterschieden, die sich beim Fortschritte unserer Kenntnisse als durchaus unnatürliche Vereinigungen von heterogenen Formen erwiesen haben. Man hat Einleitung. 5 sich daher gezwungen gesehen, derartige Begriffe, wie die „Cetomorphen" für die Wale und Sirenen, die ,,Ratiten" für die flugunfähigen Vögel, die „Aptera" für die flügellosen Insekten oder die ,,Parasita" für die parasitischen Insekten, ebenso wie noch viele andere derartige Begriffe aus dem System auszuscheiden. Unser System steckt aber noch immer voll von derartigen unnatürlichen Verbänden und in jedem Jahre wird irgendein derartiger Fall nachgewiesen. Wenn dies eintritt, dann gibt es nur eine einzige Möglichkeit, nämlich einen solchen Begriff unbe- denklich über Bord zu werfen. Weil sich aber viele Systematiker von den ihnen vertraut gewordenen Vorstellungen und Namen nicht trennen wollen, so ist man auf den Ausweg verfallen, von einer „polyphyle- tischen Entstehung" derartiger Gruppen zu sprechen. Wenn der Nachweis dafür erbracht ist, daß eine bisher für monophyletisch ge- haltene systematische Gruppe Formen mit gänzlich abweichender Vor- geschichte umfaßt, so muß sie auch systematisch in so viele Gruppen zerlegt werden, als verschiedene Stammeslinien vorliegen. Die Vor- stellung von einer ,,polyphyletischen" Entstehung systematischer Gruppen ist eine widersinnige und muß aus unserem Vorstellungskreise endgültig verschwinden. Wenn wir derart zu dem Begriffe einer Familie als einer phylo- genetischen Einheit gelangen, so ist doch zu berücksichtigen, daß die verschiedenen Angehörigen einer solchen sehr häufig keine geschlossene Ahnenkette darstellen, sondern daß von einem Hauptstamm im Laufe der Stammesgeschichte mehr oder weniger seitliche Ausstrahlungen stattgefunden haben. Diese Seitenzweige kann man am besten als ,, Unterfamilien" bezeichnen, wenn sie nur eine untergeordnete Be- deutung besitzen und sich nur durch geringfügige morphologische Ab- weichungen von dem Hauptstamm unterscheiden. Mit dieser rein phylogenetischen Auffassung und Abgren- zung des Begriffes einer „Familie" sind wir aber noch nicht im- stande, die verwandtschaftlichen Beziehungen aller Äste des Stamm- baumes klar zum Ausdrucke zu bringen. Wenn wir beim Bilde eines reichverzweigten Baumes bleiben und die Familien mit den Ästen des- selben vergleichen, so müssen wir uns vor Augen halten, daß manche Äste einander näherstehen als andere Gruppen von Ästen oder Familien. Wir sind daher genötigt, diese Gruppen unter einem weiteren Begriffe zu summieren und gewisse, einander näherstehende Familien unter dem Begriffe einer „Ordnung" zusammenzufassen. Zwischen die Kategorien der Familien und Ordnungen werden zuweilen noch die Begriffe der Unterordnungen und Überfamilien eingeschaltet, ebenso wie in einigen Fällen auch die Kategorie der Überordnung (z. B. Ungulata als Sammelbegriff für die verschiedenen Ordnungen der Huftiere) unter- schieden wird. Daß alle Begriffe, die höher stehen als die „Familie", 6 Einleitung. phylogenetische Vorstellungen sind, liegt auf der Hand. Anders steht die Frage nach dem Begriffe der „Gattung", der von den Systematikern der rezenten Tierwelt meist in deskriptivem, von den Paläontologen aber vorwiegend in phylogenetischem Sinne gebraucht wird. In der Zeit der ersten Anfänge der wissenschaftlichen Systematik suchte man unter der Vorstellung eines „Genus" die nächstverwandten Arten zusammenzufassen. Daß der künstlich geschaffene Begriff einer „Gattung" ein engeres Verwandtschaftsverhältnis bezeichnen sollte und also nach unseren heutigen Ansichten eigentlich als ein phylo- genetischer Begriff zu gelten hätte, geht schon aus der Definition Linnes hervor: „Genera tot dicimus, quot similes constructae fructi- ficationes proferunt diversae species naturales." Der Ausbau der Systematik der lebenden Organismen hat den Begriff der Gattung zwar beibehalten, aber der Inhalt desselben hat im Laufe der Zeit manche Wandlung erfahren. Im ganzen und großen hält man in den Kreisen der Systematiker, die sich die Klassifizierung der lebenden Organismen zum Ziele gesetzt haben, an der Vorstellung fest, daß die Gattungsgrenze eine Anzahl von Arten umfaßt, die in „einigen wichtigeren" morphologischen Merkmalen übereinstimmen. Mehr und mehr ist der Gattungsbegriff auf diesem Gebiete zu einem deskriptiv- systematischen geworden. Die Paläontologie hat von den Systematikern der lebenden Orga- nismenwelt den Begriff des Genus ebenso wie den der Spezies zuerst unbedenklich übernommen. Der Gattungsbegriff ist von den Paläonto- logen lange Zeit hindurch in rein deskriptivem Sinne gebraucht worden und wird von den Systematikern der fossilen niederen Tiere, nament- lich bei Mollusken usw. noch immer in diesem Sinne verwendet. Dagegen ist die mehr und mehr phylogenetischen Zielen zustrebende paläonto- logische Forschung auf dem Gebiete der Wirbeltiere schon frühzeitig vor die Aufgabe gestellt worden, gewisse Entwicklungsabschnitte einer Formenreihe durch bestimmte Begriffe zu umgrenzen. So ist man bald dazu gelangt, den Gattungsbegriff seines deskriptiven Charakters zu entkleiden und zu einem phylogenetischen umzugestalten. Vielfach bezeichnet man als „Gattung" in der Paläontologie ein bestimmtes, durch eine oder mehrere charakteristische Spezialisationen gekennzeichnetes Entwicklungsstadium einer Formenreihe, das entweder nur eine oder mehrere Arten umfaßt und das nach unten und nach oben an ein nächst tieferes und an ein nächst höheres Entwicklungsstadium anschließt. Die Ab- grenzung der Gattungen, wie sie bei der systematischen Analyse der Equiden, Physeteriden, Ziphiiden, Halicoriden, Rhinocerotiden usw. durchgeführt worden ist, mag als ein Beispiel für diesen Grundsatz bei der Trennung fossiler Gattungen dienen. Einleitung. 7 Diese mehr und mehr rein phylogenetisch gewordene Auffassung von der Gattung als einem bestimmten Entwicklungsabschnitt einer Familie hat dazu geführt, daß die Grenzen dieser phylogenetisch- systematischen Kategorien verhältnismäßig viel enger gezogen werden, als dies in der Systematik der lebenden Organismen der Fall ist, wo noch immer die deskriptive Fassung und Abgrenzung der Gattung vorherrscht. Aus diesem Grunde ist der Gegensatz zwischen dem Begriffe einer lebenden Gattung und einer fossilen Gattung in den meisten Fällen sehr scharf. Es läßt sich, wenn wir zu dem Bilde eines Stammbaumes zurückkehren, die Vorstellung von dem Umfange und Inhalte einer fossilen Gattung einem durch zwei Querschnitte be- grenzten Aststücke, die von einer lebenden Gattung mehreren benachbarten Zweigdurchschnitten vergleichen. Selbstverständ- lich sind die Grenzen zwischen zwei fossilen Gattungen, die nach diesem Prinzipe unterschieden werden, rein willkürliche und nur dort scharf, wo vermittelnde Übergangsformen fehlen. Wo der Übergang durch Zwischenformen geschlossen ist, bestehen keine scharfen Grenzen und können auch nicht bestehen; derartige scharfe Grenzen liegen nur bei jenen Gattungen vor, deren Arten zwar nebeneinander liegenden Zweig.querschnitten, aber nicht aneinander schließenden Aststücken entsprechen. Durch diese wesentlich andere Auffassung von den Gattungsgrenzen der fossilen Formen ist auch eine Gewohnheit bedingt, die den Paläonto- logen vielfach zum Vorwurfe gemacht worden ist, nämlich die relativ enge Fassung des Gattungsbegriffes im Vergleiche zu der in der Regel viel weiteren Umgrenzung der rezenten Gattungen. Es kann nicht oft genug betont werden, daß in beiden Fällen die Abgrenzung einer Gattung reine Ansichtssache ist. Gleichwohl kann diese verschieden weite Fassung des Gattungsbegriffes unter Umständen manche Ver- wirrung anrichten. Wenn der Paläozoologe mehrere parallele Entwick- lungsreihen ermittelt hat, deren einzelne Glieder er selbstverständlich mit eigenen Namen belegt, um schon auf diese Weise ihre phylo- genetische Selbständigkeit zum Ausdrucke zu bringen, und wenn er mehrere dieser Reihen bis zu lebenden Gattungen zu verfolgen ver- mag, so werden die lebenden Gattungen als Endglieder dieser parallelen Reihen auch durch verschiedene Namen bezeichnet werden müssen. Bei der Gewohnheit, die Grenzen der lebenden Gattungen weiter zu fassen als die der fossilen, tritt nun dann und wann der Fall ein, daß mehrere parallele Entwicklungsreihen sozusagen in einer einzigen rezenten Gattung münden. Hier ist nun wieder ein Fall gegeben, in dem die Vertreter polyphyletischer Entwicklungsanschauungen trium- phierend den „Nachweis" eines neuentdeckten Beispiels einer poly- phyletisch entstandenen Gattung erbracht zu haben glauben. Daß in 8 Einleitung. solchen Fällen der Paläozoologe das Recht hat, auf der Auflösung der vermeintlich polyphyletischen Gattung zu bestehen, liegt auf der Hand. Derartige Beispiele liegen bei den Gattungen Equus, Rhinoceros und Elephas vor. Im allgemeinen muß man sich jedoch bestreben, ein Überein- kommen in diesen Fragen zu schaffen, da sonst die Verwirrung durch fortwährende Neubenennungen und Umbenennungen von Tag zu Tag gesteigert wird. Andererseits ist freilich zu bedenken, daß durch das starre Festhalten an eingebürgerten Namen wie Ichthyosaurus, Plesio- saurus u. dgl. eine klare Übersicht über die Unterschiede der einzelnen, sehr verschiedenen Entwicklungslinien angehörenden Arten vielfach verschleiert wird. Die Haarspalterei darf aber nicht so weit gehen, daß schließlich für jede Art eine eigene Gattung errichtet wird. Hier spielt leider eine sehr üble Gewohnheit mit, welche viele Paläontologen von den Zoologen und Botanikern übernommen haben und die darin besteht, bei Zitaten von Gattungs- und Artnamen diesen den Namen ihres „Schöpfers" anzuhängen. Diese Gewohnheit hat bei vielen Systematikern die Umtaufung und Neugründung von Gattungs- und Artnamen zu einer wahren Leidenschaft werden lassen, da viele Autoren auf diese Weise ihren Namen unsterblich zu machen hoffen. Schon Darwin ist gegen die Unsitte der Anhän^ing des Autornamens an den Namen einer Gattung oder Art mit aller Schärfe, aber leider erfolglos zu Felde gezogen. Noch immer treiben viele Autoren auf diesem Gebiete ihr Unwesen, besonders jene, deren Name sonst wohl kaum mit den Fortschritten der Naturwissenschaften verknüpft werden würde. Während somit die Begriffe der „Familie" und der „Gattung" ebenso wie die höheren Begriffe der „Ordnung" usw. durch die Arbeiten der Paläozoologen mehr und mehr zu phylogenetischen Vorstellungen geworden sind und sich über das niedere Niveau rein deskriptiver Unterscheidung erhoben haben, ist der Begriff der „Art" auch bei den Paläontologen mehr oder weniger rein deskriptiv' geblieben. Schon vor längerer Zeit hat 0. Jaekel 1 diesen Gegensatz in der Auffassung des Artbegriffes und Gattungsbegriffes näher darzulegen versucht und kurze Zeit früher hat auch der französische Bryozoenforscher Canu einen analogen Standpunkt vertreten. Nach 0. Jaekel sind die „Arten" jene systematischen Einheiten, die nach rein äußerlichen, unwesent- lichen, für die Stammesgeschichte belanglosen Merkmalen zu unter- scheiden sind, während die „Gattungen" durch die inneren, phylo- 1 O. Jaekel, Über verschiedene Wege phylogenetischer Entwicklung. Ver- handlungen des V. Internationalen Zoologen-Kongresses in Berlin, 1901. Neudruck bei G. Fischer, Jena, 1902. Einleitung &• genetisch bedeutsamen Merkmale gekennzeichnet sein sollen. Auf die Schwierigkeit der Beantwortung der Frage, welche Merkmale als „innere" und welche als „äußere" zu verstehen seien, hat E. Dacque 1 hingewiesen; gewiß ist in vielen Fällen dieser Unterschied klar zu erfassen, wie bei den lebenden Säugetieren, aber der Versuch einer Unterscheidung muß schon bei den fossilen Säugetieren versagen, von denen ja fast nur Skeletteile oder Gebisse vorliegen. Auch wenn wir z. B. an die lebenden Vögel denken, müssen wir zugeben, daß hier dieses Unterscheidungsprinzip völlig versagt, und das gleiche gilt für viele andere Gruppen. Ein passender Schlüssel ist damit auf keinen Fall gefunden. Hingegen kann man Dacque kaum beipflichten, wenn er sagt: „Was sich Linne unter „Art" dachte, ist bei Jaekel „Gattung", was Jaekel aber „Art" nennt, ist bei anderen nur „Varietät", „Subspezies" oder „Form"." Viele Forscher, die sich mit jenen Problemen der Biologie be- schäftigen, welche außerhalb des durch Scheuklappen begrenzten engen Gesichtskreises der Systematiker alten Schlages und der Prioritäts- schnüffler liegen, halten jede Erörterung über die Frage des Art- begriffes für unnütze Zeitverschwendung. 2 Aber auch wenn man dieser Kardinalfrage der Systematik nicht die Bedeutung beilegt, wie sie ihr von einigen Lepidopterologen, Koleopterologen, Konchyliologen usw. zugeschrieben wird, so ist doch eine Beleuchtung dieser Meinungs- differenzen auch für den Phylogenetiker keineswegs von untergeordneter Bedeutung. Es kann für den Architekten nicht gleichgültig sein, ob schlechte oder gute Maurer an den Fundamenten arbeiten, auf denen die Mauern seines Gebäudes ruhen sollen. Schon in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, also zu einer Zeit, da die gesamte wissenschaftliche Welt unter dem Ein- flüsse des siegreich vordringenden Darwinismus stand, hat W.Waagen zum erstenmal den Versuch unternommen, ein Prinzip für die Unter- scheidung der zeitlich aufeinander folgenden Arten aufzustellen. Von der Erkenntnis der Tatsache ausgehend, daß die Angehörigen einer 1 E. Dacque. Zur systematischen Speziesbestimmung. Neues Jahrbuch für Mineralogie, Geologie und Paläontologie, Beilageband XXII, 1906, S. 639—685. 2 Indessen scheint mir auch andererseits der Ausspruch R. Hertwigs: „Das Alpha und Omega der Abstammungslehre ist der Artbegriff" (Die Abstammungs- lehre, in: Die Kultur der Gegenwart usw., III. Teil, 4. Abt., Bd. IV, 1914, S. 3) zu weitgehend zu sein. Man kann sich doch sehr eingehend mit phylogenetischen Untersuchungen beschäftigen, ohne auf eine bestimmte Definition der Spezies ein- geschworen zu sein. Mit der Frage nach dem Verlaufe der Stammesgeschichte hat die engere oder weitere Fassung des Artbegriffes heute nichts mehr zu tun, da das Dogma von der „Konstanz der Arten" zu den endgültig überwundenen Stand- punkten der Biologie gehört. 10 Einleitung. geschlossenen Ahnenreihe in aufeinander folgenden geologischen Hori- zonten bestimmte, wenn auch oft nur kleine Verschiedenheiten auf- weisen, die sich schrittweise steigern, schlug W.Waagen 1 für alle diese aneinander schließenden und aufeinander folgenden Formen den Begriff einer „Kollektivart" vor, während er die einzelnen, voneinander oft nur unbedeutend verschiedenen, aufeinander folgenden Formen dieser Kollektivart als ,, Mutationen" bezeichnete. Die einzelnen Mutationen benannte W.Waagen binär nach dem seit Linne für die Benennung der Spezies gebräuchlichen Vorgang. Genau genommen ist hier der Begriff der „Art" zum erstenmal in rein phylogenetischem Sinne gebraucht worden. Nach W.Waagen liegt im Begriffe der Varietät das Schwankende, im Begriffe der Mutation das Bleibende in der Geschichte einer Formenreihe. Die „Art" umfaßt daher im Sinne W. Waagens nicht nur eine Anzahl von nebenein- ander lebenden Varietäten, sondern auch eine Anzahl von aufeinander folgenden Mutationen; es ist daher nach Waagen möglich, die Art nicht nur in horizontaler, sondern auch in vertikaler Richtung ab- zugrenzen. Dieser Vorschlag, den W. Waagen zuerst an dem Beispiele des Ammonites subradiatus zu verwirklichen gesucht hat, fand nicht viel Beifall und Nachahmung. E. Dacque verweist (1. c, S. 653) mit Recht darauf, daß es nur außerordentlich selten möglich ist, derartige Muta- tionen mit Sicherheit festzustellen und daß dies auch der Grund gewesen sein dürfte, weshalb sich der sonst gewiß gute Vorschlag Waagens nicht durchsetzen konnte. Dazu kommt noch, daß aus den Waagenschen Ausführungen nicht mit Sicherheit hervorgeht, wie er sich die gegenseitigen Abgrenzungen der aufeinanderfolgenden „Kollektivarten" dachte, die ja doch auch durch fast unmerkliche Übergänge ebenso verknüpft sein müssen wie die Mutationen unter- einander. Dies scheint mir auch der Hauptgrund dafür zu sein, daß die Waagen sehe Auffassung keinen rechten Anklang fand. Der Begriff der „Mutation" blieb in Zoologen- und Botanikerkreisen fast unbekannt und man wurde auf ihn erst wieder aufmerksam, als de Vries viel später neuerlich die Bezeichnung Mutation aufstellte. Schon kurze Zeit nach dem Erscheinen der Waagenschen Arbeit finden wir bei M. Neumayr 2 eine ganz andere Auffassung des Art- begriffes vom Standpunkte des Paläontologen aus. Die Aufstellung 1 W.Waagen, Formenreihe des Ammonites subradiatus. Beneckes Beiträge usw., Bd. II, 1869, S. 184. 2 M. Neumayr in M. Neumayr und C.M.Paul, Die Kongerien- und Paludinenschichten Slavoniens und deren Faunen. Abhandl. der k. k. geol. Reichs- anstalt in Wien, Bd. VII, 1875, 3. Heft. Einleitung. 1 \ und Abgrenzung einer Spezies soll nach Neumayr (I. c, S. 93) von jeder vorgefaßten Meinung über Konstanz oder Veränderlichkeit der Art sowie von ihrem Wesen unabhängig sein. Sie soll nur einen kleinen Formenkreis umfassen, der durch ein bei zahlreichen Individuen immer wiederkehrendes, .wenn auch unscheinbares Merkmal gekennzeichnet ist. Daraus geht hervor, daß Neumayr den Artbegriff in seiner Paludinen- studie nicht phylogenetisch faßte wie W. Waagen und er selbst noch in seinen „Jurastudien" (1871) getan hatte, sondern rein deskriptiv. Diese Auffassung ist seither bei den Paläontologen, die sich mit der Beschreibung wirbelloser fossiler Tierreste beschäftigen, die herrschende geblieben. Aus ihr entsprangen und entspringen noch immer die zahl- losen Speziesnamen, mit denen die Paläontologen die Literatur be- reichert haben. Der Artbegriff wurde wieder zu einer „Kiste" im Darwinschen Sinne, in die hineingesteckt wurde, was genau das für sie passende Maß hatte. Es ist das derselbe Standpunkt, den die weitaus meisten Systematiker der lebenden Tier- und Pflanzenwelt teilen. Viele haben freilich ein gewisses Taktgefühl dafür, #e weit die Unterscheidung von ,, Arten" getrieben werden darf, um schließlich nicht jedes Individuum als eigene Art zu betrachten, und dieses Gefühl findet in der Botanik durch großen Reichtum des Untersuchungs- materials eine wesentliche Unterstützung; bei dem häufig geübten Vorgange, unter dem Vorwande peinlichster Genauigkeit auf alle Unter- schiede Rücksicht zu nehmen, käme man ja sonst dazu, jeden Fichten- baum als eigene Art abzutrennen, da es ja zweifellos nicht zwei absolut bis in die letzten Einzelheiten übereinstimmende Individuen gibt. Wo jedoch nur wenige zu vergleichende Exemplare seltenerer Formen vor- liegen, da feiert die ,,Speziesmacherei" wilde Triumphe. Die Zer- splitterung der Arten in zahllose Spezies — ich erinnere an die von R. Hoernes und M. Auinger begonnene, aber unvollendet gebliebene Monographie der Pleurotomen aus dem Miozän des Wiener Beckens — wird häufig ein ernstes Hindernis für die weitere gedeihliche Entwick- lung der Unterscheidung der Angehörigen einer größeren Gruppe. Ein solches Gebiet der Systematik wird zum Schlüsse gewöhnlich der Tummelplatz von Dilettanten. Daß die Abgrenzung mehrerer Spezies überhaupt nur bei neben- einander stehenden Formen leicht möglich ist, aber auch da häufig auf Schwierigkeiten stößt, wie die erwähnten miozänen Pleurotomen des Wiener Beckens zeigen, die durch zahlreiche Übergänge verbunden sind, daß sie ferner bei zeitlich zwar aufeinander folgenden, aber gleichfalls durch Übergänge verbundenen Formen ebensowenig gelingen kann wie die „sichere Abgrenzung" von Gattungen, ist für jeden, der einmal mit einem größeren Untersuchungsmaterial gearbeitet hat, etwas Selbstverständliches. Wer den unstillbaren Drang fühlt, einen oder 12 Einleitung. mehrere Artnamen mit seinem Autornamen zu verknüpfen, findet z. B. bei der Bearbeitung irgendeiner reicheren Ammonitenfauna aus der Trias und dem Jura der Alpen ein dankbares Arbeitsfeld. Einsichtigere Forscher haben diesen Übelstand der paläontologischen Systematik schon vor langer Zeit erkannt und hier ist wohl auch der Ausspruch M. Neumayrs anzuführen, der in seinen „Stämmen des Tierreiches" (Bd. I, 1889, S. 67) betont, daß der Artbegriff im Sinne Linnes in der Paläontologie unanwendbar und unaufindbar sei und aus ihrem Bereiche verschwinden müsse. Wir bedürfen aber zweifellos eines Ausdrucksmittels zur Kenn- zeichnung einer Gruppe von Formen, die sich nur durch ganz unbe- deutende Merkmale voneinander unterscheiden und durch Übergänge miteinander verbunden sind. Wo derartige Übergänge fehlen, wird man wohl gezwungen sein, diese abweichenden Typen mit selbständigen Namen zu versehen, aber dieser Vorgang wird in vielen Fällen nur als ein provisorischer angesehen werden müssen. Wenn durch weitere Funde daPMaterial von verbindenden Übergangsgliedern wächst, wird eine Revision der ganzen Gruppe und ein Ausmerzen der überflüssig gewordenen Namen notwendig sein, wie dies z. B. bei den fossilen Zahnwalen aus dem Miozän von Antwerpen notwendig war. Der Grund- satz, der von einigen Systematikern vertreten wird, daß ,,zu einer Art sämtliche Exemplare gehören, welche die in der ersten Diagnose fest- gestellten Merkmale besitzen" 1 , ist ganz unhaltbar. Wenn die Diagnose falsch war, wenn sie entweder zu enge oder zu weit gefaßt war, so müßten folgerichtig alle diese schlecht passenden Kisten ohne Möglich- keit einer Ausmerzung dieser Irrtümer als ewiger Ballast mitgeschleppt werden. Daß wir irgendeine Bezeichnung und Begriffsbildung für eine Summe von Individuen haben müssen, die sich einander sehr ähnlich sehen, ist zweifellos. Wenn wir diese Bezeichnung und diesen Begriff 1 L. Plate hat in seiner wichtigen Abhandlung „Prinzipien der Systematik mit besonderer Berücksichtigung des Systems der Tiere" (Kultur der Gegenwart, III. Teil, 4. Abt., Bd. IV, 1914, S. 92—164) eine eingehende Kritik der verschiedenen Gesichtspunkte für die Aufstellung eines Artbegriffs gegeben. Seine Definition der „Art" lautet (im Anschluß an die Definition Doederleins aus dem Jahre 1902): „Zu einer Art gehören sämtliche Exemplare, welche die in der Diagnose fest- gestellten Merkmale besitzen — wobei vorausgesetzt wird, daß die äußeren Ver- hältnisse sich nicht ändern — , ferner sämtliche davon abweichende Exemplare, die mit ihnen durch häufig auftretende Zwischenformen innig verbunden sind, ferner alle, die mit den vorgenannten nachweislich in direktem genetischen Zusammenhang stehen oder sich durch Generationen fruchtbar mit ihnen paaren" (S. 120). Mag auch für den Zoologen diese Definition und Begriffsfassung brauchbar sein — für den Paläozoologen ist sie es sicher nicht. Einleitung. J3 dem der „Spezies" gleichsetzen, so ist wohl nichts gegen ein solches Übereinkommen einzuwenden; jedenfalls ist ein solcher Begriff ein unentbehrliches technisches Hilfsmittel der Biologie. Freilich ist es sehr fraglich, ob wir ein Übereinkommen über die Grundsätze er- zielen werden können, nach denen eine „Art" aufzustellen wäre. So wie die Dinge gegenwärtig liegen, ist der Gegensatz in den Anschau- ungen über die Grenzen einer „Art" bei den Vertretern der ver- schiedenen biologischen Disziplinen sehr bedeutend, ja, es schwanken die Anschauungen bei der systematischen Klassifikation der einzelnen Gruppen des Tier- und Pflanzenreiches so sehr, daß kaum daran ge- dacht werden kann, ein allgemeingültiges Schema aufzustellen. Der Hauptunterschied in der verschiedenen Bewertung des Artbegriffes scheint darin zu liegen, daß der Systematiker vor allen Dingen danach strebt oder doch wenigstens danach streben soll, eine Identifizierung neu gefundener Individuen und ihre Einreihung in das System unter den Begriff einer Art zu ermöglichen, während der Phylogenetiker naturgemäß ganz andere Ziele verfolgt. Für den Systematiker der lebenden Organismen liegen die Verhältnisse viel günstiger als für den Paläozoologen; er sieht ja meist nur die Querschnitte durch die Äste des Stammbaumes, die auf dem Wipfelquerschnitt der Gegenwart liegen und ist viel eher in der Lage, ihre Grenzen in der Horizontalebene festzustellen als der Paläozoologe, der nur dort zwischen den Arten Vertikalgrenzen festzustellen vermag, wo die verbindenden Zwischen- glieder fehlen. In den meisten Fällen — außer in jenen, wo wir eine eben entstandene oder entstehende Art vor uns haben — sind die Horizontalgrenzen scharf, während die Vertikalgrenzen zwischen den genetisch miteinander verknüpften Arten — ich erinnere an Tetrabelodon angustidens, T. Iongirostris und T. arvernensis — rein künstliche sind. Würden derartige enge miteinander verknüpfte Kettenglieder einer Ahnenreihe häufiger sein, als sie es bis jetzt sind, so würde der Gegensatz in der Auffassung einer fossilen Art und einer rezenten Art viel klarer zum Ausdrucke kommen und auch die „Art" ebenso wie die „Gattung" im paläontologischen Sinne nur Stückchen von Zweigen des Stammbaumes darstellen, die durch künstliche Vertikalgrenzen voneinander getrennt sind. Der Unterschied zwischen „Art" und „Gattung" würde dann nur darin liegen, daß die erstere ein kleineres, die zweite dagegen ein größeres Stück eines Astes oder Zweiges des Stammbaumes repräsentiert. Das gewaltige Heer der fossilen Formen ist einem wirr durchein- ander liegenden Haufwerk von Aststücken zu vergleichen, deren ehe- malige Verbindung zu ermitteln ist. In der Lösung dieses Problems liegt aber die Beantwortung der Frage nach den Verwandtschafts- beziehungen und der Entstehung der lebenden Formen. Die morpho- 14 Einleitung. logische, embryologische, physiologische und tiergeographische Forschung kann nur in beschränktem Maße auf die Frage der Vorgeschichte der lebenden Tierwelt eine Antwort geben; hier gebührt das entscheidende Wort der Paläozoologie, und zwar gilt dies in erster Linie für die Wirbeltiere. Wenn wir somit daran gehen, die genetischen Linien zu verfolgen, die von den ersten Anfängen des Wirbeltierstammes bis zu seinen lebenden Ausläufern führen, so muß die Darstellung der morphologischen Merkmale der fossilen Formen in den Vordergrund treten. Der folgende Versuch zielt in erster Linie dahin, die Ergebnisse der paläozoologischen Forschungen auf dem Gebiete der fossilen Wirbeltiere weiteren Kreisen zu erschließen und die morphologischen Gesichtspunkte für die Rekonstruktion der genetischen Linien darzulegen. Die reichen Funde paläozoischer Fische, Stegocephalen und Reptilien haben uns ein ge- waltiges Tatsachenmaterial in die Hand gegeben, das uns gestattet, in vielen genetischen Fragen klarer zu sehen, als dies früher möglich gewesen ist. Die fossilen Formen sind aber in phylogenetischer Hin- sicht von sehr ungleichem Werte; mancher unvollständig erhaltene und seltene Rest ist unter Umständen weit wichtiger für die Phylo- genie der Wirbeltiere, als so manches tadellos erhaltene Skelett. In einer Erörterung der phylogenetischen Bedeutung der fossilen Verte- braten ist daher eine entsprechende Auswahl der zu erörternden Formen unerläßlich; wer sich über die Bedeutung der fossilen Formen für den Ausbau der Stammesgeschichte zu unterrichten wünscht, hat wenig von der Aufzählung zahlloser Gattungs- und Artnamen, die oft nichts weiter besagen, als daß die paläozoologische Literatur leider noch immer mit viel unnützem Ballast beschwert ist. Man hat in früherer Zeit viel von der „Lückenhaftigkeit der paläontologischen Überlieferung" gesprochen, und dies ist ein sehr beliebtes Schlagwort geworden, namentlich in jenen Kreisen, in denen die Embryologie als das Um und Auf der phylogenetischen Forschung angesehen und den Ergebnissen der phylogenetischen Forschungen der Paläozoologen nur ganz geringe Beachtung geschenkt wird. Daß zahl- reiche fossile Arten nur in sehr unvollkommenen Resten bekannt sind, ist kein Zweifel; aber andererseits sind sehr viele fossile Wirbeltiere wenigstens in ihrem Skelettbau besser und vollständiger bekannt und sorgfältiger untersucht als so manche lebende Art. Das immer von neuem gedankenlos nachgesagte Schlagwort von der Lückenhaftigkeit der fossilen Urkunden muß durch das Gewicht der Tatsachen endlich zum Schweigen gebracht werden. Über die Vorgeschichte der Tetra- poden wird die Embryologie der rezenten Formen- kaum mehr wesentliche Erweiterungen unserer Kenntnisse zu erbringen imstande sein; die Zeit ist wohl für immer vorüber, da man es wagte, allein Einleitung. 15 aus der Untersuchung der lebenden Reptilien zu Schlüssen über ihre Stammesgeschichte zu gelangen. Hier kann man mit vollem Rechte die Waffe umkehren und darauf hinweisen, daß die lebenden Reptilien nur sehr dürftige Überreste eines einstmals reich verzweigt gewesenen Stammes darstellen, der seine Blüte im Paläozoikum und im Meso- zoikum erreicht hat und sich seither in offenbarem Absterben befindet. Die zahlreichen rezenten Arten der Schildkröten, Eidechsen und Schlangen werden uns über die Verarmung des Reptilienstammes in der Gegenwart nicht hinwegtäuschen können, wenn wir die lebenden Ausläufer des Reptilienstammes mit seinen fossilen Vertretern ver- gleichen. Viele Forscher sind der Meinung, daß die Fossilien in erster Linie als chronologische Dokumente zu bewerten seien und daß z. B. ein aus der Kreideformation bekannt gewordenes Fossil infolge seines jüngeren Alters als der Nachkomme einer der Trias angehörenden Form anzusehen sei. Dieses Betonen der chronologischen Aufeinander- folge und die auf der zeitlichen Folge allein aufgebauten Schlüsse sind als absolut fehlerhaft zu verwerfen. Sie können vielleicht zufällig mit dem tatsächlichen Entwicklungsgang zusammenstimmen, aber die chronologische oder stratigraphische Methode darf nie als ein brauch- barer und zum Ziel führender Weg der phylogenetischen Forschung betrachtet werden. Aufschlüsse über die genetische Entwicklung und die Vorgeschichte der Lebewesen können wir einzig und allein nur aus der morphologischen Methode in Verbindung mit der paläobiologischen Analyse erwarten und erhoffen. Die Feststellung des geologischen Alters der fossilen Reste ist freilich keineswegs nebensächlicher Natur, sondern wird immer als ein wichtiges Hilfsmittel herangezogen werden müssen; wenn sich jedoch die Resultate der chronologischen und der morphologischen Untersuchungen widersprechen, so muß unbedingt das Ergebnis der morphologischen Unter- suchung entscheiden. Die mangelhafte Unterscheidung von Bau und Form des Tier- körpers sowie einzelner Organe hat vielfach schwere Irrtümer gezeitigt. Obwohl schon bei der Besprechung rezenter Formen da und dort darauf hingewiesen worden war, daß eine gleichartige Lebensweise eine gleichsinnige (konvergente), ja mitunter sogar eine durchaus gleich- artige (parallele) Umbildung einzelner Organe oder selbst des ganzen Körpers bedingt, so ist doch erst von paläozoologischer Seite aus dieser Gesichtspunkt zu einer sorgfältig ausgebauten Forschungsmethode er- hoben worden, die uns in den Stand setzt, die durch gleichartige Lebensweise bedingten Ähnlichkeiten odei Konvergenzerscheinungen in der Form von dem durch Verwandtschaft bedingten Ähnlichkeiten im Bau der Organismen scharf zu unterscheiden. So haben wir bereits Ä 4f ( L8BRAR 16 Einleitung. eine ganze Reihe von vermeintlichen Verwandtschaftsbeziehungen als eine Folgeerscheinung gleichartiger Anpassung von oft weit verschiedenen Formen an dieselbe Lebensweise zu entziffern veimocht; noch immer steckt aber unter dem Deckmantel oberflächlicher, äußerer Ähnlich- keiten eine Fülle von Konvergenzerscheinungen verborgen, die wir einstweilen noch als Zeichen engerer Verwandtschaft zu deuten gewohnt sind. Rastloses Überprüfen der morphologischen Beziehungen unter steter Zuhilfenahme der paläobiologischen Analyse wird uns in stammes- geschichtlichen Fragen gewiß noch viele einstweilen unerwartete Lösungen bringen. * Morphologische Vorbemerkungen. I. Physiologische Bedeutung der Skelettbildungen. Unter Skelettbildungen im weiteren Sinne verstehen wir alle Hartteile des Wirbeltierkörpers, also nicht allein die Knochen, son- dern auch die knorpeligen Elemente und die verhornten Epidermal- bildungen (Haare, Federn, Schuppen, Nägel, Krallen, Hörner, Haut- schilder, Hornschnäbel usw.), sowie die Zähne. Bei den Wirbellosen erscheinen Skelettbildungen selten als innere, sondern meist als äußere Bildungen, die man unter dem Namen „Außenskelett" zusammenfaßt. Bei den Wirbeltieren tritt dagegen das Außenskelett gegenüber dem Innenskelett an Bedeutung stark zurück, wenngleich bei den phylogenetisch ältesten Vertebraten, den Fischen, das Außenskelett entweder in Gestalt eines Schuppenpanzers oder eines aus Knochenplatten bestehenden Körperschutzes eine sehr wichtige Rolle spielt und unbeschuppte oder ungepanzerte Formen zu den Seltenheiten gehören. Auch bei den Stegocephalen und den zahlreichen Stämmen fossiler Reptilien sind Hautpanzerbildungen häufig anzutreffen, während sie unter den lebenden Vertebraten mit Ausnahme der Fische nur in den Gruppen der Schildkröten, der Xenarthra und der Krokodile in Gestalt von Knochenplatten ausgebildet, sonst aber sehr selten sind. Das Außenskelett dient in den meisten Fällen als Schutzmittel gegen die Angriffe von Feinden und ist als solches in einigen Fällen zu extremen Ausbildungsstufen gelangt (z. B. bei den gepanzerten, pflanzenfressenden Ornithischiern Stegosaurus, Polacanthus). Auch das Innenskelett hat ursprünglich neben der Aufgabe, die Körperachse zu versteifen und dem Körper einen festeren Halt, ein „Rückgrat" zu geben, den Charakter eines Schutzmittels besessen, denn die ersten auf- tretenden Skelettbildungen erscheinen als Umhüllung und somit als Abel, Stämme der Wirbeltiere. 2 Ig Morphologische Vorbemerkungen. Schutz der Chorda dorsalis und des Rückenmarkstranges sowie des Ge- hirns. Erst später treten zu diesen in der Körperachse liegenden Innen- skelettbildungen (Wirbelsäule und Schädel) Verstärkungen der Glied- maßen hinzu, zuerst in Gestalt von knorpeligen Trägern, später in Form von festen Knochen, welche zuerst nur die Aufgabe hatten, den Körper der ältesten Wirbeltiere beim ruhigen Liegen auf dem Grunde der Ge- wässer zu stützen; aus ihnen gingen Apparate hervor, die imstande waren, den Körper vorwärts zu schieben oder ihn doch bei seiner durch ein langsames und unbeholfenes Schlängeln bewirkten Vorwärtsbewegung zu unterstützen; daraus entwickelten sich im weiteren Verlaufe der Entfaltung des Wirbeltierstammes einerseits bei den Schwimmtieren Flossen, anderseits bei dem Übergänge vom Wasserleben zum Landleben in strenger AbhängigkeiArom Gebrauch oder Nichtgebrauch der einzelnen Gliedmaßenteile die in den verschiedensten Richtungen spezialisierten Schieb-, Schreit-, Lauf- und Springfüße, dieGrabfüße, Kletterfüße und Flug- füße oder Flügel ; ein Wechsel der Lebensweise hatte immer wieder die Um- gestaltung der Gliedmaßen im Gefolge, so daß aus Schreit- oder Schieb- füßen wieder Flossen wurden wie bei den Ichthyosauriern, Walen und Sirenen, ebenso wie auch aus dem Vogelflügel eine Ruderflosse ent- stehen konnte, wie sie der Pinguin besitzt; endlich sind bei Annahme einer wühlenden oder schlängelnden Lebensweise bei vielen Wirbel- tieren die Extremitäten wieder verloren gegangen, wie bei den Aalen und Muränen unter den Fischen, den fußlos gewordenen Stegocephalen und den fast fußlos gewordenen lebenden Aalmolchen (Amphiuma) und den Armmolchen (Siren), den zahlreichen fußlos gewordenen Lacer- tiliern, den Schlangen usf. 1 Bei den Vorfahren der Elasmobranchier waren die Lateralflossen ursprünglich Stützflossen (Pterygopodien) und aus diesen sind erst bei Anpassung an das Freischwimmen die „Haifisch- flossen" entstanden; bei den Vorfahren der Teleostomen müssen, wie aus den morphologischen Verhältnissen der paarigen Flossen der ältesten Crossopterygier und der Dipneusten hervorgeht, gleichfalls Stützflossen ausgebildet gewesen sein, aus denen sich einerseits die Beinpaare der Tetrapoden, anderseits die Brust- und Bauchflossen der Teleostomen herausbildeten. Eine abweichende Entstehung der Flossen ist nur bei den Acanthodiern anzunehmen,, wo die Seiten- flossen wahrscheinlich aus einer lateralen Hautfalte hervorgegangen sind und ursprünglich nicht zwei, sondern nicht weniger als sieben Lateralflossenpaare (bei Climatius) auftreten. Die Lateralflossen haben hier wohl von Anfang an als Balanzierapparate, aber nie als Körperstützen funktioniert. Zeigt uns dergestalt die vergleichende Analyse des knöchernen Glied- 1 O. Abel, Grundziige der Paläobiologie der Wirbeltiere. Stuttgart, 1912. Morphologische Vorbemerkungen. 19 maßenskeletts der Wirbeltiere eine weitgehende Abhängigkeit der Form seiner einzelnen Elemente von ihrer Funktion, so treten uns dieselben Wechselbeziehungen auch in den verschiedenen Abschnitten des Achsen- skeletts, wenn auch nicht mit derselben Deutlichkeit wie im Gliedmaßen- skelett, entgegen, da die Funktionsmöglichkeiten dieser Skelettelemente beschränkter sind. Die Schwanzwirbel jener Typen, die sich mit Hilfe eines Ruderschwanzes im Wasser fortbewegen, wie die Ceraterpeton- tiden unter den Stegocephalen, erhalten lange Dornfortsätze, ebenso wie die der Fischottern und Wale unter den Säugern; Typen, welche einer besonders festen Verbindung der einzelnen Wirbel untereinander bedürfen, erhalten überzählige Gelenkverbindungen, wie die Phlegethon- tiiden unter den Stegocephalen und die mit ihnen nicht enger ver- wandten lebenden Blindwühlen; anderseits tritt in anderen Gruppen eine zunehmende Lockerung der Wirbelverbindungen auf, wie bei den Ichthyosauriern und bei den mit ihnen nicht verwandten Walen. Auch im Schädel macht sich die Abhängigkeit der Form von der Funktion der Kiefer und der Art der Nahrungserfassung überhaupt deutlich bemerkbar. Bei der vergleichend-osteologischen Analyse des Wirbeltierskeletts, welche die Aufgabe hat, die verwandtschaftlichen Beziehungen der einzelnen Arten, Gattungen, Familien, Ordnungen und höheren syste- matischen Kategorien untereinander zu ermitteln, muß man sich daher sehr davor hüten, aus der Form der Skelettelemente einen Schluß auf die Verwandtschaft zu ziehen, da übereinstimmende Gestalten bei den Angehörigen der verschiedensten Gruppen auftreten können und sehr häufig nur die Folge einer gleichartigen Lebensweise, bzw. einer gleichsinnigen Funktion der Organe sind. Bei eingehenderen Vergleichen zeigt sich jedoch in den meisten Fällen, daß die Formähnlichkeit nur eine rein äußerliche ist und daß z. B. die Flossen wasserbewohnender Wirbeltiere in ihrer Gesamtform zwar eine oft überraschende Ähnlichkeit aufweisen, in ihrem Skelett- bau aber durchaus verschieden sind. So sind die Skelettelemente der Brustflossen eines Haifisches, eines Thunfisches, eines Ichthyosaurus, eines Delphins, eines Dugongs, einer Phoca, eines Pinguins und einer Chelone im Aufbau und in der Anordnung sowie in den Größenverhält- nissen der einzelnen Skelettelemente durchaus verschieden, soweit es sich überhaupt um homologe Elemente handelt (z. B. Humerus, Radius, Ulna, Carpalia, Metacarpalia und Phalangen) und nicht Skelettelemente vorliegen, die miteinander in keinen Vergleich gebracht werden können, weil sie keine homologen Bildungen sind (z. B. die Flossenstrahlen der Haifische und die Phalangen der Ichthyosaurier). Die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den ver- schiedenen Wirbeltieren können daher nur durch sorgfältige Analyse 20 Morphologische Vorbemerkungen. des anatomischen Baues ermittelt werden, wobei die gegenseitigen Lagebeziehungen der einzelnen Skelettelemente, ihr Spezialisations- zustand, ihre Zahl und ihre Herkunft (ob Deckknochen, ob Knorpel- knochen) zu berücksichtigen sind, kurz alle jene Merkmale, die man unter der Bezeichnung ,,Bau" des Skelettes zusammenzufassen pflegt, während die Form der Skelettelemente nur einen Schluß auf die Funktion und daraus auf die Lebensweise zuläßt, die bei den verschie- densten, nicht näher miteinander verwandten Arten dieselbe sein kann. II. Die heterogene Herkunft der Knochen: Ersatzknochen und Hautknochen. Die das Innenskelett der höheren Wirbeltiere zusammensetzenden knöchernen Elemente sind zwar zum größeren Teile aus Knorpelbildungen an jenen Stellen entstanden, die durch Zug oder Druck von Muskel- sehnen oder Bändern besonders stark in Anspruch genommen wurden, aber es sind zu diesen ,, Knorpelknochen" an vielen Stellen (z. B. im Schädel) Knochen hinzugetreten, die nicht in der Tiefe, sondern an der Oberfläche des Körpers, und zwar in der Haut, ihren Ursprung haben. Diese sekundär zum ursprünglichen oder primären Knorpel- skelett hinzutretenden Knochen sind somit als Teile des Außenskeletts zu betrachten und so stellen sich gewisse, bei höheren Wirbeltieren zu Bestandteilen des Innenskeletts gewordene Knochen als ein späterer Zuwachs dar, wie es z. B. mit den meisten Knochen des Säugetier- schädels der Fall ist. Dieser, heute dem Innenskelett angehörige Teil des Knochenskeletts ist zweifachen Ursprungs, indem sich einzelne Schädelknochen als Verknöcherungen des primären Knorpelschädels erweisen (z. B. das Basioccipitale und Exoccipitale), während andere Schädelknochen (z. B. das Frontale und Parietale) als Hautknochen zu betrachten sind, die erst später in so innige Verbindung mit den knöchernen Elementen des Knorpelschädels gelangten, daß man ohne Kenntnis der ontogenetischen Vorgänge und ohne Rücksicht auf die einfacheren Verhältnisse bei den niederen Wirbeltieren nicht auf den Gedanken kommen würde, daß durchaus heterogene Elemente am Aufbau des Säugetierschädels beteiligt sind. Wir haben daher scharf zwischen jenen Knochen zu unterscheiden, die aus knorpeligen Innenskelettelementen und jenen, die aus der Haut hervorgegangen sind. Die ersteren, die man gewöhnlich als Ersatz- knochen oder Knorpelknochen bezeichnet, entstehen durch An- lagerung zarter Knochenlamellen an der Oberfläche des Knorpels, den sie allmählich verdrängen und ersetzen. Die andere Gruppe von Knochen, die Hautknochen oder Deckknochen, sind genetisch in ihrer Mehr- zahl als verwachsene Schuppen oder Zähne anzusehen. Morphologische Vorbemerkungen. 21 Hautknochen (oder ,, Belegknochen") können jedoch auch (wie z. B. die ,, Sesambeine" der Hand und des Fußes) aus der Verknöche- rung einzelner Partien von Bändern, Sehnen und Membranen hervor- gehen. Die Hautknochen treten zuweilen in so innige Verbindung mit den Elementen des primordialen Skelettes, daß sie uns natürliche Teile desselben vortäuschen können. Dies ist besonders dort möglich, wo die Knorpelbildungen des Innenskeletts in die Nähe der Körperober- fläche treten, wie es mit der knorpeligen Schädelkapsel der Fall ist. Um sie herum entstehen im Integument Knochenplatten, die sich zu einem Mosaik zusammenfügen und so ein Schädeldach bilden; erst später verkalken zuerst einzelne Teile des Knorpelcraniums, dann immer mehr, bis wir z. B. im Schädel der Stegocephalen ein aus diesen beiden heterogenen Knochenstücken zusammengesetztes und scheinbar einheit- liches Schädelskelett vor uns sehen. Eine ebensolche Verbindung von Knorpelknochen und Haut- knochen liegt im Flossenskelett der Knochenfische vor; die Träger der Flossenstrahlen sind verkalkte Knorpelelemente des Innenskeletts, die Flossenstrahlen selbst aber sind verknöcherte Hautbildungen, und trotzdem stehen beide heterogenen Elemente in inniger Verbindung. III. Die ersten Anfänge des Wirbelskeletts und seine Differenzierung. Ursprünglich war der langgestreckte Körper der ältesten Verte- braten nur von einem ungegliederten Strang, der Chorda dorsalis oder der Rückensaite, durchzogen, über welchem sich das Nervenrohr (Rücken- mark und Gehirn) ausdehnte. Die Chorda ist als ungegliederter Strang noch heute bei einigen Fischen erhalten, wie bei den Holocephalen, Dipneusten, Polyodontiden und Acipenseriden, aber bei den übrigen Vertretern des großen Heeres der lebenden Fische und bei den übrigen Vertebraten ist sie anfangs durch knorpelige und später durch knöcherne Bildungen, die man in ihrer Gesamtheit als Wirbelbildungen zusammen- faßt, zuerst eingeengt und schließlich, wie in den Wirbeln der er- wachsenen Reptilien und Vögel, gänzlich verdrängt worden und wo sie noch in Rudimenten zwischen den Wirbeln der Säugetiere bestehen bleibt, spielt sie keine Rolle mehr. Hingegen ist das Nervenrohr der Wirbeltiere, das ursprünglich so wie die Chorda ungeschützt war, schon frühzeitig von zuerst knorpe- ligen, dann von knöchernen Elementen des Innenskeletts umgeben und geschützt worden, welche sich aus einzelnen Spangen oder „Bogen- stücken" zu Halbringen oder Vollringen zusammenschlössen, um das Rückenmark und ein über demselben in der Mittellinie des Körpers dahinziehendes Längsband in sich aufzunehmen. Ebenso schließt sich 22 Morphologische Vorbemerkungen. auf der Unterseite der Chorda dorsalis um das unter ihr verlaufende Blutgefäß (die Aorta) ein aus knorpeligen und später knöchernen Bogen- stücken gebildeter Ring. Diese Ausbildung ist, soweit dies die Befunde an noch lebenden primitiven Typen (z. B. beim Stör, Fig. 1) und an den fossilen Fischen zeigen, ausnahmslos der Entstehung eines knor- peligen oder knöchernen Wirbelkörpers vorangegangen. bd. na. mvs. Fig. 1. Schematische Darstellung der Wirbelbogenelemente, Rippen und Körpersepten eines gnathostomen Vertebraten; die Abbildung ist als Präparat gedacht, das ein Rumpf- stück in schräger Seiten- und Vorderansicht zeigt (von links gesehen). Nach E. S. Goodrich, 1909 (umgezeichnet). = Transversalseptum (Myocomma). = Mesenterium. = medianes Dorsalseptum = medianes Ventralseptum. = Neurapophyse. = Rückenmark. : Transversalseptum. = Dorsalrippe. = Ventralrippe. ac. = Außenwand der Leibeshöhle. m. A. = Außenwand des Rumpfes. ms. bd. = Basidorsale. msd. bv. = Basiventrale. mvs. eh. = Chorda dorsalis. na. //, , /!., = Blutgefäße. ne. i. = Darm. ts. id. = Interdorsale. dR. iv. = Interventrale. vR. 1. Die Bogenelemente der Wirbel und die Rippen. (Fig. 1-3.) Die Bogenstücke, welche zuerst in knorpeligem und später in knöchernem Zustande sich an die dorsale und an die ventrale Seite der Chorda anlegen, werden unter dem Namen Arcualia zusammen- gefaßt. Wir unterscheiden die oberhalb der Chorda liegenden Bogen- stücke als dorsale Arcualia, die unter ihr gelegenen als ventrale Arcualia. Morphologische Vorbemerkungen. 23 A. Dorsale Arcualia. 1. Basidorsalia. — Die Basidorsalia umschließen das Rücken- mark und bilden die Neurapophysen oder Neuralbogen. Ursprünglich paarig angelegt, verschmelzen sie im weiteren Verlaufe der Speziali- sation des Wirbels im Laufe der Stammesgeschichte miteinander zu einem einheitlich erscheinenden Stücke. Sie sind unter allen Bogen- elementen das wichtigste, das niemals durch ein anderes Bogenelement verdrängt wird, wohl aber, wie in den Wirbeln der Urodelen, sogar die Hauptmasse des Wirbels bilden kann. na. id. bd A. Fig. 2. B. A. Zwei Wirbel von Acipenser sturio L. aus der Rumpfregion, von der Seite gesehen. B. Ein Rumpfwirbel von Acipenser sturio L., quer durchschnitten, von vorne gesehen. Mit Benützung einer Zeichnung von E. S. Goodrich. id. = Interdorsale. iv. = Interventrale. par. = Parapophyse (Querfortsatz zur Artikulation mit der Rippe). r. = Rippe (Ventral- oder Pleuralrippe). hb. = Haemalbogen. hc. = Haemalkanal. ao. = Aorta. ch = Chordadorsalis seh. = Chordascheide. n. = Rückenmark. li. = Longitudinalligament. na. = Neurapophyse. bd. = Basidorsale. bv. = Basiventrale. 2. Interdorsalia. — Zwischen je zwei aufeinanderfolgende Basi- dorsalia schiebt sich ein Paar Bogenstücke ein, welche den freien Raum auf der Oberseite des Rückenmarks zwischen den Basidorsalia zudecken. 3. Suprabasidorsalia. — Diese Stücke sind als Abschnürungen der Basidorsalia anzusehen, welche sich oben den Neurapophysen an- schließen und die Neuraldornen bilden; sie stellen den oberen Abschluß des Dornfortsatzes dar. 4. Suprainterdorsalia. — Auch diese Stücke sind nur als ab- geschnürte Teile anzusehen, und zwar als Abschnürungen der Inter- dorsalia; sie sind ebenso wie die Suprabasidorsalia paarig entwickelt 24 Morphologische Vorbemerkungen. und liegen über den Interdorsalia als Schlußsteine des knorpeligen oder knöchernen Daches des Rückenmarks zwischen den Neurapophysen. B. Ventrale Arcualia. 1. Basiventralia. — Den Basidorsalia entsprechen auf der Ventral- seite der Chorda die paarigen Basiventralia, welche die Aorta uiiischließen und die Hämapophyse oder den Hämalbogen bilden. Der Hämalbogen kommt dadurch zustande, daß sich an seitlichen, gegen unten gerichteten Fortsätzen der Basiventralia griffei- förmige, spitz endende Rippen an- setzen, die als Ventralrippen (zum Unterschied von den Dorsalrippen) zu bezeichnen sind und die sich in der Caudalregion mit ihren freien Enden aneinanderlegen, so daß die Aorta von den zu einem „ Bogen" vereinigten Ventralrippen umschlossen wird. Dieser Bogen wird als Häm- apophyse oder als unterer Dorn- fortsatz bezeichnet, das letztere dann, wenn er in feste Verbindung mit dem Wirbelkörper tritt (z. B. bei Stegocephalen und Urodelen). 2. Interventralia. — Die Inter- ventralia korrespondieren mit den Interdorsalia auf der Dorsalseite der Chorda und sind zwischen je zwei Basiventralia eingeschaltet. 3. Costae ventrales = Ven- tralrippen. — So wie die Suprabasidorsalia als Abschnürungen der Basidorsalia zu betrachten sind, kann man die Ventralrippen als Abschnürungen der Basiventralia ansehen. Wenn sie als freie, nach außen und unten abstehende, griffeiförmige ,, Rippen" ent- wickelt sind, so liegen sie der Innenseite der ventralen Rumpf- muskulatur an und umfassen den oberen Teil der Leibeshöhle; dies ist bei allen Teleostomen der Fall, während bei den Elasmobran- chiern die freien Ventralrippen fehlen und homologe Bildungen nur in Gestalt von Hämapophysen entwickelt sind. Dagegen treten bei den Elasmobranchiern zwischen der dorsalen und der ventralen Rumpf- muskulatur im Horizontalseptum die Dorsalrippen auf, welche den Teleostomen meist fehlen. Hingegen sind alle übrigen rippentragenden Wirbeltiere in der präkaudalen Region der Wirbelsäule nur mit Dorsal- iv. bv. Fig. 3. Drei Wirbel (zwei einfache und ein Doppelwirbel) von der Grenze zwischen Rumpf- u. Schwanzregion einer jungen, 7,5 cm langen Amia calva L. (Nach H. Schauinsland, umgezeichnet.) bd. = Basidorsale. bv. = Basiventrale. iv. = Interventrale. id. = Interdorsale. Morphologische Vorbemerkungen. 25 rippen ausgestattet, so daß sich hier ein fundamentaler Gegensatz ergibt, der aber z. B. durch Polypterus überbrückt wird, bei welchem Ventralrippen und Dorsalrippen vorhanden sind. Die Ventralrippen der höheren Vertebraten treten in der Kaudalregion der Wirbelsäule als Hämapophysen auf und es kommt nur in sehr seltenen Fällen (z. B. am vordersten Schwanzwirbel von Physeter macrocephalus) vor, daß die beiden Hälften der Hämapophysen getrennt bleiben, so daß sie dann als ,, Ventralrippen" bezeichnet werden könnten. 4. Infraventralia. — In vereinzelten Fällen sind auch die ven- tralen Gegenstücke zu den Suprainterdorsalia beobachtet worden (z. B. in der Kaudalregion der Rochen); sie spielen keine besondere Rolle. Sie stellen Abschnürungen der Interventralia dar. 2. Der Wirbelkörper. Ursprünglich war, wie schon erwähnt, der Wirbeltierkörper von einem ungegliederten Strang, der Chorda dorsal is, durchzogen, über welchem sich das Nervenrohr (Rückenmark und Gehirn) erstreckte, Verhältnisse, wie sie uns noch heute bei Amphioxus entgegentreten, der aber keine Spur einer knorpeligen oder gar knöchernen Skelett- bildung aufweist und sekundär den Schädel und die für die Wirbeltiere im strengeren Sinne bezeichnenden Sinnesorgane des Kopfes verloren hat. Bei den höheren Wirbeltieren ist zwar die Chorda dorsalis noch vor- handen, aber sie wird durch die ursprünglich sie einfach umhüllenden, später differenzierten Wirbelbildungen im Verlaufe der stammesgeschicht- lichen Entwicklung zuerst eingeschnürt, dann aber immer mehr und mehr eingeengt, bis sie schließlich im erwachsenen Zustande der in dieser Hin- sicht höchst spezialisierten Formen verloren geht und nur mehr in der ontogenetischen Entwicklung eine Rolle spielt. Die Säugetiere, die man in der Mehrzahl ihrer morphologischen Merkmale als die höchst speziali- sierten Wirbeltiere betrachten muß, verhalten sich jedoch im Reduk- tionsgrade der Chorda dorsalis primitiver als die lebenden Reptilien und Vögel, bei denen die Chorda innerhalb der Wirbelkörper und zwischen ihnen zugrunde geht; bei den Säugetieren bleibt in der Mitte der faser- knorpeligen Zwischenwirbelscheiben (Intervertebralscheiben) noch ein gallertiger Rest der Chorda zwischen je zwei Wirbeln erhalten, während er allerdings im Bereiche des Wirbelkörpers selbst verloren geht. Die Vorgänge, die zur Bildung von jenen Skelettelementen führen, die man unter dem Sammelnamen ,, Wirbelkörper" oder „Zentren" zu bezeichnen pflegt, sind sehr verschiedener Natur und zwar lassen sich zunächst zwei fundamental verschiedene Typen der Wirbelkörperbildung unterscheiden: die Wirbelkörperbildung durch Knorpelbildung und spätere Verkalkung der Chordafaserscheide (Chorda- 26 Morphologische Vorbemerkungen. wirbel), und die, Wirbelkörperbildung unter Ausschluß der Chordascheide nur aus dem perichordalen, d. h. die Chorda umgebenden Bindegewebe (Bogenwirbel). I. Chordawirbelkörper (= Chordazentren). — Im ersten Falle entsteht ein „Wirbel" dadurch, daß in der faserigen Hüllschicht der Chorda dorsalis, der ,, Chordascheide", in regelmäßigen Zwischenräumen Knorpelbildungen auftreten, die allmählich gegen das Innere der Chorda vordringen und sie an diesen Stellen abschnüren, so daß sie ein perl- schnurartiges Aussehen erhält. Diese aus der Chordascheide hervor- gehenden Wirbelkörper vergrößern sich nun wieder in verschiedener Weise, und zwar werden drei verschiedene Typen der Wirbelkörper- bildung unterschieden, welche aus der Verknorpelung der Chordascheide hervorgehen. Der einfachste Typus der Wirbelbildung tritt uns bei' einzelnen heute noch lebenden Gruppen der Haifische entgegen. Bei Chlamy- doselache anguineus, einem Haifisch aus der japanischen Tiefsee, ist die Chorda im Schwanzabschnitte völlig einheitlich und durch keine Ringbildungen eingeschnürt; im vorderen Abschnitte der Chorda dor- salis treten jedoch in regelmäßigen Zwischenräumen je zwei aneinander- schließende Ringe auf, welche die Chorda einschnüren und nur im Mittel- punkt der ringförmigen Knochenscheiben einen schmalen Kanal für die Chorda freilassen. Aus dem Grundtypus geht zunächst durch Ausbildung eines knöcher- nen Hohlzylinders um das Chordastück zwischen Vorder- und Hinterwand des Wirbelkörpers der zyklospondyle Wirbeltypus (Fig. 4, a) hervor, den wir bei den lebenden Haifischgattungen Acanthias und Scymnus, sowie bei dem unterliassischen Cestracioniden Palaeospinax antreffen, dem ältesten fossilen Fisch, bei dem ein vollständiger Wirbelkörper nach- gewiesen werden konnte. Vom zyklospondylen Typus zweigen nun zwei divergente Wege ab. Der eine führt zur Bildung eines tektospondylen Wirbels (Fig. 4, b), bei dem sich um die knöcherne Röhre in der Mitte des Wirbelzentrums konzentrisch immer weitere Kalkröhren legen; dies ist der Fall bei den Rochen und bei der Haifischgattung Rhina (Fig. 5, B). Auf dem zweiten Wege wird dagegen die weitere Verfestigung des Wirbels durch die Ausbildung radialer Knochenblätter bewirkt, die von der die Chorda umschließenden zylindrischen Kalkröhre wie die Schaufeln eines Mühl- rades ausstrahlen und auf der Vorder- und Hinterfläche des Zentrums einen Stern bilden, weshalb dieser Typus die Bezeichnung astero- spondyl (Fig. 4, c) erhalten hat. Wir treffen diesen Typus unter den lebenden Haifischen, z.B. bei den Gattungen Scyllium und Lamna(Fig.5, A) an; er kommt bei den Rochen nicht vor. Unter den Wirbeltieren ist es allein bei den Elasmobranchiern zur Morphologische Vorbemerkungen. 27 Ausbildung von Chordawirbeln gekommen, während alle übrigen Wirbel- tiere, soweit sie nicht überhaupt wirbelkörperlos sind (z. B. die Holo- cephali, Dipnoi, die meisten Crossopterygii, Chondrostei und Holostei) Wirbelkörper besitzen, die unter Ausschluß der Beteiligung der Chorda- scheide aus dem die Chorda umhüllenden, ,,perichordalen" Bindegewebe ~<\ N --4-D H E- N" -H Fig. 4. Schema eines zyklospondylen (a), eines tektospondylen (b) und eines astero- spondylen Plagiostomenwirbels. (Nach C. Hasse.) C = Chordakanal. D = Wirbelzentrum. E = Elastica externa. N = Neurapophyse. H = Haemapophyse. Mit stärkerer schwarzer Farbe sind entweder die ringförmigen (in a und b) oder die sternförmigen Verknöcherungen (in c) gekennzeichnet. Fig. 5. A. Asterospondyler Wirbel von Lamna cornubica, Wirbel von Rhina squatina, L. (Nach E. B. Gm. B. Tektospondyler S. Goodrich.) n = Rückenmarkskanal (Neuralkanal), ch = Chordakanal. entstanden sind (Bogenwirbel). Von den Elasmobranchiern führt keine Brücke zu den Teleostomen und zu den höheren Wirbeltieren, sondern sie stellen einen sehr frühzeitig abgezweigten, einseitig spezialisierten und blind endigenden Hauptast des Wirbeltierstammes dar. II. Bogenwirbelkörper (= Bogenzentren). — Der zweite Weg der Bildung eines Wirbelkörpers ist von dem ersten grundverschieden. Hier wird zwar gleichfalls die Chorda dorsalis allmählich durch zuerst 2g Morphologische Vorbemerkungen. knorpelige und dann knöcherne Bildungen eingeschnürt und später verdrängt, aber diese Verknöcherung, die gleichfalls zur Bildung eines Wirbelzentrums führt, geht nicht von der Chordascheide, sondern vom perichordalen Bindegewebe aus und vollzieht sich durch das Wachstum der Bogenelemente, die wir schon kennen gelernt haben. Die vier Paare von Bogenelementen beteiligen sich aber keineswegs immer in demselben Verhältnisse und Ausmaße an der Bildung der Wirbelkörper innerhalb der verschiedenen Wirbeltierstämme, sondern es gibt auch hier verschiedene Wege, auf denen ein Wirbelzentrum ge- bildet werden kann (vgl. die Tabelle der Wirbelbildung bei den Amphi- bien, Reptilien, Vögeln und Säugetieren). Bei den primitiveren Wirbeltieren finden wir stets Wirbelkörper, welche vorn und hinten tief kegelförmig ausgehöhlt sind; da die Hohl- kegel ihre Spitzen gegeneinander kehren, so erhält ein solcher Wirbel eine Sanduhrform, und diese findet sich ebensowohl an den Chorda- wirbeln der Elasmobranchier wie an den Bogenwirbeln der Teleostomen. Man nennt diese bikonkaven Wirbelkörper „amphicoel". Auch bei den höheren Wirbeltieren kommen derartige amphicoele Wirbel vor (z. B. bei Ichthyosauriern und vielen paläozoischen Reptilien). Diese amphicoelen Reptilienwirbel sind jedoch keineswegs den amphicoelen Fischwirbeln homolog, die bei den Elasmobranchiern und bei den Teleo- stomen nach ganz verschiedenem Prinzip gebaut sind und also auch untereinander nicht homolog sein können. Der ,,Wirbel" ist nur ein physiologischer, aber kein morphologischer Begriff; haben auch die ähnlich gestalteten amphicoelen Wirbel der Haifische, Knochen- fische und Ichthyosaurier dieselbe Funktion, so ist doch ihre Genesis ganz verschieden (Chordawirbel und Bogenwirbel) und auch innerhalb der Gruppe der Formen mit Bogenwirbeln ist die Art des Aufbaues des Wirbels aus den Arcualia so ungleichartig, daß wir in diesem Falle die übereinstimmende Form der Wirbelkörper nur als eine Konvergenz- erscheinung, aber nicht als einen Beweis der Verwandtschaft betrachten dürfen. IV. Aufbau und Gliederung des Wirbeltierschädels. Von allen Hartteilen oder Skelettelementen des Wirbeltierkörpers fällt jenen, die sich zum ,, Schädel" zusammenschließen, die weitaus bedeutungsvollste und wichtigste Aufgabe zu, da sie vor allem den Schutz des Gehirns und der mit demselben verbundenen Hauptsinnes- organe durchzuführen haben. Zu diesen Hauptaufgaben des Schädels treten aber frühzeitig noch weitere. Die knorpelige Schädelkapsel ist als Schutzhülle des Gehirns und der 'Hauptsinnesorgane ursprünglich von den das Vorderende des Morphologische Vorbemerkungen. 29 Darmrohres — die Mundöffnung — schützenden Skelettelementen voll- ständig getrennt, so daß die Skeletteile der Mundregion erst später mit dem „Primordialcranium", d. i. der Schädelkapsel, in Verbindung treten. Primitiven Verhältnissen in dieser Hinsicht begegnen wir noch bei ein- zelnen lebenden Haifischen, wie z. B. beim Hundshai (Scyllium canicula, Fig. 6), wo nur das paarig auftretende Hyomandibulare in gelenkige Verbindung mit dem Knorpelcranium tritt, während das Palatoquadratum, gleichfalls ein paarig entwickelter Knochen, durch Ligamente an die Basis des Knorpelcraniums angeheftet ist. Fig. 6. Seitenansicht des Schädels von Scyllium canicula, in 2 / 3 nat. Gr. (Nach S. H. Reynolds.) i. Nasenkapsel. 2. Rostrum. 3. Canalis interorbitalis. Foramen für die Zungenbeinarterie. Foramen für die Augenzweige des V. und VII. Nerven. Foramen carotidicum (Austrittsstelle aus der Orbita). Foramen orbitonasale. Gehörkapsel. q. Foramen carotidicum (Eintrittsstelle in die Orbita). 10. Ligamentum ethmopalatinum. 11. Palato-Pterygo-Quadrat-Bogen. 4- 5- 7- 8. 12. Meckelscher Knorpel. 13. Hyomandibulare. 14. Ceratohyale. 15. Pharyngobranchiale. 16. Epibranchiale. iy. Ceratobranchiale. 18. Kiemenstrahlen (oberhalb ihrer Basis durchschnitten). ig. Extrabranchiale. 20. Ligamentum praespiraculare. //., ///., IV., V., Va, Vlla, IX., X. bezeichnen die Austrittsstellen der be- treffenden Schädelnerven. Wir haben somit zunächst zwischen einer knorpeligen Umhüllung des Vorderendes des Nervenrohres bzw. des Gehirns und. der Haupt- sinnesorgane und verschiedenen Skelettelementen zu unterscheiden, welche mit dem Vorderende des Darmrohres in Beziehung stehen und daher als das ,,Viszeralskelett" bezeichnet zu werden pflegen. Das Viszeralskelett besteht ursprünglich aus einer großen Zahl von Kiemenbögen (das Vorhandensein von 14 Kiemenbögen bei dem Cyclo- stomen Bdellostoma ist als primitives Merkmal anzusehen), dann reduziert sich diese Zahl auf zehn (bei dem Anaspiden Pterolepis aus dem Obersilur Norwegens), besteht später (z. B. bei Lasanius [Fig. 30] 3Q Morphologische Vorbemerkungen. und Thelodus [Fig. 34]) aus acht, dann aus sieben hintereinander- liegenden, knorpeligen Bögen, von denen die zwei vordersten mit den Mundteilen in Beziehung stehen und als der Kieferbogen und Zungen- bein bogen unterschieden werden; die fünf folgenden Bögen, welche an ihren Außenrändern feine Knorpelstrahlen tragen, die zur Stütze der Zwischenwände der Kiemenspalten dienen, werden als Kiemenbögen bezeichnet. Ursprünglich waren alle Viszeralbögen Kiemenbögen und die beiden vordersten sind erst später zum Kieferbogen und Zungen- beinbogen differenziert worden. In der Regel sind sieben Viszeralbögen bei den Elasmobranchiern (Fig. 6) vorhanden, aber bei einigen (z. B. bei Chimaera monstrosa) liegen dem Kieferbogen noch zwei Knorpel- bögen jederseits auf, die Lippenknorpel, welche wahrscheinlich als die beiden vordersten, in den meisten Fällen verloren gegangenen Viszeral- bögen anzusehen sind, so daß ihre Zahl hier ursprünglich neun betragen haben dürfte. Aus der Verschmelzung des Zungenbeinbogens oder des zweiten (regulären) Viszeralbogens mit den hinteren Kiemenbögen gehen bei den luftatmenden Wirbeltieren Bildungen hervor, die zur Zunge in innige Beziehung treten und den sog. Zungenbeinapparat bilden. Wenn auch dieser Zungenbeinapparat (Hyoidapparat) mit dem Schädel bei den Amphibien, Reptilien und Vögeln nicht in Verbindung tritt, so ist dies doch bei den Säugetieren der Fall und er kann daher als Be- standteil des Wirbeltierschädels mitgezählt werden. Die knorpelige Schädelkapsel, die den eigentlichen Kern des Wirbel- tierschädels bildet, ist bei den Cyclostomen in ihrer einfachsten und ursprünglichsten Ausbildung noch heute erhalten; sie ist in drei Ab- schnitte gegliedert, die als Nasenregion, Augenregion und Ohnegion unterschieden werden, an welche sich unmittelbar die Wirbelsäule an- schließt. Bei den Elasmobranchiern bleibt zwar der die Hauptsinnesorgane und das Gehirn einschließende Schädel zeitlebens knorpelig, aber im hinteren Abschnitt der Schädelkapsel ist bereits eine wichtige Ver- änderung nachweisbar, indem es hier durch Einbeziehung einer An- zahl von Wirbelelementen zur Bildung eines Hinterhauptes, einer Oc- cipitalregion, gekommen ist, wie sich aus dem Verhalten der nunmehr in den Gehirnabschnitt des Neuralrohres einbezogenen Nerven nach- weisen läßt. Damit ist aber der Aufbau des Knorpelschädels keines- wegs abgeschlossen; im weiteren Verlaufe der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Wirbeltiere wird das bei den Elasmobranchiern, Teleo- stomen und Amphibien im großen und ganzen gleichartig gebaute Cranium beim Übergange zu dem Amniotentypus noch um einige Wirbel, und zwar um drei, erweitert, wobei es zu der Ausbildung eines neuen Schädel- nerven, des XII. (Nervus hypoglossus) kommt, der aus der Verschmel- zung von drei Spinalnerven hervorgegangen ist. Diese im Laufe der Morphologische Vorbemerkungen. 31 Stammesgeschichte zweimal — zuerst bei den Fischen und zum zweiten- mal bei den Amnioten — eingetretene Vergrößerung des Schädels durch Einbeziehung einiger Wirbel darf natürlich nicht mit der ,, Wirbeltheorie" in Einklang gebracht werden, wie sie von Goethe und Oken vertreten wurde. 1 Die bisher besprochenen Elemente des Wirbeltierschädels (primäre Gehirnkapsel, die vordersten Wirbel, das Viszeralskelett) sind ausnahms- los knorpeliger Natur oder, wenn sie bei höheren Wirbeltieren als Knochen auftreten, doch knorpelig präformiert. Sie gehören daher dem Innen- skelett an. Außer den genannten Elementen des Innenskeletts beteiligen sich aber bei der Mehrzahl der Wirbeltiere auch noch Hautknochen an der Bildung des Schädelskeletts, die also dem Außenskelett angehören. Bei den Fischen ist die Verbindung der Hautknochen mit den unter ihnen liegenden Elementen des Innenskeletts meist eine außerordentlich lockere, so daß die Trennung und Unterscheidung der Elemente des Außenskeletts und des Innenskeletts unschwer möglich ist. 2 Auch bei den Amphibien ist die Verbindung der Knochen des Schädeldaches, das von Deckknochen (Hautknochen) gebildet wird, in den meisten Fällen durchaus lose, so daß die Unterscheidung des Außen- und Innen- skeletts keinen wesentlichen Schwierigkeiten begegnet; aber es hat doch fn einzelnen Fällen, wie bei der Unterscheidung der Dermosupraocci- pitalia des Hautskeletts und des Supraoccipitale des Innenskeletts im Schädel einiger Stegocephalen ziemlich sorgfältiger Untersuchungen bedurft, um die Unterscheidung durchzuführen. Unter den Deckknochen oder Hautknochen des Schädels werden meist zwei Gruppen unterschieden. Die erste Gruppe umfaßt die ver- schiedenen Hautverknöcherungen, welche auf der Oberseite des Schädels, dem eigentlichen „Schädeldach", sowie an den Seiten des Schädels auftreten. Man bezeichnet diese Verknöcherungen als „Hautknochen" im besonderen Sinne und trennt von ihnen jene Knochenplatten als „Zahnknochen" ab, welche aus der Verschmelzung von ursprünglich isolierten Zähnen zu kleineren oder größeren Knochenplatten hervor- 1 Nach dieser Theorie sollte der Schädel, z. B. der Schädel eines Säugetieres, aus der Vereinigung von mehreren Wirbeln hervorgegangen sein, und zwar sprach man von einem Occipital-, Parietal-, Frontal- und Nasalwirbel. Schon Th. H. Huxley und nach ihm C. Gegenbaur (1870) haben diese Theorie bekämpft und ihre Un- haltbarkeit erwiesen. Die Elemente der zum ursprünglichen „Primordialcranium' hinzutretenden Wirbel stecken ausschließlich im Hinterhaupt, und zwar sind viel- leicht die Reste der beim Übergang zu. den Amnioten hinzugefügten Wirbel im Basi- occipitale und Supraoccipitale der Reptilien zu suchen. 2 Von der Schwierigkeit, in einzelnen Fällen zu unterscheiden, ob Haut- oder Knorpelknochen vorliegen, wird später die Rede sein. 32 Morphologische Vorbemerkungen. gegangen sind. Da jedoch die Zähne und die Plakoidschuppen der Haifische (der primitivste Typus der Fischschuppen) homologe Bil- dungen darstellen, so daß man die Zähne der Mundhöhle ebensogut als ,, Mundhöhlenschuppen" bezeichnen könnte wie die Plakoidschuppen der Körperoberfläche als „Hautzähne", so ist diese Unterscheidung von Hautknochen und Zahnknochen nicht sehr streng zu nehmen, weil es auch auf der Oberseite des Schädels durch Verschmelzung der- artiger Plakoidschuppen zur Bildung von Deckknochen gekommen ist. Gleichwohl ist die Unterscheidung von Hautknochen und Zahnknochen aus deskriptiven Gründen von Vorteil (vgl. diese Unterscheidung bei der Besprechung des Stegocephalenschädels). Zu den schwierigsten Problemen der Morphologie gehört die Frage nach der Homologie der Deckknochen des Schädels bei den verschiedenen Klassen und Unterklassen der Wirbeltiere. Innerhalb der Amphibien und der Amnioten ist zwar die Frage der Homologie der einzelnen Elemente des Schädels mit wenigen Ausnahmen (z. B. Frage nach dem Verbleib des Quadratums der Reptilien im Säugetierschädel, Frage nach der Homologie des Mastoideums des Säugetierschädels usf.) befriedigend gelöst, aber die Homologisierung der Deckknochen des Amphibien- und des Teleostomenschädels stößt noch immer auf große Schwierigkeiten und ist noch weit von ihrer Lösung entfernt. Ebenso ist es sehr zweifelhaft, ob die Deckknochen des Schädels bei den ver- schiedenen Panzerfischen des Paläozoikums, welche verschiedenen Unter- klassen der ,, Fische" angehören, z. B. bei den Antiarchi und Arthro- diren, den Deckknochen der Crossopterygier homolog sind. Im all- gemeinen läßt sich jedoch feststellen, daß die Zahl der Deckknochen bei den primitiven Formen größer ist als bei den höher stehenden Wirbel- tieren und man kann diese Reduktion schon bei «den Teleostomen, Stegocephalen und Reptilien verfolgen, wo die Zahl der einzelnen Deck- knochen des Schädeldaches und des Unterkiefers ursprünglich sehr groß ist und allmählich teils durch Verschmelzung einzelner Elemente, teils durch Rudimentärwerden derselben immer mehr abnimmt, wie der Schädelbau der Vögel und der Säugetiere zeigt. Ebenso weist auch der Schädel der Urodelen, Gymnophionen und Anuren eine wesentlich geringere Zahl von Deckknochen als der Schädel primitiver Stego- cephalen auf. Die Zusammensetzung des Dcckknochenschädels der Teleostomen ist außerordentlich verschiedenartig. Man hat wiederholt versucht, einen „Fundamentalplan" im Aufbaue des Schädeldaches, der Kieferregion usw. aufzufinden, aber alle diese Versuche müssen, einst- weilen wenigstens, als fehlgeschlagen betrachtet werden. Ein Schädel- typus, wie er uns bei der Gattung Amia (Fig. 9—13) entgegentritt, ist keinesfalls primitiv, obwohl dieser Typus von den Zoologen in der Regel Morphologische Vorbemerkungen. 33 als der Ausgangstypus für die höher spezialisierten Teleostomen be- trachtet wird. Wenn angenommen wird, wie dies meist zu geschehen pflegt, daß die zwischen den Augenhöhlen liegenden ,,Frontalia", die vor ihnen liegenden „Nasalia" und die hinter den Frontalia gelegenen „Parietalia" als Grundelemente des Schädeldaches der Teleostomen zu A.. B. Fig. 7. Vergleiche zwischen den Schädeldächern von vier fossilen Dipneusten, um die divergente Entwicklung desselben bei Dipterus und Cte- nodus einerseits und bei Scaumenacia und Phaneropleuron anderseits zu zeigen. A: Dipterus (Unterdevon bis Oberdevon). B: Phaneropleuron (oberes Oderdevon). C: Ctenodus (Karbon). D: Scaumenacia (unteres Oberdevon). (A bis C nach E. S. Goodrich, D nach L. Hussakof.) D. betrachten sind, so ist dies durchaus unbegründet. Ursprünglich war der Teleostomenschädel von einer sehr großen Zahl kleiner, mosaik- artig aneinanderstoßenden Platten bedeckt, wie das beispielsweise das Schädeldach des unterdevonischen Dipneusten Dipterus Valenciennesii (Fig. 7) zeigt; später trat im Laufe der Stammesgeschichte der ein- zelnen Stämme eine Verringerung der Plattenzahl infolge von Ver- schmelzungen der benachbarten Knochenplatten ein und es kam zur Bildung von wenigen, aber größeren Plattenpaaren oder Medianplatten Abel, Stämme der Wirbeltiere. 3 34 Morphologische Vorbemerkungen. in der Region des Schädeldaches. Daß diese Verringerung der Platten- zahl hauptsächlich durch eine Verschmelzung der Nachbarknochen zustande kam, darf wohl als sicher angenommen werden. Aber ein- gehendere Vergleiche zeigen, daß der Verschmelzungsprozeß nicht immer dieselben, sondern häufig verschiedene Elemente des Schädel- daches betroffen hat. Ein Vergleich der Schädeldecken von Dipterus (Fig. 7, A) mit Phaneropleuron (Fig. 7, B), Ctenodus (Fig. 7, C), Scau- menacia (Fig. 7, D) und Neoceratodus (Fig. 8) zeigt, daß die Wege, 14- Fig. 8. Links Dorsalansicht, rechts Ventralansicht des (nach A. Günther, Deutung der Schädels von Neoceratodus miolepis Knochen abgeändert). I. - Knorpeliger Abschnitt des Quadra- tums, der mit dem Unterkiefer artikuliert. 7 2. Hintere Medianplatte („Sclero- 8 parietale"). 9 3- Lateralplatte („Frontale"). 10 4- = Vordere Medianplatte („Eth- ii moid"). 12 5- = Nasenöffnungen. 13 6. = Orbita. 14 Pteroticum (von anderen als ,,Praeopercular" und mosum" bezeichnet). Zweite Rippe. Erste Rippe. Vomerzänne. Palato-pterygoidalzähne. Palato-Pterygoideum. Parasphenoideum. Operculum. Autoren „Squa- die zur Herausbildung eines aus wenigeren Platten bestehenden Schädel- daches bei den Dipneusten geführt haben, durchaus verschieden waren und daß es sich hier nicht um homologe, sondern nur um kon- vergente Bildungen handelt. 1 Aus der gleichartigen Lage der Knochenplatten und ihren gegenseitigen Beziehungen, ihrer Lage zwischen den Augenhöhlen usw. darf noch nicht der Schluß gezogen werden, daß 1 Einen v/eiteren, konvergenten Weg der Bildung eines Schädeldaches durch Verschmelzung zahlreicher Platten zu wenigen, großen Platten zeigt das von O. Jaekel („Die Wirbeltiere", 1911, p. 78, Fig. 81) abgebildete Schädeldach des permischen Dipneusten Conchopoma gadiforme, Kner, aus Lebach bei Saarbrücken. Morphologische Vorbemerkungen. 35 die als „Nasalia", „Frontalia", „Parietalia" usw. bezeichneten Knochen in allen Fällen wirklich homolog sind. Die gleichen Erscheinungen — die große Zahl mosaikartig aneinander- stoßender, kleiner Deckknochen im Schädeldache primitiver und ihre Verringerung im Schädeldache spezialisierter Typen — zeigen auch andere Stämme der Teleostomen. Wir finden z. B. bei Lepidosteus (F. Lepidosteidae), Macropoma (F. Coelacanthidae), Acipenser (F. Aci- penseridae), Mesturus (F. Pycnodontidae), Polypterus (F. Polypteridae) usf. in verschiedenen Regionen des Deckschädels die Mosaikfelderung erhalten. Bei Acipenser (Fig. 14) ist dies der Fall in der Schnauzenregion, bei Mesturus (Fig. 15) in der Wangen- und Kehlregion, bei Macropoma (Fig. 16) in der Region zwischen Nasenloch, Oberkiefer, Augenhöhle und Schädeldach, bei Lepidosteus (Fig. 17) in der Oberkieferregion und im Praeopercularfelde, bei Polypterus zwischen Augenhöhle und Hinter- haupt (Fig. 18). Man hat sich in diesen und in analogen Fällen damit aus der Schlinge zu ziehen versucht, daß man eine sekundäre Teilung angenommen hat. Gegen eine derartige Annahme spricht aber ganz entschieden der Umstand, daß es sich in allen diesen Fällen durchwegs um primitivere Typen des Teleostomenstammes handelt, welche wohl zweifellos die Mosaikfelderung dieser Schädelpartien von ihren Vorfahren übernommen haben. Die „Circumorbitalia", „Supratempo- ralia" usf. sind z. B. derartige Erbstücke aus alter Zeit. In einzelnen Fällen ist jedoch sekundär eine Vermehrung der Deckknochen im Schädeldache phylogenetisch jüngerer Teleostomen nachzuweisen. Derartige Beispiele bieten uns einzelne Welse, deren Deckschädel namentlich in der Wangen- und Augenregion sowie in der Kieferregion eine weitgehende Rückbildung der Deckknochen, in der Mitte des Schädeldaches aber eine weitgehende Verschmelzung der ein- zelnen Plattenpaare aufweist, so daß z. B. die ,, Parietalia" nicht mehr als selbständige Knochen entwickelt sind. Bei Synodontis (Fig. 19) schließen sich nun an das „Supraoccipitale", das sonst bei den jüngeren Actinopterygiern, und zwar allein bei diesen, unter den Fischen den hinteren Abschluß des Schädeldaches zu bilden pflegt, bei den älteren Actinopterygiern aber noch fehlt, mehrere sekundäre Hautknochen an, die eine Verlängerung des Schädeldaches über die vordersten Wirbel bilden. Hier liegt also zweifellos eine sekundäre Vermehrung der Deckknochen des Schädels vor, die aber mit der primären Viel- zahl der Deckknochen bei primitiven Teleostomen nicht verwechselt werden darf. Diese Erwägung droht allerdings, den vergleichenden osteologischen Untersuchungen über die Ableitung des Tetrapodenschädels vom Teleo- stomenschädel den Boden zu untergraben. Wenn wir uns darüber klar geworden sind , daß der Ausgangspunkt für den Teleostomenschädel 3g Morphologische Vorbemerkungen. mit zahlreichen Deckknochen in einem Typus zu suchen ist, der eine aus noch zahlreicheren Mosaikschildern bestehende Schädelkapsel besaß und daß aus diesem Typus einerseits das große Heer der Teleostomen und anderseits die Tetrapoden hervorgegangen sind, so werden wir darauf verzichten müssen, in allen Einzelheiten Homologien zwischen den verschiedenen Knochen des Teleostomen- und des Tetrapoden- schädels aufsuchen zu wollen. Viele dieser Knochen scheinen ja homolog zu sein, wie die Nasalia, Frontalia, Parietalia usw., aber wir sehen schon innerhalb des Teleostomenstammes der Dipneusten, daß die Deckplatten des Schädeldaches bei den einzelnen Gattungen aus dem Devon und Karbon nur zum Teile auf gleichen, zum anderen Teile aber auf ungleichen Wegen entstanden sind; so bilden Phaneropleuron und Scaumenacia die eine, Dipterus und Ctenodus eine zweite Ent- wicklungslinie innerhalb der Familie der Ctenodontiden (Fig. 7), wobei der Fortschritt in der Verschmelzung der Deckknochen des Schädels bei Ctenodus (Karbon) im Vergleiche zu Dipterus (Devon) sehr deut- lich ist. Aber auch der leiseste Versuch einer Homologisierung der Schädelknochen z. B. bei Phaneropleuron einerseits und Ctenodus ander- seits stößt auf sehr große, fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Innerhalb der einzelnen Stämme ist es aber freilich meist sehr gut möglich, Schritt für Schritt die Veränderungen der einzelnen Schädeldachelemente, ihre Größenzunahme oder Größenabnahme, ihre Verschmelzung oder Teilung, Orimente und Rudimente zu unterscheiden. Über die Homologie der Deckschädelelemente bei den Amphibien, Rep- tilien, Vögeln und Säugetieren können nur in Einzelheiten 1 Meinungs- verschiedenheiten bestehen, in den Hauptfragen der Homologisierung dagegen nicht. Nur die Homologisierung der Knochen des Teleostomen- schädels mit denen der höheren Vertebraten ist aus den oben gegebenen Darlegungen einstweilen nicht möglich und eine identische Benennung von Knochen, deren Homologisierung nur in beschränktem Ausmaße möglich ist, geradezu fehlerhaft und irreführend. Es sollte daher für die meisten Deckknochen der Teleo- stomen eine selbständige Nomenklatur begründet werden, soweit nicht bereits ohnedies für einzelne Elemente eigene Bezeichnungen vorliegen. Um dies möglich zu machen, müßte 1 Gegenwärtig bestehen die wichtigsten Meinungsdifferenzen in den Fragen nach der Homologie folgender Knochen bei den höheren Vertebraten: Squamosum, Prosquamosum, Supratemporale; Praefrontale, Lacrymale, Adlacrymale; Vomer, Praevorher, Parasphenoid; Orbitosphenoid, Alisphenoid, Epipterygoid; Quadratum, Tympanicum, Malleus. Die wichtigste Literatur über diese Fragen aus den letzten Jahren vgl. bei W. K- Gregory: Critique of Recent Work on the Morphology of the Vertebrate Skull, Especially in Relation to the Origin of Mammals. Journal of Morphology, Vol. XXIV, 1913, p. 1. Morphologische Vorbemerkungen. 37 na. pmx. tili. op. jjobo pobd. pop pter. Fig. 9. Schädelskelett von Amia calva, L., von der Oberseite. (Nach Allis aus Goodrich, unwesentlich abgeändert, teilweise die Bezeichnung der Knochen geändert.) Erklärung der Abkürzungen (auch zu Figg. 10 und 11): adn. = Adnasale. pas. = Parasphenoideum. art. = Articulare. par. = Parietale. bo: = Basioccipitale. pmx. = Praemaxillare. bst. = Branchiostegale. pobd. = Postorbitale dorsale. de. = Dentale. pobv. = Postorbitale ventrale enpt. = Entopterygoideum. pop. = Praeoperculum. ept. = Ectopterygoideum. prf. = Praefrontale. eth. - Dermethmoideum medianum. ptf. = Postfrontale. fr. = Frontale. prot. = Prooticum. hyo. = Hyomandibulare. pt. = Posttemporale. iop. = Interoperculum. pter. = Pteroticum. mg. = Gulare medianum. Q- = Quadratum. mpt. = Metapterygoideum. sang. = Supraangulare. mx. = Maxillare. smx. = Supermaxillare. na. = Nasale. sob. = Suborbitale. op. = Operculum. sop. = Suboperculum. opist. = Opisthoticum. st. = Supratemporale. Orb. - Orbita. sy. = Symplecticum. pa. = Palatinum 1. vo. = Vomer. pal. = Palatinum II. 38 Morphologische Vorbemerkungen. enpt pas. aber die vergleichende Osteologie des Teleostomenschädels von palä- ontologischer Grundlage aus in Angriff genommen werden, eine gewaltige Arbeit, welche die Kräfte zahlreicher Forscher in Anspruch nehmen und lange Zeit erfordern würde. In den folgenden Darlegungen habe ich die bisher allgemein üb- liche Nomenklatur der Deckknochen des Teleostomenschädels einst- weilen beibehalten, da das Hauptziel der Darstellung, die Verwandt- schaftsverhältnisse der Fische einerseits und des höheren Vertebraten anderseits zu erörtern, dadurch nicht be- rührt wird. Die Knochen des Tele- ostomenschädels sind ihrer Entstehung nach entweder Ersatzknochen oder Haut- knochen, aber es ist mit- unter sehr schwierig, in ein- zelnen Fällen diese verschie- dene Herkunft genau festzu- stellen. Schon einige Male ist beobachtet worden, daß ein Hautknochen in tiefere Lagen hinabsinken kann, dann mit dem Knorpelschädel in innige Verbindung tritt und schließ- lich als ein Knorpelknochen entwickelt wird. Dies ist z. B. der Fall mit dem Pte- roticum (= „Squamosum") der jüngeren Actinopterygier. Auch das Umgekehrte kann eintreten, daß ein Knorpel- knochen zu einem Deck- knochen wird; dies ist nach den Untersuchungen von M.Sagemehl (Morpholog. Jahrb., XVII, 1891, S. 556 ff.) beim Opisthoticum ( = Intercalare) der Fall, das ursprünglich ein Knorpelknochen war und in dieser Ausbildung auch noch bei Amia auftritt, aber bei den meisten jüngeren Actinopterygiern nicht mehr mit dem Knorpel verbunden erscheint. Mitunter kommt es auch zu Verschmelzungen zweier heterogener, übereinanderliegender Knochen, wie dies mit dem Postfrontale (ursprünglich ein Deckknochen) und dem Spheno- ticum (Knorpelknochen) der Fall ist; bei Amia sind beide Knochen prot opist Fig. 10. Schädelskelett von Amia calva, L., von der Unterseite. (Nach E. S. Goodrich.) Erklärungen der Abkürzungen vgl. Fig. 9. Morphologische Vorbemerkungen. 39 pmx sop. Fig. 11. Schädelskelett von Amia calva, L., von der Seite gesehen. (Nach E. P. Allis aus E. S. Goodrich; Knochenbezeichnungen zum Teil abgeändert.) Erklärung der Abkürzungen vgl. Fig. 9. pto. pto na. B. fm. fm. Fig. 12. A. Hinterhaupt von Amia calva, L., Holozän. (Nach E. S. Goodrich.) B. Hinterhaupt von Salmo salar, L., Holozän. (Nach C. Bruch.) bo. exo. epo. fm. Kn. na. = Basioccipitale. = Exoccipitale. = Epioticum. = Foramen magnum. = Knorpel des Hinterhauptes (Occi- pitalknorpel). = Neurapophyse eines Wirbels, dessen Zentrum mit dem Basioccipitale verschmolzen ist. pa. pto. op. so. St. tf. Parasphenoid; zwischen ihm und dem Basioccipitale der Augen- muskelkanal (Myodoma) sichtbar. Pteroticum. Operculum. Supraoccipitale. Supratemporale. Temporalgrube. 40 Morphologische Vorbemerkungen. getrennt. 1 Im Folgenden sollen die im Teleostomenschädel gewöhn- lich unterschiedenen Knochen übersichtlich angeführt werden 2 : Basioccipitale (= Occipitale basilare), K. — Am Hinterende des Schädels die untere Grenze des Foramen magnum bildend; es umschließt das Vorderende der Chorda. Seine Endfläche (Ge- lenkfläche) gegen den ersten freien Wirbel ist konkav und wie die Endfläche eines Wirbelkörpers gestaltet (z. B. Amia, Fig. 10 und 12, bö). Exoccipitale (= Occipitale laterale), K. — Schließt seitlich an das Basioccipitale an und bildet die seitliche Begrenzung des Foramen magnum (z. B. Amia, Fig. 12 exo). sang. pr. cor. 2>rsp art. ang. in M. de. spl. dart. dart. Fig. 13. . Unterkiefer von Amia calva, L.; Innenansicht des rechten Unterkieferastes. (Nach Allis, aus E. S. Goodrich; zum Teil abgeändert.) ang. art. dart. de. mM. - Angulare. Articulare. = Dermarticulare. = Dentale. = Mentomandibulare. pr. cor. = Processus coronoideus. prsp. x = Praeoperculare anterius. prsp. 2 = Praeoperculare posterius. spl. = Operculare. sang. = Supraangulare. Basisphenoideum, K. — Ursprünglich paarig, später unpaarig. Schließt vorne in der Mittellinie der Schädelbasis an das Basi- occipitale nicht unmittelbar an, wie der gleich benannte Knochen der Tetrapoden, sondern ist von diesem durch das Prooticum getrennt (z. B. Salmo, Fig. 20, bsph.). Es fehlt häufig bei den jüngeren Actinopterygiern. 1 E. P. Allis, On Certain Homologies of the Squamosal, Intercalar, Exocci- pital and Extrascapular Bones in Amia calva. Anatom. Anzeiger, XVI, 1899. 2 K == Knorpelknochen, D = Deckknochen. Mit Ausnahme weniger Knochen, wie z. B. Supraoccipitale, Postoccipitale, Basioccipitale, Mesethmoideum, Praeeth- moideum, Dermcthmoideum medianum und einiger medianer Platten in der Sym- physenregion der Kiemenbögen sind alle Knochen des Teleostomenschädels paarig ausgebildet, die vorstehend genannten dagegen unpaarig. Die Vomeres, ursprüng- lich paarig, verschmelzen bei den phylogenetisch jüngeren Actinopterygiern zu einem unpaarigen, medianen Knochen (Vomer). Morphologische Vorbemerkungen. 41 Parasphenoide um, D. — Liegt über dem Basioccipitale und Basis- phenoid und reicht nach vorne bis zu den Vomeres (z. B. Amia, Fig. 10, pas, Salmo, Fig. 20, pas). Vorne r, D. — Stößt hinten an das Parasphenoid, vorne an das Praemaxillare. Mitunter be- zahnt (z. B. Amia, Fig. 10, vo, Salmo, Fig. 20, vo). Metapterygoideum,K. — Grenzt auf der Gaumenseite des Schä- dels vorne an das Entoptery- Sor. goid und seitlich außen an das Spir. Par. St. Pst. Ectopterygoid ; hinten stößt es an das Quadratum und Hyo- mandibulare an (z. B. Amia, Fig. 10, mpt; Gadus, Fig. 21, Mp). Entopterygoideum (= Meso- pterygoideum), D. — Zwischen Palatinum, Ectopterygoid und Metapterygoid gelegen. Mit- unter bezahnt; bei Amia zahn- los (Fig. 10, enpt). Ectopterygoideum (= Pterygoi- deum), D. — Vorne an das Palatinum, innen an das Ento- pterygoid und Metapterygoid grenzend (z. B. Amia, Fig. 10, ept). Palatinum (= Chondropalatinum, K). — Entsteht aus dem vor- deren Abschnitt des endochon- dralen Palatoquadratum und ist zuweilen deutlich vom zahn- tragenden Dermopalatinum ge- trennt (z. B. Amia, Fig. 10, pal, pä). Palatinum (— Dermopalatinum, D). — Zahntragender Haut- knochen; er kann einfach ausgebildet sein, an seiner Stelle zwei, sogar drei Knochen Fig. 14. Schädeldach von Acipenser sturio, L., von oben gesehen. Die zahlreichen Plättchen derRostralregion sind ebensowenig als Neu- erwerbungen zu betrachten wie die zahl- reichen Supratemporalia und Posttempo- ralia(Psf. u. Poe). (Nach E.S. Goodrich.) a. N. = vordere Nasenöffnung. p.N. = hintere Nasenöffnung. Fr. = Frontale. Op. Par. = Operculum. = Parietale. Poe. = Postoccipitale ( = medianes Prf. Posttemporale). = Praefrontale. Pst. Pto. = Posttemporale. = Pteroticum. R. = Rostralia. Sor. Spir. St. = Supraorbitale. = Spiraculare. = Supratemporale. aber zuweilen sind vorhanden (ob die 42 Morphologische Vorbemerkungen. Fig. 15. Rekonstruktion des Schädels von Mesturus Leedsi, A. S. Woodward, aus dem oberen Jura (Oxford -Ton) von Peterborough in Eng- land, etwa Y2 na t- Größe. . (Nach A. Smith Wood- ward.) par. porb. pter. pmx. ct. Fig. 16. Rekonstruktion des Schädels von Macropoma Mantelli, Ag., aus der oberen Kreide Englands. (Nach E. S. Goodrich.) ant>. = Angulare. pmx. = Praemaxillare. ct. = Cleithrum. pop. = Praeoperculum. cl. Clavicula. par. = Parietale. de. Dentale. porb. = Postorbitale. etil. Ethmoideum. pst. Posttemporale. fr. Frontale. pter. - Pteroticum. mi- Gulare laterale. sob. = Suborbitale. mx. Maxillare. sorb. = Supraorbitalplattenreihe. na. op. - Nasale. Operculum. sp. Operculare. Morphologische Vorbemerkungen. 43 Mehrzahl primär oder sekundär, unsicher) (z. B. Amia, Fig. 10, pa, pal). Alisphenoideum, K. — Tritt in der Regel hinten mit dem Pro- oticum und Sphenoticum, vorne mit dem Orbitosphenoid in Ver- bindung (z. B. Salmo, Fig. 20, as). E. N. Fig. 17. Schädel von Lepidosteus viridis, Gm., von der Seite gesehen. (Nach A.Smith Wood ward, abgeändert von E.S. Good- rich, 1909.) An. = Adnasale. Ang. - Angulare (Dermarticulare?). De. = Dentale. En. - Ethmonasale.*) E. = Ethmoideum. Es. = Extrascapulare. Fr. = Frontale. lop. = Interoperculum. m. = Reihe der Maxillaria. Na. = Nasale. N. = Nasenöffnung. Op. = Operculum. Orb. - Orbita. Par. = Parietale. Pof. = Postfrontale. Pmx. = Praemaxillare. Po. = Mosaikplatten der Praeoper- cularregion. Pop. = Praeoperculum. Porb. = Ppstorbitale. Pier. = Pteroticum. Sang. = Supraangulare. Sorb. = Suborbitale. Spb. = Supraorbitale. Sop. = Suboperculum. St t = Supratemporale laterale. St 2 = Supratemporale medianum. Pmx. Na. *) Aus der Verschmelzung des Nasale mit einem Ethmoidalknochen entstanden. ,,..- M. ' M. ,.' M. ,'■ M. En. M. M. Fr. i M. 1 -M. ...Sorb 1 \ \ -- Spb i\\ Orb. *'**V* l \""~- Spb. \X"~~' ' Pof. 1 \l 4T "' Par. VV^,' '- Pter. 1 'II 'S " St. t N St r % Es. Orbitosphenoideum, K. — ■ Liegt vor dem Alisphenoid und wird von einem großen Nervenloch durchbohrt (z. B. Salmo, Fig. 20, os). Prooticum (= Petrosum), K. — Liegt im vorderen Abschnitt der Gehörkapsel (z. B. Amia, Fig. 10, prot). 44 Morphologische Vorbemerkungen. sop spir. par. pst. Epioticum (= Occipitale externum), K. — Liegt an der oberen und inneren Seite der Gehörkapsel und tritt z. B. bei Amia mit dem Opisthoticum, Exoccipitale und Pteroticum in Grenzverbindung (z. B. Amia, Fig. 12, A, epo). Opisthoticum (= Intercalare), K. — Liegt hinter dem Pro- oticum und unter dem Pte- roticum (z. B. Amia, Fig. 10, opist.). Pteroticum (= Squamosum), K + D. — Zieht sich aus der Gehörregion auf die Ober- seite des Schädeldaches hinauf, wo es mit dem Fron- tale, Parietale und Supra- temporale in Grenzverbin- dung tritt (z. B. Amia, Fig. 10, pter; Fig. 12, A, pto). Sphenoticum (= dem basalen Abschnitt des „Postfron- tale" der Teleostomen, von diesem aber in einzelnen Fällen deutlich getrennt), K. — Liegt unter dem Post- frontale (D) und vor dem Prooticum (z. B. Salmo, Fig. 22, 4). Supraoccipitale (= Occipitale superius), K. — Nur bei jüngeren Teleostomen aus- gebildet, wo es als unpaariger Knochen den hinteren Ab- schluß des Schädeldaches bildet(z.B.Cyprinus, Fig. 23, soc). Posttemporale, D. — Liegt als paariger Knochen hinter dem Supratemporale an der hinteren Lateralecke des Schädeldaches (z. B. Amia, Fig.9, 10, 1 \,pt). Supratemporale (= Extrascapulare), D. — Bei primitiveren Formen (z. B. Rhizodopsis, Polypterus) sind beiderseits mehrere S. vor- handen , mitunter auch in der Mittellinie; einfach (z.B. bei Amia, Fig. 9, st). posp Fig. 18. Schädeldach von Polypterus bichir, Geoff., von oben gesehen. (Nach J. Müller, E. P. Allis und E. S. Goodrich.) Deutung der Knochen zum Teil abgeändert. an. Adnasale. eth. Ethmoideum. fr. = Frontale. mx. = Maxillare. op. = Operculum. Orb. Orbita. par. Parietale. pmx. Praemaxillare. pop. Praeoperculum. porb. - Postorbitale. posp. Postspiracularia. prsp. Praespiracularia. pst. Posttemporale. sop. Suboperculum. spi. = Spiraculum. spir. Spiraculare. st. Supratemporale. Morphologische Vorbemerkungen. 45 Postoccipitale (= medianes Supratemporale), D. — Medianer, un- paariger Knochen, der beim Stör hinter dem mittleren Supra- temporale liegt und vielleicht mit einem primitiven, medianen Posttemporale identisch ist (Fig. 14, Poe). pmx pesp. Fig. 19. Synodontis schal, Sehn. — Schädelskelett von der Seite gesehen. (Nach C. B. Brühl, abgeändert von E. S. Goodrich.) — Die Kieferknochen sind stark reduziert, ge- trennte ,,ParietaIia" fehlen (wahrscheinlich mit dem Supraoccipitale verschmolzen), an das Schädeldach schließen sich mehrere neue Deckknochen an, welche die vor- deren Wirbel überdecken und sogar den ersten Dorsalstachel (?), sp lt umschließen. cl. = Cleithrum. pe. = Pectoralis. eth. = Mesethmoid. Pf- = Praefrontale. fr. = Frontale. pl. = sekundärer Deckknochen. iop. = Interoperculum. pmx . = Praemaxillare. md. = Mandibula. ptf. = Postfrontale. mx. = Maxiila. pts. = Pteroticum. na. = Nasenöffnung. pst. = Posttemporale. ns 2 = Neurapophyse des zweiten Y. = dorsale Radialia. Wirbels. S Pl, sp 2 , sp 3 = Stacheln der Dorsalis. ob. = Oberkieferbärtel. soc. = Supraoccipitale. op. = Operculum. üb. = Mandibularbärtel. Or. = Orbita. Vi = vierter Wirbel, mit den vorderen pesp. = erster Stachel der Pektoralflosse. 'mbeweglich verbunden. Parietale, D. — Meist getrennt vorhanden, aber mitunter (z. B. bei Siluridae) mit angrenzenden Knochen verschmolzen (z. B. Amia, Fig. 9, par). Postfrontale, D. ■ — Liegt über dem Sphenoticum, mit dem es in der 46 Morphologische Vorbemerkungen. Regel verschmilzt, grenzt bei Amia an das Frontale, Pteroticum und Postorbitale (Fig. 9, 11, ptf.). Frontale, D. — Fast immer als getrennter, paariger Knochen ent- wickelt. Liegt auf dem Schädeldach zwischen den Augenhöhlen (z. B. Amia, Fig. 9, 11, fr). pro. pas. os pt. etp. Mck. art. ang. Fig. 20. Schädel von Salmo salar, L. (Lachs), der Länge nach durchschnitten; Innenansicht der rechtsseitigen Schädelhälfte. (Nach C. Bruch, umgezeichnet.) Orbitosphenoideum. Palatinum. Parasphenoideum. Praemaxillare. Prooticum. Ectopterygoideum (= Pterygoid). Quadratum. Stylohyale. Supraoccipitale. Symplecticum. Vomer. ang. = Angulare. OS. art. = Articulare. pal. as. = Alisphenoideum. pas. bo. Basioccipitale. pmx bspli. Basisphenoideum. pro. de. = Dentale. pt. exo. = Exoccipitale. etp. = Entopterygoid. Q- hyo. Hyomandibulare. shy. Mck. Meckelscher Knorpel. so. mpt. Metapterygoideum. sy. mx. = Maxillare. vo. Praefrontale (= Ectethmoideum = Parethmoideum = Ethmoideum laterale), D. - - Bei Amia ein kleiner Knochen vor der Augenhöhle, zwischen Frontale, Nasale, Adnasale und vorderstem Suborbi- tale (z. B. Amia, Fig. 11, prf). Spiraculare, D. — Liegt als größter Knochen der Mosaikplattenreihe zwischen dem Parietale und Praeoperculum von Polypterus bichir (Fig. 18, spir.). Morphologische Vorbemerkungen. 47 Praespiracularia, D (nov. nom.). — Mit diesem Namen sind die kleinen knöchernen Mosaikplatten zu bezeichnen, die vor dem Spiraculare von Polypterus liegen (Fig. 18, prsp.). Postspiracularia, D (nov. nom.). — Liegen hinter dem Spiraculare und reichen bis an den Hinterrand des Schädeldaches (Fig. 18, posp). Hyp Fig. 21. Unterkiefer und Hyoidbogen eines Dorsches (Gadus morrhua, L.), in l / 2 nat - G r - (Nach S. H. Reynolds, Deutungen der Knochen zum Teil abgeändert.) Ang. = Angulare. Hyp. = Hypohyale. Art. = Articulare. Mp. = Metapterygoid Br. = Branchiostegale. Pal. = Palatinum. Cer. = Ceratohyale. Pte. = Ectopterygoid De. = Dentale. Q. = Quadratum. Enpt. = Entopterygoid. Sty. = Stylohyale. Epi. = Epihyale. Sy. = Symplecticum. Hyo. = Hyomandibulare. Uro. = Urohyale. Postorbitale, D. — Entweder treten hinter dem die Augenhöhle un- mittelbar anschließenden Ring kleiner Knochenplättchen (Circum- orbitalia oder Suborbitalia oder Supraorbitalia) viele Postorbitalia (z. B. Gadus, Fig. 24, pob) oder nur wenige (z. B. Lepidosteus, Fig. 17, Porb.) oder nur eines auf (z. B. Macropoma, Fig. 16, porb). Circumorbitalia, D. — Unter dieser Bezeichnung werden alle Mosaik- platten des inneren Augenringes zusammengefaßt. Mitunter unterscheidet man aber auch Suborbitalia, D, als die vor und unter der Orbita liegenden und als 48 Morphologische Vorbemerkungen. Supraorbitalia, D, die über der Orbita liegenden kleineren oder größeren Knochenplättchen, während die vor der Orbita ge- legenen Plättchen zuweilen auch als 12 6 " 13 27 26 Fig. 22. Seitenansicht des Schädels von Salmo salar. (Nach W. K. Parker.) 3- 4- 5- 7- 8. i. Supraoccipitale. 2. Epioticum. Pteroticum. Sphenoticum. Frontale. 6. Dermethmoideum medianum. Parietale. Nasale. Suborbitale. Suborbitale. ii. Supraorbitale. i2. Knorpeliger Sclerotikalring. Verknöcherung im Sklerotikalring. Entopterygoideum. Metapterygoideum. 16. Palatinum. ij. -Supermaxillare. 18. Quadratum. 9- 10. 13- 14. 15- ig. Maxillare. 20. Praemaxillare. 21. Articulare. 22. Angulare. 23. Dentale. 24. Hyomandibulare. 25. Symplecticum. 26. Epihyale. 27. Ceratohyale. 28. Hypohyale. 2Q. Glossohyale. 30. Operculum. 31. Suboperculum. 32. Interoperculum. 33. Praeoperculum. 34. Supratemporale. 55. Branchiostegalia. 36. Urohyale. Antorbitalia, D, unterschieden werden (vgl. Fig. 17, sorb; Fig. 11, sorb; Fig. 24, sbo.) 1 Nasale, D. - - Liegt als paariger Knochen vor den Frontalia und bildet die hintere Grenze der Nasenöffnung (z. B. Amia, Fig. 9, na). 1 Als „Antorbitale" wäre auch jener Knochen zu bezeichnen, der von vielen Autoren fälschlich mit dem Lacrymale der Tetrapoden homologisiert wird; es käme übrigens nur das Adlacrymale in Betracht, da Lacrymale = Praefrontale ist. Morphologische Vorbemerkungen. 49 Ad nasale, D. — Liegt außerhalb seitlich von Nasale und bildet die Außengrenze der Nasenöffnung (z. B. Amia, Fig. 9, adn.). Lateral linienknochen, D. — Kleine Hautknochenplättchen im Be- reiche der Laterallinie, die oberhalb des Hyomandibulare ver- läuft (z. B. Gadus, Fig. 24, lo). meth. pmx. 2xp Fig. 23. Schädeldach von Cyprinus carpio L., von oben gesehen. Deutung der Knochen nach E. S. Goodrich, 1909. epo. = Epioticum. pmx. = Praemaxillare. eth. = Praeethmoideum (Rostrale). pop. = Praeoperculum. fr. = Frontale. ptf. = Postfrontale. meth. = Mesethmoideum. pto. = Pteroticum. mx. = Maxillare. sbo lt sbo 2 = Suborbitalia. op. = Operculum. sob. = Supraorbitale. pal. = Palatinum. soc. = Supraoccipitale. pa. = Parietale. spt. = Supratemporale. Pf. = Praefrontale. st. = vorderes Supratemporale Operculum, D. — Hauptknochen des (gewöhnlich) vier Knochenplatten umfassenden Kiemendeckel (Opercular-)Apparates und stets unter diesen zuhöchst gelegen (z. B. Amia, Fig. 11, op). Suboperculum, D. — Liegt unter dem Operculum (z.B. Amia, Fig. 11, sop). Abel, Stämme der Wirbeltiere. 4 50 Morphologische Vorbemerkungen. Interoperculum (= Infraoperculum), D. — Liegt unter dem Sub- operculum (z. B. bei Amia, Fig. 11, iop). Praeoperculum , D. — Liegt vor den drei hinteren Opercularknochen (Operculum, Suboperculum, Interoperculum) und besitzt meist eine mondsichelförmige Gestalt (z.B. Amia, Fig. 11, pop). fr. pf. art. ang. q. Fig. 24. Schädel von Gadus morrhua L., der im Vergleiche mit dem von Amia (Fig. 11) eine beträchtliche Reduktion der Deckknochen in der Region hinter der Orbita zeigt und ferner durch die hochgradige Spezialisation der Kiefer auffällt. Zu beachten ist die Neubildung von kleinen Knochenplättchen im Bereiche der Seitenlinie (lo). (Nach E. S. Goodrich, zum Teil nach F. J. Cole; unbedeutend abgeändert.) ang. = Angulare. oc. = Kamm des Supraoccipitale art. = Articulare. op. = Operculum. b. = Unterkieferbärtel. Pf- = Praefrontale. d. = Dentale. pmx. = Praemaxillare. fr. = Frontale. pob. = Postorbitale. hm. = Hyomandibulare. pop- = Praeoperculum. wp. = Interoperculum. pst. = Posttemporale. lo. = Knochen der Seitenlinie. v- CO X CO O -*-> "Ö 1 .Ti '— Ä . M — o CJ O et CS 3 g 'S +-> CO CS 1 CJ CO CJ O o °> CJ O D. cu ._ -t-> CJ CO o O o °. cu Cu , , u. ü CO ü E CS 3 cu co cu '^2 3 ü 3 CS T- a3 c o G CS 3 13.2 "es — . 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Cu ~ I J 00 CD 00 O ■a •o CQ 'S s *2 'i: - g « > — ^t MM X X CQ ^ ü er m cd x: CO Morphologische Vorbemerkungen. 59 E 3 E E CD Im O 3 CJ Im CJ CJ 3 CO -t-» CJ CJ CO -4—> ^ o "cö u o CO O x '-S o JE CO CJ Im o x: -^> CO O sz tri -4— ' O 'S, CO CO -4-> 'S 'S Vj C o 'S o 'S o E o o o CO o cu CO E 3 CO CJ E 3 I + cu CO CJ E 3 co -*-» +J CJ -4-> -*-» CJ N ^-> O CJ -M> e .C3 o E QJ c +j E o -*-• -♦-> E E -»-* T3 E o Im o Im «4m o E O Im «4M E CU s: a, o E 03 ej o Im .5 S B O Im Q. CO -4-» CO cu X CO CU X DJ o CO CJ cu Jm CO o CL O Cm Q, C/3 O Cu C/D C/2 B O Cu Q Q. O Cu s 3 c/> o E 5 cj '-— j o Im CU E 3 CO O E CO E 3 CJ O Im E 3 CO O E CO "cö CO O E CO 3 CT CO E 3 CJ O Im E 3 CJ o Im co Cu 3 CO CU -4-> Cu a- CO CU -t-t Cu CU Cu •ö T3 •a •a o n CU O C 0J JE CU JE Q, E 3 cu cu MM E 3 cu ■ cu Q. E o E cu Ä 'o E cu sz i S Q. O, CO ■a CO -a CO ■a C Q. 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Nervus opticus (Sehnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen opticum. III. Nervus oculomotorius (erster Augenbewegungsnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen oculomotorium oder durch das F. lacerum anterius. IV. Nervus trochlearis (zweiter Augenbewegungsnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen trochleare oder durch das F. lacerum anterius. V. Nervus trigeminus (= quintus) (dreigeteilter Nerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen prooticum (mit alien drei Ästen) oder, wenn jeder Ast für sich austritt, der erste Ast durch das Foramen lacerum anterius, der zweite Ast durch das Foramen rotundum, der dritte Ast durch das Foramen ovale. VI. Nervus abducens (dritter Augenbewegungsnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen abducens oder durch das F. lacerum anterius. VII. Nervus facialis (Gesichtsnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen stylomastoideum. VIII. Nervus acusticus (Hörnerv), tritt in der Regel aus durch den Meatus auditorius internus oder durch das Foramen stylo- mastoideum. IX. Nervus glossopharyngeus (Zungen-Rachennerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen glossopharyngeum oder durch das F. lacerum posterius. X. Nervus vagus (herumschweifender Nerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen accessorium. XI. Nervus accessorius (Beinerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen accessorium. XII. Nervus hypoglossus (Zungenfleischnerv), tritt in der Regel aus durch das Foramen condyloideum, (eventuell in zwei Ästen) durch das F. cond. anterius und F. cond. posterius. Morphologische Vorbemerkungen. 61 /. /. Ha. Seh. par. B. olf.L XII. XL III. VI. V. VII. Fig. 28. Reptiliengehirn, A von oben, B von unten, C von links gesehen. Etwas schematisiert. (Nach J. E. V. Boas, zum Teil abgeändert.) /. — XII. = Gehirnnerven. opt. L. par. = Parietalorgan (Parietalauge). hi. pin. = Pinealorgan (Epiphyse). R. pa. = Paraphyse. K. hyp. = Hypophyse (Glandula pitui- taria). Seh. Tr. = Trichter (Infundibulum). ol]. L. = Lobus olfactorius. Ha. Lobus opticus. Hinterhirn (Cerebellum). Nachhirn. Knochen des Schädeldaches, durchbrochen vom Seh. Scheitelloch (Foramen parie- tale). Haut des Schädels. 62 Morphologische Vorbemerkungen. Pa. Unter diesen zwölf Nervenpaaren sind jedoch nur die vorderen zehn als ursprüngliche Schädelnerven zu betrachten, da bei den höheren Vertebraten durch Einbeziehung ver- schiedener Rückenmarksnerven in das Schädelinnere noch der XII. Nerv (Hypoglossus) dazugetreten ist, der aus der Vereinigung mehrerer Einzel- nerven hervorging. Der XI. Nerv (Accessorius) ist als eine Abspaltung des X. (Vagus) anzusehen. Aus die- sem Grunde unterscheidet man die zehn vorderen Nervenpaare als ,,Ur- schädelnerven"(paläokraniale Nerven), die den XII. Nerven bildende Gruppe von Rückenmarks- oder Spinalnerven als ,, Neuschädel- nerven" (neokraniale Nerven). Der den Fischen eigentümliche ,, Seitennerv" (Nervus lateralis), der vom X. Nerven aus abzweigt, steht mit der,, Seitenlinie" oder dem,, Seiten- kanal" der Fische (Fig. 29) in Ver- bindung und repräsentiert ein Haut- sinnesorgan. Er ist auch bei Am- phibienlarven vorhanden und wahr- scheinlich auch bei jenen Stegocepha- len vorhanden gewesen, die auf dem Schädeldach die sog. ,, Schleimkanäle" aufweisen ; bei Micrerpeton caudatum aus dem Karbon von Illinois hat Moodie(1908) die Seitenlinie in der Schwanzregion nachweisen können, wo sie in ähnlicher Weise wie bei der Larve des lebenden Necturus maculatus ausgebildet ist. 1 Fig. 29. Die Schleimkanäle des Schädels von Polypterus. (Nach G. Baur und R. H. Traquair, aus R. L. Moodie.) N. = , Nasenöffnung. Orb. = Orbita. Fr. = Frontale. Pa. = Parietale. Sk. = Seitenkanal. (Vgl. Fig. 26.) 1 Roy L. Moodie, The Lateral Line System in Extinct Amphibia. The Journal of Morphology, Vol. XIX, 1908, p. 511. Die Stämme der Wirbeltiere. Klasse: Rundmäuler (Cyclostomata). In der Gegenwart treten uns in den marinen Myxiniden und den marinen, fluviatilen und lacustrinen Petromyzodontiden Typen entgegen, deren allgemeine Organisation im Vergleiche zu den Fischen als außerordentlich tiefstehend zu betrachten ist. Schon vor langer Zeit hat sie L. Agassiz (1857) von den ,, Fischen" getrennt und wenn, sie auch in neuerer Zeit von manchen Forschern wieder diesem Stamme eingereiht werden, so kann doch keinem Zweifel unterliegen, daß sie sich in zahlreichen Merkmalen so durchgreifend von den Fischen unter- scheiden, daß die phylogenetische Sonderstellung der Rundmäuler durch ihre Abtrennung als eigene Klasse vollauf gerechtfertigt er- scheint. Freilich ist ein Großteil ihrer morphologischen Merkmale auf Rechnung einer hochgradigen, einseitigen Spezialisation und nicht auf die primitive phylogenetische Stufe zu setzen, die sie den Fischen gegenüber einnehmen. Wenn wir, wie dies jetzt wohl allgemein geschieht, die Anaspida den Fischen zurechnen, so verschwinden manche der scharfen Gegensätze und wir werden zu der Annahme gedrängt, daß die Cyclostomen einen mit den Anaspiden aus gleicher Wurzel entsprossenen Stamm bilden, der sich allerdings schon sehr frühzeitig abgezweigt und einseitig entwickelt hat. Das Fehlen der paarigen Flossen ist unter diesem Gesichtspunkte wohl als ein pri- märes Organisationsmerkmal anzusehen, aber andere Merkmale wie die aalförmige Körpergestalt, das Fehlen eines Schuppenkleides u. dgl. dürften wohl als sekundäre Spezialisationserscheinungen zu be- trachten sein. Der rein knorpelige Zustand des Skeletts der Cyclostomen ist wohl gleichfalls als primitives Merkmal zu bewerten. Nach den Unter- suchungen von H. Schauinsland scheinen sich in den segmentierten Partien der Wirbelsäule bei den Petromyzodontiden die Interdorsalia 64 Die Stämme der Wirbeltiere. und Basidorsalia der Fische nachweisen zu lassen, doch ist die Homologie dieser Bogenelemente noch nicht gänzlich sichergestellt. Bei den Myxi- niden fehlen die Arcualia gänzlich. Die medianen Flossen bestehen entweder nur in einem niederen, um das Körperende geschlossen herumziehenden Hautsaum (z. B. bei Bdellostoma und Myxine) oder außer diesem noch aus zwei kleinen Dorsalflossen (z. B. bei Petromyzon fluviatilis). Die Medianflosse wird von Knorpelstrahlen gestützt, bei Myxine sind die terminalen Flossen- strahlen mit ihren Basen zu einer großen medianen Knorpelplatte ver- einigt, die sich dorsal, terminal und ventral um die Chorda dorsalis legt. Auf Schritt und Tritt begegnen wir einer derartigen Mischung von sehr primitiven und hochspezialisierten Zuständen. Besonders deutlich tritt uns dies im Baue der Kiemenregion entgegen. Bei Bdellostoma sind 14 Paare freier und selbständiger Kiemenöffnungen vorhanden; diese hohe Zahl ist wohl nur als ein außerordentlich primitives Merkmal zu bewerten, in dem Bdellostoma viel tiefer steht als die Anaspiden. Aber bei Paramyxine sehen wir, daß die Zahl der Kiemenöffnungen bedeutend verringert ist (auf sechs) und daß sie sehr nahe zusammengerückt sind ; hierbei sind die vorderen Kiemenöffnungen ersichtlich nach hinten ver- lagert worden. Bei Myxine endlich sind die bei Paramyxine noch offenen sechs Kiemenlöcher zu einer einzigen, sehr weit hinten liegenden Kiemenöffnung verschmolzen. Diese eigenartige Spezialisierung ist cTurch die bohrende Lebensweise bedingt; der ganze, von Bdello- stoma über Paramyxine nach Myxine führende Umformungsprozeß der Kiemenregion ist daher als eine sekundäre Spezialisation und als An- passung an die Lebensweise anzusehen. Obwohl sich die Inger (Myxine) in tote Fische einbohren und nicht Schlammwühler sind, wie die Aale, so ist doch die physiologische Bedeutung der Verkleinerung der Kiemenöffnung dieselbe wie bei den Aalen und Muränen und somit als Konvergenzerscheinung zu betrachten. Der Saugmund sowie die übrigen Merkmale der Mundregion — z. B. Zunge, Hornzähne usf. — sind kaum als primitive, sondern als hoch spezialisierte Merkmale anzusehen. Freilich darf hierbei nicht übersehen werden, daß das Ansaugen eine Eigenschaft ist, die wir bei vielen Fischlarven und zwar namentlich bei solchen von primitiven Fischen vorfinden, wie die Larven von Amia, Lepidosteus, Acipenser, Lepidosiren und Protopterus zeigen. Das Vorhandensein eines Saug- mundes bei Palaeospondylus Gunni aus den Caithress Flagstones (Unterdevon) von Schottland kann daher nicht als ein zwingender Grund zur Einreihung dieses kleinen fossilen Fisches in die Klasse der Cyclostomcn betrachtet werden, von der bisher noch keine fossilen Ver- treter mit Sicherheit bekannt sind. Fische (Pisces). 65 Klasse: Fische (Pisces). I. Unterklasse: Anaspida. Aus dem obersten Silur Schottlands hat R. H. Traquair 1 zwei Gattungen Fische beschrieben, welche zweifellos die primitivsten bisher bekannten Vertreter der ganzen Klasse sind. Gliedmaßen fehlen den beiden Gattungen vollständig, das Innenskelett ist mit Ausnahme des bei Lasanius an allen Exemplaren deutlich nachweisbaren, aus acht 2 Bögen bestehenden Kiemenkorbes nicht verkalkt gewesen und daher bei der Fossilisation zerstört worden. Bei Birkenia sind Schuppen vorhanden, die schienenförmig und in Längsreihen an- geordnet sind. Die Oberfläche der Schuppen ist sehr fein gerunzelt; über ihre histologische Struktur läßt sich jedoch bei dem Erhaltungs- zustand der sehr zartkörperig gewesenen Reste kein Urteil abgeben. Fig. 30. Rekonstruktion von Lasanius problematicus, Traquair, von links gesehen, in natür- licher Größe. — Obersilur (Downtonian) Schottlands. (Orig.-Rekonst.) Traquair hat eine Rekonstruktion von Birkenia entworfen, in der er die beiden dorsalen Längsschuppenreihen auf die rechte Körperseite projiziert; dies ist jedoch unrichtig, wie aus der entgegengesetzten Richtung der Schienen mit Sicherheit hervorgeht. Ebenso ist auch, wenigstens bei zwei der von Traquair abgebildeten Exemplare, ein Teil der ventralen Schuppenreihen, besonders in der vordersten Körper- region hinter dem Schädel, infolge Verdrückung bei der Fossilisation, auf die andere Körperseite hinübergequetscht, so daß das restaurierte Bild dieses Fisches ganz anders ist als die von Traquair entworfene Rekonstruktion. Jaekel 3 hat die Ansicht ausgesprochen, daß Tra- quair die Rückenlinie mit der Bauchlinie verwechselt habe, aber diese 1 R. H. Traquair, Report on Fossil Fishes collected by the Geological Survey of Scotland in the Silurian Rocks of the South of Scotland. Transactions R. Soc. Edinburgh, Vol. XXXIX, Part 3, Nr. 32, 1899, p. 827—864, 5 pl. — Supple- mentary Report etc., ibidem, Vol. XL, Part 4, Nr. 33, 1904, p. 879—888, 3 pl. 2 Bei Pterolepis (vgl. unten) sind beiderseits je zehn Kiemenöffnungen vor- handen. 3 O. Jaekel, Die Wirbeltiere. Berlin, 1911, p. 37. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 5 66 Die Stämme der Wirbeltiere. Meinung beruht auf einem Irrtum; die von Traquair angenommene Orientierung des Körpers von Birkenia elegans ist, abgesehen von der unrichtigen Deutung des Verlaufes und der Ausdehnung der Schienen- reihen, richtig. 1 Die Schienenschuppen scheinen sehr zart gewesen zu sein; die eigentümliche Richtung derselben an zwei Exemplaren, die Traquair abbildete, ist wohl auf eine Einsenkung der Weichteile in der vorderen Darmregion zurückzuführen. Daß die Reste dieses Fisches bei der Fossilisation stark geschrumpft sind, zeigt ein Vergleich der drei von Traquair abgebildeten Exemplare. Die beiden Gattungen Birkenia und Lasanius sind in Süßwasser- ablagerungen gefunden worden und das gleiche ist auch bei den drei Fig. 31. Rekonstruktion von Birkenia elegans, Traquair, von rechts gesehen, in nat. Gr. Obersilur (Downtonian) Schottlands. (Orig.-Rekonst.) Gattungen Pterolepis, Pharyngolepis und Rhyncholepis der Fall, die in gleichalten Schichten (Downtonian) bei Rudstangen in Norwegen (bei Christiania) entdeckt worden sind. Nach den vorläufigen Mit- teilungen von J. Kiaer 2 über diese Funde ist die Familie der Ptero- lepiden von den Birkeniiden durch eine andere Anordnung der Schuppen- rei-hen verschieden, die in ihrem Verlaufe den Myotomen entsprechen. Bei Pterolepis nitidus steht vor der Dorsalflosse ein auf einer Basal- platte ruhender Flossenstachel. Die Stellung von Euphanerops longaevus, den A. Smith-Wood- ward 3 aus dem Oberdevon von Quebec in Kanada beschrieb, ist frag- lich. Kiaer stellt diese, einstweilen nur durch einen sehr schlecht er- 1 Auch Prof. J. Kiaer (Christiania) ist dieser Ansicht, wie er mir in einem Briefe (vom 27. XI. 1917) mitteilt. 2 J. Kiaer, A New Downtonian Fauna in the Sandstone Series of the Kri- stiania Area. A Preliminary Report. Videnskapsselskapets Skrifter, mat. nat. Kl-, Kristiania, I. Bd., 1911, Nr. 7, p. 17. 3 A. Smith Woodward, On a New Ostracoderm (Euphanerops longaevus) from the Upper Devonian of Scaumenac Bay, Province of Quebec, Canada. Ann. & Mag. Nat. Hist., London, (VII), Vol. V, 1900, p. 416 — 418, 1 pl. Fische (Pisces). 67 haltenen Rest (1. c, S. 13) vertretene Gattung noch zu den An- aspiden, aber es ist wahrscheinlicher, daß 0. P. Hay im Rechte ist, der (1902) die Familie der Euphaneropiden den Cephalaspiden an- schließt. Trotz mancher Verschiedenheiten zwischen diesen Gattungen stellen sie doch offenbar Vertreter einer allen übrigen Fischen gegenüberzustellenden Gruppe dar, die als die Unterklasse der Anaspida abgetrennt werden muß. Die Gründe, die für eine so scharfe Abtrennung von den Osteostraci sprechen, bestehen nament- lich in dem Vorhandensein eines ventralen Flossensaumes, der aus dreieckigen, nach hinten gerichteten Hautlappen besteht. Die Funktion desselben ist wahrscheinlich in erster Linie die eines Richtung haltenden Ventralkieles gewesen, aber es ist auch möglich, daß die Lappen an der Lokomotion beteiligt waren. Der hauptsächliche Lokomotions- apparat der fusiform gestalteten und daher jedenfalls freischwimmenden oder ,,nektonischen" Tiere ist aber gewiß die Terminalflosse gewesen, in deren oberen Lappen sich das Körperende fortsetzte, wie dies bei den weitaus meisten paläozoischen Fischen die Regel ist. Ein zwin- gender ethologischer oder morphologischer Grund für die Annahme Jaekels, daß sich das Körperende in den unteren Terminalflossen- lappen in derselben Weise fortsetzte, wie dies bei den Ichthyosauriern oder den Thalattosuchiern der Fall war, liegt nicht vor. Das auffallendste Merkmal dieser eigentümlichen Gattungen besteht neben dem Vorhandensein des ventralen Flossensaumes in dem voll- ständigen Fehlen der paarigen Flossen. Freilich fehlen sie auch bei allen Osteostraken, aber man könnte hier das Fehlen der paarigen Flossen eventuell als sekundären Verlust infolge des Überganges zur benthonischen Lebensweise ansehen, eine Auffassung, die ich allerdings mit Rücksicht auf das Fehlen der paarigen Flossen bei den fusiformen Pteraspiden nicht teilen kann. Bei den Anaspiden ist das Fehlen der paarigen Flossen kaum anders, als ein ursprüngliches Verhalten anzu- sehen. Daß der mediane ventrale Hautlappensaum der Anaspiden den Ausgangspunkt der paarigen Flossen darstellt, die wir bei höherstehenden Fischen antreffen, ist aus verschiedenen Gründen durchaus unwahr- scheinlich. Die Anaspiden sind schwer in Beziehungen zu den anderen Unter- klassen der Fische zu bringen. Am ehesten wäre es noch möglich, in ihnen die Ahnen der Osteostraci zu erblicken, mit denen namentlich Lasanius eine gewisse Ähnlichkeit in der allgemeinen Körpergestalt besitzt; über diese Frage könnten uns aber erst weitere Funde von Zwischenformen eine Gewißheit verschaffen. Der Besitz von acht Kiemenbogenpaaren, der bei Lasanius ebensowohl wie bei primitiven Osteostraken nachweisbar ist (z. B. bei Thelodus), scheint für ver- 68 Die Stämme der Wirbeltiere. wandtschaftliche Beziehungen zu sprechen, über deren Grad sich jedoch nichts Bestimmtes sagen läßt. F. Lasaniidae. Lasanius. — Nur aus dem obersten Silur (Downtonian) von Schottland in zahlreichen Exemplaren bekannt. Die ventrale Haut- lappenreihe besteht aus 18 oder mehr kleinen dreieckigen Zacken. Das Schädelprofil steigt ziemlich steil an und man muß den Körperabschnitt, der den eigentlichen Schädel und das Viszeralskelett umfaßt, im Ver- gleiche zu dem übrigen Körper als groß bezeichnen. Die von Tra- quair entworfene Rekonstruktion (zuerst 1898 entworfen und 1905 ver- bessert) gibt die Körpergestalt dieses eigentümlichen Fisches, von dem zahlreiche Exemplare vorliegen, nicht glücklich wieder; die hier mitgeteilte Rekonstruktion (Fig. 30) wurde auf Grundlage der Öriginalabbildungen der Reste entworfen, die Traquair nach den Zeichnungen Greens als Lithographien veröffentlichte. In dieser neuen Rekonstruktion sind auch die Muskelzüge angedeutet, die an einem Exemplare zu beobachten sind. Die Haut scheint gerunzelt gewesen zu sein, wenigstens sind an einem Exemplar feine, parallele Runzeln sichtbar, welche eine gleichartige Richtung wie die Schienenschuppen von Birkenia auf- weisen. Bis jetzt sind zwei Arten (L. problematicus und L. armatus) be- schrieben worden. Beide waren Süßwasserbewohner. F. Birkeniidae. Von den Lasaniiden durch den Besitz einer kleinen Rückenflosse sowie der ausgedehnten Bepanzerung des ganzen Körpers mit fein- runzeligen Schienenschuppen unterschieden, die in vier Längsreihen die Körperflanken bedecken. Die Verzerrung der vorliegenden Exemplare hat bei der ersten Bearbeitung durch R. H. Traquair zu einer falschen Vor- stellung von dem Verlauf und den Grenzlinien der Schuppenreihen geführt, die in der beigegebenen Abbildung (Fig. 31) berichtigt sind. Der Körper setzt sich in den oberen Lappen der tiefgegabelten Terminalflosse fort. Der ventrale Hautlappensaum umfaßt ungefähr 13 Lappen, deren mittlere am größten sind; ihre genaue Zahl steht nicht fest. Zwischen dem durch andere Art der Beschuppung vom Rumpf deutlich unterscheidbaren Kopf und dem Rumpfe stehen acht kleine Öffnungen, die in einer von hintenoben nach vornunten herabziehenden Linie stehen und wahr- scheinlich Kiemenöffnungen darstellen. Die Bepanzerung des Kopfes zerfällt deutlich in je zwei Paar lateraler Felder, die durch eine Mittel- linie getrennt sind. Welche Deutung wir den kleinen, paarigen Öff- nungen nahe dem Unterrande des Schädels zuzusprechen haben, ist zweifelhaft; vielleicht sind es die Augenöffnungen. Vor und über ihnen liegt ein ovales Feld, dessen Bepanzerung eine andere ist als die der Fische (Pisces). 59 übrigen Schädelpartien; seine Bedeutung ist unaufgeklärt. Vielleicht ist es ein Spiraculum (vgl. die Spiracula der Elasmobranchier). Eine Art (Birkenia elegans) ist in zahlreichen Exemplaren im obersten Silur Schottlands gefunden worden. Auch Birkenia war ein Süßwasserbewohner. F. Pterolepidae. Von den Birkeniiden durch einen anderen Ver- lauf der Schuppenreihen unterschieden, deren Längserstreckung der Richtung der Myotonien entspricht. Pterolepis. — In Süßwasserbildungen des obersten Silur von Rudstangen bei Christiania. Zahlreiche Exemplare gefunden, die aber noch nicht näher beschrieben und abgebildet sind. Ventralschuppen zahlreicher als bei Birkenia, dadurch mehr an Lasanius erinnernd; vor der Dorsalflosse ein Flossenstachel. Zehn Kiemenöffnungen jederseits vorhanden. 1 Körperlänge 10 cm. Pharyngolepis. — Vom gleichen Fundort. Körper langgestreckt, aalförmig, bis 20cm lang. Viel seltener als die vorige Gattung. Nur eine Art (Ph. oblongus) bis jetzt unterschieden. Die Dorsalflosse trägt keinen Stachel; der Kopf ist auf der Oberseite mit zahlreichen kleinen, auf der Unterseite mit großen Platten bedeckt. Rhyncholepis. — Vom gleichen Fundort. Körper klein, bis 7 cm lang, an Birkenia erinnernd. Die Art der Bedeckung des Kopfes mit Deckknochen erinnert nach J. Kiaer an die Anordnung dieser Platten bei den Crossopterygiern. Seiten und Unterseite des Kopfes tragen große Platten. Vor der Rückenflosse stehen zwei große flache Platten. II. Unterklasse: Osteostraci. Schon im oberen Silur Schottlands treten sehr eigentümliche Fische auf, die sich durch breiten, abgeflachten und dorsoventral komprimierten Vorderkörper als benthonische Typen erweisen. Bei den primitivsten Vertretern dieser Gruppe sind keine Panzerplatten oder Hautschilder vor- handen, sondern zahlreiche Dentinschuppen oder ,, Hautzähne", die an die Plakoidschuppen der Haifische erinnern; durch Verschmelzung dieser Einzelschuppen zu Platten entsteht bei spezialisierteren Gattungen zuerst ein mosaikartiger Panzer und schließlich können sich diese kleineren polygonalen Mosaikplatten zu größeren, scheinbar einheit- lichen Plattenkomplexen vereinigen, wie dies im Kopfschild von Cepha- laspis und anderen Gattungen der Fall ist. Die hintere Körperhälfte bleibt bei allen bisher bekannten Formen, welche in dieser Gruppe zu vereinigen sind, schlank und spindelförmig und 1 Briefliche Mitteilung von Prof. Dr. J. Kiaer (Christiania) vom 27. Nov. 1917. 70 Die Stämme der Wirbeltiere. läuft in eine gegabelte oder dreieckige, aber stets asymmetrische „Schwanz- flosse" (Terminalflosse) aus, deren Funktion eine epibatische ist. Bei ein- zelnen Typen (Drepanaspis, Pteraspis) sind dachziegelartige Schuppen vorhanden, deren Form bei Drepanaspis Fichtenzapfenschuppen ähnelt, während sie bei Pteraspis eine rhombische Form besitzen und an die Schuppenformen mesozoischer Teleostomen mit Ganoidschuppen erinnern. Bei Cephalaspis sind mehrere übereinanderliegende Schuppen zu längeren Schienenschuppen verschmolzen, deren Längsachse von oben nach unten (senkrecht zur Körperachse) verläuft; aber diese Schienenschuppen finden sich nur in der vorderen Rumpfregion, wäh- rend die Schwanzregion mit zahlreichen kleinen Schuppen gepanzert ist. Auch hier, wie bei fast allen Fischen, sind somit die phylogenetisch primitiveren Schuppentypen in der Schwanzregion erhalten. Außer der schon erwähnten dreieckigen Terminalflosse (Dre- panaspis, Ateleaspis, Cephalaspis) oder der tief gegabelten Terminal- flosse (Thelodus, Lanarkia) ist bei einigen Osteostraken eine kleine Rückenflosse ausgebildet (Thelodus, Cephalaspis, Ateleaspis), die aber bei anderen Gattungen fehlt (z. B. bei Lanarkia, Drepanaspis und wahrscheinlich auch bei Pteraspis). Nur bei Aceraspis und Micraspis sind zwei getrennte Dorsalflossen beobachtet worden. Die hintere dieser beiden Rückenflossen entspricht der Dorsalflosse von Cephalaspis; J. Kiaer 1 hat die Ansicht ausgesprochen, daß die vordere Dorsalflosse von Aceraspis und Micraspis, die als die Vorläufer von Cephalaspis zu betrachten seien, in den medianen, stark entwickelten Dorsalkamm um- gewandelt worden ist, wie er z. B. bei Cephalaspis Lyelli (nach E. S. Goodrich, 1909) auftritt. 2 Dieser Dorsalkamm fehlt jedoch bei anderen Cephalaspisarten-, z. B. bei C. Murchisoni. Ich möchte dem Vorhanden- sein oder Fehlen der vorderen Dorsalflosse kein allzu großes Gewicht beilegen ; es genügt dieser Unterschied kaum zur Aufstellung einer eigenen Familie (Aceraspidae, Kiaer 1911) für Aceraspis und Micraspis. Von paarigen Flossen ist dagegen bei keinem einzigen Ver- treter dieses Stammes die geringste Spur erhalten geblieben. Das Fehlen derselben ist kaum als Folge des Erhaltungszustandes zu be- trachten; die paarigen Gliedmaßen sind bei den Osteostraken über- haupt nicht ausgebildet gewesen und haben ja auch anderen Gruppen der altpaläozoischen Fische (z. B. bei den Anaspiden und den Anti- archi) bestimmt gefehlt. Die Augen liegen nur bei Thelodus und Lanarkia weit voneinander entfernt an den Seitenrändern des vorderen, stark verbreiterten Kopf- 1 J. Kiaer, A New Downtonian Fauna in the Sandstone Series of the Kristi- ania Area. Vidcnsk. Skrifter, mat.-nat. KL, I. Bd., Christiania 1911, Nr. 7, p. 16. 2 E. S. Goodrich, Vertebrata Craniata, I. Fase., Part IX des ,,Treatise on Zoology" von Ray Lankester, London, 1909, p. 201, Fig. 173. Fische (Pisces). 71 abschnittes dieser Formen, sind aber sonst meist einander stark ge- nähert und liegen auf der Dorsalseite des Kopfes (Ateleaspis, Eukeraspis, Thyestes, Didymaspis, Cephalaspis, Tremataspis); bei den fusiformen Pteraspiden (Pteraspis und Cyathaspis) liegen sie an den Seiten des Kopfes. Drepanaspis ist vollständig blind gewesen, wie aus dem Fehlen der Augenhöhlen in dem Panzerdach des Schädels hervorgeht, das außer der Öffnung für die Mundspalte und einem Paar auf der Ventralseite des Kopfes gelegener sehr kleiner Öffnungen zum Durchtritt von Tentakeln keine anderen Öffnungen aufweist. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Osteostraken unter- einander sind durch die Untersuchungen der letzten Jahre etwas auf- gehellt worden. Man hat früher alle panzertragenden Fische des älteren Paläozoikums als eine geschlossene Gruppe, die der „Panzerfische" oder „Plakodermen", betrachtet und als eine phylogenetische Einheit zusammengefaßt, in der auch die Asterolepiden (jetzt Antiarchi) und die Coccosteiden usw. (jetzt Arthrodira) mit eingeschlossen waren. Später wurden die Arthrodiren von den Plakodermen abgetrennt und zuerst den Dipneusten angegliedert; für die übrig gebliebenen „Panzer- fische" wurde die Bezeichnung Ostracodermi eingeführt. Als R. H. Tra- quair die eigentümlichen Birkeniiden im Obersilur von Lanarkshire als Vertreter der „Ordnung" Anaspida beschrieb, wurden wieder diese beiden Formen den Ostrakodermen eingereiht und so blieb bis heute dieser systematische Begriff der Ostrakodermen oder Placodermen eine Sammelstelle für die Anaspida, Heterostraci (Coelolepidae, Gemün- denidae, Drepanaspidae, Pteraspidae), Osteostraci (Cephalaspidae, Tre- mataspidae) und Antiarchi. 1 — Zweifellos sind also bisher sehr ver- schiedene Typen und Stämme in eine systematische Einheit vereinigt worden, wozu keine zwingenden Gründe vorliegen. Die Anaspida einer- seits und die Antiarchi andererseits stellen so weit divergierende Stammes- reihen dar, daß ihre Vereinigung mit den Gruppen der Heterostraci und Osteostraci eine höchst unnatürliche ist. Löst man diese beiden Gruppen, denen unbedenklich der Rang von Unterklassen zugeteilt werden kann, da sie sich weit von den übrigen Unterklassen der „Fische" im weiteren Sinne entfernen, aus dem Verbände der Heterostraci und Osteostraci los, so bleibt eine in sich geschlossene Gruppe zurück, für welche eine Trennung in zwei Abteilungen überflüssig, ja sogar fehlerhaft wäre, weil die Gegensätze zwischen ihnen keineswegs allzu groß sind. Ich schlage daher vor, die Gruppe der Heterostraci mit der der Osteostraci unter dem letzteren Namen zu vereinigen und die verschiedenen Formen- gruppen dieser größeren Abteilung als Familien zu unterscheiden. 1 Vgl. z. B. die Darstellung der fossilen Fische in E. Kokens Neubearbeitung des betreffenden Abschnittes von K. A. v. Zittel, Grundzüge der Paläontologie, 2. Aufl., 1911, p. 26—39. 72 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Coelolepidae. Die beiden Gattungen Thelodus und Lanarkia, welche von R. H. Traquair in dieser Familie vereinigt worden sind, waren schon vor langer Zeit durch einzelne Schuppen bekannt, die unter verschiedenen Namen von Pander beschrieben worden waren. Beide Fig. 32. Lanarkia spinosa, Traquair, aus dem obersten Silur (Downtonian) Schottlands, nat. Gr. (Nach R. H. Traquair.) Gattungen repräsentieren Fische von sehr tiefstehender Organisation; der Vorderteil des Körpers ist rochenförmig verbreitert und ist seit- lich in je einen dreieckigen Lappen ausgezogen, der Hinterteil ist lang- gestreckt, schlank, und läuft in eine tiefgegabelte, ungleichlappige Ter- minalflosse aus, deren oberer Lappen länger und größer ist als der Fig. 33. Rekonstruktion von Thelodus scoticus, Traqu., aus dem obersten Silur Schottlands. — Verkl. (Nach R. H. Traquair.) untere. Lanarkia (Fig. 32) besaß keine anderen Flossen, Thelodus (Fig. 33) trug eine kleine dreieckige Rückenflosse. Die kleinen Augen standen bei beiden Gattungen weit voneinander getrennt nahe dem Vorderrand des Ktfpfabschnittes; paarige Flossen fehlten gänzlich. Der ganze Körper war mit kleinen Chagrinschuppen von Bau und Form primitiver Elasmobranchierschuppen (Hautzähnen) bedeckt. Ein Exem- plar von Thelodus Pagei (Fig. 34) aus dem unteren Old Red Sand- stone zeigt die Abdrücke von acht Kiemenbögen. Fische (Pisces). 73 Lanarkia. — Obersilur von Schottland (mehrere Arten). Thelodus. — Obersilur und Unterdevon von Schottland, ver- einzelte Schuppen im deutschen und baltischen Obersilur. Fig. 34. Thelodus Pagei , Powrie, aus dem unteren Old Red Sandstone von Turin Hill in Forfarshire, von der Dorsalseite, in etwa 1 / 2 nat. Gr. (Nach R. H. Tra- quair.) Die Kiemenbögen haben hier eine ähnliche Anordnung wie bei Cephalaspis Murchisoni (Fig. 37). Fig. 35. Rekonstruktion von Ateleaspis tesselata, Traquair, aus dem Obersilur (Downtonian Beds) von Seggholm und Birkenhead Burn in Schottland. (Orig.- Rekonst. mit Benützung der Originalabbildungen sowie der Umrißrekonstruktion R. H.Tra- quairs, 1905.) F. Cephalaspidae. Alle Mitglieder dieser Familie (Ateleaspis, Aceraspis, Micraspis, Cephalaspis, Eukeraspis, Thyestes und Didymaspis) besitzen ein flaches Kopfschild, das bei den primitiveren Formen aus zahlreichen einzelnen polygonalen Plättchen besteht, die sich zu einem Mosaik zusammen- 74 Die Stämme der Wirbeltiere. schließen (Ateleaspis, Fig. 35), während bei höher spezialisierten Formen (Cephalaspis Murchisoni, Fig. 36, A) der größte Teil dieser Schildchen zu einem einheitlichen Knochenplattenkomplex verschmolzen ist; bei Cephalaspis Lyelli ist diese Verschmelzung noch weiter vor- geschritten und das aus kleinen Mosaikplättchen bestehende hintere seitliche Abschlußfeld des Schädeldaches von Cephalaspis Murchisoni ist bei C. Lyelli zu einem „Hörn" des Kopfschildes geworden (Fig. 36, B). Dieses „Hörn" -ist bei Eukeraspis pustulifera enorm verlängert; es ist dagegen' bei Thyestes (Fig. 39, 40) und Didymaspis sehr klein. B. Fig. 36. A. Rekonstruktion von Cephalaspis Murchisoni, Egerton , aus den unter- devonischen Übergangsschichten des unteren alten Roten Sandsteins (Lower Old Red Sandstone Passage Beds) von Ledbury in Herefordshire; nach A. Smith Woodward, 1906. B. Rekonstruktion von Cephalaspis Lyelli, Ag., aus dem unterdevonischen Old Red Sandstone Schottlands. — Rekonst. von E. v. Stromer, 1912. (Beide Figuren etwa in 1 / 2 nat. Gr.) Die beiden letztgenannten Gattungen stellen im Rahmen der Cepha- laspiden einen einseitig spezialisierten Seitenzweig dar, bei dem sich die an das Kopfschild von Cephalaspis anschließenden vorderen drei bis vier Schienenschuppen zu einer Platte vereinigt zeigen, die bei Thyestes vom Kopfschild noch getrennt sein kann, aber in einzelnen Fällen mit demselben verschmilzt. Bei Didymaspis wird diese Schienen- schuppenplatte sehr groß, erreicht die Größe des Kopfschildes und erscheint mit diesem zu einem einheitlichen Gebilde verschmolzen. Die Kopfschilder tragen sternförmige Höckerchen und erweisen sich, wie auch die besprochene Reihe von Ateleaspis bis Didymaspis Fische (Pisces). 75 zeigt, als Spezialisationen von Plakoidschuppen, die bei den Vorfahren als „Hautzähne" den Körper bedeckten (wie bei Thelodus oder Lanarkia). Neuere Untersuchungen von A. S. Woodward (1906) über den Bau des Kopfschildes von Cephalaspis haben darüber Aufschluß ge- bracht 1 , daß einzelne scharf abgegrenzte Abschnitte desselben aus locker zu einem Mosaik verbundenen Polygonalplatten bestehen, andere da- gegen einen durch Verschmelzung solcher Platten entstandenen kom- pakten Schild darstellen. Diese Verschmelzung trat dort ein, wo die unter dem Panzer liegenden Weichteile nicht in beständiger Bewegung waren, während über den Kiemenspalten die Platten ein loses Mosaik bildeten, das bei der Fossilisation häufig verloren ging. Solche Mosaikfelder Fig. 37. Kopfschild eines Cephalaspis Murchisoni Lank. aus dem Unterdevon Englands (Original im Museum für Naturkunde in Berlin) mit den deutlich erkennbaren Resten der Kiemen- bögen und den Ausschnitten der Kiemenlöcher, von oben gesehen. 3 / 4 nat. Gr. (Nach O. J aekel, 1903). Die Kiemenöffnungen liegen nicht auf der Dorsal-, sondern auf der Ventralseite des Kopfschildes. Die dunkel schraf- fierten, dreieckigen Lateralplatten sind die beiden ventralen Seitenschilder des Kopfpanzers, die sichtbar sind, weil der Dorsalschild hier abgebrochen ist. begleiten bei Cephalaspis Murchisoni (Fig. 36, A) als ein breites Band den Außenrand des Kopfschildes, bilden die hinteren ,, Hörner" und finden sich außerdem in der Medianlinie hinter den einander stark genäherten Augen, wo sie eine muldenförmige Vertiefung (,, postorbital Valley", Lankester) ausfüllen. 0. Jaekel hat (1903) die Frage aufgeworfen, ob dieses hinter den Augen gelegene vertiefte Feld nicht mit der ,,Fossa rhomboidalis" oder „Rautengrube" des Gehirndaches höherer Wirbel- tiere in Beziehung zu bringen wäre. 1 A. S. Woodward, The Study of Fossil Fishes. — Presidential Adress of the Geologists Association, London; Proc. Geol. Assoc, XIX., Parts 7 and 8, 1906, pag. 268, fig. 2. 76 Die Stämme der Wirbeltiere. Die morphologische Bedeutung der Gruben und Aufwölbungen in der Umgebung der Augenhöhlen ist noch unsicher. Die vor den Augen liegende unpaare mediane Grube ist vielleicht am ehesten (nach 0. Jae'kel , 1903) als die Öffnung für ein unpaares Riechorgan aufzufassen. Die Lage der Kiemenbögen sowie die Querschnitte der Kiemenlöcher sind bei Cephalaspis Murchisoni (Fig. 37) einwandfrei beobachtet worden. Ihre Lage stimmt mit den Verhältnissen von Cyathaspis und mit den auf der Ventralseite des Kopfschildes von Eukeraspis gelegenen rand- lichen Kiemengruben durchaus überein. Ebenso sind die Öffnungen, op- Fig. 38. Rekonstruktion des Kopfschildes von Eukeraspis pustulifera, Ag., aus dem Obersilur von Ludlow in England. (Nach R. Lankester.) O. = Orbita. o. p. ---- Wulst vor der Orbita. i. p. = Wulst hinter den Augenhöhlen in der Mittellinie. p. v. = mediane Furche. c. = ,,Seitenhorn". Fig. 39. Thyestes Egertoni, aus dem un- teren Teil des Old Red Sandstone von Herefordshire, England. Nat. Gr. (Nach A. S. Woodward.) orb. = Orbita, p. o. v. - postorbitale Mulde. die sich in bogenförmiger Reihe auf der Ventralseite des Kopfpanzers von Tremataspis (Fig. 41) finden, zweifellos als die Kiemenlöcher an- zusehen. Die Knochenplatten des Kopfschildes sind aus mehreren Schichten aufgebaut; die äußere Schicht, welche mit glänzenden Höckerchen ornamentiert ist und daher ein schmelzartiges Aussehen zeigt, besteht aus einer Modifikation des Dentins (Kosmin); die mittlere Schicht wird vor; einer grobzelligen, maschig strukturierten Osteodentinschichte, die unterste von einer dichteren Dentinschicht mit zahlreichen Knochenkörperchen gebildet. Die ersten Cephalaspiden erscheinen im Obersilur, die letzten ver- schwinden bereits im unteren Devon. Fische (Pisces). 77 Ateleaspis (Fig. 35). — Obersilur (Downtonian) von Seggholm in Schottland (A. tesselata, Traquair). 1 Aceraspis. — Obersilur (Downtonian) Norwegens (A. robustus, Kiaer). — Eine Zwischenform zwischen Ateleaspis und Cephalaspis. Kopfschild mit breiten, biegsamen Laterallappen an Stelle der „Seiten- hörner" des Kopfschildes von Cephalaspis Lyelli; C. Murchisoni würde zwischen dieser Art und Aceraspis ein Übergangsstadium bilden. Zwei Fig. 40. Rekonstruktion des Kopfschildes von Thyestes verrucosus, F. Schmidt, aus dem Obersilur von Oesel, etwa 4 /i na t- Gr. (Nach O. Jaekel.) Dorsalflossen vorhanden. Mehrere gut erhaltene Exemplare und viele mangelhaft erhaltene Reste aufgefunden, aber noch nicht näher be- schrieben. 2 Micraspis. — Obersilur (Downtonian) Norwegens (M. gracilis, 1 R. H. Traquair, Report on Fossil Fishes collected by the Geological Survey of Scotland in the Silurian Rocks of the South of Scotland. Transactions of the Royal Soc. Edinburgh, Vol. XXXIX. Part III. 1899, p. 834. — Supplementary Report, et\ Ibidem. Vol. XL, Part IV, 1905, p. 883. 2 J. Kiaer, A New Downtonian Fauna in the Sandstone Series of the Kri- stiania Area. A Preliminary Report. Skrifter utgit av Videnskapsselskapet i Kri- stiania, 1911, I. Mat.-Nat. KL, I. Bd., 1912, p. 16. yg Die Stämme der Wirbeltiere. Kiaer). 1 Zwei Dorsalflossen; Seitenhörner nicht ausgebildet, an ihrer Stelle isolierte, biegsame Lappen entwickelt. Schwanzflosse heterozerk, sehr lang. Cephalaspis (Fig. 36, 37). Vom Obersilur bis zum Unter- devon (Unteres Old Red). — Schottland, England, Kanada. Wichtigste Arten: C. Murchisoni, C. Lyelli. Bei der größten Art (C. magnifica, aus den Caithness flagstones Schottlands) erreichte der Kopfschild eine Länge von 22 cm. 2 Eukeraspis (Fig. 38). — Obersilur und unterstes Devon von Ludlow (E. pustulifera). 3 Thyestes (= Auchenaspis) (Fig. 39, 40). — Obersilur von Ösel (Th. verrucosus) und Grenzschichten vom Obersilur zum Devon (Passage-Beds) in Schottland (Th. Egertoni). 4 Didymaspis. — Obersilur Schottlands. 5 F. Tremataspidae. Von dieser merkwürdigen Gruppe ist nur eine Art, Tremataspis Schrencki, aus dem Obersilur der Insel Ösel bekannt. Der Vorderteil des Körpers ist in eine Knochenkapsel eingeschlossen, die dorsoventral abgeplattet ist; die Dorsalfläche der Kapsel besteht aus einem großen Schild, der an den Cephalothorax gewisser Krustazeen erinnert, mit 1 Skrifter utgit av Videnskapsselskapet i Kristiania, 1911, I. Mat.-Nat. Kl-, I. Bd., 1912, p. 17. 2 E. R. Lankester, A Monograph of the Fishes of the Old Red Sandstone of Britain: Part I: The Cephalaspidae. Monographs of the Palaeontographical Society, London, Vol. XXI, 1867 und XXIII, 1869. W. Patten, On the Structure of the Pteraspidae and Cephalaspidae. American Naturalist, Vol. XXXVII, 1903. A. Smith Woodward, Catalogue of the Fossil Fishes in the British Museum. Vol. II, 1891, p. 177. E. S. Goodrich, Vertebrata Craniata; in: Ray Lankester: A Treatise on Zoology, Part IX, London, 1909, p. 200. M. Leriche, Contribution a l'Etude des Poissons fossiles du Nord de La France et des Regions voisines. Memoires de la Soc. Geol. du Nord. T. V, 1906, p. 37. T. W. Bridge, Fishes. TheCambridge Natural History, Vol. VII, 1904, p. 529. A. Smith Woodward, The Study of Fossil Fishes. Proceedings of the Geologists Association, Vol. XIX, 1906, p. 268. O. Jaekel, Tremataspis und Pattens Ableitung der Wirbeltiere von den Arthropoden. Zeitschrift Deutsch. Geol. Ges., 1903, p. 91 (Juliprotokoll). :i E. Ray Lankester, 1. c. 4 F. Schmidt, Über Thyestes verrucosus Eichw. und Cephalaspis Schrenckii Fand., nebst einer Einleitung über das Vorkommen silurischer Fischreste auf der Insel Ösel. Verhandl. Kais. Russ. Mineralog. Ges. St. Petersburg, (2), Vol. I, 1866, p. 217. A. S. Woodward, Outlines of Vertebrate Palaeontology, London 1898, p. 11. O. Jaekel, Die Wirbeltiere. Berlin, 1911, p. 35. 5 E. Ray Lankester, 1. c. Fische (Pisces). 79 denen Tremataspis von W.Patten 1 in Beziehungen zu bringen versucht wurde, was aber einmütige Ablehnung gefunden hat. Der Kopfschild trägt zwei Augenöffnungen von ähnlicher Form und Lage wie die Cephalaspiden; zwischen den Augenhöhlen liegt ein kleines, loses, in der Mitte von der Epiphysenöffnung (Epidyse) durchbohrtes Plättchen, vor den Augen eine mediane Grube, die einer medianen Nasenöffnung entsprechen dürfte und deren Boden eine schlitzförmige, mediane Spalte aufweist. Hinter den Augenhöhlen liegt eine ovale Grube mit spongiösem A. B. Fig. 41. Panzer von Tremataspis Schrencki, Schmidt, aus dem Obersilur von Rootziküll auf der Insel Ösel, in 3 / 2 nat. Gr. A Oberansicht, B Ventralansicht des Panzers. (Nach O. Jaekel.) Boden und nahe dem Seitenrand beiderseits je zwei unregelmäßig um- grenzte Öffnungen, deren Boden gleichfalls spongiöse Beschaffenheit zeigt. Die Deutung dieser fünf Gruben mit spongiösem Boden ist ganz unsicher. 0. Jaekel 2 hielt die Seitenlöcher für Durchtrittsstellen von Tentakeln, was aber ebenso unwahrscheinlich ist wie die Deutungen Pattens; dagegen hat die Deutung Rohons 3 der beiden hinteren 1 W. Patten, On the Structure and Classification of the Tremataspidae. Mem. Acad. Sei. St. Petersbourg, (8), Vol. XIII, 1903, p. 26. Derselbe, On the the Appendages of Tremataspis. American Naturalist, Vol. 37, 1903. 2 O. Jaekel, Tremataspis und Pattens Ableitung der Wirbeltiere von Arthropoden. Juliprotokoll d. Zeitschr. d. Deutschen Geol. Ges., 1903, p. 84. 3 J. V. Rohon, Die obersilurischen Fische von Ösel. Part I. Memoires Acad. St. Petersbourg, (7), Vol. XXXVIII, 1892, p. 1; Part II, ibidem, (7), Vol. XLI, 1893, p. 1. gQ Die Stämme der Wirbeltiere. Öffnungen als Spiracula die größte Wahrscheinlichkeit für sich. Die Seitenränder sind vorn scharf, hinten zackig; die Ventralseite der Kopfkapsel trägt einen Kranz kleiner Öffnungen, deren Lage mit großer Wahrscheinlichkeit darauf schließen läßt, daß es sich um Kiemenöffnungen handelt. Der von ihnen umschlossene Vorderteil des Ventralschildes besteht aus polygonalen, lose aneinandergefügten Platten, den Oralplatten, die bis zur Mundspalte reichen, welche auf der Ventralseite liegt. Die Augen sind, wie O. Jaekel zeigte, von zarten Skierotikalplatten an den Rändern bedeckt gewesen, und zwar scheinen je vier solcher Plättchen vorhanden gewesen zu sein. Das Kopfschild ist von zarten Schleimkanälen durchzogen, deren Verlauf nicht genau feststeht. Ihr wahrscheinlicher Verlauf ist in der beigegebenen Skizze (Fig. 41, A) durch punktierte Linien angedeutet. Wie der hintere Teil des Körpers beschaffen war, ist ganz ungewiß. Am ehesten werden wir an eine Körperform zu denken haben, wie sie Drepanaspis zeigt. Das Tier ist jedenfalls ein benthonischer Meeresbewohner gewesen. Tremataspis (Fig. 41). — Obersilur von Ösel (T. Schrencki). F. Drepanaspidae. Im unteren Devon von Gemünden in Rheinpreußen sind zahlreiche Reste von Panzerfischen gefunden worden, die zwar flachgedrückt und durch den Gebirgsdruck stark verzerrt sind, aber doch die Einzelheiten ihres Außenskeletts sehr deutlich erkennen lassen. R. H. Traquair hat diese Fische (Drepanaspis gemündenensis, Schlüter, 1887) sehr eingehend beschrieben und rekonstruiert. 1 Sie sind die einzigen bisher bekannten Vertreter der nach ihnen benannten Familie der Drepanaspiden. Der Körper (Fig. 42, 43) ist in einen vorderen, größeren, dorsoventral stark komprimierten Kopf-Rumpfabschnitt und in einen hinteren Schwanz- abschnitt getrennt. Der vordere Abschnitt ist in einen Panzer einge- schlossen, der aus einzelnen großen Knochenplatten mit dazwischen- liegenden kleineren Platten besteht; die kleineren Platten bilden ein unregelmäßiges Mosaik. Alle Platten sind mit sternförmigen Höcker- chen besetzt, ein Beweis dafür, daß sie aus der Verschmelzung von ursprünglich einzelnen Hautzähnen (Plakoldschuppen) hervorgegangen sind. Der Schwanz trägt dreieckige, nach hinten spitz zulaufende und sich dachziegelförmig deckende, skulpturierte Schuppen, deren Größe im Bereiche der relativ großen und breit dreieckigen Terminalflosse stark abnimmt; die Mittellinie des schuppentragenden Abschnittes ist 1 R. H. Traquair, The Lower Devonian Fishes of Gemünden. Transactions Royal Soc. Edinburgh, XL, Part 4, Nr. 30, 1903, p. 725. Ibidem (Supplement), XLI, Part 2, Nr. 20, 1905, p. 469. Fische (Pisces). 81 Fig. 42. Rekonstruktion von Drepanaspis Gemündenensis, Schlüter, aus dem Unter- devon von Gemünden in Rheinpreußen, in etwa 1 / 5 nat. Gr.; Ansicht schräge von oben und von links. (Orig.-Rekonstr.) M. Tent Fig. 43. Rekonstruktion von Drepanaspis Gemündenensis, Schlüter, aus dem Unter- devon von Gemünden in Rheinpreußen. A von der Unterseite, B von der Oberseite in ungefähr 1 / 5 nat. Gr. (Rek. auf Grundlage der von R. H. Tra- quair mitgeteilten Photographien und Zeichnungen.) M. = Mundspalte. An. = Afteröffnung. Tent. = Tentakelöffnung. (Die Augenhöhlen sind gänzlich obliteriert.) Abel, Stämme der Wirbeltiere. 6 82 Die Stämme der Wirbeltiere. oben und unten mit stark entwickelten Firstschuppen (Fulkren) be- setzt. Paarige Gliedmaßen oder paarige Flossen fehlen ebenso wie die Rücken- und Afterflossen. Die ventral gelegene Mundspalte ist breit, transversal gestellt, die Afteröffnung sehr klein; Augenhöhlen fehlen gänzlich, so daß Drepanaspis, wie ich 1908 x zeigte, blind gewesen sein muß. Die beiden kleinen Öffnungen, je eine seitlich und hinter dem Mundwinkel gelegen, dienten wahrscheinlich zum Durchtritt von Ten- takeln. 2 ■ Der Fisch war zweifellos ein benthonischer Meeresbewohner und dürfte, wie aus seiner totalen Blindheit zu schließen ist, im Schlamme eingewühlt gelebt haben. Drepanaspis. Unterdevon von Gemünden (Rheinpreußen). F. Pteraspidae. Wie bei den Drepanaspiden ist nur der vordere Teil des Körpers in einen Panzer eingeschlossen, während der hintere, frei bewegliche, Schuppen trug. Die Panzerplatten sind aber nicht, wie bei den Dre- panaspiden, abwechselnd kleiner und größer, so daß die großen medianen und lateralen Schilder von einem Mosaik kleiner Platten unterbrochen erscheinen, sondern der Vorderkörper ist nur von großen Platten ein- geschlossen, die aus drei übereinanderliegenden Schichten ohne Knochen- zellen bestehen. Die Mittelschicht der Panzerplatten des Vorderkörpers besteht bei Pteraspis aus einem grobmaschigen Geflecht von Säulen und Blättern aus phosphorsaurem Kalk; die äußere, härtere Rinden- schicht besteht aus Vasodentin, die innerste aus dünnen Lamellen von phosphorsaurem Kalk. Diese Struktur der Platten des Vorderkörpers der Pteraspiden ist eine unter den Fischen einzig dastehende Er- scheinung. Die Mittelschicht der Panzerplatten .muß von Hautsinnesorganen durchsetzt gewesen sein, die in doppelten Porenreihen ausmünden, welche zueinander parallel verlaufen und makroskopisch als feine Streifen er- scheinen. Außerdem wird die Oberfläche der größeren Platten von Schleimkanälen durchzogen, die M. Leriche 3 auf der medianen Rücken- platte von Pteraspis Crouchi Lank. aus Nordfrankreich genau verfolgen konnte. Der Vorderkörper läuft mitunter in ein langgestrecktes, schmal- kegelförmiges Rostrum aus; am Hinterrande des Rückenschildes findet 1 ü. Abel, Bau und Geschichte der Erde. Wien und Leipzig, 19U9, p. 97. L. Dollo, La Paläontologie ethologique. Bull. Soc. Beige Geol. etc., XXIII, Bruxelles 1909, Memoires, p. 393. 2 O. Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere. 1912, p. 438. 3 M. Leriche, Contribution a l'Etude des Poissons fossiles du Nord de La France. I. c, 1906, p. 30. Fische (Pisces). 83 sich bei Pteraspis (mit Ausnahme von P. Gosseleti) ein beweglicher, medianer Rückenstachel eingelenkt. Ob sich eine Rückenflosse daran schloß, ist ungewiß. Vom Hinterkörper ist nur der vordere Teil besser erhalten, der mit rhombischen Schuppen besetzt war. Die Augenhöhlen waren bei Pteraspis sehr klein, bei Cyathaspis etwas größer, und standen seitlich. Diese Augenstellung in Verbindung mit der allgemeinen Gestalt des Vorderkörpers beweist, daß Pteraspis und die übrigen Gattungen dieser Familie keine schwerfälligen Bodenbewohner wie die Drepanaspiden waren, sondern ein höheres Maß von Beweglichkeit besessen haben müssen. M. A. Os. Op. Vs. Fig. 44. Rekonstruktion von Pteraspis Crouchi , Lank., aus dem Unterdevon Nord- frankreichs und Englands, von der Seite gesehen, in 2 / 3 nat. Gr. (Orig.-Rek. auf Grundlage der Abbildungen von A. Smith Woodward, R. H. Tra- quair und M. Leriche und unter Benützung der von M. Leriche ver- öffentlichten Photographien der Originale.) M. = Mundöffnung. Vs. = Ventralschild. A. = Auge. Ds. = Dorsalschild. Os. = Augenschild. Dst. = Dorsalstachel. Cp. = Cornutalschild. Rs. = Rostrum. Indessen spricht der Besitz des Rostrums dafür, daß z. B. Pteraspis Crouchi (F.g. 44, 45) eine bodenbewohnencle Type war, die ihr Rostrum zum Aufstöbern der Beutetiere verwendete. Der Schwanz ist unbekannt, aber das Vorhandensein einer Schwanzflosse ist als wahrscheinlich anzu- nehmen. Von paarigen Flossen ist keine Spur vorhanden. Pteraspis (= Palaeoteuthis, Archaeoteuthis, Scaphaspis) (F g. 44 bis 47). - Obersilur von England, Polen, Galizien, Schweden, Spitz- bergen, Petschoraland, Nordamerika; Unterdevon von England, Schott- land, Nordfrankreich, Belgien, Nordwestdeutschland (Eifel), Galizien. Von dieser weitverbreiteten Gattung werden zahlreiche Arten unter- schieden (am besten bekannt Pteraspis Crouchi Lankester und Pt. rostrata Ag. aus dem Unterdevon Großbritanniens und Nordfank- reichs). 1 1 Ibidem (ausführliche Literatur über Cyathaspis, Pteraspis, etc.). R. H. Traquair, Report on Fossil Fishes collected by the Geological Survey 6* 84 Die Stämme der Wirbeltiere. Pteraspis Gosseleti Leriche (Fig. 46) aus dem Obersilur Englands besaß ein kurzes Rostrum, P. rostrata Ag. (Fig. 47) ein längeres, das längste P. Crouchi Lank. (Fig. 44, 45). Die Funktion des Rostrums dürfte wohl dieselbe wie bei rostrumtragenden, benthonischen Haifischen gewesen sein. Der Panzer des Vorderkörpers bestand außer dem Rostrum und dem Dorsalstachel (der bei P. Gosseleti fehlt) noch aus einer großen medianen Dorsalplatte, einer ovalen medianen Ventralplatte, zwei von den Augenhöhlen durchbohrten Augenplatten und beiderseits je einer schmalen ,,Cornutalplatte" (F"g. 44, Cp) zwischen dem Rückenschild und Bauch- schild. Diese Cornutalplatte ist bei P. rostrata und P. Gosseleti im hinteren Teile von einem schrägstehenden Schlitz (Fig. 46, Sp) durchbohrt, der als Austrittsstelle des Wassers bei der Kiemenatmung (also als Kiemen- öffnung) gedeutet wurde. Diese Öffnung fehlt aber bei P. Crouchi voll- kommen, wodurch bewiesen ist, daß sie nicht mit den Kiemenöffnungen identisch sein kann. Das Wasser muß aus den Kiemen an der Grenze zwischen dem Dorsalschilde und den Cornutalplatten ausgetreten sein, da die Richtung der Kiemenbögen von Cyathaspis integer (Fig. 48) gegen den Außenrand des Dorsalschildes gerichtet ist. Jedenfalls ist der Dorsalschild gegen die Cornutalplatten beweglich gewesen. Die Mundteile standen auf der Unterseite der Rostralplatte in einem ziemlich großen Ausschnitt derselben. Löcher zum Durchtritt ^von Tentakeln, wie sie bei Drepanaspis zu beobachten sind, fehlen den Pteraspiden. Die Spalte in den Cornutalplatten von Pteraspis rostrata und P. Gosseleti (F ; g. 46 u. 47) dürfte mit der Bewegungsfähigkeit der Platten gegeneinander zusammenhängen. Paarige Flossen fehlen gänzlich. Im vorderen Teile des Hinter- körpers, knapp hinter dem Panzer des Vorderkörpers, sind rhombische Schuppen beobachtet worden, die wahrscheinlich den ganzen Hinter- körper bedeckten. Palaeaspis (= Holaspis). — Eine Art im unteren Old Red Sand- stone von Monmouthshire in Schottland und eine zweite Art aus dem O v ers lur (Onondaga Group) von Pennsylvanien sind nur aus iso- lierten Dorsalschildern bekannt, an deren Unterrändern die Augen- oi Scotland in the Silurian Rocks of the South of Scotland. Transactions of the Roy. Soc. Edinburgh, Vol. XXXIX, 1899, p. 849. (Ausführliche Literatur.) A. von Alth, Über die paläozoischen Gebilde Podoliens und deren Versteine- rungen. Abhandlungen der K. K. Geologischen Reichsanstalt in Wien, VII. Bd., 1874, p. 1. Derselbe, Über die Zusammengehörigkeit der den Fischgattungen Pteraspis, Cyathaspis und Scaphaspis zugeschriebenen Schilder. Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich-Ungarns und des Orients, III. Bd., 1886, p. 61. Fische (Pisces). 85 Fig. 46. Fig. 45. Fig. 47. Fig. 45. Rekonstruktion von Pteraspis Crouchi, Lank., aus dem Unter- devon Nordfrankreichs und Englands, von oben gesehen. Fig. 46. Rekonstruktion von Pteraspis Gosseleti, Leriche, aus dem Ober- silur Nordfrankreichs, von oben gesehen. Fig. 47. Rekonstruktion von Pteraspis rostrata, Ag., aus dem Unter- devon Belgiens, Englands und Nordfrankreichs, von oben gesehen. (Alle 3 Figuren sind Orig.-Rekonstr. in 7 / 9 nat. Gr.) A. - Auge. Rs. = Rostrum. Sk. = Schleimkanäle. Ds. = Dorsalstachel. Sp. = Schlitz in der Cornutalplatte. 86 Die Stämme der Wirbeltiere. höhlen stehen. Dorsalstacheln fehlen. 1 Die Annahme Claypoles 2 von dem Vorhandensein paariger Flossen bei Palaeaspis beruht, wie 0. Jaekel 3 , B. Dean 4 und R.H.Tra- quair 5 gezeigt haben, auf einem Irr- tum. Cyathaspis (Fig. 48). — Die Augenhöhlen sind wie bei Palaeaspis in den Unterrand der Dorsalplatte ein- geschnitten, deren Innenseite die Ab- drücke von sieben Paar Kiemenbögen und der Epiphyse zeigt; der Körper war walzenförmig, die Rostralplatte kurz und stumpf gerundet. Einige Arten aus dem Obersilur Englands, Gotlands, Galiziens und aus Neu- Braunschweig, sowie aus dem Unter- devon Schottlands und Nordfrank- reichs bekannt. Ein gut erhaltenes •Exemplar von C. integer ist in einem Moränengeschiebe (obersilurischer Wen- lockkalk, wahrscheinlich aus Gotland stammend) bei Berlin gefunden worden. 6 Fig. 48. Innenfläche des Kopf- und Rücken panzers von Cyathaspis integer, Kunth, aus dem obersilurischen Wenlockkalk (Moränengeschiebe) von Erkner bei Berlin, 3 /a nat. Gr (Nach O. Jaekel.) A. = Augenhöhle. E. = Epiphysenloch. . III. Unterklasse: Antiarchi. Im Devon von Rußland, im Old Red Sandstone Schottlands, im Devon des Rheinlandes und im Devon von Kanada sind zahlreiche Reste eigentümlich organisierter Panzerfische aufgefunden worden, deren ver- 1 E. W. Claypole, Preliminary Note on some Fossil Fishes recently disco- vered in the Silurian Rocks of North America. American Naturalist, Vol. XVIII, 1884, p. 1222. Derselbe, On the Structure of the American Pteraspidian, Palaeaspis (Clay- pole), with Remarks on the Family. Quart. Journal Geol. Soc, London, Vol. XLVIII, p. 542. a Ibidem, p. 5G0, und: Fins of Palaeaspis americana. American Naturalist, Vol. XXVII, 1803, p. 375. :! O. Jaekel, Referat über E.W. Claypole, op. cit. : Neues Jahrbuch f. Min. etc., 1894, II. Bd., p. 466. 1 B. Dean, Fishes, Living and Fossil. New York, 1895, p. 71. 5 R. H. Traquair, I. c, Transactions Roy. Soc. Edinburgh, Vol. XXXIX, 1899, p. 853. 6 M. Leriche, Contribution a l'fitude des Poissons fossiles du Nord de La France. I. c, 1906, p. 22 (Literatur). Vgl. ferner insbesondere: ü. Lindström, On Remains of a Cyathaspis from the Silurian Strata of Got- Fische (Pisces). 87 wandtschaftliche Beziehungen zu den übrigen fossilen und lebenden Fischen lange Zeit hindurch nicht erkannt worden sind und auch heute noch nicht mit voller Klarheit 'zutage liegen. Daß sie einem Stamm der ,, Fische" angehören müssen, geht aus dem Besitz von Schuppen in dem hinteren Teile des fischförmigen Körpers, sowie aus der Struktur der den Vorderteil des Körpers einhüllenden Knochenplatten hervor, die als verschmolzene Zähne zu deuten sind und als ,, Zahnknochen" bezeichnet werden dürfen. Einige Gattungen, wie Bothriolepis, scheinen zwar schuppenlos gewesen zu sein, schließen sich aber im Bau und in der An- ordnung der Knochenplatten wie im Besitze der eigentümlich organisierten ,, Seitenorgane" eng an die übrigen Gattungen an, die in der Gruppe der Asterolepiden zu einer Familie vereinigt werden müssen. Die Asterolepiden werden meistens als , s Ordnung" der Plakodermen oder Ostrakodermen betrachtet; O. Jaekel 1 ist der Ansicht, daß diese,- von Cope als Antiarcha unterschiedene Gruppe in engeren verwandtschaft- lichen Beziehungen zu den Arthrodiren steht, aber es scheint sich in den übereinstimmenden Merkmalen doch nur um konvergente oder parallele Anpassungen zu handeln, da den übereinstimmenden Merk- malen und Ähnlichkeiten ebensoviele durchgreifende Unterschiede gegenüberstehen. Die Seitenorgane können in keiner Weise mit den paarigen Extremitäten der Elasmobranchier und der Teleostomen in Vergleich gezogen werden und haben auch keineswegs die Funktion von Ruderorganen besessen, wie in früherer Zeit vielfach angenommen wurde, sondern sie haben höchstwahrscheinlich als Fangapparate ge- dient, wie wir sie von den Gespenstheuschrecken oder von Squilla mantis kennen. Die Asterolepiden sind ausnahmslos benthonische, d. i. grund- bewohnende, Tiere gewesen, wofür nicht nur die Abplattung der Ventral- seite des Körpers, sondern vor allem die auf die Oberseite des Schädels verschobenen, dicht beieinander liegenden Augen sprechen. Der Gesamt- habitus der Asterolepiden bewe'st, daß sie sich nicht nur auf dem Meeresboden aufhielten, sondern mit dem Hinterteil ihres Körpers in den Bodenschlamm einwühlten. Die Ausbildung eines starken Knochen- panzers im Vorderteile des Körpers ist wahrscheinlich als ein Schutz- mittel gegen die Angriffe der verschiedenen großen räuberischen Arthro- poden dieser Zeit (z. B. die großen Merostomen) anzusehen, das durch mechanische Reize entstanden und auf dem Wege der Selektion ge- land. Bihang tili Kongl. Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar, Vol. XXI, 1895. O. Jaekel, Tremataspis und Pattens Ableitung der Wirbeltiere von den Arthropoden. 1. c, 1903, p. 92. Derselbe, Die Wirbeltiere. 1. c, 1911. (Cyathaspis integer wird zu Palaeaspis gestellt, p. 32.) 1 Ibidem, p. 38. gg Die Stämme der Wirbeltiere. festigt worden sein dürfte, ebenso wie bei den zahlreichen anderen Panzerfischen des älteren Paläozoikums (Drepanaspidae, Pteraspidae, Cephalaspidae, Tremataspidae, Coccosteidae). F. Asterolepidae. Knorpelskelett unbekannt, aber wahrscheinlich ausgebildet gewesen. Körper im vorderen Teile mit dicken Knochenplatten gepanzert, die sich auf der Oberseite des Schädels zu einem geschlossenen Schilde zusammenschließen, das gegen den Rumpfpanzer an einem transversal stehenden Gelenk bewegt werden konnte (Fig. 49). In der Mitte des Schädeldaches stehen die einander sehr genäherten Augen (Fig. 50 — 52), die durch eine oder zwei kleine Platten getrennt sind. Vor den Augen . Fig. 85. Propristis Schweinfurthi, Dames, aus der oberen Mokattamstufe (Obereozän) des Fayüm, Ägypten. — A. Gesamtansicht des Rostrums; B. Vorderende der Säge mit den ergänzten Zähnen der ,,Säge" in 2 / 3 der nat. Größe; C. Rekonstruktion des Schädels, von der Unterseite gesehen. (Nach E. Fraas.) 126 Die Stämme der Wirbeltiere. merkmal von untergeordneter Bedeutung ist.) — Ganze, gut erhaltene Skelette sind in den lithographischen Schiefern Bayerns nicht selten (z. B. Fig. 87). 14. F. Rhinobatidae. Fossil vom oberen Jura an. — Lebende Type: Rhinobatus. (Tekto- spondyl. Vivipar. Kiemenspalten ventral gelegen. Schädel in eine dreieckige, breite, dorsoventral abgeflachte Spitze ausgezogen.) Die gut erhaltenen Exemplare aus dem oberen weißen Jura Bayerns (z. B. Rhinobatus mira- bilis) oder aus dem Obereozän des Monte Bolca in Oberitalien unterscheiden sich nur in unter- geordneten Merkmalen von den lebenden Arten. (Fig. 88.) 15. F. Rajidae (Glattrochen). Fossil von der oberen Kreide an (Cyclobatis, Raja). — Die fos- silen Arten schließen sich eng an die lebenden an (Fig. 89). (Körper dorsoventral stark abgeflacht, aber der Vorderkörper allmäh- lich in den Schwanz übergehend, ohne Analflosse, Schwanzflosse reduziert oder ganz verloren ge- gangen. Zwei sehr kleine Rücken- flossen, weit hinten gelegen, Kiemenspalten ventral. Ovipar.) 16. F. Torpedinidae (Zitter- rochen). Fossil vom Obereozän an. — Lebende Type: Torpedo. (Im Gegensatz zu der rhombischen Gestalt des Vorderkörpers der Rajiden ist der Vorderkörper hier scheibenförmig (Fig. 90), oft fast von kreisrundem Umriß. Der Vorderkörper geht allmählich in den Schwanzteil über, der zwei kleine Rückenflossen und eine kleine Schwanzflosse trägt. Kiemenspalten ventral. Vivipar.) — Eine der lebenden Gattung Narcine angehörige Art (N. Molini Jkl.) im Obereozän des Monte Bolca. 17. F. Trygonidae (Stachelrochen). Fossil von der oberen Kreide an. — Lebende Type: Trygon. (Im Gegensatz zu den vorher besprochenen Familien mit stark abgeflachtem Rhina squatina P. = Pectoralis V. = Ventralis. Fig. 86. (F. Rhinidae). Holozän. D x = vordere Dorsalis. Do = hintere Dorsalis. Fische (Pisces). 127 Fig. 87. Rhina alifera, Münster, aus den Plattenkalken des obersten Jura von Nusplingen in Württemberg. Stark verkleinert. Original im Senckenberg-Museum zu Frankfurt a. M. (Nach F. Drevermann.) 128 Die Stämme der Wirbeltiere. Körper stoßen die Brustflossen (Fig. 93) vor der Schnauze zusammen, während sie bei den Rhinobatiden, Rajiden und Torpediniden nur seit- lich an das Rostrum angeheftet sind. Der Schwanz ist als peitschen- förmiges oder stark verkürztes Gebilde [Pteroplatea] scharf vom Vorder- körper abgesetzt und trägt meist einen gezähnten Stachel (Fig. 91, 92) an Stelle einer Dorsalflosse. Vivipar.) — Von Urolophus sind Reste aus der oberen Kreide bekannt, von Trygon aus dem Eozän des Monte Bolca in Oberitalien. Fig. 88. Rhinobatus granulatus (F. Rhino- Fig. 89. Raja laevis (F. Rajidae). Holozän. batidae). Holozän. P. = Pectoralis, V. = Ventralis, D 1 vordere, D, hintere Dorsalis. 18. F. Myliobatidae (Meeradler). Fossil vom Untereozän an. - Lebende Type: Myliobatis. (Brust- flossen und Schwanzteil sowie Dorsalstacheln wie bei den Trygoniden, aber Brustflossen zu beiden Seiten des Kopfes unterbrochen (Fig. 93) und weiter vorn wieder ausgebildet. Schwanz extrem verlängert, peitschenartig. Vivipar. Gebiß aus großen, zu einem geschlossenen Mosaik vereinigten Platten bestehend (Fig. 96), während die Zähne Fische (Pisces). 129 der Trygoniden klein sind. Die Myliobatiden sind zweifellos die Nach- kommen der Trygoniden, aber nur jene Formen kommen als Ahnen- typen in Betracht, bei denen der Schwanz nicht verkürzt ist wie bei Pteroplatea altavela.) — Aus dem Eozän und jüngeren Abteilungen des Tertiärs ist eine große Zahl von Arten bekannt, die meist zu lebenden Gattungen gehören (Fig. 94, 95). Fig. 90. Ein blinder Tiefseerochen, Benthobatis Moresbyi (F. Torpedinidae). Abyssale Region des Indischen Ozeans (Küste von Travancore, in einer Tiefe von 430 Faden). — Die Augen sind atrophiert; die auf dem Rücken sichtbaren paarigen Gruben sind die Spirakeln. (Nach A. Alcock, 1898.) P. = Pectoralis. V. = Ventralis. D x und D 2 vordere und hintere Dorsalis. B. Erloschene Familien. 19. F. Gemuendenidae. Im Unterdevon von Gemünden (Rheinpreußen) ist ein verhältnis- mäßig gut erhaltener, freilich stark verdrückter Rest eines Fisches ge- funden worden (Fig. 97), den R. H. Traquair (1903) als Gemündina Stürtzi beschrieb und mit Vorbehalt in Beziehung zu den Cbimäriden brachte. 1 Eine Reihe von Merkmalen spricht für die Einreihung dieses eigentümlichen Typus in die Elasmobranchier. Auf der einen Seite des 1 R. H. Traquair, The Lower Devonian Fishes of Gemünden. Transactions Roy. Soc. Edinburgh, XL, Part 4, Nr. 30, 1903, p. 734. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 9 130 Die Stämme der Wirbeltiere. Fig. 91. Trygon uarnak (F. Trygonidae). Holozän. P. = Pectoralis. V. = Ventralis. St. = Dorsalflossenstachel. Fig. 92. Pteroplatea altavela (F. Trygonidae). — Holozän. = Pectoralis. V. = Ventralis. St. = Dorsalflossenstachel. Fische (Pisces). 131 Restes, die Traquair wohl mit Recht als die Ventralseite bezeichnet, sind in der Vorderregion des dorsoventral stark abgeflachten Vorder- körpers auf der Schieferplatte deutlich umgrenzte Skeletteile zu beob- achten, die dem Kopfskelett angehören müssen; an den bogenförmigen Fig. 93. Der vordere Zusammenschluß der Brustflossen a bei Trygon, b bei Myliobatis, c bei Ceratoptera. (Nach 0. J aekel.) Ausschnitt am Hinterrande des Schädelskeletts legt sich beiderseits je eine deutlich abgegrenzte sichelförmige Spange an, die vielleicht als Schultergürtelspange zu deuten ist. Die Mundspalte liegt dorsal, die kleinen, einander stark genäherten Augen gleichfalls. Die Wirbelsäule zeigt eine deutliche Segmentierung. Die Seitenteile des Vorderkörpers 9* 132 Die Stämme der Wirbeltiere. Fig. 94. Ceratoptera vampyrus (F. Myliobatidae). — Holozän. — Spannweite der Brustflossen etwa 6 m. P. = Pectoralis. V. = Ventralis. D. = Dorsalis. Fig. 95. Myliobatis aquila (F. Myliobatidae). — Holozän. P. ■■- Pectoralis. D a := vordere Dorsalis. V. = Ventralis. St. = Dorsalflossenstachel. scheinen den Brustflossen zu entsprechen; Spuren von Ventralen oder einer Dorsalis sind nicht zu beobachten. Das Hinterende des Körpers fehlt. Der Körper ist mit zahlreichen kleinen Höckern (Hautzähnchen?) Fische (Pisces). 133 — Über die Beziehungen zu den einzelnen Familien und Familien- läßt sich nichts Bestimmtes sagen; wahrscheinlich gehört bedeckt. gruppen Gemündina einem durchaus selbständigen Ast des Elasmobranchier- stammes an. 20. F. Tamiobatidae. Auch diese Familie, die durch eine einzige Art (Tamiobatis vetustus Eastman) aus dem Oberdevon von Kentucky repräsentiert wird, ist Fig. 96. Myliobatis Pentoni A. S. Woodw., ans den mitteleozänen Nummu- litenkalken (untere Mokattamstnfe) des Mokattamgebirges bei Kairo. Unten: Teil des unteren Gebisses, von der Kaufläche gesehen. Oben: Längsschnitt durch eine mittlere Zahnplatte des Unterkiefers. 2 / 3 nat. Gr. (Nach A. Smith Woodward.) von ganz unsicherer systematischer Stellung. Tamiobatis stellt jeden- falls einen benthonischen Elasmobranchier dar, doch ist die Beziehung dieser depressiformen Type zu den Rochenfamilien einstweilen un- aufgeklärt. Möglicherweise haben wir in den Tamiobatiden einen selb- ständigen Ast der Elasmobranchier, bzw. der Plagiostomen zu erblicken. 1 21. F. Cochliodontidae. Von den verschiedenen Typen, die in dieser Familie vereinigt werden, sind fast nur Zähne oder Flossenstacheln bekannt. Die Zahnplatten scheinen aus der Verschmelzung benachbarter Einzelzähne aus ver- 1 Von Tamiobatis vetustus ist nur der Schädel bekannt; er besteht aus schwach verkalktem Knorpel. C. R. Eastman, Tamiobatis vetustus: A New Form of Fossil Skate. American Journal of Science, 4. ser., Vol. IV, Nr. 20, 1897, p. 85. 134 Die Stämme der Wirbeltiere. schiedenen Zahnreihen hervorgegangen zu sein. Nur von einer ein- zigen Gattung und Art (Menaspis armata 1 aus dem Kupferschiefer von Lonau am Harz und von Mansfeld) ist der ganze Körper bekannt (Fig. 98), der mit langen, gekrümmten Stacheln besetzt war. Cochliodus, Deltoptychius, Streblodus, Sandalodus, Deltodus, Psephodus usw. sind Namen für verschiedene Typen von Zahnplatten, die im Karbon von Europa und Nordamerika gefunden worden sind. 2 (Fig. 99 — 100.) A. B. Fig. 97. A. Rekonstruktion von Gemündina Stürtzi, Traqu. (Dorsalansicht), aus dem Unterdevon von Gemünden in Rheinpreußen. — B. Unter- seite desselben Exemplars. Gezeichnet nach den von R. H. Traquair mitgeteilten Photographien des Originals. — Reduziert auf y 3 nat. Gr. (Orig.-Rekonstruktion.) Ob die Cochliodontiden in näheren verwandtschaftlichen Beziehungen zu irgendeiner der heute noch lebenden Familien der Elasmobranchier stehen, ist durchaus zweifelhaft. 1 O. J aekel, Über Menaspis armata Ewald. Sitzungsber. Ges. Naturf. Freunde, Berlin, 1891, p. 115. 2 A. Smith-Woodward, The Evolution of Sharks Teeth. Natural Science, Vol. I, Nr. 9, November 1892, p. 671. Fische (Pisces). 135 22. F. Psammodontidae. Auch die systematische Stellung dieser Familie ist ganz unsicher; sie wurde für verschiedene Zahntypen errichtet, die durch ihre breite, sehr flache Form und ihre punk- tierte oder fein gerunzelte Ober- fläche gekennzeichnet sind. Die quadratischen oder rechteckigen Zähne standen in mehreren Längsreihen in den Kiefern. Ihre Funktion dürfte wohl die- selbe wie die der Zahnplatten der Myliobatiden gewesen sein. — Wichtigste Gattung: Psam- modus (Karbon von Groß- p - Ä9B!^llife£^ britannien und Nordamerika). 23. F. Petalodontidae. Das Gebiß der Gattungen dieser Familie ist gleichfalls an die durophage Lebensweise an- gepaßt; daß die Tiere bentho- nisch lebten, geht auch aus der allgemeinen Körperform von Janassa bituminosa (Fg. 101) aus dem permischen Kupfer- schiefer Deutschlands hervor, die. eine auffallende Ähnlichkeit mit den Körperformen der leben- den Rochen aufweist, ohne aber mit einer der lebenden Familien näher verwandt zu sein. Die Bauchflossen von Janassa be- saßen an der Vorderseite einen kleinen, von der Flosse los- gelösten Fortsatz, den Jaekel als ,, Lauffinger" bezeichnet. Die Zähne der Petalo- dontiden sind sehr eigentüm- lich gestaltet und weichen von allen bekannten Elasmobran- chiergebissen durchaus ab. Die Wurzel ist von der Krone scharf getrennt; die Krone selbst ist im Längsschnitt S-förmig gekrümmt, wie dies namentlich aus dem Gebiß von Janassa klar zu ersehen ist. Fig. 98. Menaspis armata, Ewald, aus dem permischen Kupferschiefer des Martinsschachtes im „Glückauf"- Revier bei Mansfeld in Thüringen, etwa in 2 A nat. Gr. (Nach O. Jaekel.) /3 136 Die Stämme der Wirbeltiere. Zahlreiche Gattungen, alle aus dem Karbon und Perm von Europa und Nordamerika. Janassa. — Permischer Kupferschiefer und Zechstein Deutsch- lands (Fig. (101). Petalodus. — Karbon von Europa und Nordamerika. a b Fig. 99. Psephodus dubius, A. S. Woodward, aus dem unteren Dinantien (Karbon) von Saint-Aubin (Nordfrankreich), a: linke Zahnplatte des Unterkiefers, von vorne gesehen, b: dieselbe, von der Mundseite gesehen. Nat. Gr. (Nach M. Leriche.) Fig. 100. Die Entstehung der Dentalplatten fossiler Elasmobranchier durch cie Verschmelzung von Einzelzähnen j. Heterodontus Philippi. 2. Psephodus magnus. 3. Cochliodus contortus. 4. Deltoptychius acutus. 5. Pleuroplax Rankini. (Nach A. Smith Woodward.) 6. Deltodus sublaevis. 7. Poecilodus Jonesi. 8. Querschnitt durch die Hauptplatte von Cochliodus. (t aus dem Holozän, 2 — 8 aus der Steinkohlenformation.) 24. F. Edestidae. In dieser Familie werden verschiedene Typen von sehr merk- würdigen und ihrer Natur nach zum Teil noch strittigen Gebilden Fische (Pisces). 137 vereinigt, die sich in der einfachsten und primitivsten Ausbildung als hintereinanderstehende Zähne darstellen, deren Vasodentinsockel ver- wachsen sind; so entsteht ein im Profil bananenförmiger, im Quer- Fig. 101. Janassa bituminosa, Schlotheim, ein Petalodontide aus dem permischen Kupfer- schiefer Deutschlands; A. Rekonstruktion der Unterseite in l / 2 nat. Gr., B. Längs- schnitt in der Symphyse durch das Gebiß des Ober- und Unterkiefers, vergrößert. (Nach O. Jaekel.) Fig. A: L. = Lippenknorpel. Uk. = Unterkiefer. Ukg. = Unterkiefergebiß. Okg. = Oberkiefergebiß. K. = Kiemenspalten. Ppt. = Propterygium. P. = Pectoralis. V. = Ventralis. Lf. = „Lauffinger". A. = After. ß = Basalknorpel der Bauchflosse (V). = Beckenelement (als Stütze des Lauffingers?). Fig. B: = Oberkiefer. = Unterkiefer. = Ersatzzähne. iUk. = Innenrand des Unterkiefers in der medianen Symphysenebene. Ukg. = Unterkiefergelenk. Qug. = Gelenk am Palatoquadratum. > Ok. Uk. Ez. schnitt eiförmiger Körper, der bilateral symmetrisch gebaut und auf einer Seite in der Medianebene mit scharfen, an den Schneiden tief gekerbten Zahnrändern besetzt ist (z. B. Edestus crenulatus, Hay, aus dem Karbon von Illinois). Über den Typus Toxoprion mit stärker 138 Die Stämme der Wirbeltiere. gekrümmtem Profil führt die Entwicklung zu den hochspezialisierten Typen Lissoprion und Helicoprion, bei denen der zahntragende Schaft zu einer bilateralsymmetrischen Spirale geworden ist (Fig. 102). Viel- leicht spielen bei dem Krümmungsgrade auch Altersunterschiede eine Rolle. 1 Jedenfalls standen die Spiralen frei aus dem Körper hervor; wahrscheinlich sind es eigenartige Flossenstacheln, die vielleicht vor der Dorsalflosse standen und als Angriffswaffen dienten. 2 Die syste- \ &/• -wv— '- \ ; "ms I | N AJJJ ="' , >- ™ Ä ' fSflflfB^ *£ ^ " WT ■ ym ■. ■{■^^, [Uwe %d < y" ****» < Ml fd >~ /ff ^ ■ M I ,$]&■- mt // 1 VI % Si ^ > . ■ A * Fig. 102. Spiralstachel von Helicoprion Bessonowi, Karpinsky, aus dem unteren Perm (Artinskische Stufe) Rußlands, in Y 2 na t. Gr. (Nach A. Karpinsky.) matische Stellung der Edestiden ist noch zweifelhaft; sie dürften einen Zweig der Plagiostomen bilden. Edestus. Karbon Nordamerikas (Illinois, Nevada, Indiana, Arkansas) und unteres Perm Rußlands (Artinskstufe von Moskau). Toxoprion. — Oberkarbon Nordamerikas (Nevada) und Karbon (?) Australiens. 1 O. Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere. 1912, p. 567— 568. 2 O. P. Hay, On the Nature of Edestus and Related Genera, with Descrip- tions of one New Genus and three New Species. Proc. U. S. Nat. Mus., Washington, XXXVII, 1909, p. 57. Fische (Pisces). 139 Lissoprion. — Oberkarbon Nordamerikas (Idaho und Wyoming). Die Spirale trägt 86 Zähne. Helicoprion. — Unteres Perm (Artinskstufe) von Moskau. — H. Bessonowi 1 erinnert an die offene Spirale eines Crioceras; die Gesamtzahl der Zähne beträgt etwa 180, der Durchmesser der Spirale 26 cm (Fig. 102). 25. F. Ptychodontidae. Die Gebisse der Gattungen dieser Familie — die Hauptgattung ist Ptychodus — bestehen aus sehr zahlreichen, flachen, subquadra- tischen Zahnplatten, welche nicht als verschmolzene Einzelzähne, son- dern als verbreiterte Zahnindividuen aufzufassen sind. Die Kaufläche der Zähne trägt in der Mitte starke Querrunzeln, an den Rändern sind Fig. 103. Rekonstruktion des Unterkiefers und des unteren Gebisses von Ptychodus decurrens, Ag., aus der obersten Kreide von Sussex in England, in Y2 nat - G r - (Nach A. Smith Woodward.) die Runzeln feiner und wechseln mit dichtstehenden Tuberkeln ab. Im Oberkiefer steht in der Medianlinie eine Reihe sehr kleiner Zähne, während im Unterkiefer (Fig. 103) die mediane Reihe die größten Zahn- platten des Unterkiefers enthält. Das Gebiß beweist die durophage und somit benthonische Lebensweise dieser Formen, welche nur aus der mittleren und oberen Kreide bekannt sind; die näheren verwandt- schaftlichen Verhältnisse im Rahmen der Elasmobranchier konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Wirbel sind zyklospondyl gebaut. Mit den Myliobatiden stehen sie in keinem engeren Verwandtschafts- verhältnis. 1 A. Karpinsky, Über die Reste von Edestiden und die neue Gattung Helicoprion. Verh. K. Russ. Mineral. Ges. St. Petersburg (2), XXXVI, Nr. 2, 1899. 40 Die Stämme der Wirbeltiere. IV. Ordnung: Holocephali. Obwohl die ältesten Holocephalen erst aus dem unteren Lias bekannt sind, so kann es doch kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese Gruppe der Fische ein viel höheres geologisches Alter besitzt. Sie stellen einen frühzeitig von dem gemeinsamen Ausgangsstamm der Elasmobranchier abgezweigten Ast dar, der sich in anderer Richtung als die Plagiostomen spezialisiert hat. Die wichtigsten Merkmale der Holocephalen bestehen in der von den Plagiostomen durchaus verschiedenen Art der Zusammensetzung und des Aufbaues der Wirbelsäule; die Chorda dorsalis ist persistent und die Wirbel bestehen aus knorpelig bleibenden Basidorsalia, Supra- dorsalia und Interdorsalia, 'sowie (bei spezialisierteren Typen) aus ein- fachen Ringzentren von der Form eines durchbohrten Damen brett- steins (Fig. 107). Rippen fehlen. Der Schädel ist autostyl (Fig. 71), Fig. 104. Kopfstachel eines Männchens von Chimaera Colliei, rezent; nach B. Dean. ( 6 / x nat. Gr.) D = Zähne des Kopfstachels. MC. = Schleimkanal. S = Boden der Grube für den Stirnstachel. d. h. der Unterkiefer lenkt am Palatoquadratum ein, das ebenso wie das Hyomandibulare mit dem Knorpelcranium unbeweglich verschmolzen ist. Statt der offenen fünf bis sieben Kiemenspalten der Plagiostomen ist nur eine einzige vorhanden, die durch einen dem Operkularapparat der Teleostomen in physiologischer Hinsicht entsprechenden Apparat geschützt wird. Spritzlöcher fehlen. Das Gebiß ist an die durophage Nahrungsweise angepaßt und besteht aus je einem großen Unterkiefer- zahn jederseits, dem oben zwei, mitunter auch drei Zähne jederseits gegenüberstehen. Die Zähne sind von sehr charakteristischer Form, plattenförmig und mit einem oder mehreren Buckeln versehen; diese ermöglichen daher auch die Bestimmung vereinzelt gefundener fossiler Zähne, zumal auch ihre Struktur eine eigenartige ist. Die Zähne Fische (Pisces). 141 bestehen aus Vasodentin und sind von zahlreichen feinen Kanälen durch- setzt, deren Achse zur Reibfläche senkrecht steht. Die Flossen entsprechen ihrem Aufbau nach durchaus den Flossen der Plagiostomen. Der Schädel einiger lebenden Holocephalen (z. B. Callorhynchus, Harriotta) ist vorn in ein Rostrum verlängert, das die Aufgabe hat, den Meeresboden nach Beutetieren zu durchstöbern. Ähnliche Bildungen sind auch bei den fossilen Formen (z. B. bei Acanthorhina, Myriacanthus) vorhanden. Bei den Männchen der lebenden Chimäriden steht auf der Dorsalseite des Schädels ein medianer, nach vorn einklappbarer und in einer Grube versenkbarer, bezahnter Stachel (Fig. 104); bei fossilen Fig. 105. Rekonstruktion des Schädels von Squaloraja polyspondyla, Ag., d 1 , aus dem unteren Lias von Dorsetshire in England, in etwa 1 / 3 nat. Gr. (Nach B. Dean.) Formen (z. B. bei Myriacanthus und Squaloraja) ist dieser Kopfstachel zuweilen in ein langes, spitzes, mit widerhakenartigen Zähnen besetztes Hörn ausgezogen, das auch hier wahrscheinlich nur den Männchen zukam (Fig. 105, 108, 109). Diese Stacheln besitzen eine weite Pul- pahöhle. Auch vor der vorderen Rückenflosse steht fast immer ein langer, kräftiger Stachel. Die Haut ist entweder nackt oder mit kleinen Hautzähnen besetzt. Die Holocephalen sind heute ausnahmslos Grundbewohner und das- selbe gilt für alle bekannten fossilen Formen. F. Squalorajidae. Die allgemeine Körperform erinnert an die lebende Gattung Har- riotta. Das Rostrum ist sehr lang, spitz und dorsoventral komprimiert; beim Männchen ist ein sehr langer, nach vorn gerichteter Kopfstachel vorhanden. Die vordere Dorsalflosse trägt keinen Stachel. 142 Die Stämme der Wirbeltiere. Squaloraja. — Unterer Lias von bis 107). 1 (sfrH ,T\ ö K' & I, Fig. 106. Rekonstruktion des vorderen Körper- abschnittes von Squaloraja polyspondyla, Ag., (?, aus dem unteren Lias von Dor- setshire in England, etwa in 1 / i nat. Gr. (Nach B. Dean, 1906.) /. = Lippenknorpel (?). o. = Orbita. p. = Schultergürtel, r. = Rostralknorpel, am mittleren kleine Seitenstacheln, st. = Knorpelstachel am Kopfe des Männchens, v. = Beckengürtel, w. = Kalkringzentren um die Chorda dorsalis. pl. = Plakoidschuppen. Dorsetshire, England (Fig. 105 F. Myriacanthidae. Vor der Rückenflosse ein großer, hohler Stachel. A. Smith Woodward gibt für Myriacanthus das Vorhanden- sein eines unpaaren Präsym- physealzahnes an, bei Chimae- ropsis scheint nach Zittel et- was Ähnliches der Fall zu sein. Die Frage bedarf indessen mit Rücksicht auf die Beobachtungen von E. Fraas an Acanthorhina Jaekeli noch der Aufklärung. Das Männchen von Myriacan- thus besaß einen sehr großen Kopfstachel, Acanthorhina nur einen kleinen. Der Schädel trägt mehrere laterale Hautplatten, die aus der Verschmelzung von Hautzähnen hervorgegangen sein dürften. Myriacanthus. — Un- terer Lias Englands, oberer Lias Schwabens (Fig. 108). 2 Acanthorhina. — Oberer Lias von Holzmaden in Schwaben (Fig. 109). 3 Chimaeropsis. — Oberer Jura (Tithon) Bayerns. 4 1 A. Smith Woodward, Catalogue of the Fossil Fishes in the British Museum. — Part. II, 1891, p. 40. O. M. Reis, On the Structure of the Frontal Spine and the Rostro-Labial Cartilages of Squaloraja and Chimaera. — Geol. Magazine (4), Vol. II, London 1895, p. 385. 2 A. Smith Woodward, On the Myriacanthidae — an Extinct Family of Chimaeroid Fishes. - - Ann. Mag. Nat. Hist. (6), Vol. IV, London 1889, p. 275. Derselbe, Catalogue of the Fossil Fishes, 1. c, p. 43. — On a New Species of the Chimaeroid Fish, Myriacanthus paradoxus, from the Lower Lias near Lyme Regis (Dorset). — Quart. Journal Geol. Soc. London, Vol. LXII, 1906, p. 1. E. Fraas, Chimaeridenreste aus dem oberen Lias von Holzmaden. — Jahres- hefte d. Ver. f. Vaterland. Naturkunde in Württemberg, 1910, p. 61. 3 Ibidem, S. 55. 4 K. A. von Zittel, Handbuch der Paläontologie, III. Bd., 1890, S. 113. Fische (Pisces). 143 F. Chimaeridae. Fossil vom braunen Jura an. Drei lebende Gattungen (Chimaera, Callorhynchus, Harriotta). Ovipar. Fossile Eikapseln (Fig. 1 12) aus dem Fig. 107. Wirbelzentren von Squaloraja polyspondyla, Ag., aus dem unteren Lias von Dorsetshire, England. (Nach E. S. Goodrich.) braunen Jura von Heiningen in Württemberg und aus der oberen Kreide von Wyoming 1 bekannt. Schnauze stumpf (Chimaera, Fig. 71) oder zu- gespitzt (Harriotta) oder mit hakenförmig nach unten und hinten r. Fig. 108. Rekonstruktion des Kopfes von Myriacanthus granulatus, > CS ES n (72 O aj ÖJD c 3 o £ •o c/i 3 CS «3 > es es" 3 cj .2 CS n 4) s 3 CS CJ CD 12* 180 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Ctenodontidae. Dipterus. — Vom unteren Unterdevon bis zum Oberdevon. Häufig im Old Red Sandstone Schottlands (D. Valenciennesii im unteren Unterdevon, D. macropterus im oberen Unterdevon). Zahl- reiche Arten im Devon von Pennsylvanien, Iowa und New York. Die Zahnplatten tragen etwa zehn bis zwölf fächerförmig ausstrahlende Kämme mit aufsitzenden Tuberkeln (Fig. 7 A, 129— 135). 1 Fig. 138. Unterkiefer mit den beiden Zahnplatten von Ctenodus tuberculatus, Atthey, aus dem Karbon von Newsham, England. 1 / s nat. Gr. (Nach A. Hancock und Th. Atthey, unbedeutend abgeändert und ergänzt.) Palaedaphus. — Oberdevon (Frasnien) Belgiens. Nur die Zahn- platten bekannt, die eine beträchtliche Größe erreichen können (Länge der oberen Zahnplatte von P. devoniensis 135 mm). Vier Radialkämme auf den Zahnplatten vorhanden, die zwei mittleren bei P. Abeli zu je einem scharfschneidenden Höcker umgeformt (Fig. 136). 2 Scaumenacia. — Unteres Oberdevon, Kanada. Hintere Rücken- flosse beträchtlich vergrößert, in dieser Hinsicht zwischen Dipterus 1 Eine ausführliche Literaturübersicht in O. P. Hay, Bibliography and Cata- logue of the Fossil Vertebrata of North America. — Bull. No. 179, U. S. Geol. Survey, Washington, 1902, p. 351. Vgl. ferner: R. H. Traquair, The Extinct Vertebrata of Moray Firth Area. In Harvie-Brown & Buckley, Vertebrate Fauna of the Moray Basin. — Edinburgh, 1896. Derselbe, A New Species of Dipterus. — Geol. Magazine, London (3), Vol. VI, 1889, p. 97. 2 L. Dollo, Sur un Dipneuste nouveau de grandes dimensions, decouvert dans le Devonien superieur de la Belgique. — Bull. Acad. Roy. Belg., Bruxelles 1913, p. 15. Fische (Pisces). 181 Übergang macropterus und Phaneropleuron Andersoni einen Äußere Reihe der Zahnplattenhöcker wie eine marginale funktionierend (Fig. 7D, 131, ,, * 137). 1 Phaneropleuron.- — Oberes Oberdevon von Schottland. Die hintere Rückenflosse ist mit der Terminalflosse verschmolzen. Gebiß ähnlich wie bei Scau- menacia spezialisiert (Fig. 7 B, 131). 2 Uronemus. ■ — Unterkarbon von Schottland. Alle Median- flossen zu einem einheitlichen Hautsaum verschmolzen. Palato- Pterygoidea ohne Zahnplatten, nur mit einzelnen Tuberkeln und einer marginalen Höcker- reihe besetzt, welche aus den basal untereinander verschmol- zenen Randzacken der rudi- mentär gewordenen Zahnplatten besteht (Fig. 131). 3 Ctenodus. — Karbon von England, Schottland und (?) Böhmen. Zahnplatten mit zahl- reichen fast parallelen, gezähnten oder gekerbten Kämmen ( Fig. 7 C, 138). 4 Sagenodus. — Karbon und Perm von Ohio, Illinois, Texas, Kansas, Pennsylvanien, Ruß- land. Zähne mit drei bis zehn bildend. Zahnreihe Fig. 139. Das untere (1)' und obere Gebiß (2) von Sagenodus Copei, Williston, aus dem Karbon von Kansas, in nat. Gr. (Nach S. W. Williston.) sp = Spleniale. art = Articulare. 1 L. Hussakof, Notes on Devonic Fishes from Scaumenac Bay, Quebec. — New York State Museum Bulletin No. 158, Albany, 1912, p. 134. 2 R. H. Traquair, On Phaneropleuron Andersoni (Huxley) and Uronemus lobatus (Agassiz). — Journal of the Roy. Geol. Soc. Ireland. 1871, Vol. III, p. 45. 3 R. H. Traquair, Notes on the Devonian Fishes of Campelltown and Scau- menac Bay in Canada, No. 3. — Geol. Mag., London, Dec. III, Vol. X, 1893, p. 264. 4 A. Hancock and Th. Atthey, Notes on the Various Species of Ctenodus obtained from the Shales of the Northumberland Coal Field. — Nat. Hist. Trans- actions Northumberland and Durham, Vol. III, 1868, p. 54. Dieselben, A Few Remarks on Dipterus and Ctenodus, etc. — Ibidem, Vol. IV, 1872, p. 397. 182 Die Stämme der Wirbeltiere. Ocvr o\Oi -fe, <-o N> . Hinter . Latera . Knorp . Pterot . Operci . Suborl '. Orbita SS-g ro I" 3 fD • P^Ä ro CA) "0 9 Q. fD SB f— K 5° 3 fD r-t- "O rö" O. < O 3 ro fD t*> z CA) fD o O 3" o ro n. JU ro c-t- V3 O Q. 3 C/3 T\ S H H H S N 3 CTQ - ^l -k. <-0 N> N O VO 5' — CO CO ~0 Co fD T5 4^ O (t i 3 O M-> 2 -t' c n c 9 3" U1 -i an **<*>* r— hflos elsäu linalf imale tfloss engüi ro &3 T rD r« O o n ro w • • fD : Knorpelstück de tel. 2. 3" > o £; 3 3" rt> —. CO fD °"~>.J ^ N3- f Kämmen, die mitunter ge- zähnt, mitunter glatt sind. Die Schuppen besitzen keine Ganoinschicht mehr und nähern sich in dieser Hinsicht den Schuppen der lebenden Dipneusten (Fig. 139). 1 Ceratodus. — Von der Trias bis zum Eozän. Ceratodus besitzt eine sehr große horizontale und vertikale Verbreitung. Cera- toduszähne sind wiederholt in der Trias von Europa gefunden worden, einmal sogar ein wohlerhaltener Schädel in der oberen Trias von Lunz in Niederöster- reich 2 ; aus dem Jura Euro- pas kennt man nur wenige Reste (aus dem Dogger Eng- lands), aus späterer Zeit sind aus Europa keine Ceratodus- reste bekannt. In Afrika tritt Ceratodus zuerst an der Wende der Perm- und Triaszeit auf (Kapkolonie) 3 und hat noch in der obe- ren Kreide im Zentrum der westlichen Sahara gelebt. 4 Aus Nordamerika kennt 1 S. W. Williston, A New Species of Sagenodus from the Kansas Coal- Measures. - - Kansas Univ. Quarterly, Vol. VI II, 1899, p. 175. 2 F. Teller, Über den Schädel eines fossilen Dipnoers, Ceratodus Sturii, nov. spec, aus den Schichten der oberen Trias der Nordalpen. — Abhandl. K. K. Geol. Reichsanstalt Wien, XV. Bd., 1891, 3. Heft, S. 1. 3 A. Smith Woodward, On Atherstonia, etc., and on a Tooth of Ceratodus from the Stormberg Beds of the Orange Free State. — Ann. Mag. Nat. Hist., 1889. H. G. Seeley, On Ceratodus Kannemeyeri (Seeley). — Geol. Mag., London 1897. R. Broom, The Fossil Fishes of the Upper Karroo Beds of South Africa. — Annais South African Museum, Vol. VII, 1909, p. 253. 4 E. Haug, Documents scientifiques de la Mission Saharienne. — Paleontologie. — Publ. Soc. Geographie, Paris 1905, p. 819. Fische (Pisces). 183 man Ceratoduszähne aus dem oberen Jura von Wyoming 1 , in Süd- amerika ist ein Zahn in Schichten gefunden worden, die wahr- scheinlich dem Eozän angehören. 2 Auch in Ostindien 3 ist Ceratodus aus der Trias in vier Arten nachgewiesen, und daß die Gattung schon im Mesozoikum in Australien lebte, ist durch den Fund eines Zahnes im unteren Jura von Victoria belegt. 4 Die Gattung Neoceratodus, die heute nur mehr den Burnett- und Maryfluß in Queensland bewohnt, war noch in der Quartärzeit im Gebiete des Darlingflusses in Neusüdwales heimisch. 5 Daraus geht hervor, daß Ceratodus einst eine weltweite Verbreitung besaß und seit dem Mesozoikum langsam, aber sicher seinem völligen Aussterben entgegengeht. Neoceratodus. — Lebend in Queensland (Volksname „Djelleh" 6 ) (Fig. 8, 127, 128, 140). Lepidosiren. — Lebend in Südamerika. Protopterus. — Lebend in Afrika; im Unteroligozän Ägyptens eine Art nachgewiesen (P. libycus). III. Ordnung: Actinopterygii. Während sich die Dipneusten in den wichtigsten morphologischen Merkmalen auf das engste an die Crossopterygier anschließen und ihre abweichenden Merkmale nur als die Folgen der vorgeschrittenen An- passung an die grundbewohnende, ruhige und träge Lebensweise in 1 O. C. Marsh, New Species of Ceratodus, from the Jurassic. — Americ. Journal of Science (3), Vol. XV, 1878, p. 76. W. C. Knight, Some New Jurassic Vertebrates from Wyoming. - Ibidem (4), Vol. V, 1898, p. 186. 2 F. Ameghino, Les Formations sedimentaires du Cretace superieur et du Tertiaire du Patagonie. — Anales del Museo Nacional de Buenos Aires. — T. XV, Buenos Aires, 1906, p. 71. E. von Stromer, Über das Gebiß der Lepidosirenidae und die Verbreitung tertiärer und mesozoischer Lungenfische. — Richard Hertwig-Festschrift, Jena, G. Fischer, II. Bd., 1910, S. 622. 3 Th. Oldham, On Some Fossil Fish-Teeth of the Genus Ceratodus, from Maledi, South of Nagpur. — Mem. Geol. Survey of India, Vol. I, 1859, p. 295. 4 A. Smith Woodward, On a Tooth of Ceratodus and a Dinosaurian Claw from the Lower Jurassic of Victoria, Australia. — Ann. Mag. Nat. Hist., London (7), Vol. XVIII, 1906, p. 1. 5 R. Semon, Verbreitung, Lebensverhältnisse und Fortpflanzung des Cera- todus Forsteri. — Zoolog. Forschungsreisen in Australien. — I. Bd., Denkschriften d. Med. naturw. Ges. in Jena, IV. Bd., 1893, p. 17. 6 Der Name „Bairamunda" bezieht sich auf die Teleostomenart Osteoglossum Leichhardti aus dem Flußgebiete des Dawson und Fitz Roy, aber nicht auf Neo- ceratodus. ]g4 Die Stämme der Wirbeltiere. Verbindung mit der eigentümlichen Ernährungsart und der Atmung durch die zu einer Lunge veränderte Schwimmblase anzusehen sind, haben sich die Actinopterygier in anderer Richtung spezialisiert. Zwar scheinen in einzelnen Merkmalen zwischen den Crossopterygiern und den Actinopterygiern tiefgreifende Gegensätze zu bestehen, die den Gedanken nahe legen könnten, daß sie zwei getrennte und nicht enger miteinander verknüpfte Stämme der Fische darstellen, aber verschiedene andere Gründe sprechen doch wieder dafür, daß auch die Actinopterygier aus primitiven Crossopterygiern in sehr alter Zeit hervorgegangen sind. Die Entstehung der Actinopterygier liegt jedenfalls sehr weit zurück, da wir schon im Devon in Cheirolepis einen zwar in vielen Punkten sehr primitiven Teleostomen aus der Gruppe der Actinopterygier vor uns haben, der aber bereits in den bezeichnenden Merkmalen der Ord- nung — Bau der paarigen Flossen und dem Vorhandensein von Bran- chiostegalplatten ■ - einen auffallenden Gegensatz zu den Crossoptery- giern bildet. Ein Merkmal, das die Crossopterygier und Actinopterygier scharf scheidet und das bisher niemals in seiner vollen Bedeutung gewürdigt worden ist, besteht in dem Verhalten der Beschuppung des Körper- endes im Gegensatz zu der Beschuppung des übrigen Körpers. Wäh- rend bei den Crossopterygiern die Schuppenreihen des ganzen Körpers eine gleichsinnige Orientierung zeigen und in parallelen Reihen von vorn oben nach hinten unten über die Körperflanken herabziehen, ist der Schuppenkomplex der Kaudalregion der älteren Actinopterygier durch eine andere Richtung der Schuppenreihen strenge von der Be- schuppung des übrigen Körpers getrennt, und zwar ist die Grenzlinie voll- kommen gerade (Fig. 141) und läuft stets, wenn das Körperende die Achse des oberen Schwanzflossenlappens bildet, von vorn oben nach hinten unten; wo durch Reduktion des Körperendes aus dem heterozerken Terminalflossentypus der homozerke hervorgegangen ist, wie dies bei der Hauptmasse der lebenden Fische der Fall ist, sind auch die Schuppen der bei den älteren Actinopterygiern scharf abgesetzten Terminalflossen- region verloren gegangen. Die Verkümmerung dieses Abschnittes läßt sich in einigen Familien (z. B. bei den Pycnodontiden und Semionotiden) schrittweise verfolgen (Fig. 157, 159). Der Gegensatz im Verlaufe der Schuppenreihen, der in vielen Fällen auch noch durch eine verschiedene Form der Schuppen in der Kaudal- region und der Schuppen der übrigen Körperteile gesteigert wird, ist zweifellos durch eine verschiedene Funktion der Muskulatur bedingt, welche unter den betreffenden Schuppengruppen liegt. Dieser Gegen- satz in der Funktion der Rumpf- und Schwanzmuskulatur muß durch- aus scharf sein, da sich sonst ein allmählicher Übergang zwischen beiden Schuppengruppen feststellen ließe und eine durchaus geradlinige Grenze, Fische (Pisces). 185 wie sie in allen Fällen besteht, undenkbar wäre. Dies kann nur dadurch erklärt werden, daß der Schwanz starke Lateralschläge ausführte, wäh- rend der Körper verhältnismäßig starr gehalten wurde. Wo keine scharfe Grenze zwischen der Beschuppung des Schwanzes und des Rumpfes zu beobachten ist, wie bei den Dipneusten und bei den Crossopterygiern, ist eine derartige Funktionstrennung der beiden Körperabschnitte nicht anzunehmen und es muß daher die Lokomotion nicht durch die Schwanz- flosse allein bewirkt, sondern durch ein Schlängeln des ganzen Körpers wesentlich unterstützt worden sein, wie dies ja auch bei den lebenden Dipneusten und Pelypterlden in der Tat zu beobachten ist. Solange die Terminalflosse der Actinopterygier epibatisch funktionierte, blieb dieses Verhältnis zwischen dem beschuppten Körperende als Achse des oberen Terminalflossenlappens und dem unteren Terminalflossenlappen bestehen, aber bei dem Übergange zur isobatischen Funktion der Terminalflosse bei der Hauptmasse der Teleostomen wurde der obere Lappen der Terminalflosse kleiner und das Körperende mit den eigen- tümlich angeordneten Schuppen allmählich reduziert. Die besprochenen Verschiedenheiten im Bau der Terminalflosse bei den Actinopterygiern im Gegensatze zu den Crossopterygiern und Di- pneusten sind also dadurch bedingt, daß die Actinopterygier einen Stamm darstellen, der in sehr früher Zeit zur ausgesprochen nekto- nischen, schnellschwimmenden Lebensweise überging (Paläonisciden) und daß erst später wieder durch Annahme anderer Bewegungsarten infolge eines anderen Aufenthaltsortes, anderer Nahrung usw. die Funktion der Terminalflosse eine andere wurde, wobei sich der homo- zerke Terminalflossenbau in seinen verschiedenen Varianten entwickelte. Daß schon die ältesten Actinopterygier von der trägen, halb- benthonischen Lebensweise der Crossopterygier zu der nektonischen übergegangen sind, geht auch mit voller Klarheit aus dem Bau und aus der Form der paarigen Flossen hervor. Bei den Crossopterygiern besaßen die paarigen Flossen noch eine ,, Trägerfunktion", wie dies Semon 1 treffend genannt hat, und diese Funktion ist auch heute noch bei den Dipneusten erhalten, wo sie sogar bei Lepidosiren in eine Kriech- 1 R. Semon, Weitere Beiträge zur Physiologie der Dipnoerflossen, auf Grund neuer, von Mr. Arthur Thomson, an gefangenen Exemplaren von Ceratodus an- gestellten Beobachtungen. — Zool. Anzeiger, XXII. Bd., 1899, S. 294—300. — Der- selbe, Beobachtungen über den australischen Lungenfisch im Freileben und in der Gefangenschaft. — Blätter f. Aquarien- u. Terrarienkunde, 1908, Nr. 21. — Hier hebt R. Semon hervor, daß beim australischen Lungenfisch in den Flossen bereits ein „Ellbogengelenk" und ein „Kniegelenk" deutlich entwickelt ist. Ebenso ist schon früher auch bei Protopterus eine ,, Trägerfunktion" der paarigen Flossen beobachtet worden (J. E. Gray, Observation^ on a Living African Lepidosiren in the Crystal Palace. Proc. Zool. Soc. London, XXIV, 1856). jog Die Stämme der Wirbeltiere. funktion 1 übergegangen ist. Schon bei der Trägerfunktion der paarigen Flossen kommt es zur Entwicklung eines deutlichen Knicks in der Mitte der Gliedmaßen, also eines „Ellbogengelenks" und eines „Knie- gelenks". Flossen, welche nur zur Erhaltung des Gleichgewichts und zum Steuern dienen und höchstens bei langsamem Schwimmen auch als Ruder verwendet werden, bedürfen keines geknickten oder ge- gliederten Achsenstabes; daher geht schon bei den mehr an das nek- tonische Leben angepaßten Crossopterygiern die beschuppte Achse der paarigen Flossen mehr und mehr zurück und es bildet sich z. B. schon bei Osteolepis eine Flossenform heraus, die an jene der Actinopterygier erinnert (Fig. 118). Diese Reduktion des Achsenteiles der paarigen Flossen ist bei den ältesten bekannten Actinopterygiern (Cheirolepis) schon sehr weit vor- geschritten, was darauf hindeutet, daß der Übergang zur nektonischen Lebensweise dieser Formen schon in sehr früher geologischer Zeit, viel- leicht schon im oberen Silur, erfolgt sein muß. Wir müssen annehmen, daß die Abzweigung der Actinopterygier von den Crossopterygiern noch zu einer Zeit stattfand, da die Schuppen sehr klein und von quadra- tischer Form waren, weil die Beschuppung von Cheirolepis kaum als spezialisiert, sondern, was die Größe und Form der Schuppen betrifft, als sehr primitiv anzusprechen ist. Eine weitere Eigentümlichkeit aller Actinopterygier ist der Ersatz der Gularplatten, wie sie z. B. Rhizodopsis zeigt, durch zahlreiche sich dachziegelartig deckende Branchiostegalplatten oder „Kiemenstrahlen". Die übrigen Merkmale unterscheiden sich im wesentlichen nur in gra- dueller Hinsicht von jenen der Crossopterygier. F. Palaeoniscidae. Alle Gattungen dieser Familie besitzen einen fusiformen, mitunter etwas erhöhten und lateral komprimierten Körper, erreichen jedoch niemals die hohe, stark lateral komprimierte Körpergestalt der Platy- somiden. Bei Cheirolepis ist der ganze Körper mit dichtstehenden, sehr kleinen rhombischen Schuppen bedeckt, bei den übrigen Gat- tungen herrschen große, rhombische Schuppen vor; zykloide Schuppen- formen treten zwar auf, sind aber außerordentlich selten (Cocco- lepis, Trissolepis). Die Beschuppung des Schwanzes ist stets scharf von der Beschuppung der Körperflanken abgesetzt und die Schuppenreihen beider Regionen weisen eine andere Richtung auf; überdies ist auch die Schnppenform der Schwanzregion dadurch unterschieden, daß die Rhomben spitzwinkeliger zu sein pflegen und mitunter eine geringere 1 Nach meinen Beobachtungen im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. am 23. November 1913. Fische (Pisces). 87 Größe besitzen als die Flankenschuppen. Vor den medianen Flossen sind in der Regel sehr starke Stützschuppen oder ,,Fulkren" ausgebildet. Die Terminalflosse ist ursprünglich heterozerk und epibatisch, und zwar ist dieser Typus auch bei der jüngsten bekannten Gattung aus dem Wealden, Coccolepis, noch erhalten. In der Trias von Connecticut, New Jersey, Virginia, Massachusetts, der Kapkolonie, von Neusüdwales und Europa treten jedoch einige Gattungen (Redfieldius, Dictyopyge) auf, deren Terminalflosse sich dem homozerken Typus nähert und eine Fig. 141. Rekonstruktion von Cheirolepis Traillii, aus dem unteren Old Red Sandstone (Unterdevon) von Nordschottland, in etwa x / 4 nat. Gr. (Nach R. H. Traquair.) Fig. 142. Rekonstruktion von Palaeoniscus macropomus, Ag., aus dem oberen Perm Deutschlands, in 1 / 2 nat. Gr. (Körperlänge etwa 22 cm.). (Nach R. H. Traquair.) Reduktion des mit rhombischen Schuppen besetzten Schwanzendes der übrigen Paläonisciden aufweist. Diese früher als „Catopteriden" zu- sammengefaßten Gattungen beweisen, daß sich der Übergang von der Heterozerkie zur Homozerkie unabhängig voneinander in verschiedenen Stämmen vollzogen hat und daß dieser Gegensatz im Bau der Ter- minalflosse nur verschiedene Spezialisationsstufen in der Anpassungsreihe der Teleostomen-Terminalen darstellt. Die Wirbelsäule besitzt niemals verknöcherte Zentren. Ebenso sind die Rippen un verknöchert gewesen (Fig. 170, B). Der Schädel ist mit zahlreichen Hautknochen bedeckt, die sich zu einer geschlossenen Kapsel über dem Knorpelschädel zusammenschließen. Der Kiemendeckelapparat besteht aus einem großen Operculum und einem 188 Die Stämme der Wirbeltiere. darunter liegenden Suboperculum , an welches sich zahlreiche Bran- chiostegalplatten an- schließen; vor dem Operculum und Sub- operculum liegt ein Praeoperculum. An dieses schließt sich ein zahntragendes Maxil- lare und weiter vorn ein Praemaxillare an. Die Augenhöhle wird an ihrem Hinterrande von zahlreichen Sub- orbitalia umsäumt, ebenso der Oberrand der Orbita. Gegen die Mitte des Schädel- daches zu folgen zu- nächst das Squamo-, sum, über diesem das Parietale und vor die- sem das Frontale, dem sich vorn ein „Fron- tale anterius" (= La- crymale?) 1 und zuletzt ein Nasale anschließen. Die ersten Paläo- nisciden erscheinen im Mitteldevon Schott- lands, erreichen im unteren Perm ihre Blüte und gehen von da an wieder zurück. Der jüngste Vertreter der Familie ist.Cocco- lepis macropterus aus der unteren Kreide (Wealden) von Bernis- sart in Belgien mit zykloiden Schuppen auf den Körperflanken, aber rhombischen Schuppen in der Schwanzregion (Fig. 144, 145\ 1 Dieser Knochen wird von anderen Autoren als „Ethmoideum dermale late- rale" (= Praefrontale, vgl. p. 46) bezeichnet. Seine Homologien sind noch fraglich. Von einer Homologie mit dem Lacrymale der Tetrapoden kann kaum die Rede sein. Fische (Pisces). 189 Cheirolepis. — Mitteldevon (mittleres Old Red) Schottlands und Rußlands, Oberdevon von Quebec, Kanada (Fig. 141). * Palaeoniscus. — Sehr häufig im Perm Deutschlands (Kupfer- schiefer), Frankreichs, Englands, Rußlands (Fig. 142). 2 Elonichthys. — Karbon von Europa und Neubraunschweig, Perm von Europa und Nordamerika. 3 Gonatodus. — Karbon Schottlands (Fig. 27). 4 Amblypterus. — Perm Europas (Fig. 143). 5 Trissolepis. — Perm Böhmens. 6 Redfieldius (= Catopterus). — Trias Nordamerikas. 7 Dictyopyge. — Trias von Virginia und Connecticut, Europa (Basel und Franken), Kapkolonie, Neusüdwales. 8 Coccolepis. — Zuerst im unteren Lias Englands 9 , zuletzt im 1 R. H. Traquair, On the Structure and Systematic Position of the Genus Cheirolepis. — Ann. Mag. Nat. Hist. London (4), Vol. XV, 1875, p. 237. 2 R. H. Traquair, The Ganoid Fishes of the British Carboniferous Forma- tions. — Palaeontographical Society, 1877, Part I, p. 13. Derselbe, On the Agassizian Genera Amblypterus, Palaeoniscus, Gyrolepis and Pygopterus. — Quarterly Journal of the Geological Society, London, Vol. XXXIII, 1877, p. 548. 3 R. H. Traquair, The Ganoid Fishes etc., I. c, p. 47. L. M. Lambe, Palaeoniscid Fishes from the Albert Shales of New Brunswick. Canada Department of Mines, Geol. Survey Branch, Memoir No. 3, Ottawa, 1910, p. 22. 4 R. H. Traquair, The Ganoid Fishes, etc., 1. c, PI. II, Fig. 4, 5. 5 R. H. Traquair, On the Agassizian Genera etc., 1. c. 6 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — III. Bd., 1895. 7 Ch. R. Eastman, Triassic Fishes of Connecticut. — State of Conn., State Geol. and Nat. Hist. Surv., Bull. 18, Hartford 1911, p. 47 (Literatur). Eastman faßt die drei Gattungen Redfieldius (die nach ihm als Catopterus zu bezeichnen ist), Dictyopyge und Perleidus in der Familie Catopteridae zusammen. Ich kann diese Gattungen nur als höher spezialisierte Glieder der Familie der Palaeonisc'den betrachten, da die Unterschiede fast nur in dem höheren, dem horr.o- zerken Terminalflossentypus sich nähernden Spezialisationsgrad der Schwanzflosse bestehen. 8 Ibidem, p. 55 (Literatur). Weitere Literatur über Redfieldius und Dictyopyge vgl. in O. P. Hay, Biblio- graphy and Catalogue of the Fossil Vertebrata of North America. — Washington, Bull. 179 of the U. S. Geol. Surv., 1902, p. 370. R. Broom, The Fossil Fishes of the Upper Karroo Beds of South Africa. — Annais South African Mus., Vol. VII, 1909, p. 262. 9 A. Smith Woodward, Notes on Some Ganoid Fishes from the English Lower Lias. — Annais Mag. Nat. Hist., London, Vol. V, 1890, p. 432. 190 Die Stämme der Wirbeltiere. Wealden von Bernissart in Belgien. 1 Auch aus dem Jura von Neu- südwales 2 nachgewiesen (Fig. 144, 145). F. Platysomidae. Der Körper dieser Fische ist sehr hoch, und zwar lassen sich die Spe- zialisationssteigerungen bei den karbonischen und permischen Gattungen sehr gut verfolgen. Die Körperflanken sind schon bei der ältesten be- kannten Gattung, die auf Paläonisciden zurückgeht, mit Schuppen bedeckt, die höher als breit sind; diese Zerrung der Schuppen nimmt mit der Zunahme der Körperhöhe ständig zu. Bei Dorypterus sind die Schuppen bis auf die normal bleibenden Schuppen des Schwanzendes fast ganz verloren gegangen und es sind nur einige wenige ventrale Fig. 144. Rekonstruktion des Skelettes von Coccolepis macropterus Traqu., aus dem Wealden von Bernissart, Belgien. Körperlänge etwa 25 cm. (Nach R. H. Traquair.) Schuppen stehen geblieben, die unmittelbar an den Schädel anschließen. Die paarigen Flossen nehmen mit der zunehmenden Ausbildung der hohen Köi perform beständig an Größe ab, die Bauchflossen werden in die jugulare Lage verschoben und gehen bei Cheirodus gänzlich ver- loren, während sie bei Dorypterus noch vorhanden sind, aber hier vor den Brustflossen in jugularer Lage stehen. Die Schwanzflosse ist tief gabelförmig ausgeschnitten und gleichlappig bei den am höchsten stehenden Formen, während sie bei Eurynotus noch ungleichlappig ist. Die Dorsalis und Analis sind ursprünglich (Eurynotus) sehr ungleich groß, aber allmählich nehmen sie gleiche Form und Größe an. Der Adaptationstypus der Platysomiden ist derselbe wie bei vielen lebenden Memoires du 1 R. H. Traquair, Les Poissons Wealdiens de Bernissart. Musee d'Hist. Nat. de Belgique, Bruxelles, 1911, p. 9. ' A. Smith Wood ward, The Fishes of the Talbragar Beds. — Memoire Geol. Surv. New South Wales, Paleontology, No. 9, Sydney, Vol. IX, 1895, p. 4. Fische (Pisces). 191 o Riffischen aus den Familien der Scorpididen (z. B. Psettus) oder Chae- todontiden (z. B. Platax) oder den Brachsen aus der Familie der Cypri- niden (z. B. Abramis), und findet sich auch bei den fossilen Pycnodon- tiden vertreten. Meist sind derartig hoch- körperige Fische Riff- bewohner, aber der- selbe Typus tritt auch bei den benthonisch lebenden Brachsen un- serer Süßwasserflüsse und Seen auf und ist daher, ebenso wie die Ausbildung von Kugel- tonnen oder Nadel- formen, als eine Folge- erscheinung der Ver- minderung der Eigen- bewegung im allge- meinen anzusehen. Ein Fingerzeig zur Ermitt- lung der Lebensweise ist die Ausbildung des Gebisses der verschie- denen hochkörperigen Typen; wo die Zähne zu Schnäbeln oder zu Reibplatten umge- formt sind, liegen Riff- bewohner vor, die eine durophage Nahrungs- weise führen oder ge- führt haben, während bei den gründelnden Fischen wie bei den Brachsen der Mund vorstreckbar und die Nahrungsweise mala- kophag ist. Da die Platysomiden stumpfkonische und niedrige Zähne besaßen, scheinen sie durophage Riffische gewesen zu sein. Eurynotus. — Unterkarbon von Schottland und Belgien (Fig. 146). x 1 R. H. Traquair, On the Structure and Affinities of the Platysomidae. — Transactions of the Roy. Soc. of Edinburgh, Vol. XXIX, 1879, p. 348. CQ i- & S o > c « £ CT E - . 3 CC CT « x: £. " o 1— o E c O o o o e o > c o c o er: 192 Die Stämme der Wirbeltiere. Fig. 146. Rekonstruktion von Eurynotus crenatus, Ag., aus dem Unterkarbon Schottlands, in etwa 2 / 3 nat. Gr. (Nach R. H. Traquair.) Fig. 147. Rekonstruktion von Platysomus striatus, Ag., aus dem Perm (Magnesian limestone) Englands. Nat. Gr. (Nach R. H. Traquair.) Fische (Pisces). 193 Fig. 148. Rekonstruktion von Platysomus parvulus, Ag., aus dem Karbon Englands, in nat. Gr. (Schuppen nicht eingezeichnet.) (Nach R. H. Traquair.) Fig. 149. Rekonstruktion von Cheirodus granulosus, Young, auf Grund mehrerer Exemplare aus dem Karbon von North Staffordshire, England, in ungefähr 2 / s nat. Gr. (Nach R. H. Traquair.) Abel, Stämme der Wirbeltiere. 13 194 Die Stämme der Wirbeltiere. Mesolepis. - Platysomus. (Fig. 147, 148). 2 Cheirodus. - Dorypterus. Unterkarbon von Schottland. 1 — Karbon und Perm von England und Deutschland Oberkarbon von England (Fig. 149). 3 — Perm von Deutschland. Außenskelett stark reduziert, Innenskelett sehr kräftig ausgebildet, aber die Wirbelsäule ohne verknöcherte Zentren. Bauchflosse klein, jugular. Reduktion der Schuppen am Vorderende des Abdomens ähnlich wie bei Mesodon unter den Pycnodontiden (Fig. 150). 4 Fig. 150. Rekonstruktion von Dorypterus Hofmanni, Germar, aus dem permischen Kupferschiefer von Riecheisdorf in Hessen, in nat. Gr. (Nach O. M. Reis, 1892.) F. Belonorhynchidae. Die Stellung dieser Familie ist unsicher; die Persistenz der Chorda und die sehr schwache Verknöcherung der Wirbelbögen beweist jedoch, daß sie schon frühzeitig vom Hauptstamme der Teleostomen abgezweigt ist. Neben diesen primitiven Verhältnissen im Bau der Wirbelsäule be- stehen jedoch hochgradige Spezialisationen im Bau der Schwanzflosse, in der Beschuppung, in der Schnauze usw. Die Chorda setzt sich gerad- linig in die Terminalflosse fort, ähnlich wie dies bei den Coelacanthiden 1 R. H. Traquair, On the 2 Ibidem, p. 368. p. 363. 4 Platysomidae, 1. c. p. 355. 8 Ibidem, O. M. Reis, Zur Osteologie und Systematik der Belonorhynchiden und Tetragonolepiden. - - Geognostische Jahreshefte, Jahrgang 1891, 1892, p. 167. Fische (Pisces). 195 der Fall ist; die Terminalflosse selbst ist gleichlappig oder „isobatisch". Der Körper ist bis auf vier Längsreihen von Schuppen nackt; es ist eine dorsale, eine ventrale und jederseits eine laterale Reihe großer, sich dachziegelartig deckender Schuppen vorhanden. Brustflossen und Bauchflossen sind klein und stehen weit voneinander ab. Der Schädel läuft in eine lange, spitze Schnauze aus, die ein Raubgebiß trägt. Die Dorsal- und Analflosse stehen einander gegenüber wie bei den Hechten oder bei Belone oder bei Lepidosteus (sagittiformer Raubfischtypus). Saurichthys. — Obere Trias der Alpen und der Lombardei. 1 Belonorhynchus. — Jura von England, Württemberg, Neu- südwales (Fig. 151). 2 Fig. 151. Rekonstruktion von Belonorhynchus gigas aus den Hawkesburyschichten (Trias?) von Gosford, Neusüdwales, in 1 / i nat. Gr. (Nach A. S. Woodward.) F. Chondrosteidae. Von primitiven Teleostomen, wahrscheinlich von Paläonisciden, hat sich eine Familie abgezweigt, von der wir nur einen Vertreter aus dem unteren Lias Englands kennen (Chondrosteus acipenseroides) und einen zweiten aus dem oberen Lias (Gyrosteus mirabilis). Die Wirbel- säule ist nur unvollständig verknöchert und besitzt keine knöchernen Zentren, sondern nur obere und untere Bögen. Die Schuppen sind bis auf den äußersten Kaudalabschnitt, der die Achse des oberen Schwanz- flossenlappens bildet, verloren gegangen; dort sind noch rhombische Schuppen mit Ganoinbedeckung in derselben Anordnung wie bei den Paläonisciden erhalten. Rippen fehlen. Vom Knorpelschädel scheint nur das Hyomandibulare verknöchert gewesen zu sein; dagegen sind verschiedene Deckknochen vorhanden (Fig. 152). Die Schnauze lief in ein Rostrum aus, das den kleinen, zahnlosen Mund ziemlich weit überragte. Der Schultergürtel war ebenso wie bei Acipenser gebaut. Chondrosteus erreichte eine bedeutende Größe; einzelne Reste lassen 1 O. M. Reis, 1. c. p. 143. 2 A. Smith Woodward, Outlines of Vertebrate Paleontology, 1898, p. 88. 13* 196 Die Stämme der Wirbeltiere. auf eine Länge von 2 m schließen. 1 Gyrosteus mirabilis aus dem oberen Lias Englands dürfte eine Länge von 6-7 m erreicht haben. 2 Par. S>i. Hyom Art. Cli B,\ Icl. Er. Fig. 152. Rekonstruktion des Schädels von Chondrosteus aeipenseroides, Ag., aus dem Unter- lias von Dorsetshire und Leicestershire, in 1 / i nat. Gr. (Nach R. H. Traquair, unwesentlich abgeändert; umgezeichnet.) = Operculum. = Parietale. = Postfrontale. = Posttemporale. = Supraclavicula. = Supramaxillare. = Suboperculum. = Suborbitale. = Squamosum. = Supratemporale. Ang. = Angulare. Op. Art. = Articulare. Par. Br. = Branchiostegalia. Po f. Ch. = Ceratohyale. Pot. Clav. = Clavicula. Sei. De. = Dentale. Smx. Fr. = Frontale. Sop. Hyom. = Hyomandibulare. Sorb. Icl. = Interclavicula. Sq. Jug. = Jugale. St. F. Polyodontidae. Die primitive Beschuppung ist bei den lebenden Gattungen nur auf dem die Achse des oberen Schwanzflossenlappens bildenden Körper- ende erhalten, sonst ist der Körper nackt; bei Crossopholis sind noch 1 R. H. Traquair, Notes on Chondrosteus aeipenseroides, Agassiz. — Geol. Magazine, London (3), Vol. IV, 1887, p. 248. A. Smith Woodward, On the Paleontology of Sturgeons. — Proceed. Geol. Assoc, Vol. XI, 1889, p. 24. M. Browne, On a Fossil Fish (Chondrosteus) from Barrow-on-Soar, hitherto recorded only from Lyme Regis. ■ Transactions Leicester Lit. and Phil. Soc, 1889, p. 16. 2 A. Smith Woodward, On the Fossil F-ishes of the Upper Lias of Whitby. Pari IV. - - Proc. Yorkshire Geol. and Polytechn. Society (2), Vol. XIII, 1899, p. -455. Fische (Pisces). 197 ausgedehntere Reste der ehemaligen Beschuppung vorhanden. Die Schnauze ist hochgradig spezialisiert, entweder konisch (Psephurus) oder von der Gestalt des Schnabels eines Löffelreihers (Polyodon). Der weite Mund ist noch mit kleinen Zähnen bewaffnet. Crossopholis. — Eozän von Wyoming. Die Schuppen sind nicht nur auf den Schwanzteil beschränkt, sondern finden sich auch noch auf den Körperflanken; sie stehen hier noch in schiefen Reihen, ohne sich jedoch zu berühren, da sie zu dünnen, granulierten, kleinen Scheib- chen reduziert sind (Crossopholis magnicaudatus). 1 F. Acipenseridae. Auch bei den Stören ist die primitive, rhombische Ganoidbeschuppung nur noch auf dem Körperende erhalten, das sich bis zum Ende des oberen Schwanzflossenlappens (der Caudalis s. s.) fortsetzt. Die fünf Knochen- plattenreihen (eine dorsale und beiderseits zwei laterale Reihen) sind nicht etwa aus Schuppen hervorgegangen, wie mitunter angenommen wird, sondern diese Platten sind, wie Dollo(1904) gezeigt hat, 2 Neu- erwerbungen nach Durchlaufung eines nackten Zwischenstadiums, wie dies sehr klar auch bei den Welsen und Cottiden usw. zu verfolgen ist. Die Acipenseriden sind also hinsichtlich der Bepanzerung nicht primi- tiver, sondern spezialisierter als die Polyodontiden. Die Kiefer sind gänzlich zahnlos geworden. Der älteste fossile Rest ist Acipenser toliapicus aus dem Unter- eozän (Londonton) von Sheppey in Kent (England). F. Semionotidae. Im Perm Englands tritt ein kleiner Fisch auf, der den ältesten Vertreter der im Mesozoikum zu hoher Blüte gelangenden Familie bildet (Acentrophorus); ursprünglich fusiform gestaltet wie die Paläo- nisciden, deren Nachkommen die Semionotiden sein dürften, nehmen sie im weiteren Verlaufe der Stammesgeschichte der Familie eine all- mählich immer höhere und lateral stark komprimierte Körperform an und zwar hat sich dieser Entwicklungsvorgang, wie es scheint, mehrere Male wiederholt. Das Gebiß besteht urprünglich aus einfachen, griffei- förmigen Stiftzähnen auf den äußeren zahntragenden Kieferknochen, doch tritt allmählich eine Differenzierung des Gebisses zu einem Mahl- gebiß ein. Die hinteren und inneren Zähne erhalten halbkugelförmige Kronen und stellen sich als Apparate dar, die trefflich geeignet sind, harte Nahrung zu zerreiben; die vordersten Zähne sind zuweilen durch 1 E. D. Cope, On Two New Forms of Polyodont and Gonorhynchid Fishes from the Eocene of the Rocky Mountains. ■ — Memoirs Nat. Acad. Sei., Vol. III, 1886, p. 161. 2 L. Dollo, Expedition Anfarctique Beige. — Poissons. — Anvers, 1904, p. 139. -qg Die Stämme der Wirbeltiere. eine Lücke („Diastein") von den Mahlzähnen getrennt und wirkten offensichtlich "als Apparate zum Abbrechen von Korallenästen u.dgl., Wie dies namentlich bei Lepidotus palliatus aus dem oberen Jura Bayerns zu sehen ist (Fig. 157). Die Schuppen sind mit einer dicken Lage von Ganoin bedeckt und stehen auf den Körperflanken in schiefen Reihen; es ist aber auch in vielen Fällen ein Rest der ehemals ausgedehnteren Beschuppung des Schwanzendes vorhanden, das sich in den oberen Lappen der Terminal- flosse fortsetzt, aber im Vergleiche zu den Paläonisciden wesentlich reduziert ist. Dadurch erhält die Terminalflosse mehr und mehr eine »leichlappige Form, sie wird isobatisch und homozerk. Alle Flossen tragen an ihren Vorderrändern starke Fulkren und die Flossenstrahlen sind meist dichotom gegabelt. Fig. 153. Rekonstruktion von Sjemionotus capensis, A. Smith Woodward, aus der obersten Trias (unterer Lias?) der Oranje Kolonie (Stormbergschichten). (Nach Schellwien, aus E. v. Stromers Lehrbuch der Paläozoologie.) Die Schuppen der Semionotiden sind ursprünglich rhombisch (Fig. 153) und greifen auf der Innenseite derart ineinander, daß sich eine dem Vorder- rande folgende, spindelförmige Verdickung mit der anschließenden Ver- keilt. Diese Leisten werden mitunter so kräftig, daß sie auch auf der Außenseite der Schuppen als Rippen ausgeprägt sind, die den Eindruck hervorrufen, als ob über den Schuppenpanzer schräge Rippen von vorn oben nach hinten unten herabziehen würden. Nur bei Aetheolepis (Fig. 155) kommen in der hinteren Körperregion zykloide Schuppen vor, die durch Übergänge mit den rhombischen Schuppen des Vorder- körpers verbunden sind. Die Verknöcherung der Wirbelsäule ist bei den Semionotiden durch verschiedene Stadien vertreten. Dapedius (Fig. 159, B; 170, C) weist in der Spezialisation der Wirbelsäule eine tiefe Stufe auf, da nur die oberen und unteren Bögen verknöchert sind und die Chorda persistent ist ; dagegen finden wir bei Tetragonolepis die Chorda von Pleuro- zentren und Hypozentren umgeben. Innerhalb der Gattung Lepidotus zeigen die ältesten Arten keine Verknöcherungen im Bereiche der Chorda- scheide, aber bei den jüngeren und höher spezialisierten Arten des Fische (Pisces). 199 Wealden (Unterkreide) sind bereits Ringwirbel zur Ausbildung gelangt. Es ist dies ein deutlicher Beweis dafür, daß die Verknöcherung der Wirbelsäule eine Spezialisation darstellt, die von verschiedenen Stämmen ganz unabhängig erreicht wurde und daß dieselbe Spezialisations- stufe der Wirbelsäule keinen Maßstab für die Beurteilung der ver- Fig. 154. Sandsteinplatte mit zahlreichen Exemplaren von Semionotus capensis, A. S. Wood- ward, aus der Karooformation (unterer Lias?) der Kapkolonie. — Original im Senckenberg-Museum zu Frankfurt a. M. — (Stark verkleinert.) wandtschaftlichen Beziehungen zwischen den einzelnen Stammeslinien bilden darf. Die Semionotiden erscheinen im Perm, erreichen in der Jurazeit eine hohe Blüte und verschwinden wieder in der Kreidezeit. Acentrophorus. — Die älteste bisher bekannte Gattung der Familie. Von Semionotus nur durch das Fehlen einer besonders vor- stehenden Reihe von Dorsalschuppen unterschieden. Perm von Eng- 200 Die Stämme der Wirbeltiere. land, Schottland, Sachsen, Böhmen und vielleicht auch in der Trias von Massachusetts. 1 Semionotus. — In der Trias weit verbreitet: Ostalpen, Deutsch- land, Nordamerika, Kapkolonie, Neusüdwales. Der Körper ist mit dicken Schuppen gepanzert, mäßig hoch und trägt auf dem Rücken eine Reihe hoher, gekielter Schuppen (Fig. 153, 154). 2 Fig. 155. Schuppen von Aetheolepis mirabilis aus dem Jura von Neu-Süd-Wales, in l / 2 nat. Gr. Links Schuppen aus der vorderen, rechts aus der hinteren Körperregion, die bereits den zykloiden Typus erreicht haben. (Nach A. Smith Woodward.) Fig. 156. Rekonstruktion von Lepidotus elvensis, Blaihv., aus dem oberen Lias von Holzmaden in Württemberg, in 1 / 6 nat. Gr. (Nach O. J aekel.) Dollopterus. Trias (oberer Muschelkalk) von Isserstedt bei Jena. Die Brustflossen sind enorm verlängert und erreichen eine Länge von 10 cm bei einer Körperlänge von 16 cm (ohne Terminal- flosse). Das Tier war ein Flugfisch. 3 1 R. H. Traquair, On the Agassizian. Genera Amblypterus, etc. ■ Quar- terly Journal Geol. Soc. London 1877, p. 565. A. Smith Woodward, Outlines of Vertebrate Palaeontology. - - 1898, p. 96. 2 E. Sehe 11 wien, Über Semionotus, Ag. — Schriften der Physikal-Ökonom. Ges. zu Königsberg, XLII. Bd., 1901. O. Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere, 1912, S. 98. E. Hennig, Eine neue Platte mit Semionotus capensis. — Sitzungsberichte der Ges. Naturf. Freunde, Berlin 1915, S. 49. K. Gorjanovic-Kramberger, Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. Beiträge zur Paläontologie und Geol. Öst.-Ung. u. d. Orients, XVIII. Bd., 1905, S. 195. :! O. Abel, Fossile Flugfische. Jahrbuch der K. K. Geol. Reichsanstalt, Wim, LVI. Bd., 1906, S. 48. / Fische (Pisces). 201 Aetheolepis. — von Neusüdwales. Schuppen auf dem Vorderkörper rhom- bisch, nach hinten all- mählich in zykloide Schuppen übergehend (Fig. 155). 1 Colobodus. — Mittlere und obere Trias Deutschlands, der Ostalpen und Italiens. — Körper ziemlich hoch, seit- lich komprimiert, Rücken- und After- flosse groß und hoch, Schuppen am Hinter- rande gezackt, Zähne halbkugelig, ein duro- phages Gebiß bil- dend. 2 Lepidotus. Körper lateral kom- primiert, bei einigen Arten sehr hoch (z. B. bei L. palliatus), Brust- und Bauch- flossen relativ klein; im Schwanzabschnitt die primitive Be- schuppung des Kau- dalendes in der Achse des oberen Terminal- flossenlappens deut- lich von der Be- schuppung der Kör- perflanken abgesetzt. Obere Trias oder Jura (Hawkesburyschichten) ÖjO bfi « ^^ J -t— v^ c o 5 > ^£ CJ o er JE '. — ' .2? H o r _ ^w c -n — ' O) ■o . in ^ E C3 « o CJO c :« <4— -J J* C s re o tu 00 — " g c o E > o> c c/; OJ J3 "O s -^J ■ o üjo r m ^ Q o • — XI g c 4) CO J* E CJ 4> CO n O H ~ ÖJ3 75 < c ~ bfl c/j -*— es ö ".E g ra 0J f— u> c/j ,__ o O -o z c CD J Li c o > c o J* 1 A. Smith Woodward, The Fossil Fishes of the Hawkesbury Series at Gos- ford, New South Wales. — Memoirs Geol. Soc. New South Wales, Paläont., No. 4, Sydney 1890, p. 1. 2 K. Gorjanovic-Kramberger, Die obertriadische Fischfauna von Hallein in Salzburg. — 1. c, S. 198 (Literatur). 202 Die Stämme der Wirbeltiere. Gebiß heterodont, vorn mit dicken Stiftzähnen zum Abbrechen von Korallenästen u. dgl., hinten mit halbkugeligen Mahlzähnen, die ein dichtgedrängtes Pflaster bilden. Die Gattung erscheint zuerst in der oberen Trias Schlesiens, wird im Lias sehr häufig und gehört zu den häufigsten Fischen des oberen Jura Europas. Sie ist außerdem aus dem Jura Ostindiens und des Kongostaates, aus dem Wealden Deutsch- Ostafrikas und Belgiens und aus der Kreide Brasiliens nachgewiesen worden (Figg. 156, 157). * Fig. 158. Rekonstruktion des Schädels von Dapedius. (Nach R. H. Traquair.) br br' CO - . 4> . 3 03 r- o _n o < B -S 41 ,=. '- -3 41 -^ .5 £> ::=, es od -3 ,S H 41 r- « s 3 N cd 3 .als OT3 s- o3 4> w g E — 3 = — .= - = O.H 3 O- — es iS -a _ 03 — -3 ._ 3 — cj -> 4) 3 r3 o S o 3 JS2 o o a. g- 03 j- 2^E.3*c..g O P >» 3 3 3 3 tu « O 3 1- 41 X) Q-^CCfcA)cOCJ(->0-CA)CA)c^CA)Q-D> II II II II II II II II II II octr ^C^^coc/joocooogogogococo^ ^ 4) TD 'S. < E £ 3 03 — oo 3 >i 4» • O 4i -a Ol [i, ca 4> D, O 41 3 33 T3 03 4i ■*= B D. B O 3 Q.-3 03 2 3 Ö 3 5"« 41 a. . "O XJ "O 03 03 • E • £ 3 - 4> 3 — 41 o O J K> S-H *— 1. U. 2 4) "ti oj 41 E o 2? 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Schema zur Darstellung der vier aufeinanderfolgenden Hauptstufen der Wirbel- säulenverknöcherung bei den Teleostomen. (Nach A. Smith Wood ward, 1906.) A: Typus eines Crossopterygiers, charakteristisch für das Devon; die Wirbel- säule nur im hinteren Abschnitte verknöchert und zwar auch hier nur die oberen und unteren Bögen. B: Typus eines Palaeonisciden, charakteristisch für das Karbon und Perm; die Wirbelsäule zwar fast der ganzen Länge nach verknöchert, aber noch keine Wirbelkörper ausgebildet. C: Typus eines Semionotiden (Dapedius), charakteristisch für die Trias und den Jura; die Verknöcherung des Gesamtskeletts ist weiter vorgeschritten, aber die Wirbelzentren sind noch immer unverknöchert. D: Typus eines jüngeren Actinopterygiers aus der Familie der Beryciden (Hoplo- pteryx), charakteristisch für die Kreide und die jüngeren Formationen; das Skelett ist hochgradig verknöchert, von Spezialisationen fallen u. a. die Lage des unter das Maxillare geschobenen Praemaxillare und die weit nach vorn ver- schobene Ventralis auf; die Wirbelzentren sind solid verknöchert. Dieser Typus entspricht der Entwicklungsstufe der Mehrzahl der modernen Teleostomen. Fische (Pisces). 219 parallele Spezialisationen vollzogen haben, ist dies auch bei den jüngeren Familien der Fall gewesen. Derartige parallele Spezialisationen finden sich z. B. in der Schwimmblase ausgeprägt. Ursprünglich offen und durch den Ductus pneumaticus mit der Mundhöhle in Verbindung, kann diese Verbindung unterbrochen und die Schwimmblase geschlossen werden, ja, sie kann sogar gänzlich verloren gehen. Der primitivere Zustand, bei welchem die Schwimmblase noch einen offenen Kommunikations- kanal besitzt, wird der ,,physostome" genannt; er findet sich bei allen Actinopterygiern während des embryonalen Lebens, im erwachsenen Zustand noch bei den Gruppen der Malacopterygier, Ostariophysi, Apodes und Haplomi. Dagegen ist die Schwimmblase abgeschlossen bei den folgenden Gruppen: Heteromi, Catosteomi, Acanthopterygii, Opisthomi, Pediculati, Jugulares und Plectognathi, welche somit den „physoclisten" Zustand der Schwimmblase repräsentieren. Es ist jedoch nicht möglich, diese beiden Spezialisationsgegen- sätze in der systematischen Gruppierung zum Ausdruck zu bringen, da dadurch ganz falsche Vorstellungen von den verwandtschaftlichen Beziehungen der ,,Physostomen" und „Physoclisten" ausgelöst würden und es ist daher in der letzten Zeit diese Gruppierung wenig in An- wendung gebracht worden. Alle Physoclisten müssen einmal das physo- stome Stadium durchlaufen haben, aber das Aufgeben desselben ist wiederholt unabhängig voneinander in den einzelnen Gruppen ein- getreten und kann daher nicht als systematisches Unterscheidungs- merkmal verwertet werden. Die Zahl der bisher bekannten lebenden Arten aus der Gruppe der jüngeren Actinopterygier (= Teleostei aut.) dürfte gegenwärtig die Ziffer 12000 bereits überschritten haben. Wenn auch in der Kreide und in tertiären Ablagerungen sehr zahlreiche fossile Arten gefunden worden sind, so bleibt doch ihre Zahl weit hinter jener der lebenden Arten zurück und bildet nur einen sehr kleinen Bruchteil derselben. 220 Die Stämme der Wirbeltiere. Klasse: Amphibia (Lurche). Die stammesgeschichtliche Stellung der Amphibien. Die Lurche nehmen eine vermittelnde Stellung zwischen den Fischen und Reptilien ein. Die Vertreter der noch lebenden Amphi- bienstännne, die Coeci lüden (Blindwühlen), Urodelen (Schwanz- lurche) und Anuren (Froschlurche) können jedoch nicht als Ausgangs- formen oder selbst als Ausgangsgruppen für die höheren Wirbeltiere angesehen werden; als eine solche Übergangsgruppe kann nur der Kreis der Stegocephalen in Betracht kommen. Zwischen den primitivsten Vertretern dieser Stammgruppe der Stegocephalen und den primitiv- sten Reptilien aus der Gruppe der Cotylosauria bestehen überhaupt keine scharfen Grenzen, soweit dies aus der morphologischen Ver- gleichung beider Gruppen gefolgert werden kann, und wo Gegensätze vorliegen, sind sie nur gradueller Natur. Eine scharfe Scheidewand zwischen einer primitiven Stegocephalenform, wie Trimerorhachis, und einer primitiven Cotylosaurierform, wie Seymouria, ist durchaus un- natürlich, da auch der gastrozentrale Wirbeltypus von einem rhachi- tomen abzuleiten ist. Während also die Lücken zwischen der Stamm- gruppe der Amphibien und der Stammgruppe der Reptilien durch die paläontologischen Funde der letzten Jahre als nahezu geschlossen betrachtet werden können, ist es noch nicht gelungen, die Anschlußstelle der Stego- cephalen an die Fische mit voller Sicherheit zu ermitteln, wenn auch die Beweisgründe für die engere Verwandtschaft der Stegocephalen und der Crossopterygier durch neuere Forschungen an Kraft gewonnen haben. Die in früherer Zeit vielfach verfochtene und teilweise noch heute verteidigte Hypothese der Abstammung der Stegocephalen von den Lungenfischen oder Dipneusten ist als endgültig abgetan zu be- trachten. 1 Systematik der Amphibien. Die drei lebenden Stämme der Amphibien sind die Coeciliidae (Blindwühlen), welche die selbständige Ordnung der Gymnophiona bilden, ferner die Urodela (Schwanzlurche) mit den Familien der Amphiumidae (Fisclunolche), Salamandridae (Molche), Proteidae (Ohne) und Sirenidae (Armmokhe) und endlich die Ordnung der Anura (Frosch- 1 L. Dollo, Sur la Phylogenie des Dipneustes. — Bull. Soc. Beige de Geologie, Paleont. etc., T. IX, Bruxelles 1895, pag. 79. Amphibia (Lurche). 221 lurche) mit zahlreichen Familien, die sich auf die Unterordnungen der Aglossa und der Phaneroglossa verteilen. Die Phaneroglossa werden in die beiden Gruppen der Arcifera (Schiebbrustfrösche) und Firmi- sternia (Starrbrustfrösche) eingeteilt. Von den Coeciliiden kennt man keine fossilen Reste; die Urodelen sind jedoch bis in das Perm Nordamerikas zurückverfolgt worden, da die Gattung Lysorophus nunmehr als Urodele erkannt worden ist. Die ältesten Anurenreste sind im oberen Jura Spaniens und Nordamerikas gefunden worden; ob die noch ungenügend bekannte Form Pelion Lyelli (Wyman) 1 in die Ahnenreihe der Frösche gehört, ist noch eine offene Frage. Wenn dies der Fall wäre, so würden sich die Anuren bis in das Oberkarbon hinab verfolgen lassen. Die Urodelen wurzeln ebenso wie die Gymnophionen und die Anuren in der großen Stammgruppe der Stegocephalen, die sich schon sehr frühzeitig in divergente Äste gespalten hat, von denen die meisten schon nach kurzer Blütezeit noch in der Permzeit erloschen sind, wäh- rend nur wenige Nachzügler noch bis zum Ende der Triaszeit lebten, in der sie allerdings die größten Körperdimensionen erreichten, die von Amphibien bekannt geworden sind. Die Urodelen sind in vielen Punkten mit den Branchiosauriden der Karbon- und Permzeit so nahe verwandt, daß sie jetzt von den meisten Forschern als die Nachkommen derselben angesehen werden. Die Kreise der Urodelen und der Stego- cephalen schneiden sich also im Bereiche der Branchiosauriden, ein Fall, der die Schwierigkeiten beleuchtet, die phylogenetischen Bezie- hungen zwischen zwei genetisch verknüpften Gruppen im „System" zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir nur die sicher den Urodelen und Anuren einzureihenden fossilen Gattungen aus dem Bereiche der Stego- cephalen ausscheiden, aber alle anderen in dieser ,,Stammgruppe" vereinigt lassen, so werden die Beziehungen der noch lebenden Am- phibienstämme zu den fossilen Ordnungen und Familien der Amphibien am besten zum Ausdruck gelangen. Die Morphologie der Wirbelsäule als Grundlage einer systematischen Gruppierung der Amphibien. Schon bei Besprechung der Fische haben wir gesehen, daß der Begriff des „Wirbels" kein morphologisch eindeutiger ist. Auch bei den höheren Wirbeltieren, die summarisch als Tetrapoden bezeichnet 1 j. Wyman: On some Remains of Batrachian Reptiles discovered in the Coal Formation of Ohio, etc. — Americ. Journal of Science, 2 e ser., XXV., New Haven, 1858. p. 158. — R. L. Moodie, The Dawn of Quadrupeds in North America. — The Populär Science Monthly, Vol. LXXII, June 1908, p. 562, Fig. 1. 222 Die Stämme der Wirbeltiere. werden, sind die Wirbel bei den einzelnen Gruppen keines- wegs homolog. Wenn auch bei den meisten höheren Wirbeltieren der Wirbel ein ein- heitliches Ganzes zu bilden scheint, so ist dies doch durchaus nicht der Fall. Aus der Entwicklungsgeschichte der Wirbel ergibt sich mit voller Klarheit, daß sie zwar auf einen gemeinsamen Ausgangstypus zurückgehen, der durch vier Paare knorpeliger Bogen- elemente gekennzeichnet ist, daß aber die weitere Spezialisation dieser vier Bogenpaare auf divergenten Wegen erfolgt ist. Eine ein- gehende Verfolgung der Spezialisationsgeschichte dieser vier Paare von ursprünglichen Bogenelementen führt daher zu wichtigen Aufschlüssen über die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den verschiedenen Gruppen, welche je ihren eigenen Spezialisationsweg im Aufbau der Wirbelsäule eingeschlagen haben. H. Gadow 1 kam bei seinen embryologischen Forschungen über die Morphogenie der Wirbel zu dem Ergebnis, daß der Ausgangstypus des Tetrapodenwirbels von vier Paaren knorpeliger Bogenelemente (Arcualia) gebildet wird. Diese sind: 1. Zwei Basidorsalia, 2. zwei Basiventralia, 3. zwei Interdorsalia, 4. zwei Interventralia. Diese vier, bzw. acht ursprünglich getrennten Bogenelemente er- fuhren im Laufe der Stammesgeschichte folgende divergente Spezia- Iisationen bei den Tetrapoden: I. Rhachitomer Typus. Die vier Paar Bogenelemente verharren in getrenntem Zustande, so daß der Wirbelkörper aus mehreren Stücken zusammengesetzt er- scheint; treten im Verlaufe der Stammesgeschichte Verwachsungen einzelner Elemente der Rumpfregion auf, so ist doch der ursprüngliche Zustand des sog. ,, Schnittwirbels" noch in der Schwanzregion zu beob- achten. Wir haben in einem solchen Wirbel zu unterscheiden: 1. Die Basidorsalia. — Sie bilden den oberen Wirbelbogen oder die „Neurapophyse". Sie sind meistens miteinander verschmolzen, aber zuweilen (z. B. in den Rückenwirbeln von Trimerorhachis insignis) noch getrennt (Fig. 171, 172, 173). 1 H. Gadow, On the Evolution of the Vertebral Column of Amphibia and Amniota. — Philosophical Transactions of the Royal Society London, Vol.CLXXXVlI, 1896, p. 1—57 (Literatur, p. 53—57). Amphibia (Lurche). 223 Neur. Haem. Fig. 171. Schematische Seitenansicht eines Schwanzwirbels von Archegosaurus, von links gesehen. Der Wirbel ist verdrückt; daher ist die Gabel des Hypozentrums sichtbar und die zwei Paare der Interarcua'ia (Inter- ventralia und Interdorsalia) liegen nebeneinander. Haem. = Haemapophyse. Iv. r. = rechtes Interventrale. Hyp. ■■- Hypocentrum. Neur. = Neurapophyse. Id. I. = linkes Interdorsale. Pr. z. = Praezygapophyse. hl. r. := rechtes Interdorsale. Po. z. - Postzygapophyse. Iv. I. - linkes Interventrale. Neur. Poz. Diap. Fleur. Fig. 172. Dorsalwirbel von Eryops, von links ge- sehen, in 2 /3 na t- Gr.; aus dem Perm Nord- amerikas. (Nach S. W. Williston.) Bezeichnungen wie in Fig. 171, dazu noch: Par. = Parapophyse. Diap. = Diapophyse. Pleur. = Pleurozentrum. Prz. = Praezygapophy.e. Poz. = Postzygapophyse. Pleur. Fig. 173. Hinterer^Rumpfwirbel von,Archegosaurus Decheni, aus dem Perm von Lebach bei Saarbrücken, von links gesehen, innat.Gr. (Nach O. Jaekel.) Prz. = Praezygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. Hyp. = Hypocentrum. Pleur. = Pleurocentrum. Neur. = Neurapophyse. 224 Die Stämme der Wirbeltiere. 2. Die Basiventralia. — Sie liegen vor und unter den Basi- dorsalia. Sie verschmelzen meistens untereinander (Fig. 172, 173) zu einer unpaarigen Masse, dem „Hypozentrum" (= Interzentrum), bleiben aber zuweilen noch getrennt (z. B. an den Schwanzwirbeln von Archego- saurus, Fig. 171). 3. Die Interdorsalia. — Sie liegen über und hinter den Basi- ventralia, bleiben in der Schwanzregion bei Archegosaurus, Chelydo- saurus und Sphenosaurus getrennt und entsprechen dem „oberen Paar der Pleurozentren" (Fig. 171, Jd.r., Id.L). 4. Die Interventralia. — Sie liegen unter den Interdorsalia, bleiben zuweilen (z. B. bei Archegosaurus, Fig. 171, Chelydosaurus und Sphenosaurus) getrennt und entsprechen dem „unteren Paar der Pleurozentren" (= Intercentra pleuralia). Aus diesem Grundtypus geht einerseits infolge Verschmelzung einiger und der Reduktion anderer Elemente der stereospondyle Typus hervor, andererseits durch Ausbildung von zwei hintereinander- liegenden Wirbelkörperscheiben ein „Doppelwirbel", der als embolo- merer Typus unterschieden wird. II. Stereospondyler Typus. Während der primitive rhachitome Wirbel vier Paar getrennter Bogenelemente umfaßt, tritt in einem Stamme schon im Unterkarbon (bei Loxomma) und im Oberkarbon (bei Anthracosaurus) und weiter bei den jüngsten Stegocephalen der Triasformation (z. B. Mastodonsaurus, Metopias, Capitosaurus, Labyrinthodon, Plagiosaurus) eine Spezialisation des Wirbelbaues ein, die mit der Herausbildung eines scheinbar einheit- lichen Wirbels endet. Dieser „stereospondyle" Wirbel umfaßt jedoch noch zwei Paar der ursprünglichen Bogenelemente, die miteinander fest verwachsen sind; das sind die Basidorsalia (Neurapophyse) und die Basiventralia (Hypozentrum). Dagegen sind die Inter- dorsalia und die Interventralia (Pleurocentra) durch Reduktion ver- loren gegangen. Bei Mastodonsaurus scheinen die Pleurozentren wenig- stens noch in knorpeligem Zustande als Rudimente vorhanden gewesen zu sein, da beim Aneinanderstoßen der Wirbelkörper zwischen je zweien eine Lücke übrigbleibt, die mit Knorpelmasse ausgefüllt gewesen sein muß. III. Embolomerer Typus. Während der stereospondyle Wirbel durch Reduktion der Pleuro- zentren und durch die Verschmelzung von Hypozentrum und Neura- pophyse (d. h. Basiventralia + Basidorsalia) zustande kommt, bildete sich, allerdings sehr selten, bei anderen Stegocephalen ein Doppelzylinder oder ein „Doppelwirbel" aus (F'g. 174). Der vordere Zylinder bildet den Amphibia (Lurche). 225 eigentlichen Wirbelkörper, der die oberen und unteren Bogenstücke sowie die Querfortsätze für die Rippen trägt; der hintere Zylinder dient nur als Ausfüllungsmasse oder „Intervertebralmasse". Der vordere Zylinder entspricht den vereinigten Basidorsalia (Neurapophyse) und Basiventralia (Hypozentrum), der hintere Zylinder den vereinigten Interdorsalia und Interventralia (= oberes und unteres Paar der Pleurozentren). Derartige ,,Doppelwirbel" sind nur bei zwei Gattungen (Cricotus und Diplovertebron) bekannt und zeigen eine auffallende Überein- stimmung mit den Doppelwirbeln der Schwanzregion einzelner Fische, und zwar z. B. mit jenen der lebenden Amia calva (Fig. 3) oder des oberjurassischen Amiaden Eurycormus speciosus. Auch bei den Fischen ist diese Erscheinung der „Embolomerie" sehr selten. ' PUur. Hyp. Ha'm. Fig. 174. Links: Dorsalwirbel, rechts: Caudalwirbel von Cricotus, aus dem Perm von Texas. gesehen. 1 / 2 nat. Gr. Diap. = Diapophyse. Haem. = Haemapophyse. Hyp. = Hypocentrum. Nenr. = Neurapophyse. Beide Wirbel sind von links (Nach S. W. Williston.) Pleur. = Pleurocentrum. Prz. = Praezygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. IV.. Pseudozentraler Typus. Dieser Typus wird in der Gegenwart durch die Wirbel der Urodelen repräsentiert. Der Wirbelkörper besteht bei ihnen aus den Basiventralia (Hypozentrum) und den in der Jugend getrennten, im Alter mit ihnen verschmolzenen Basidorsalia (Neurapophyse). Beide Bogenpaare ver- wachsen miteinander zu einem einheitlichen Wirbel, während die beiden hinteren Bogenpaare (Interdorsalia und Interventralia) knorpelig bleiben, vom Aufbau des knöchernen Wirbels ausgeschlossen sind und den ,,In- tervertebralknorpel" bilden. Mitunter (Rumpfwirbel der Urodelen) wird aber der Wirbelkörper nur von den Basidorsalia allein gebildet, welche die Basiventralia gänz- lich verdrängt haben. Zwischen diesem Typus und jenem, bei welchem Abel, Die Stämme der "Wirbeltiere. 15 226 Die Stämme der Wirbeltiere. auch noch die Basiventralia am Aufbau des Wirbels beteiligt sind, finden sich vielfache Übergänge. Einem primitiveren Typus als dem Wirbeltypus der lebenden Uro- delen begegnen wir bei den fossilen Gattungen Branchiosaurus, Mela- nerpeton und Pelosaurus. Hier besteht der Wirbelkörper aus zwei schwach ossifizierten Knochenblättern, die sich um die Chorda dorsalis legen und den Basiventralia (Hypozentrum) entsprechen, die somit hier noch paarig ausgebildet sind. Dorsal treten die Basiventralia mit den Basidorsalia in Verbindung. Der Wirbelkörper wird in einem solchen Falle (z. B. bei Branchiosaurus) zu gleichen Teilen von den Basiventralia und den Basidorsalia gebildet; die Interdorsalia und Interventralia nehmen an der Bildung des Wirbels auch hier keinen Anteil. W.K. • Fig. 175. Thyrsidium fasciculare, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Wirbel- körper der Länge nach bis zur Mitte durchgebrochen, Neurapophysen entfernt; der im Leben von der Chorda und dem Rückenmark erfüllte Hohlraum ist hier von Gestein eingenommen. Wk. = Wirbelkörper. R. = Rückenmark. Ch. = Chorda dorsalis. Dieser Wirbelkörpertypus, bei welchem die Pleurozentren gänzlich vom Aufbau des knöchernen Wirbels ausgeschlossen sind, die Basidorsalia dagegen die Hauptrolle spielen, ist von H.Gadow als „Pseudozentrum" bezeichnet worden. Der primitive Zustand, welchen wir in den Wirbeln von Branchio- saurus antreffen, ist als „Blattwirbeltypus" oder „phyllospondyler" Typus unterschieden worden, bildet aber ebenso nur eine Entwicklungs- stufe des pseudozentralen Wirbeltyps, wie die einheitlich verknöcherten Urodelenwirbel. Man hat früher diese „Vollwirbler" mit „ganzem" oder „holospondylem" Wirbel den Phyllospondylen gegenübergestellt; später sind sogar die Amphibien mit einheitlich ossifiziertem, bikonkavem und oft sanduhrförmigem (vgl. Fig. 175) Wirbelkörper als „lepospon- dyle" Formen unterschieden worden, ja man hat sie sogar als „Lepo- spondyla" (Zittel) den „Temnospondyla" (= Schnittwirbier, Jaekel) gegenübergestellt. Heute weiß man, daß der Begriff der Lepospondyla ein unnatürlicher, weil rein künstlicher ist, und daß ein Teil der „Lepo- spondyla" (Ophiderpetontiden, Molgophiden, Phlegethontiiden, Ptyoniden Amphibia (Lurche). 227 und Ceraterpetontiden) dem pseudozentralen Wirbeltypus angehört, während der andere Teil der „Lepospondyla" dem gastrozentralen Wirbeltypus einzureihen ist. V. Notozentraler Typus. Dieser Wirbeltypus ist ausschließlich im Stamme der Anuren ausgebildet. Ursprünglich sind auch hier, wie die (Mitogenetische Ent- wicklung zeigt, vier Paare von Bogenelementen vorhanden gewesen; im weiteren Verlaufe des Wachstums, das in diesem Falle die Stammes- geschichte wiederspiegelt, nehmen die Interdorsalia außerordentlich zu, verdrängen allmählich die Interventralia und bilden schließlich die Hauptmasse des Wirbelkörpers, während die Basiventralia (welche mit den Basidorsalia zu einer kompakten Masse verschmelzen) auf die vordere oder kraniale Hälfte des Wirbelkörpers beschränkt bleiben. Die Basiventralia können aber auch ganz verloren gehen (z. B. bei Pipa, Bombinator, Xenopus). In diesem Falle besteht der Wirbel nur mehr aus den Interdorsalia und den Basidorsalia. H. Gadow hat diesen Wirbelkörpertypus, bei welchem das Zentrum aus den Interdorsalia und den Basiventralia oder aus den Interdorsalia allein besteht, „Notozentrum" genannt. Bei normaler Ausbildung entsenden die Basiventralia jederseits einen lateralen Fortsatz (Querfortsatz) zur Rippenartikulation, außer- dem ventrale Fortsätze, die als Hämapophysen in der Schwanzregion eine V-förmige Spange bilden, welche das ventral von der Wirbelsäule verlaufende Blutgefäß umschließt. VI. Gastrozentraler Typus. Dem gastrozentralen Typus gehört nur ein kleiner Teil der fossilen Stegocephalen, aber alle Reptilien, Vögel und Säugetiere an. Er ist dadurch gekennzeichnet, daß die Hauptmasse des Wirbelkörpers aus den Interventralia besteht, während die Basiventralia (Hypozentrum) vom Aufbau des Wirbelkörpers meist gänzlich ausgeschlossen sind und nur mehr in Gestalt loser Hämapophysen (= Os en V = Chevron Bones) mit der Unterseite des Zentrums in Verbindung treten. Die Basidorsalia bilden auch bei den Angehörigen dieses Wirbel- typus wie immer die Neurapophyse, während die Interdorsalia voll- ständig verloren gegangen sind. H. Gadow nennt das dergestalt ausschließlich aus den Inter- ventralia aufgebaute Zentrum das „Gastrozentrum". Bei den lebenden Amphibien tritt dieser Wirbeltypus nicht auf; unter den fossilen Amphibien ist er bisher nur bei den Hylonomiden und Microbrachiden (Fig. 176) nachgewiesen. Wahrscheinlich ist er auch bei den Limnerpetontiden ausgebildet. 15* 228 Die Stämme der Wirbeltiere. F 5 ^XJ-^O ^ ' jq "g rt £ cro S = 3 N 2 So C/5 3* 3 » 3?* 3* 3* n X C H W -o o o. 3 Amphibia (Lurche). 229 Zweifellos ist auch dieser Typus von einem primitiven Typus ab- zuleiten, bei dem alle vier Bogenelemente vorhanden waren, und geht also auf den rhachitomen Typus zurück. To* Fig. 176. Microbrachis Pelikani, Fritsch. Oberkarbon von Nürschan, Böhmen. Rumpfwirbel, von rechts gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. Die Wirbel der Amphibien treten untereinander in gelenkige Ver- bindung, und zwar sind normal an der Vorderseite des Wirbels die paarigen Präzygapophysen und an der Hinterseite die gleichfalls paarigen Postzygapophysen (Fig. 176—183) ausgebildet. Die Post- Fig. 177. Oestocephalus remex, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Schwanzwirbel, von rechts gesehen. Vergr. o. D. = oberer Dornfortsatz. u. D. = unterer Dornfortsatz. Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. Zygo. = Zygosphen. Wk. = Wirbelkörper. Fig. 178. Ptyonius Vinchellianus (?), Cope. Ober- karbon von Linton, Ohio. Schwanz- wirbel, von rechts gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) o. D. = oberer Dornfortsatz. u. D. = unterer Dornfortsatz. Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. Zygo. = Zygosphen. zygapophysen greifen von oben nach unten in die Präzygapophysen des hinten oder kaudal anschließenden Wirbels ein und liegen dem- entsprechend etwas höher. Beide Zygapophysenpaare entspringen von der Neurapophyse. Außer dieser normalen Art von Gelenkverbindung zwischen zwei anschließenden Wirbeln treten in vereinzelten Fällen (z.B. bei Urocordylus, 230 Die Stämme der Wirbeltiere. Ptyonius, Oestocephalus, Diplocaulus) überzählige Gelenkverbindungen im Neurapophysenabschnitt, und zwar oberhalb derZygapophysen auf (Fig. 177—180, 183). Über der Präzygapophyse entspringt in diesem Falle ein kranialwärts gerichteter, keilförmiger, unpaarer, medianer tr-y- Fig. 179. Ptyonius pectinatus, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Rumpf- wirbel, von rechts gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) Zyga. = Zygantrum. Zygo. = Zygosphen. Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. Dia. = Diapophyse. Zygo. Fig. 180. Ptyonius pectinatus, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Rumpf- wirbel , von oben gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) Zyga. - Zygantrum. Zygo. = Zygosphen. = Präzygapophyse. = Postzygapophyse. Prz. Poz. Fig. 181. Scincosaurus crassus, Fritsch. Oberkarbon von Nürschan, Böhmen. Schwanzwirbel, von links gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. o. D. = oberer Dornfortsatz. //. D. = unterer Dornfortsatz. Fig. 182. Phlegethontia linearis, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Rumpf- wirbel, von rechts gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) Prz. = Präzygapophyse. Poz. = Postzygapophyse. N. = Neurapophyse. Hyp. = Hyposphen. Fortsatz (Zygosphen) von der Neurapophyse, der in eine gleichfalls median gelegene Vertiefung (Zygantrum) an der Hinterseite der Neurapophyse des vorausgehenden Wirbels über den Postzygapophysen eingreift. Mitunter kommt es jedoch zu einer Spaltung des Zygosphens; in diese Gabel schiebt sich der hintere Kamm der Neurapophyse hinein Amphibia (Lurche). 231 und die Gelenke für das Zygosphen werden von keilförmig nach vorn sich zuspitzenden Gruben an den Außenseiten der Neurapophyse ge- bildet, wie dies bei Ptyonius der Fall ist (Fig. 180, Zygo u. Zyga). Bei Para. Para. Dia, Fig. 183. Wirbel von Diplocaulus, aus dem Perm von Texas; oben: Ansicht von rechts, unten: Ansicht von oben. Nat. Gr. (Nach F. Broili.) Dia. = Diapophyse, Po. z. --= Postzygapophyse. Para. ^ Parapophyse. Zyga. ■■= Zygantrum. Pr. z. --- Praezygapophyse. Zspli. = Zygosphen. J.Prz u.V. LPoz. Fig. 184. Dolichosoma longissimum, Fritsch. Oberkarbon von Nürschan, Böhmen. Wirbel, von unten gesehen. Vergr. (Nach H. Schwarz.) /. Prz. = Infra-Präzygapophyse. /. Poz. = Infra-Postzygapophyse. u. D. = unterer Dornfortsatz. den Phlegethontiiden tritt (bei Phlegethontia) an Stelle des Zygosphens und Zygantrums eine akzessorische mediane Gelenkverbindung auf, bei welcher der Zapfen am Hinterende der Neurapophyse, die Vertiefung am Vorderende derselben steht. Dieser mediane, kaudalwärts stehende 232 Die Stämme der Wirbeltiere. Zapfen wird Hyposphen, die ihn aufnehmende Vertiefung des an- schließenden Wirbels Hypantrum genannt (Fig. 182). In einigen Fällen (z. B~7 bei Phlegethontia und Dolichosoma unter den Stegocephalen, sowie bei den lebenden Blindwühlen) sind auch an der Ventralseite der Wirbelkörper überzählige paarige Gelenkfort- sätze ausgebildet, für welche die Bezeichnung ,,Infrazygapophysen" anzuwenden wäre. Ein Wirbel von Dolichosoma (Fig. 184) gibt, von der Ventralseite gesehen, ein ähnliches Bild, wie derselbe Wirbel von der Ober- seite, nur besteht ein wichtiger Unterschied darin, daß die vorderen Gelenkfortsätze der Unterseite die hinteren des vorhergehenden Wirbels überlagern, während die vorderen Gelenkfortsätze der Oberseite (Präzygapophysen) von den hinteren des vorhergehenden Wirbels (Post- zygapophysen) überlagert werden. Durch diese akzessorischen Ge- lenkverbindungen wird die Verbindung der Wirbel untereinander eine außerordentlich feste. Die Terminologie der Wirbelkörper nach der Form. Die Wirbelkörper besitzen im allgemeinen eine zylindrische Gestalt, aber ihre Endflächen sind entweder flach oder konvex oder konkav, so daß wir eine Anzahl verschiedener Typen zu unterscheiden haben 1 , die in der systematischen Gruppierung der Reptilien eine wichtige Rolle spielen. Diese Typen sind: Form der Endflächen Linsentypen Terminologie nach Owen Terminologie nach Wieland Beispiele vordere hintere flach flach plan amphiplatyan | platyan Plesiosauria usw. konvex j konvex bikonvex bikonvex cyrtean erster Kaudal- wirbel von Diplo- docus konkav konkav bikonkav amphicoel coelian Ichthyosauria, Stenosaurus usw. 1 i flach konkav pianokonkav platycoel platycoelian Metriorhynchus konkav flach konkavplan " coeloplatyan erster Sakral- wirbel der leben- den Krokodilier konkav konvex konkavkonvex procoel coelocyrtean Mosasauria konvex konkav konvexkonkav opisthocoel cyrtocoelian Istreptospondylus sattel- förmig sattel- förmig ' " ephippisch, platyhippisch usw. Vögel 1 G. R. Wie 1 and, The Terminology of Vertebral Centra. — Amer. Journ. of Science (4), VIII, 1899, p. 163. Amphibia (Lurche). 233 I. Unterklasse: Stegocephalia (Stegocephalen). Der Schädelbau der Stegocephalen. Um den Schädelbau der Stegocephalen richtig erfassen und ver- stehen zu können, ist es nötig, eine der fossilen Typen als Ausgangs- punkt der morphologischen Analyse zu wählen, da der Schädel der lebenden Urodelen, Anuren und Gymnophionen auf divergenten Ent- wicklungswegen entstanden und einen zu hohen Spezialisationsgrad erreicht hat, um als Grundlage der Darstellung gewählt werden zu können. Wie wir später sehen werden, hat der Gymnophionenschädel nur scheinbar die meisten altertümlichen Züge des Stegocephalen- schädels unter den drei genannten Stämmen bewahrt (vgl. S. 332). Das wesentliche Kennzeichen des ursprünglichen Stegocephalen- schädels besteht in dem geschlossenen Schädeldach, dem die für fast alle Reptilien bezeichnenden Schläfendurchbrüche fehlen. Allerdings kommt es bei einigen Stegocephalengattungen (z. B. bei Cacops und Trematops) durch das Vorrücken der am Hinterrande des Schädel- daches gelegenen Ohröffnung und den hinteren Abschluß derselben • durch das Tabulare zu der Bildung einer Schädelöffnung, die an die obere Temporalöffnung der Reptilien erinnert, aber sie ist derselben nicht homolog. Der knöcherne Schädel oder das Schädelskelett besteht aus einer Anzahl von Knorpelknochen, d.h. solchen, die knorpelig präfor- miert sind, und aus einer Anzahl von Deckknochen oder Beleg- knochen, welche in der Haut entstehen und somit als Hautverknöche- rungen zu betrachten sind. Da die Knorpelknochen dadurch entstehen, daß die Knochenmasse den vorher zur Ausbildung gelangten Knorpel allmählich verdrängt oder richtiger ersetzt, so werden sie auch als ,, Ersatzknochen" bezeichnet. Unter den Deckknochen werden zwei Kategorien unterschieden. Die erste Gruppe von Knochen gehört dem Bereiche der Oberseite und der Seitenflächen des Knorpelschädels an und umfaßt Knochen, welche in der Haut entstanden sind und sich später in die Tiefe gesenkt haben. Diese. Gruppe kann als die Gruppe der Hautknochen bezeichnet werden. Die zweite Gruppe der Deckknochen hat 0. Hertwig (1874) als Zahnknochen bezeichnet, d. h. sie sind nach dieser Auffassung aus der Verwachsung von Einzelzähnen entstanden. Sie gehören der Mund- und Gesichtsregion des Schädels an. 234 Die Stämme der Wirbeltiere. Der Aufbau des Stegocephalenschädels. I. Die Deckknochen des Schädels. 1 A. Hautknochen. Nasale. Vorn an das Praemaxillare stoßend, den Hinterrand der vorderen Nasenöffnung bildend, dann an das Supramaxillare grenzend. Dann wendet sich die Außengrenze des Nasale einwärts, stößt an der Knickungsstelle mit der vorderen Spitze des Adlacrymale zusammen, läuft dem Lacrymale ein Stück weit entlang und biegt an der Grenze gegen das Frontale scharf nach vorn und innen in der Richtung zur Mittellinie ab. Internasale. Ein unpaarer Knochen, vor dem Vorderende beider Nasalia und zwischen den Praemaxillaria gelegen. Er ist bis jetzt nur bei Micropholis Stowi, Huxley, aus der Trias der Kapkolonie beob- achtet worden. Ob er als ein gelegentlich auftretender Schaltknochen (= Interkalarknochen = OsWormianum) anzusprechen ist oder, wie Broili (1916) meint, als eine Verknöcherung des Ethmoidknorpels an- zusehen ist, muß einstweilen unentschieden bleiben. Frontale. Vorn an das Nasale, außen an das Lacrymale stoßend, weiter den vorderen Teil des Innenrandes der Augenhöhle bildend, dann an das Postfrontale stoßend und von hier senkrecht auf die Mittellinie nach innen längs der Naht gegen das Parietale laufend. Parietale. Vorn an das Frontale, außen zuerst an das Post- frontale, dann an das Supratemporale stoßend, dann in fast rechterh Winkel gegen die Mittellinie abbiegend und längs des Vorderrandes des Dermosupraoccipitale gegen die Mittellinie ziehend. Dermosupraoccipitale. 2 Das Dermosupraoccipitale stößt vorn an das Parietale, seitlich an das Supratemporale und das hinter dem- selben liegende Tabulare und bildet, paarig entwickelt, den Mittelteil des Hinterrandes des Schädeldaches. Es bildet ferner den Oberrand des Foramen magnum und stößt an der Hinterwand des Schädeldaches mit dem Supraoccipitale zusammen. 1 Als Beispiel und zur Einführung in die Morphologie der . Deckknochen des Schädels ist hier der Schädel von Capitosaurus nasutus H. v. Meyer aus dem Bunt- sandstein Deutschlands (Untertrias) zugrunde gelegt, obwohl die hier zu beobachtenden Verhältnisse keineswegs bei allen Stegocephalen dieselben sind. Schädel und Unter- kiefer dieses rhachitomen Stegocephalen haben als Gipsabgüsse weite Verbreitung gefunden, weshalb dieser Typus als Grundlage gewählt wurde. 2 Früher meist mit dem Supraoccipitale verwechselt, das jedoch ein Knorpel- knochen und kein Deckknochen ist. Eine andere, von R. Broom in den letzten Jahren neu eingeführte Bezeichnung ist ,, Postparietale". Der Name „Dermo- supraoccipitale" wurde von Miall 1878 aufgestellt und neuerdings von F. v. Huene (1913) wieder in Erinnerung gebracht. Amphibia (Lurche). 235 Centroparietale. Dieser unpa'are Knochen liegt zwischen den Parietalia und den Dermosupraoccipitalia (= Postparietalia) von Apha- neramma rostratum, A. S. Woodward, aus der Trias von Spitzbergen. 1 N. Pmx. Spmx. Fig. 185. Schädel von Eryops megacephalus, Cope, aus des Schädeldaches in 1 i nat. Gr. ' Adl. = Adlacrymale. Dso. = Dermosupraoccipitale. Eth. = Ethmoidale. Fr. - Frontale. Ju. = Jugale. La. = Lacrymale. N. = Nasenöffnung. Na. = Nasale. Orb. = Orbita. Pa. = Parietale. Pmx. = Praemaxillare. dem Perm von Texas; Dorsalansicht (Nach R. Broom, 1913.) Pof. = Postfrontale. Porb. = Postorbitale. Pte. = Pteroticum. Q. = Quadratum. Qj. = Quadratojugale. Smx. = Supramaxillare. Spmx. = Septomaxillare. Sq. = Squamosum. St. = Supratemporale. Tab. = Tabulare. Da er bisher bei keinem einzigen anderen Vertebraten aufgefunden worden ist, dürfte es sich höchstwahrscheinlich um einen akzessorischen, überzähligen Schaltknochen oder Nahtknochen (Os Wormianum) 1 C. Wiman,Über die Stegocephalen aus der Trias Spitzbergens. — Geol. Inst. Upsala, XIII, 1914, p. 18. Bull. 236 Die Stämme der Wirbeltiere. handeln. Seine Lage unterscheidet ihn vom Interparietale der Rep- tilien und Säugetiere wie auch vom Praeparietale der Reptilien (zwischen die Parietalia und Frontalia eingeschalteter medianer Knochen, gleichfalls ein „Nahtknochen", der bei Lystrosaurus , Dicynodon, Gor- donia, Gorgonops, Galepus nachgewiesen wurde). 1 Tabulare. 2 An das Dermosupraoccipitale schließt sich hinten das Tabulare an, welches zapfenförmig nach hinten und außen vor- springt. Vorn grenzt es an das Supratemporale, weiter außen an das Squamosum und tritt auf der Schädelhinterwand mit dem unter ihm liegenden Exoccipitale in Verbindung. Intertemporale. 3 Dieser paarige, bei Capitosaurus fehlende Knochen ist z. B. bei Trimerorhachis insignis (Fig. 202) selbständig entwickelt, wo er vom Postfrontale, Postorbitale, Supratemporale und Parietale ringsum eingeschlossen wird. Er findet sich auch bei Ge- phyrostegus (Fig. 230, Jsq). Supratemporale. 4 Bei Capitosaurus wird dieser Deckknochen vom Parietale, Postfrontale, Postorbitale, Squamosum, Tabulare und Dermosupraoccipitale ringsum eingeschlossen und stößt daher mit sechs Knochen zusammen. Squamosum. 5 Dieser Knochen grenzt innen an das Tabulare, weiter vorn an das Supratemporale, Postorbitale, außen an das Jugale und an das hinter diesem sich anschließende Quadratojugale, und stößt an der Hinterwand des Schädels mit dem Opisthoticum und Ptery- goideum zusammen. Quadratojugale. Das Quadratojugale bildet in der Regel die hintere Außenecke des Schädeldaches, tritt vorn mit dem Jugale, innen mit dem Squamosum und unten an der Schädelhinterwand mit dem Quadratum in Verbindung. 1 F. Broili, Unpaare Elemente im Schädel von Tetrapoden. — Anatom. Anzeiger, XLIX, 1917, p. 566. 2 Die Bezeichnung Tabulare stammt von E. D. Cope. Später wurde von Cope der Terminus ,, Intercalare" für diesen Knochen angewendet, der aber schon für zwei andere Skelettelemente vergeben ist. R. Broom hat nun in den letzten Jahren die Bezeichnung „Postparietale" angewendet. Die Bezeichnung als „Epioticum" ist unrichtig, da die Epiotica Knorpelknochen, die Tabularia aber Hautknochen sind. 3 O. Jaekel bezeichnet ihn nach dem Vorschlag Baurs als „Intersquamosum" (bei Gephyrostegus bohemicus); vgl. Fig. 230, Isq. — Dieser Knochen entspricht jedoch offenbar dem Supratemporale (fälschlich als Squamosum bezeichnet) von Capito- saurus nasutus (vgl. H. Schroeder, Ein Stegocephalenschädel von Helgoland. — Jahrb. Kg!. Preuß. Geol. Landesanstalt, XXXIII. Bd., 1913, Taf. 17, p. 243). 4 Irrtümlich wird dieser Knochen häufig mit dem Squamosum identifiziert. 5 Nach dem Vorschlage von G. Baur (1895) wiederholt als „Prosquamosum" bezeichnet, so zuletzt von H. Schroeder (1913). Amphibia (Lurche). 237 Jugalc. Das Jochbein nimmt am Außenrande des Schädeldaches einen relativ großen Raum ein. Es grenzt vorn an das Supramaxillare, weiter innen und hinten an das Adlacrymale, weiter nach hinten an das Lacrymale, bildet einen Teil des Außenrandes der Augenhöhle, tritt weiter mit dem Postorbitale in Verbindung, trifft hinter diesem mit dem Squamosum und an seinem hinteren Ende mit dem Quadrato- jugale zusammen. Postorbitale. Dieser Deckknochen bildet einen großen Teil des Hinterrandes der Augenhöhle und grenzt von innen nach außen zuerst an das Postfrontale, dann an das Supratemporale, Squamosum und Jugale. Postfrontale. Ein relativ kleiner Knochen zwischen Frontale, Parietale, Supratemporale und Postorbitale, der einen Teil des Augen- höhleninnenrandes bildet. Lacrymale^ 1 Zwischen dem Frontale, Nasale, Adlacrymale und Jugale liegend und den Vorderrand der Orbita bildend. Adlacrymale. 2 Dieser Knochen liegt zwischen dem Supramaxil- lare, Jugale, Lacrymale und Nasale (bei Capitosaurus) und bildet hier einen Teil der Begrenzung des Nasenloches. Septomaxillare 3 (= Intranasale, Gaupp). Dieser bisher meist übersehene kleine Knochen ist in der Regel nur in der Tiefe der vor- deren Nasenöffnung unter deren Hinterrand sichtbar. Er ist bei vielen Stegocephalen nachgewiesen (z. B. bei Eryops, Trimerorhachis, Zatra- chys) und findet sich auch im Froschschädel (z. B. bei Rana tempo- raria) vor. Scleroticalia. Der Augapfel vieler Stegocephalen wird durch eine Reihe kleiner Hautknochenplättchen geschützt, welche sich ring- förmig aneinanderlegen. Ihre Zahl ist sehr verschieden, scheint aber bei den Branchiosauriden am größten gewesen zu sein. Der durch diese Scleroticalia gebildete Knochenring wird als ,,Sklerotikalring" bezeichnet. Bei Stereocyclops, einem lebenden Engmaulfrosch, ist ein Sklerotikal- ring festgestellt worden. 1 Früher fast allgemein als „Praefrontale" bezeichnet, bis zuerst O. Jaekel (1903) und später E. Gaupp (1910) nachwiesen, daß dieser Knochen dem Lacry- male der Säugetiere homolog ist. 2 Von E. Gaupp (1910) so benannt an Stelle des „Lacrymale". O. Jaekel hatte 1905 die Bezeichnung „ Postnasale" vorgeschlagen, die aber unglücklich gewählt ist und daher keinen Anklang gefunden hat. 3 Von E. D. Cope als „turbinated bone" bezeichnet. Die Benennung „Septo- maxillare" stammt von Swinnerton und Howse. 238 Die Stämme der Wirbeltiere. B. Zahnknochen. Parasphenoideum (= Parabasale, Gaupp). Das Parasphenoid ist ein unpaarer Knochen , dessen hinterer Teil als Platte entwickelt ist, die seitlich mit den Pterygoidea in Verbindung tritt. Diese Platte ist zuweilen (z. B. bei Acanthostoma, Dawsonia, Zatrachys) mit kleinen Qj- Fig. 186. Unterseite des Schädels von Eryops megacephalus, Cope, aus dem Perm Nord- amerikas, in V 4 nat. Gr. (Nach R. Broom, 1913.) Bo. = Basioccipitale. Q. = Quadratum. Cho. = Choane. Qj- = Quadratojugale. Eo. = Exoccipitale. Smx. = Supramaxillare. Pal. = Palatinum. Sp. Etil. = Sphenethmoid. Pas. = Parasphenoid. Tr. = Transversum. Pmx. = Praemaxillare. Vo. = Vomer. Pte. = Pterygoid. Zähnen besetzt, bei anderen (z. B. bei Trematosaurus) wie ein Schädel- dachknochen skulpturiert, bei anderen (z. B. Branchiosaurus) glatt. Nach vorn läuft das Parasphenoid in einen langen, sehr schlanken Stiel (Processus cultriformis) aus, der die mittlere Trennungs- Amphibia (Lurche). 239 leiste der beiden außerordentlich großen Gaumenöffnungen bildet. An das Vorderende des langen Parasphenoidstiels legen sich seitlich die kleinen Palatina und vor diesen die (ursprünglich paarigen) Vo- meres an. Palatinum. Das Palatinum der Stegocephalen trägt meist eine der Zahnreihe des Oberkiefers parallele Zahnreihe, grenzt außen an das Supramaxillare, hinten und innen an das Pterygoid und tritt vorn (z. B. bei Acanthostoma, wo es zahlreiche Zähne trägt, oder bei Cycloto- saurus, wo es eine Reihe Zähne trägt) 'mit dem Vomer in Verbindung. An seiner hinteren Außenecke trifft es mit dem Quadratojugale zu- sammen. Pterygoideum. Das Pterygoid stößt innen mit breiter Naht- fläche an das Parasphenoid und entsendet nach vorn einen meist sehr schlanken, zarten, spangenförmigen Fortsatz, der mit dem Palatinum in Verbindung tritt. Zuweilen grenzt es vorn auch an den Vomer. Das Hinter- und Außenende grenzt an das Exoccipitale. Das Ptery- goid ist mitunter bezahnt (z. B. bei Zatrachys, Dawsonia, Acantho- stoma und Batrachiderpeton). Transversum (= Ectopterygoideum = Transpalatinum). Vom Pterygoid, Palatinum und Supramaxillare durch Nähte getrennt. Es trägt (z. B. bei Diplocaulus, Fig. 228) mitunter eine Reihe kleiner Zähne, die sich auf das Palatinum fortsetzt, bei Acanthostoma außerdem einen größeren „Fangzahh". Das Transversum ist derselbe Knochen, der im Krokodilschädel als „Transpalatinum" bezeichnet wird. Vomer (= Praevomer, Broom). Auch der Vomer erweist sich durch seine Bezahnung als Zahnknochen. Entweder trägt er (z. B. bei Capitosaurus, Mastodonsaurus, Cyclotosaurus) neben einer Reihe kleiner Zähne noch ein bis zwei Paar großer, kegelförmiger Fangzähne, oder er ist (z. B. bei Acanthostoma, Zatrachys) mit sehr zahlreichen Zähnen bedeckt. Er grenzt außen an das Praemaxillare, Supramaxil- lare und das Palatinum, und tritt hinten in der Mittellinie des Schädels mit dem Parasphenoid in Verbindung. Praemaxillare. Das Vorderende der Schnauze bildend. Es grenzt hinten an das Supramaxillare und an den Vomer und trägt eine Zahn- reihe. Supramaxillare. Der Oberkieferknochen stößt vorn an das Praemaxillare, innen an das Palatinum und den Vomer und hinten an das Quadratojugale. Er trägt eine Zahnreihe. II. Die Knorpelknochen des Schädels. Die Knorpelknochen werden gewöhnlich in vier Gruppen zusammen- gefaßt: 1. Occipitalia (Hinterhauptbeine), 2. Otica (Ohrknochen), 3. Sphe- 240 Die Stämme der Wirbeltiere. noidalia (Keilbeine), 4. Ethmoidalia (Siebbeine). Dazu treten aber noch das Quadratum und das Epipterygoid, welche dem Gebiete des Kiefer- bogens angehören und aus dem Palatoquadratum hervorgegangen sind. Supraoccipitale. Das unpaarige Supraoccipitale ist ein echter Ersatzknochen und darf daher nicht mit dem Dermosupraoccipitale verwechselt werden. Es ist bisher nur bei Gymnarthrus nachgewiesen, wo es zwischen den Dermosupraoccipitalia und den Exoccipitalia an der Hinterwand des Schädels sichtbar ist. Sonst scheint es bei den Stegocephalen im knorpeligen Zustande verharrt zu haben; an seiner Stelle ist meist eine Lücke an der Schädelhinterwand sichtbar. s.t.s.v. Bsph. a.t.hy. Sph.eth. Eo. Fig. 187. Längsschnitt durch den Schädel von Eryops megacephalus, Cope, ungefähr in 7a nat. Gr. (Nach R. Broom, 1913.) Die Deckknochen sind senkrecht schraffiert, die Knorpelknochen punktiert dargestellt. Psph. = Parasphenoid. s.t.hy. = Sella turcica; Hypophysen- Bsph. = Basisphenoid. grübe. Sph.eth. = Sphenethmoid. s.t.s.v. = Sella turcica; Grube für den Bo. = Basioccipitale. saccus vasculosus (wie bei Eo. = Exoccipitale. Polypterus). Exoccipitale ( = Occipitale laterale). Dieser paarig entwickelte Knochen stößt oben an das Dermosupraoccipitale (wenn es nicht durch das Supraoccipitale von ihm getrennt wird), außen und seitlich an das Prooticum und unten an das Basioccipitale. Die Exoccipitalia bilden den Hauptteil der Umfassung des Foramen magnum (Hinterhaupts- loch), sowie die Kondylen (Gelenkhöcker = Condylus occipitalis) des Hinterhauptes. Basioccipitale. Ein unpaarer Knochen, der sich zwischen die Exoccipitalia an der Schädelbasis einschiebt und vorn mit dem Basi- sphenoid in Verbindung tritt. Im Vergleich zu dem bei den Stego- cephalen stets großen Basisphenoid ist das Basioccipitale sehr klein und daher schwer nachzuweisen. Basisphenoideum. Gleichfalls ein unpaarer Knochen der Schädel- basis, der sich vorn an das Basioccipitale anlegt und an seiner der Unter- Amphibia (Lurche). 241 seite des Gehirns zugekehrten Oberseite eine tiefe Grube (für die Hypo- physe des Zwischenhirns), die Fossa pituitaria oder Sella turcica (Türken- sattel), aufweist. Sphenethmoideum. Dieser unpaare Knorpelknochen bildet an der Schädelbasis die vordere Fortsetzung des Basisphenoids und füllt den Zwischenraum zwischen dem Parasphenoid und dem Schädeldach aus. Sein Hinterende ist zur Aufnahme des Vorderendes des Gehirns tief ausgehöhlt. Dieser Abschnitt entspricht vielleicht dem Präsphenoid der Säugetiere (R. Broom, 1913). F. m. ■XI. VII. PI. Bo. Fig. 188. Eryops spec. Perm von Nordamerika. Längsschnitt durch den hinteren Teil der Schadelkapsel;. Ansicht der rechtsseitigen Hälfte derselben von innen, Decke und Basis der Gehirnkapsel durchschnitten. Originalzeichnung in 3 / i nat. Gr. auf Grund der von F. v. Huene (1912) veröffentlichten Skizzen der Präparate Nr. 4178 und 4188 im Am. Mus. Nat. Hist. (New York). Erklärungen nach v. Huene. V a und V 2 = Austrittsstellen des N. trige- minus. VII. = Austrittsstelle des N. facialis (Canalis Fallopii). IX.— XI. = Austrittsstelle des IX. bis XL Schädelnerven. PI. = Austrittsstelle der perilym- phatischen Gefäße. F. m. = Foramen magnum. 5. t. = Sella turcica. Hy. --= Hypodyse (Hypophysen- grube). Va. = Venenloch (?). Co. = Condylus occipitalis. Bo. = Basioccipitale. Bs. = Basisphenoid. Gh. = Gehirnhöhlenraum. Ethmoidale. Bei verschiedenen Stegocephalen, z. B. bei Eryops 1 aus dem Perm Nordamerikas, bei Osteophorus Roemeri H. v. Meyer aus dem Perm von Löwenberg in Schlesien 2 , bei Trematosaurus Sobeyi 1 R. Broom, Studies on the Permian Temnospondylous Stegocephalians of North America. — Bull. Am. Mus. Nat. Hist., XXXII, Nov. 1913, p. 585 und 591. 2 H. v. Meyer, Osteophorus Roemeri aus dem Rotliegenden von Klein- Neuendorf in Schlesien. — Palaeontographica, VII. Bd., 1859, p. 101. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 16 242 Die Stämme der Wirbeltiere. Haughton aus der Trias Südafrikas 1 und bei Ricnodon aus der ober- karbonischen Gaskohle von Nürschan in Böhmen 2 tritt zwischen den Nasalia und Frontalia in der Median ebene des Schädels ein unpaarer Knochen auf, der als Internasofron tale (H. v. Meyer, 1859), Naso- frontale oder neuerdings von D. M. S. Watson (1913) als Inter- frontale bezeichnet worden ist. Schon H. v. Meyer sprach die Ver- mutung aus, daß es sich hier um eine Verknöcherung des Siebbeines (Ethmoideums) zu handeln scheine, die bei den Anuren und Gymno- phionen (z. B. bei Siphonops) an derselben Stelle des Schädeldaches Cot. Ot F.pt. F.pot. Dso. So. Eo. Tab. Op. Hinterhaupt von (Stubensandstein) Cyclotosaurus posthum von Pfaffenhofen in Nach E. Fr us E. Fraas aus dem oberen Keuper Württemberg. (Ungefähr 1 / 2 nat. Gr.) aas, 1913. So. Bo. F. m. Dso. Tab. Sq. = Öffnung der Schädelwand, die beim lebenden Tiere durch ein knorpeliges Supraoccipitale ver- schlossen war. = Öffnung, die beim lebenden Tiere durch das knorpelig ge- bliebene Hinterende des Basi- occipitale verschlossen war. = Foramen magnum. = Dermosupraoccipitale. = Tabulare. = Squamosum. Q. = Quadratum. Qi- = Quadratojugale. Ep. = Epioticum. Op. = Opisthoticum. ot. = sekundär zu einem Fenster ver- schlossener Otikalschlitz. Cot. = Oticalgrube. F.pt. = Fenestra pteroccipitalis. F. pot. = Fenestra posttemporalis. Pte. = Pterygoideum. Co. = Condylus occipitalis. Eo. = Exoccipitale. zwischen den Deckknochen zum Vorschein kommt. Nach den kritischen Vergleichen, die F. Broili (1917) durchführte 3 , ist dieser mediane Knochen des Stegocephalenschädels als eine Ossifikation des Ethmoidal- knorpels anzusehen und daher als Ethmoidale zu bezeichnen. Mit dem Sphenethmoideum kann es nicht wohl identifiziert werden (Broili, 1917). 1 S. H. Haughton, Investigations in South African Fossil Reptiles and Amphibia; Part 1: On a New Species of Trematosaurus. — Ann. South Afr. Mus., XII, 1915, Part 2. 2 D. M. S. Watson, On Micropholis Stowi, Huxley, a Temnospondylous Am- phibian from South Africa. — Geol. Magazine, Dec. V, Vol. X, London 1913, p. 341. 3 F. Broili, Unpaare Elemente im Schädel von Tetrapoden. — Anat. An- zeiger, XLIX. Bd., 1917, p. 574. Amphibia (Lurche). 243 Orbitosphenoideum. Dieser paarig entwickelte Knochen liegt an der Schädelbasis und bildet z. B. bei Cyclotosaurus posthumus (von E. Fraas, 1913, als Alisphenoid bezeichnet, das bei den Amphibien bisher nicht beobachtet wurde) das Verbindungsstück zwischen dem Parasphenoid und dem ursprünglich knorpelig präformierten primären Schädel (Hirnschädel). Diese Verbindung findet dort statt, wo vom Frontale aus jederseits ein Wulst nach innen, hinten und unten zum Parasphenoid hin abbiegt. Epioticum (= Felsenbein nach Quenstedt). Ein paarig ent- wickelter Knochen der Gehörregion, der unter den Stegocephalen bis jetzt mit Sicherheit nur bei Cyclotosaurus posthumus E. Fraas (1913) nachgewiesen werden konnte (Fig. 189). — Es nimmt hier an der Bil- dung der Wand des Gehörganges teil, der in einer allseitig geschlossenen Öffnung (Fenestra oticalis) auf der Oberseite des Schädeldaches aus- mündet. Es wird jedenfalls auch bei anderen Stegocephalen bei genauerer Untersuchung nachgewiesen werden können. Der häufig als Epioticum bezeichnete Knochen des Schädeldaches ist dagegen identisch mit dem Tabulare und als solches zu bezeichnen. Opisthoticum (= Paroccipitale). Dieser paarig entwickelte Kno- chen bildet einen Teil der Schädelhinterwand (z. B. bei Capitosaurus und Eryops) und wird vom Tabulare überdeckt. Prooticum. Es ist kleiner als das Opisthoticum (z. B. bei Eryops) und bildet bei dieser Gattung einen kurzen Kamm unter dem Hinter- ende des Parietale (Fig. 216). Sphenoticum. Ein kleines, wahrscheinlich knorpeliges Element des Schädels von Lyrocephalus Euri (Trias Spitzbergens), welches das Pro- oticum mit dem Supratemporale und Parietale verbindet, scheint nach C. Wiman (1916) dem Sphenoticum zu entsprechen. Stapes (= Columella auris). Der Stapes ist bei zahlreichen Stego- cephalen erhalten (z. B. bei Lonchorhynchus, Eryops usw.). Er ver- schließt die Fenestra ovalis und ist als relativ langer, gerader Knochen- stab entwickelt (Fig. 216). Quadratum. Das Quadratum ist ein Ersatzknochen des Gelenk- teiles des knorpeligen Palatoquadratums und bildet das Gelenk gegen den Unterkiefer. Es ist bei den Stegocephalen verhältnismäßig klein; vorn innen stößt es an das Pterygoid, außen und oben an das Quadratojugale. Epipterygoideum (= Columella cranii). Das Epipterygoid ist die Verknöcherung des vorderen oder pterygoidalen Abschnittes des knorpeligen Palatoquadratums. Es erscheint bei Lyrocephalus Euri Wiman als ein zapfenförmiger, vom Pterygoid schräg nach innen und unten gerichteter Fortsatz des Pterygoids, von dem es jedoch deutlich getrennt ist. Es ist auch bei Eryops nachgewiesen. Vielleicht ist es auch bei Anaschisma und Gondwanosaurus vorhanden gewesen. 16* 244 Die Stämme der Wirbeltiere. III. Die Deckknochen des Unterkiefers. 1 Dentale. Dieser Knochen ist ebenso wie die sog. Zahnknochen des Schädels aus einer Verwachsung von ursprünglich einzelstehenden Zähnen hervorgegangen. Das Dentale bildet den äuikreri, das gleich- falls (nach 0. Hertwig) als Zahnknochen aufzufassende Spleniale den inneren Zahnbogen des Unterkiefers. Auf dem Oberrande des Dentale steht in der Regel eine Reihe kegelförmiger, gleichgroßer Zähne. Es nimmt das Vorderende des Unterkiefers allein ein, dehnt sich haupt- sächlich auf der Außenseite und Oberseite des Unterkiefers aus und läuft nach hinten spitz zu. Innen stößt es an das Spleniale, weiter hinten an drei schmale Knochen, vorn zuerst an das Praecoronoid, dann an das Intercoronoid und zuletzt an das Complementare. An der Außen- seite des Unterkiefers legt sich das Dentale vorn auf das Spleniale, dann auf das Praearticulare, dann zieht sein Unterrand längs der oberen Grenze des Angulare nach oben und keilt im Supraangulare aus. Spleniale (= Operculare). Dieser zweite ,, Zahnknochen" ist bei den Stegocephalen zahnlos; sein Vorderende nimmt noch an der Sym- physe, wenn auch nur in untergeordnetem Maße, Anteil, während der Hauptabschnitt derselben dem Dentale zufällt. Das Spleniale bildet so- dann auf der Innenseite den Unterrand des Unterkiefers, bis es vom Postspleniale abgelöst wird, an dessen oberer Grenze es nach oben zieht, wo sich das Intercoronoid und Praecoronoid keilförmig zwischen das Dentale und Spleniale einschieben. Das Spleniale ist z. B. beim lebenden Urodelen Necturus maculatus, bei Siredon usw. bezahnt. Praecoronoid. Ein schmaler, schlanker Knochen zwischen dem Dentale, Spleniale und Intercoronoid, der an der Innenwand des Unter- kiefers liegt. Intercoronoid. Es grenzt vorn an das Praecoronoid, unten an das Spleniale, Postspleniale und Praearticulare, hinten an das Com- plementare und oben an das Dentale. Es liegt gleichfalls an der Innen- wand des Unterkiefers. Praearticulare (= Goniale). An der Innenwand des Unterkiefers gelegen. Sein Oberrand bildet die untere Begrenzung des Hauptkanals, welcher den knöchernen Unterkiefer durchzieht (Canalis cartilaginis Meckelii = Canalis primordialis) und der den primordialen Unterkiefer 1 Als Grundlage für die nachfolgende Analyse diente vor allem die Mitteilung von G. W. Williston (Journ. of Geology, XXII, Nr. 4, May- June 1914, p. 364 bis 419), in welcher festgestellt wird, daß der Terminus Postspleniale (Williston) vor der Bezeichnung Praeangulare (Broom) die Priorität hat; ebenso ist die Bezeich- nung Epicoronoid (Watson) einzuziehen. Die Verhältnisse der Unterkieferknochen zueinander sind am klarsten bei Trimerorhachis Alleni Case (Fig. 203) oder bei Eryops megacephalus aus dem Perm von Texas zu beobachten (Fig. 190). Amphibia (Lurche). 245 (= Meckelscher Knorpel = Cartilago Meckelii) einschließt. Seine Grenz- linie stößt hinten an das Articulare, unten an das Angulare und Prae- angulare, keilt zwischen diesem und dem darüber liegenden Inter- coronoid aus und läuft unter dem Complementare wieder zur Öffnung des Canalis primordialis zurück. Ang. Compl. Sang. \ \ I ! I J \ Spl. De. Symph. Ang. Compl. Compl. Pr.Art. \ I.cor. De. P.cor. 1 Po. spl. Fig. 190. Unterkiefer von Eryops megacephalns, Cope, A von innen, B von außen gesehen; aus dem Perm von Texas. a / 4 nat. Gr. (Nach R. Broom, 1913.) Dt'. = Dentale. Po. spl. = Postspleniale( = Praeangulare). Spl. = Spleniale ( = Operculare). Sang. = Supraangulare. P. cor. = Praecoronoid. Compl. = Complementare ( = Coronoid). /. cor. = Intercoronoid. Art. = Articulare. Pr. Art. = Praearticulare ( = Goniale). Symph. = Symphyse. Ang. = Angulare. Angulare. Dieser große Knochen liegt fast zur Gänze an der Außenseite des Unterkiefers, bildet aber auch noch als schmale Leiste einen Teil seines Unterrandes. Auf der Außenseite stößt es unten und vorn an das Postspleniale, oben an das Dentale und Supraangulare, wendet sich mit seinem Hinterende am Articulare nach unten und auf die Innenseite des Unterkiefers, wo es unter dem Praearticulare weiter- läuft und wieder mit dem Postspleniale zusammentrifft. Postspleniale (= Praeangulare). Zum größeren Teil auf der Innenwand des Unterkiefers ausgebreitet, aber auch an der Außen- wand gut entwickelt. Die Grenze zieht auf der Außenseite des Kiefers vom Spleniale zum Dentale, senkt sich hinten unter das Angulare, taucht auf der Innenwand wieder auf und zieht unter dem Praearticulare und Intercoronoid wieder zum Spleniale. 246 Die Stämme der Wirbeltiere. Supraangulare. An der höchsten Stelle des Unterkiefers gelegen. Es bildet auf der Innenwand des Unterkiefers einen großen Teil der Wand des Canalis primordialis, grenzt vorn an das Complementare, hinten an das Articulare und unten an das Angulare. Das Dentale sendet einen langen Keil nach hinten in das Supraangulare. Complementare (= Coronoid = Epicoronoid). Sein Hinterrand bildet auf der Innenwand des Unterkiefers die vordere Begrenzung des Eintrittsloches des Canalis primordialis. Oben stößt es an das Dentale, vorn an das Intercoronoid, unten an das Praearticulare; hinten tritt es mit dem Supraangulare in Verbindung. Auf der Außen- seite wird es vom Dentale unterschoben. IV. Die Knorpelknochen des Unterkiefers. Articulare. Das Articulare ist die Ersatzossifikation am Gelenk- ende des Meckelschen Knorpels und tritt mit dem Quadratum des Schädels in Gelenkverbindung. Seine Nachbarknochen sind auf der Innenseite des Unterkiefers das Angulare und Praearticulare, auf der Außenseite das Angulare und Supraangulare. Mentomandibulare (Gegenbaur, 1898). Während das Arti- culare die Ersatzverknöcherung des Hinterendes des Meckelschen Knorpels darstellt, ist dieser Knochen aus der Ossifikation des Vorder- endes dieses Knorpels entstanden. Er ist bei fossilen Stegocephalen noch nicht nachgewiesen; beim lebenden Siredon ist er selbständig ausgebildet, bei Rana mit dem Dentale verschmolzen (E. Gaupp, 1911). V. Die Zähne der Stegocephalen. Die Stegocephalen tragen in der Regel auf dem Praemaxillare, Supramaxillare und Dentale Zähne, doch sind auch verschiedene andere Knochen des Gaumendaches (Vomer, Palatinum, Pterygoid, Transver- sum, Parasphenoid), in einigen Fällen (z. B. Necturus, Siredon) auch das Spleniale mit Zähnen besetzt. Vollkommen zahnlos sind nur einige An uren. Die Zähne sind meist spitzkegelförmig oder stumpfkegelförmig, selten lateral komprimiert (Cricotus), und meist von gleicher Größe; es kommen jedoch bei vielen fossilen Formen neben den die Haupt- masse des Gebisses bildenden kleineren Zähnen einige wenige große vor, die als ,, Fangzähne" bezeichnet zu werden pflegen. Die Haupt- masse des Zahnes besteht aus Dentin; der untere Teil der Außenseite des Zahnkegels ist mit Zement bedeckt, der obere Teil ist mit einem Überzug von Email oder Schmelz versehen. Mitunter geht die einfache Kegelform der Zähne durch Ausbildung einer Vorder- und Hinterkante in den Typus eines zweischneidigen Amphibia (Lurche). 247 Zahnes mit linsenförmigem Querschnitt über. Häufig sind die Zähne längsgefaltet oder wenigstens längsgestreift; diese Faltenbildung ist durch sternförmig von der Zahnhöhle (Pulpa) ausstrahlende Aus- stülpungen bedingt. Bei höher spezialisierten Zahntypen erfahren diese Ausbuchtungen der Pulpa eine weitere Fältelung; zwischen die radial stehenden D.ntinwände schiebt sich von der Außenwand des Zahnes Zement ein und füllt mit eigentümlichen wellenförmigen oder an ein Labyrinth erinnernden zahllosen Falten das Innere des Zahnes aus, was bei den ,,Labyrinthodonten" (z. B. bei Mastodonsaurus) den Fig. 191. Querschnitt durch einen Zahn von Mastodonsaurus Jaegeri, einem Stegocephalen aus der oberen Trias Deutschlands, stark vergrößert. (Nach R. Owen.) p = Pulpahöhle. c = Zahnzement. höchsten Grad der Ausbildung erreicht (Fig. 191). Diese Zahnstruktur gleicht in hohem Grade jener gewisser Crossopterygier (z. B. bei der devo- nischen Gattung Holoptychius). Auch in anderer Hinsicht besteht eine auffallende Übereinstimmung mit den Crossopterygiern. Wo größere Fangzähne entwickelt sind (z. B. bei Loxomma), ist in der unmittel- baren Nähe des funktionellen Zahnes eine seichte Grube im Knochen zu sehen, in welcher ein früher funktioneller Zahn stand, der aber ab- genützt und ausgefallen ist. Mitunter sieht man in der Tiefe der Zahn- grube einen neuen Zahn zur Entstehung kommen, manchmal steht der neue Zahn neben dem noch funktionierenden (Fig. 186). Genau dieselbe Art des Zahnersatzes findet unter den Crossopterygiern bei Megalichthys oder 248 Die Stämme der Wirbeltiere. beim lebenden Lepidosteus statt. Niemals erfolgt der Zahnersatz durch einen unter dem alten Zahn entstehenden neuen, sondern stets neben demselben. Alveolen fehlen den Stegocephalen; entweder erscheinen die Zähne auf den zahntragenden Knochen unmittelbar aufgewachsen oder es bildet sich um ihre Basis ein ringförmiger Knochenwall, so daß sie in seichten Gruben stehen (z. B. bei Loxomma). Nach der verschiedenen Art der Verbindung der Zähne mit den sie tragenden Knochen unterscheidet man daher bei den Stegocephalen folgende Typen: 1. Akrodonte Zahnbefestigung. Der Zahnsockel sitzt dem freien Kieferrande auf und ist mit diesem verwachsen. 2. Pleurodonte Zahnbefestigung. Der Zahn ist an dem etwas erhöhten Innenrande des Kiefers mit der Außenseite seiner Wurzel be- festigt, so daß die Innenseite der Wurzel freiliegt und nur vom Zahn- fleisch verdeckt wird. 3. Protothekodonte Zahnbefestigung. Der Zahnsockel sitzt in einer seichten Grube oder der Zahn steht mit seinen Nachbarn in einer seichten Rinne; der Sockel ist mit dem Knochen verwachsen. Die thekodonte Zahnbefestigung (Ausbildung selbständiger Alve- olen für jeden Zahn), wie sie bei Reptilien auftritt (vgl. unten die Co- tylosauria, S. 334) ist bei den Stegocephalen noch nicht ausgebildet. VI. Die Öffnungen des Stegocephalenschädels. Orbita (= Augenhöhle). Die größte Öffnung des Schädeldaches der Stegocephalen. An ihrer Umrandung nehmen hauptsächlich folgende Schädelknochen Anteil: Lacrymale, Postfrontale, Postorbitale, Jugale. Zuweilen erreicht jedoch auch das Adlacrymale den vorderen Orbital- rand (z. B. bei Zatrachys). Auch das Frontale kann an der Umrandung teilnehmen (z. B. bei Diplocaulus). Naris (= Nasenöffnung; obere oder vordere N. = Naris anterior, untere oder hintere N. = Naris posterior = Choane). Die Nasenöffnungen sind bei den Stegocephalen immer paarig entwickelt und liegen fast immer am Vorderende des Schädeldaches (weit nach hinten geschoben nur bei Lonchorhynchus Öbergi aus der Trias Spitzbergens) jederseits zwischen dem Praemaxillare und dem Nasale. Das Adlacrymale nimmt zuweilen an der Begrenzung des vorderen Nasenloches Anteil (z. B. bei Eryops). Stets sind die Nares anteriores kleiner als die Augen- höhlen. Die gleichfalls paarigen unteren oder hinteren Nasenöffnungen auf der Gaumenseite des Schädels werden in der Regel jederseits vom Prae- maxillare, Vomer, Palatinum und Supramaxillare umrahmt. Amphibia (Lurche). 249 Fenes tra internasalis (= Fazialgrube). In einigen Fällen ist bei Stegocephalen eine unpaare, mediane Öffnung in der Nasalregion in Gestalt eines Schlitzes im Schädeldach vorhanden, die sowohl auf der Oberseite des Schädels wie auf seiner Unterseite sichtbar ist (Fene- stra internasalis superior et F. i. inferior). Dies ist auch zuweilen bei lebenden Urodelen der Fall (z. B. bei Molge cristata); bei einigen per- mischen Gattungen (z. B. bei Acanthostoma, Dasyceps, Zatrachys, Trematops) ist diese Öffnung von auffallender Größe. Nach Analogie der lebenden Gattungen darf man vermuten, daß die Fazialgrube eine Drüse einschloß, die ein klebriges Sekret absonderte, das auf die Zunge floß und den Fang flüchtiger Beutetiere erleichterte (Fig. 211). Fenestra praeorbitalis (= Wangengrube). Bei Trematops (Fig. 208) schließt sich an die vordere Nasenöffnung eine langgestreckte Grube an, die sich gegen die Orbita hin erstreckt und allseits abgeschlossen ist. Bei Loxomma tritt dagegen eine Verschmelzung der Wangen- grube mit der Augenöffnung ein, während die Nasenöffnung separiert bleibt. Möglicherweise diente diese Grube auch hier zur Aufnahme einer Schleim absondernden Drüse. Fenestra palatinalis (= Fenestra mediopalatinalis = Gaumen- grube). Die meisten Stegocephalen besitzen eine sehr große Gaumeh- grube, die in der Mittellinie durch das Parasphenoid in eine rechte und linke Hälfte zerlegt wird. Gewöhnlich wird diese Grube vorn von den Vomeres und seitlich von den Pterygoidea begrenzt, doch kann sich auch das Supramaxillare an der seitlichen Begrenzung beteiligen. Als Extrem für eine sehr große Gaumengrube im Verhältnis zum Schädel kann Branchiosaurus, als Extrem für eine sehr kleine Diplocaulus gelten. Fenestra basi temporal is 1 (= Gaumenschläfengrube 2 ). Durch das Pterygoid von der Gaumengrube getrennt, folgt weiter hinten und außen eine meist dreieckig umgrenzte Grube, welche hinten vom Qua- dratum, außen vom Quadratojugale und innen vom Pterygoid begrenzt wird. Diese Grube ist beim lebenden Tier jedenfalls mit Muskeln er- füllt gewesen und die Ausdehnung derselben hat wahrscheinlich später in einigen, aber nicht in allen Fällen zu einer weiteren Aushöhlung der Innenseite des Schädeldaches und somit zur Bildung einer echten Schläfenöffnung an den Seiten des Schädeldaches geführt, was aber bei den Stegocephalen bis jetzt nicht beobachtet worden ist. Fenestra posttemporalis (= hintere Schläfenöffnung). An der Hinterwand des Stegocephalenschädels öffnet sich eine meist schmale, 1 Neue Bezeichnung (vgl. Fig. 193, u'ö.). 2 Die Bezeichnung „untere Schläfenöffnung", wie sie Boas (1914) anwendet, führt leicht zu Verwechslungen mit der unteren, seitlichen Schläfenöffnung der Reptilien und ist daher besser zu vermeiden. 250 Die Stämme der Wirbeltiere. langgestreckte Spalte zwischen dem Tabulare, Opisthoticum und Ex- occipitale; unter Umständen kann sich auch das Dermosupraoccipitale und Supraoccipitale an der Begrenzung dieser Spalte beteiligen (z. B. bei Capitosaurus). Diese Öffnung ist auch auf der Unterseite des Schädels sichtbar (z. B. bei Cyclotosaurus) und führt in die weite, beim lebenden Tier von Muskelmasse ausgefüllt gewesene Schläfenhöhlung (Fig. 189, 205. 2 9). A. B. Fig. 192. A: Schädel von Neoceratodus, von hinten gesehen; B: Schädel eines Stegocephalen (schematisiert), von hinten gesehen. (Nach J. E. V. Boas.) c. = Condylus occipitalis. d. = Schädeldach. /. = Foramen magnum. g. = Gelenkfläche gegen kiefer. hö. = Fenestra posttemporalis Schläfenöffnung). vk. = vorspringende Kante des Knorpelschädels von Ceratodus. ptl. = Fenestra pteroccipitalis (Pterocci pitallücke). po. = Gegend des Opisthoticum (Par den Unter- -occipitale). pq. = Palatoquadratum. Uis (hintere q- = Quadratum. s. = Hinterhaupt. Fenestra pteroccipitalis. Die Pteroccipitallücke liegt unter- halb und meist außerhalb von der Fenestra posttemporalis und führt in die Schläfenhöhle. Sie wird in der Regel oben und innen vom Opi- sthoticum und Exoccipitale, unten und außen vom Pterygoid begrenzt. Sie kann gegen die Schädelbasis herab und nach vorn verschoben sein (Fig. 189, 205, 219). Cavum oticale (= Ohrengrube). Bei vielen Stegocephalen ist bei Betrachtung des Schädeldaches von der Oberseite am Hinterrand Amphibia (Lurche). 251 des Daches ein Einschnitt vorhanden, der die Lage der äußeren Ohr- öffnung anzeigt. In dieser Einkerbung (Incisura oticalis oder Ohrenschlitz) lag das Trommelfell, dessen Existenz wir nach Ana- logie der Verhältnisse bei den Anuren annehmen dürfen. An das Trommelfell (Membrana tympani) schloß sich eine im äußeren Abschnitt wahrscheinlich knorpelige, schädeleinwärts aber verknöcherte und bei einigen Stegocephalen gut erhaltene Columella auris = Stapes an, die das ovale Fenster der Gehörblase des Schädels (Fenestra ovalis) verschloß, wie die Verhältnisse bei Eryops und anderen Gat- Fig. 193. • Unterseite eines Stegocephalenschädels, schematisiert. (Nach J. E. V. Boas, 1914.) n. ml. uö. ptl. Offnungen: hintere Nasenöffnung (Choane). Fenestra palatinalis ( = F. medio- palatinalis = Gaumengrube). Fenestra basitemporalis ( = Gau- menschläfengrube = ,, untere Schläfenöffnung" nach Boas). Fenestra pteroccipitalis. Knochen: Ux. = Supramaxillare. pq. = Palatoquadratum. g. = Quadratum. po. = Gegend des Opisthoticum. ps. = Parasphenoid. c. = Condylus occipitalis, vom Exocci- pitale gebildet. tungen zeigen. Der ganze Raum zwischen dem Trommelfell bzw. der Incisura oticalis einerseits und der Fenestra ovalis andererseits kann als das Cavum oticale oder die Ohrengrube bezeichnet werden. Mit- unter reicht die Incisura oticalis als tiefe Einkerbung weit nach vorn in das Schädeldach hinein (z. B. bei Broiliellus), sie kann aber auch durch die seitliche Expansion des Tabulare gegen hinten zu einem Fenster verschlossen werden, so daß es zu der Bildung einer den Schläfen- öffnungen ähnlichen, aber mit diesen nicht homologen Öffnung kommt. Diese an die Temporalgruben der Reptilien erinnernde Lücke (= Pseudo- 252 Die Stämme der Wirbeltiere. temporalgrube) ist z. B. bei Cacops, Trematops und Cyclotosaurus nach- gewiesen (Fig. 208-210, 189). Sehr eigentümliche Verhältnisse liegen bei Diplocaulus vor, wo die Ohrenschlitzgrube auf der Unterseite des Schädels liegt, so daß daraus der Schluß gezogen werden darf, daß das Trommelfell, wenn es überhaupt vorhanden war, auf der Unterseite des Schädels lag (Fig. 228). Apertura intermaxillaris (== Fangzahnloch). Bei den stereo- spondylen Stegocephalen sind im Unterkiefer große Fangzähne ent- wickelt, von denen je einer am Vorderende jedes Kieferastes steht. Diese Zähne greifen entweder in konische Vertiefungen der Gaumen- seite der Praemaxillaria, ohne sie zu durchbrechen (z. B. bei Cycloto- saurus), oder sie durchbrechen das Schädeldach und treten auf der Oberseite des Schädels frei hervor. Dies ist der Fall z. B. bei Metopias, Trematosaurus, Mastodonsaurus, Peltostega (Fig. 212, Ap.int., Fig. 218). Foramen parietale (= Parietalöffnung = Scheitelloch). Bei fast allen Stegocephalen ist in der Mittellinie des Schädels zwischen den Parietalia eine kleine kreisrunde Öffnung für das Parietalorgan des Zwischenhirns (= Parietalauge, verschieden vom Pinealorgan! vgl. Fig. 28, S. 61) vorhanden. Es fehlt an alten Schädeln bei einzelnen Arten, die im Jugendzustand noch ein offenes Foramen parietale besitzen (z. B. bei Diplocaulus, Trimerorhachis, Sclerocephalus), wo es durch seitliches Überwuchern der Parietalia verschlossen worden ist. Foramen magnum (= Hinterhauptsloch). Die Umrisse des Fo- ramen magnum der Stegocephalen sind von sehr verschiedener Ge- stalt. Das an den verschiedenen Schädeln sichtbare Loch ist mitunter durch seitliche Vorsprünge in zwei Abteilungen (z. B. bei Metopias, Mastodonsaurus) oder sogar in drei übereinanderliegende Abschnitte (bei Cyclotosaurus robustus und, allerdings nicht so deutlich, auch bei Peltostega Erici) geteilt. Es scheint, daß nicht diese ganze Öffnung, sondern nur ein Teil derselben dem Foramen magnum entspricht, und daß bei den beiden letztgenannten Arten der obere Teil des Loches von einem knorpelig gebliebenen Abschnitt des Supraoccipitale, der untere von einem knorpeligen Teil des Basioccipitale zu Lebzeiten des Tieres ausgefüllt wurde.. Bei Cyclotosaurus stantonensis würde der obere Teil der Öffnung im Hinterhaupt gleichfalls einem Knorpelabschnitt des Supraoccipitale entsprechen, während das Basioccipitale hier zur Gänze verknöchert ist. Foramen quadrati. An der Hinterwand des Schädels einiger Stegocephalen (z. B. bei Capitosaurus und Anaschisma) liegt eine Öff- nung, die dem Foramen quadrati der Reptilien homolog ist. Sie liegt an der Grenze zwischen dem Quadratum und dem Quadratojugale, Amphibia (Lurche). 253 C.W im an hat sie (1916) auch bei Peltostega Erici (Trias von Spitz- bergen) nachgewiesen (Fig. 219, F. q.). Nervenöffnungen. Die Deutung der Nervenlöcher des Stego- cephalenschädels ist noch unsicher. Meist sind neben dem Condylus occipitalis an dessen Außenrand ein oberes und ein unteres Loch jeder- seits vorhanden. Der Nervus vagus (X.) tritt wahrscheinlich durch das obere Foramen in Gesellschaft einiger anderer Nerven aus. Nach den Untersuchungen v. Huenes an Eryops ist die Austrittsstelle des Nervus facialis, der durch den Canalis Fallopii läuft, nachgewiesen. Zwei andere Öffnungen an der Innenwand der Gehörblase, die nach außen und vorn führen, deutet v. Huene als ein Venenloch und eine Austrittsstelle der perilymphatischen Gefäße (Fig. 188, PL). Oberhalb der Gehörblase und über der Sella turcica, aber ein wenig hinter derselben, liegt eine Öffnung, die Huene als Foramen prooticum, d. h. als Austrittsstelle des Nervus trigeminus deutet. An der Außenseite der Schädelkapsel von Eryops ist unterhalb des Foramen prooticum eine Öffnung, die Huene als die Austrittsstelle des Nervus oculomotorius ansieht, und ein kleines Stück vor dieser liegt ein Foramen, das wahr- scheinlich als das Foramen opticum anzusehen ist. Der Bau des Brust-Schultergürtels und der Vordergliedmaßen der Stegocephalen. Ebenso wie der Schädel der Stegocephalen ein zum Teil aus Haut- knochen und zum Teil aus Ersatzknochen aufgebautes Skelett besitzt, ist auch "das Skelett des Schultergürtels der Stegocephalen aus hetero- genen Elementen aufgebaut. Die Verhältnisse bei den lebenden Uro- delen und Anuren zeigen, daß ein Teil der den Schultergürtel und den Sternalabschnitt zusammensetzenden Elemente knorpelig bleibt; dasselbe ist für die Stegocephalen anzunehmen, bei denen nur ein Teil dieser Ele- mente verknöchert war und daher erhalten bleiben konnte, während die Knorpel bei der Fossilisation zerstört worden sind. Bei den Stegocephalen bilden die Knochen des Brust-Schulter- gürtels einen auf der Außenseite meist stark skulpturierten Kehlbrust- panzer. Die Elemente des Brust-Schultergürtels der Stegocephalen sind folgende (Fig. 194-196): 1. Interclavicula. Dieser unpaarige Knochen, der seinem Ur- sprünge nach als Hautknochen zu betrachten ist, zeigt häufig (z. B. bei Archegosaurus, Diceratosaurus) die für Hautknochen bezeichnende, grubige Oberflächenskulptur. Seine Umrisse sind meist rhombisch, aber mitunter läuft er nach hinten in einen medianen, stielförmigen Fortsatz aus (z. B. bei Melanerpeton). 254 Die Stämme der Wirbeltiere. 2. Clavicula. Ein paarig ausgebildeter Hautknochen, der gleich- falls (z. B. bei Archegosaurus, Diceratosaurus) grubig skulpturiert sein Cleith. Clav. Metacor. Fig. 194. Linker Schultergürtel von Eryops, von außen gesehen. Perm von Texas. 2 / 9 nat. Gr. (Nach S. W. Williston.) Cleith. = Cleithrum C. gl. = Cavitas glenoidalis. Clav. = Clavicula. Scap. - Scapulare. Cor. = Coracoid. Metacor. = Metacoracoid. Clav. Scap. Cleith. Fig. 195. Schultergürtel von Cacops aspidephorus, Will., aus dem Perm von Texas, von oben gesehen, in 2 /a na t- Gr. (Nach S. W. Williston.) Cor. = Coracoid. Cleith. = Cleithrum. Icl. = Interclavicula. Clav. = Clavicula. Scap. = Scapulare. kann oder eine glatte Oberfläche besitzt. Die Claviculae schieben sich sehr ffäufig über den Außenrand der Interclavicula gegeneinander vor, Amphibia (Lurche). 255 so daß die Interclavicula, von der Ventralseite betrachtet, von den Claviculae überlagert erscheint. 3. Cleithrum (= Supraclavicnla). Auch dieser paarige Knochen zeigt in seltenen Fällen eine grubige Außenskulptur (z. B. bei Dicerato- saurus und Archegocaurus) und erweist sich daher als Hautknochen. 4. Scapulare. Diesen fünf Hautknochen schließt sich ein paarig entwickelter Ersatzknochen an, der den dorsalen Abschnitt des Brust- Schultergürtels bildet und der kräftigste Knochen der ganzen Gruppe zu sein pflegt. Clav. Id., Clei. Su. scp. Fig. 196. Rekonstruierte Unteransicht des Schultergürtels von Archegosaurus. (Nach 0. Jaekel.) Id. = Interclavici la. Su. scp. = Suprascapulare. Clav. = Clavicula. Gl. = Gelenkgrube (cavitas glenoi Clei. = Cleithrum. dalis) für den Kopf des Hu Co. = Coracoid. merus. Scap. = Scapulare. Pro. = Praecoracoid. 5. Coracoideum. Ein weiterer Ersatzknochen ist das paarig aus- gebildete Coracoid, das mit dem Ventralende des Scapulare in Ver- bindung tritt. 6. Metacoracoideum. Das hintere Ende des Coracoids scheint ein selbständiger Knochen zu sein (z. B. bei Eryops) und ist jedenfalls als ein Ersatzknochen anzusehen. 7. Praecoracoideum. Zwischen dem Scapulare, Coracoid, der Interclavicula und Clavicula einiger Stegocephalen (z. B. Archego- saurus, Cacops) findet sich eine Lücke, die von einem Knorpelstück ausgefüllt gewesen sein dürfte, das dem Praecoracoid der lebenden Amphibien entspricht. 256 Die Stämme der Wirbeltiere. Bei den meisten plumpkörperigen Stegocephalen ist der Brust- Schultergürtel sehr kräftig entwickelt, geradezu enorm z. B. bei Cacops. Einen ganz anderen Typus zeigt dagegen der Brust-Schultergürtel z. B. bei Diceratosaurus und bei Metopias usw. Dagegen ist diese Region bei den Branchiosauriden relativ zart gebaut. Wahrscheinlich sind die Elemente dieses Skelettabschnittes bei der letztgenannten Gruppe vor- wiegend knorpelig gewesen. Das Armskelett der Stegocephalen umfaßt den Humerus (= Ober- armknochen), Radius (= Speiche), Ulna (= Elle), sowie eine Anzahl Carpalia (= Handwurzelknochen), Metacarpalia (= Mittelhand- knochen) und Phalangen (= Fingerknöchel). Eine Verwachsung von Radius und Ulna ist bei den Anuren eingetreten. Die Gelenk- enden der Armknochen sind in der Regel unverknöchert. Mitunter ist das Unterende des Humerus von einem Foramen entepicondyloi- deum durchbohrt. Der Humerus vieler Stegocephalen besitzt eine sehr merkwürdige Gestalt, indem das obere (proximale) Stück der Dia- physe gegen das untere (distale) um 90° gedreht ist (z. B. bei Disso- rophus, Eryops). Vom Carpus sind, soweit bekannt, nur bei Archegosaurus, Actino- don, Cacops, Trematops und Eryops die Elemente in verknöchertem Zustand erhalten geblieben, sonst aber infolge ihrer knorpeligen Kon- sistenz bei der Fossilisation verloren gegangen. Die größte Zahl von Elementen weist der Carpus von Eryops megacephalus aus dem Perm von Texas auf. Er besteht hier aus elf getrennten Stücken (nach E. C. Case, 1911), deren Deutung noch nicht sichergestellt ist. Sowohl S.W. Wil- liston als E. C. Case sind der Ansicht, daß die Hand von Cacops, Trematops und Eryops fünffingerig gewesen ist. Von diesen scheidet zunächst Cacops aus, da nur zwei Reihen Carpalia und einige vereinzelte Phalangen im Zusammenhang vorliegen und die fünffingerige Hand nur rekonstruiert ist (S. W. Williston, 1910). Bei Trematops sind neun Carpalia erhalten (S. W. Williston, 1909), aber die Fingerknochen fehlen gänzlich. In der Rekonstruktion sind sie zwar so angeordnet, daß fünf Finger anzunehmen wären, aber dies ist einstweilen noch sehr fraglich. Auch bei Eryops scheinen nach den von E. C. Case (1911) mitgeteilten Abbildungen nicht mehr als vier Metacarpalia erhalten zu sein. Da von Archegosaurus feststeht, daß er nur vier Finger besaß und das gleiche für alle übrigen Stegocephalen gilt, bei denen die Finger nicht rekonstruiert, sondern wirklich erhalten sind, so muß einst- weilen daran festgehalten werden, daß kein Stegocephale bekannt ist, der mehr als vier Finger besaß. Amphibia (Lurche). 257 Der Bau des Beckengürtels und der hinteren Gliedmaßen der Stegocephalen. Das Becken der Stegocephalen ist in der Regel nur an einem, sehr selten (z. B. bei Cacops) an zwei Sakralwirbeln befestigt. Es besteht aus folgenden Elementen: 1. Ilium. Meist schlank und keulenförmig; zuweilen (z. B. bei Cricotus) besitzt es einen langen hinteren Fortsatz. Sein Unterende nimmt immer an der Bildung der Gelenkpfanne (Acetabulum) für den Kopf des Oberschenkelknochens Anteil. 2. Ischium. Wie das Ilium stets an der Bildung des Acetabulums beteiligt. Ilium und Ischium sind bei den Stegocephalen stets ver- schmolzen. 3. Pubis. Meist ist das Pubis mit den beiden anderen Becken- knochen vereinigt, kann aber auch, wenn auch nur sehr selten (z. B. bei Metopias [Fig. 217] oder bei Mastodonsaurus) frei sein und ist in diesem Falle sehr klein. In einigen Fällen ist es an der Bildung des Acetabulums beteiligt, meist aber von demselben ausgeschlossen. Nie- mals ist das Pubis knorpelig, wie dies für die lebenden Amphibien Regel ist. Zuweilen findet sich ein Hüftbeinloch oder Foramen obturatorium. Das Hinterfußskelett der Stegocephalen umfaßt das Femur (Oberschenkelknochen), die Tibia (Schienbein) und die Fibula (Waden- bein). Eine Verwachsung der beiden Unterschenkelknochen, wie sie bei den Anuren stattfindet, ist bei den Stegocephalen nicht beobachtet worden. Der Tarsus (Fig. 197) ist in den meisten Fällen knorpelig ge- wesen und daher nicht erhalten. Bei einigen Formen, wie z. B. bei Trematops (Fig. 197), umfaßt der Tarsus (Fußwurzel) zwölf getrennte Elemente und weist einen sehr eigentümlichen Bau auf. Bei dieser Gattung liegen vier Reihen von Tarsalelementen übereinander: Obere Reihe: Intermedium. Zweite Reihe: Fibulare, Centrale 4, Tibiale. Dritte Reihe: Centrale 3, Centrale 2, Centrale 1. Untere Reihe: Tarsale 5, Tarsale 4, Tarsale 3, Tarsale 2, Tar- sale 1. Dieselbe Zahl von Tarsalelementen ist von Baur bei Archegosaurus nachgewiesen worden. Die hohe Zahl der Fußwurzelknochen ist jedenfalls eine sehr eigen- artige Erscheinung und wahrscheinlich durch eine eigentümliche Funk- tion der Fußwurzel bedingt, die durch die große Zahl der Tarsalia einen hohen Grad von Biegungsfähigkeit erhalten hat. Ähnliche Verhältnisse wie in der Fußwurzel von Trematops kehren bei der Reptiliengattung Ophiacodon wieder. Abel, Stämme der Wirbeltiere. *' 258 Die Stämme der Wirbeltiere. Die Phalangenzahlen der fünf Zehen scheinen schwankend ge- wesen zu sein. Jedenfalls ist bei den genauer bekannten Formen stets die vierte Zehe die längste und trägt die meisten Phalangen. Bei Cera- terpeton Galvani aus dem Karbon von Kilkenny (Irland) tragen der erste bis fünfte Zehenstrahl 2, 3, 4, 4, 3 Phalangen; bei Trematops (Fig. 197) war die Phalangenformel (nach S. W. Williston) 2, 3, 3, 4, 3, dürfte aber auch hier dieselbe wie bei Ceraterpeton gewesen sein Fig. 197. Linker Hinterfuß von Trernatops Milleri, Will., aus dem Perm von Texas, von der Palmarseite gesehen. (Nach S. W. Williston.) Fe. = Femur. Fi. = Fibula. Ti. = Tibia. fib. = Fibulare. i. = Intermedium. üb. = Tibiale. ce lt ce*, ce 3 , ce 4 = Centrale I bis Cen- trale IV. tu '«> h, h> h = Tarsale I bis Tar- sale V. /. — V. = erster bis fünfter Zehenstrahl. III. (vgl. Fig. 223); bei Pelosaurus (Fig. 222) betrug sie 2, 2, 3, 4, 3. Im Hinterfuß von Diceratosaurus punctolineatus (von 0. Jaekel als Arm beschrieben) sind in den vorderen drei Zehen 2, 3, 3 (+1 fehlende) Phalangen erhalten; die Phalangenzahl der hinteren Zehen ist un- sicher, da auf der von Jaekel untersuchten Platte die Hinterfüße beider Körperhälften durcheinandergeworfen zu sein scheinen. Bei einigen Stegocephalen sind die Hinterfüße sehr kräftig aus- gebildet (z. B. Trematops, Cacops), bei anderen (z. B. Metopias, Fig. 217) dagegen auffallend schwach und nur zum unbeholfenen Fortschieben Amphibia (Lurche). 259 des Körpers durch ein „Stemmkriechen" geeignet. Bei den schlangen- förmigen Stegocephalen sind sie verkümmert oder fehlen gänzlich; bei Diplocaulus sind die Hinterbeine stärker verkümmert als die Vorder- beine. Die Rippen der Stegocephalen. Die Rippen (Costae) der Stegocephalen (Fig. 198) treten in der Regel durch zwei G3lenkhö:ker mit dem Wirbel in Verbindung. Der am Ober- end? der Rippe stehende Höcker wird das Capitulum, das auf dam Dorsalrande und über dem Capitulum liegende Höckerchen das Tu- berculum genannt. Die konkave Gelenkfläche des Wirbels, die zur Aufnahme des Tuberculums bestimmt ist (fovea pro tuberculo costae), liegt am Wirbel oberhalb der Grube zur Aufnahme des Capitulums (fovea pro capitulo costae), und zwar liegt das Tuberkulargelenk des B: A. B. Fig. 198. Ophiderpeton vicinum, Fritsch. Oberkarbon von Nürschan, Böhmen. Rippe. Molgophis spec, Cope. Oberkarbon von Linton, Ohio. Rippe. Beide Fig. vergr. (Nach H. Schwarz.) c. = Capitulum costae. /. = Tuberculum costae. Wirbels am Ende eines Fortsatzes, der als die Diapophyse bezeichnet wird, während der untere, das Capitulargelenk tragende Fortsatz als Parapophyse benannt zu werden pflegt. „Diapophyse" und „Para- pophyse" sind somit Bezeichnungen, welche die Beziehung des Wirbels zur Rippe andeuten, sind aber keineswegs als homologe Bildungen des Wirbels zu betrachten, da z. B. die Parapophysen der rhachi- tomen Stegocephalen von den Basiventralia, die Parapophysen der Reptilien usw. aber von den Interventralia gebildet werden. Bei vielen fossilen Stegocephalen (z. B. bei Branchiosaurus) scheinen die Oberenden der Rippen samt Tuberculum und Capitulum zu fehlen; sie sind jedoch jedenfalls auch hier, freilich in knorpeligem Zustande, vorhanden gewesen. 17* 260 Die Stämme der Wirbeltiere. Sehr häufig zeigen die Rippen größerer Stegocephalen eine starke Verbreiterung des unteren (distalen) Endes (z. B. Metoposaurus, Meto- pias); bei vielen Gattungen ist der Mittelteil der Rippe zu einem flügel- artigen Fortsatz verbreitert, welcher die hintere Rippe erreicht (z. B. bei Euchirosaurus, Archegosaurus, Mastodonsaurus); bei Ophiderpeton (Fig. 198, A) ist dieser Fortsatz lang. Diese Fortsätze, deren Rudimente (= proc. recurvati, A. M. von Fejerväry, 1918) bei den Anuven noch vorhanden sind, funktionieren jedenfalls in derselben Weise wie die Processus uncinati der Vögel und einiger Reptilien (z. B. der Kroko- dile) und sind auch wahrscheinlich diesen Fortsätzen homolog. Mit dem Becken tritt meist nur ein einziger Wirbel in Verbindung, der Sakral wirbel, der eine kurze, meist etwas kräftigere Rippe trägt als die anderen Wirbel; am distalen Ende dieser Sakralrippe ist das Becken befestigt. Bei einzelnen Familien (z. B. Dissorophidae) sind jedoch zwei Sakralwirbel vorhanden. Bei den Anuren sind die Rippen rudimentär geworden und meist mit den Wirbeln verschmolz n (Fig. 242, Proc. trans.). Nur die Gymno- phionen, die auch in anderen Merkmalen primitiv geblieben sind, be- sitzen noch kräftige Rippen, die kräftigsten unter den lebenden Amphibien. Die Hautverknöcherungen der Stegocephalen. Während bti den lebenden Amphibien mit Ausnahme der In den Schädel, Unterkiefer und Brust-Schultergürtel einbezogenen Hautknochen in der Regel keine Hautverknöcherungen auftreten, waren solche bei den Stegocephalen weit verbreitet und scheinen nur bei wenigen Formen gefehlt zu haben (z. B. bei Molgophis und Pelion). Unter den lebenden Amphibien sind nur einige Formen zu nennen, bei denen auf dem Rücken kalkige Schilder oder Platten auftreten. Dies ist der Fall beim Schmuckhornfrosch (Ceratophrys ornata Beil.), dessen Rücken ein festes Knochenschild trägt; bei Dermatonotus Mülleri Blgr. und Stereocyclops incrassatus Cope, die zu den Engmaulfröschen gehören, scheiden dorsale Hautdrüsen eine an der Luft zu einem Panzer erhärtende Flüssigkeit aus, die als Schutzmittel gegen die Bisse von Termiten gedeutet wird, von denen sich diese Tiere ernähren. Bei einem anderen Engmaulfrosch (Brachycephalus ephippium Spix) ist ein knöcherner Rückenpanzer vorr banden, der mit den Dornfortsätzen des 2. bis 7. Rückenwirbels fest verwachsen ist und auffallend an den Rückenpanzer der Stegocephalen- gattungen Cacops, Aspidosaurus und Dissorophus erinnert. Stereo- cyclops besitzt überdies einen knöchernen Sklerotikalring. Bei den meisten Stegocephalen ist die Bauchseite des Rumpfes mit knöchernen Schuppen bedeckt (z. B. bti Crossotelus, Archego- saurus usf.), welche meist die Form dünner Spindeln besitzen und sich Amphibia (Lurche). 261 zu Reihen aneinanderschließen, die nach vorn konvergieren und in der Mittellinie des Bauches zusammentreffen. Aus diesen Hautrippen ent- standen später bei den Reptilien die knöchernen ,, Ventralrippen" (= Sternalrippen = Bauchrippen); unter den lebenden Urodelen sind sie nur bei der Gattung Menobranchus, aber in rudimentärem Zustande, vorhanden. Bei Cacops und einigen anderen Stegocephalen aus dem Perm Nordamerikas liegen über den Dornfortsätzen der Rückenwirbel skulp- turierte Knochenplatten, die in einigen Fällen (z. B. Dissorophus) an die Knochengürtel der Gürteltiere erinnern und so wie diese und ebenso auch wie die Rückenplatten von Ceratophrys und Brachycephalus als eine Folge der grabenden Lebensweise anzusehen sind. Die Hautverknöcherungen der Stegocephalen treten außer in der Form von Deckknochen in der Schädelregion in zwei verschiedenen Formen auf: als- Schuppen, die im Laufe der Stammesgeschichte zu Stäbchen oder Knochenleisten umgeformt werden (Bauchschuppen und Bauchrippen) und als Platten, welche jedoch wahrscheinlich nichts anderes als zu größeren Stücken vereinigte Schuppen darstellen und somit als eine höhere Spezialisationsstufe der Schuppen zu be- trachten sind. Ob die ,, Kammplatten", welche knöcherne Stäbe mit kamm- artiger Zähnung des einen Endes darstellen, wirklich als Kopulations- organe des Männchens zu betrachten sind (A. Fritsch, 1883 und 1901), die zum Festhalten des Weibchens bei der Begattung dienten 1 , ist nach neueren Untersuchungen wieder fraglich geworden. 2 Möglicherweise sind es überhaupt keine Stegocephalenreste, sondern Fischreste (Kopulations- organe von Selachiern). Die Körperformen und die Lebensweise der Stegocephalen. Allgemeine Körperform. — Die Hauptmasse der Stegocephalen besaß ursprünglich eine Salamander- oder molchförmige Körpergestalt mit vier ungefähr gleich langen, im Verhältnis zur Körperlänge kurzen Gliedmaßen und einem Schwanz, der im primitiven Zustande ungefähr die Länge des übrigen Körpers erreicht haben dürfte, so daß das Becken beiläufig in halber Körperlänge stand. Diese Verhältnisse sind also etwa dieselben gewesen, wie sie bei den lebenden Molchen noch heute erhalten sind. 1 Roy L. Moodie, The Clasping Organs of Extinct and Recent Amphibia. Biological Bulletin, XIV., March 1908, p. 249. 2 H. Schwarz, Über die Wirbelsäule und die Rippen holospondyler Stego- cephalen. Beitr. z. Paläont. u. Geol. Öst.-Ung. und des Orients, XXI., 1908, p. 67. 262 Die Stämme der Wirbeltiere. Sowohl die Verkürzung des Schwanzes, die bis zu einer Ver- kümmerung führen kann (z. B. Eryops, Cacops usf.), sowie die Verlän- gerung des Schwanzes, die schon bei Typen wie • Ceraterpeton aus dem Oberkarbon Irlands zu beobachten ist, sind somit als sekundäre Spezialisationen anzusehen. Ebenso ist die durch Vermehrung der Rumpfwirbel und der Schwanzwirbel erreichte extreme Verlängerung des Rumpfes, die zuerst zu aalförmigen und später zu schlangen- förmigen Typen (z. B. Dolichosoma mit 150 Wirbeln, bei den lebenden Coeciliiden bis zu 300 Wirbeln) führt, als eine sekundäre anzusehen. Die Verlängerung des Rumpfabschnittes mit dem weit nach hinten gerückten Beckengürtel tritt uns unter den lebenden Stegocephalen z. B. bei Proteus und bei Amphiuma entgegen. Eine sehr merkwürdige Körperform hat Diplocaulus besessen; ein sehr großer, extrem flacher und durch die weitausladenden Seiten- zacken mondsichelförmig gewordener Schädel sitzt einem Rumpfe mit sehr kleinen und schwachen Vorder- und Hinterbeinen auf, so daß die Körperform von Diplocaulus in der Tat eine Ähnlichkeit mit der einer Froschlarve besitzt, mit der sie mehrfach verglichen wurde. Form, Bau und Funktion der Wirbel. — Die verschiedene Bewegungsart der Amphibien kommt sehr deutlich in der Form der Wirbel und der Art ihrer Gelenkverbindungen zum Ausdruck. Bei den schlangenförmigen „Aistopoden" sind ebenso wie bei den lebenden Gymnophionen, den fußlos gewordenen Lacertiliern und den Schlangen die Extremitäten verloren gegangen und die Lokomotion wird allein durch die Schlängelung des Körpers bewirkt. Dies hat die Ausbildung einer großen Gleichförmigkeit und eine Erhöhung der Wirbelzahl, dann aber auch eine eigentümliche Gelenkverbindung zur Folge; die bei den Gymnophionen und den fossilen Aistopoden auf- tretenden akzessorischen Gelenke an der Ventralseite der Wirbelkörper ermöglichen zwar eine leichte laterale Verschiebung derselben, ver- hindern aber eine Verschiebung in dorsoventraler Richtung. Eine weitere Übereinstimmung zwischen den „Aistopoden" und Gymno- phionen besteht in der Gestalt der niedrigen, breiten Neurapophysen, die nur einen stumpfen Kiel an Stelle des sonst meist hohen Dorn- fortsatzes besitzen; auch die Querfortsätze sind in beiden Gruppen sehr kurz. Diese Ähnlichkeiten sind als eine Folge weitgehender Kon- vergenz, aber nicht als Beweis enger Verwandtschaft zu betrachten. Während bei den „Aistopoden" und Gymnophionen die Wirbel sehr gleichförmig sind, sind bei den Ptyoniden und Ceraterpetontiden die Rumpf- und Schwanzwirbel außerordentlich formverschieden. Die Schwanzwirbel sind sehr stark lateral komprimiert und besitzen hohe obere und untere Dornfortsätze, so daß der Schwanz sehr hoch und lateral stark komprimiert gewesen sein muß. Diese Wirbelf ormen Amphibia (Lurche). 263 finden sich auch bei den lebenden Wassermolchen, sind jedoch bei diesen nicht so extrem ausgebildet, wie bei den Ptyoniden. Die Ur- sache dieser Formverschiedenheit der Rumpf- und Schwanzwirbel liegt in der Funktion des Schwanzes als Ruderorgan, wobei sich derselbe starr verhält und nur in einem von der Sakralregion gebildeten Schar- nier zwar in mediolateraler Richtung, aber nicht in dorsoventraler Richtung bewegt werden kann. Dieses Scharniergelenk ist z. B. bei Urocordylus zu beobachten. Die Verfestigung der Ptyonidenwirbel kommt durch die Ausbildung starker akzessorischer Gelenkfortsätze (Zygosphen und Zygantrum) zu- stande. Bei Scincosaurus fehlen jedoch diese Gelenke und die Ver- festigung wird durch ein enges Aneinanderschließen der Dornfortsätze erreicht. Form, Bau und Funktion der Gliedmaßen. — Die Mehr- zahl der lebenden und fossilen Amphibien besitzt beide Gliedmaßen- paare; sie sind bei einigen lebenden (z. B. Coeciliidae) und fossilen (z. B. Phlegethontiidae) Gruppen gänzlich verloren gegangen, sind bei anderen nur zum Teil verloren (z. B. die Hinterbeine von Siren lacer- tina, welche noch kleine Arme besitzt) oder sind bei einigen aalförmigen Typen, wenn auch stark reduziert, noch erhalten (z. B. bei Proteus). Unter den molch- und salamanderförmig gebauten Stegocephalen ist sowohl bei den kurzschwänzigen Formen (z. B. Seeleya pusilla, Branchiosaurus amblystomus, Amphibamas grandiceps) als auch bei den langschwänzigen Typen (z. B. Ceraterpeton Galvani, Scincosaurus crassus) die hintere Gliedmaße fast ebenso lang als die vordere, aber doch unverkennbar etwas stärker. Dieses Verhältnis ist nahezu das- selbe wie bei den lebenden Molchen und Salamandern, und wir sind daher zu der Annahme berechtigt, daß die Funktionen der beiden Gliedmaßenpaare auch bei jenen Stegocephalen, die ein gleiches Längen- und Stärkeverhältnis der Extremitäten aufweisen, dieselben wie bei den analog geformten lebenden Typen gewesen sind. Die Fortbewegung der landbewohnenden Salamander (z. B. Sala- mandra maculosa) ist sehr langsam und unbeholfen; der Feuersala- mander setzt die Gliedmaßen abwechselnd und sehr langsam vor und wirft dabei seinen Körper in S-förmiger Krümmung abwechselnd nach links und rechts. Die Vorder- und Hinterbeine sind gleichsinnig ge- beugt, während z. B. bei den Säugetieren der Winkel des Ellbogen- gelenks nach vorn und der des Kniegelenks nach hinten geöffnet ist. Die Finger sind nach vorn, die Zehen nach vorn und einwärts gerichtet. Beim Ausschreiten wird zuerst der linke Vorderfuß, dann der rechte Hinterfuß, dann der rechte Vorderfuß und zuletzt der linke Hinterfuß vorgesetzt; Hand und Fuß treten mit voller Sohlenfläche auf. Die Hinterbeine sind etwas größer und stärker als die Arme. 254 Die Stämme der Wirbeltiere. Ein Vergleich des Hand- und Fußskeletts der lebenden Molche und Salamander mit dem der Stegocephalen aus der Gruppe der Bran- chiosauriden (z. B. Pelosaurus laticeps oder Branchiosaurus ambly- stomus) zeigt einige auffallende Abweichungen. In der Regel liegen die kleinen Tiere derart auf den Schieferplatten, daß die Dorsalfläche der Hinterfüße nach unten und die Sohlenfläche nach oben gekehrt ist; mitunter kommen ganz auffallende Verdrehungen vor (z. B. bei Pelosaurus usf.). Dagegen ist die Dorsalfläche der Hand stets nach oben gekehrt. Ferner ist der vierte Finger- und Zehenstrahl deutlich länger als die benachbarten Finger oder Zehen und enthält eine Phalange mehr. Dadurch nähert sich dieser Gliedmaßenbau dem der meisten Reptilien, unter denen die Verlängerung des vierten Zehenstrahls am klarsten bei den Eidechsen in Erscheinung tritt. Diese Zehenverlängerung des vierten Strahles in Hand und Fuß hängt mit der vorwiegend schie- benden Funktion der Extremitäten zusammen. Hände und Füße werden zwar auch bei den Eidechsen abwechselnd vorgesetzt und be- rühren auch hier mit der ganzen Sohlenfläche den Boden, aber die Fortbewegung geschieht durch ein Strecken der im Ellbogen- oder Kniegelenk gebeugt aufgesetzten Extremität, wobei die Hand- und Fußfläche fest auf dem Boden verankert bleibt. Damit steht die nach vorn konvexe Bogenkrümmung der Finger und namentlich der Zehen im Zusammenhang. Eine besondere Aufgabe fällt der fünften Zehe zu, die bei den Eidechsen von den vier vorderen deutlich getrennt und nach hinten abgespreizt ist. Im Moment des Streckens des Hinter- fußes, da der Körper nach vorn geworfen wird, drückt die fünfte Zehe nach innen und hinten auf den Boden und verstärkt so die Gewalt des Abstoßens noch dann , wenn schon der Tarsus den Boden ver- lassen hat. Diese Fortbewegung der Eidechsen ist also' im Wesen eine schie- bende. Aus dem Schiebkriechen ist ein Schieblaufen geworden; bei einzelnen Geckonen, z. B. bei Otocryptis, ist die Bewegung in eine springende übergegangen, wobei die stark verlängerten Hinterbeine gleichzeitig und nicht mehr abwechselnd gestreckt werden. Eine Folge-' erscheinung dieses Übergangs zur Sprungbewegung ist die Reduktion der 5. Zehe und eine geänderte Winkelstellung der Hinterbeine. Die primitivste Gliedmaßentype, die wir bei Stegocephalen kennen, tritt uns z. B. bei Pelosaurus oder Branchiosaurus, überhaupt in der Gruppe der Phyllospondyli entgegen. Auf diesen Typus lassen sich alle übrigen Gliedmaßentypen der fossilen und lebenden Amphibien zurückführen; die Annahme, daß die rudimentären Gliedmaßen von Proteus oder Amphiuma etwa wegen ihrer Kürze und Zartheit sowie wegen ihrer geringen Finger- und Zehenzahl, die bis auf zwei herab- Amphibia (Lurche). 265 sinken kann, als der Ausgangspunkt einer mehrfingerigen Extre- mität angesehen werden müsse, ist entschieden abzulehnen. Bei den vorwiegend aquatischen Molchen übernehmen die Hinter- beine neben dem lateral komprimierten Ruderschwanz die Rolle von Lokomotionsapparaten und wirken gelegentlich als Ruder, während die Vorderfüße sich nur in ganz untergeordnetem Maße an der Lokomotion beteiligen; dieser Körpertypus tritt uns z. B. bei Archegosaurus ent- gegen. Die Finger und Zehen bleiben bei den lebenden Molchen mit wenigen Ausnahmen frei beweglich und sind nicht durch Schwimmhäute verbunden. Dagegen finden wir große Schwimmhäute in der Gruppe der Anuren am Hinterfuß entwickelt, so z. B. bei dem ausschließlich aquatischen Spornfrosch Afrikas (Xenopus laevis Daud.), aber auch bei der nur zur Laichzeit ins Wasser gehenden, sonst landbewohnenden Knob- lauchskröte (Pelobates fuscus Laur.). Bei dem südamerikanischen Kletterfrosch (Phyllomedusa) sind die Schwimmhäute neuerlich ver- loren gegangen. Bei jenen Anuren, welche die springende und schwimmende Lebens- weise aufgegeben haben und zu schwerfälligen Landtieren geworden sind, die nur sehr unbeholfen kriechen, aber sich dafür meist sehr ge- schickt durch oft messerscharfe, schaufeiförmige Grabschwielen an der Fußwurzel mit dem Hinterende des Körpers voran in den Boden ein- graben können (z. B. Breviceps mossoambicus Ptis.), sind die Schwimm- häute entweder stark reduziert oder gänzlich verloren gegangen. Eine sehr merkwürdige und unter den lebenden Amphibien ohne Gegenstück dastehende Spezialisation weist der Gliedmaßenbau mehrerer permischer Stegocephalen auf. Der Brust-Schultergürtel einiger paläozoischer Stegocephalen aus der Unterordnung der Rhachitomen ist außerordentlich kräftig gebaut (z. B. bei Cacops, Eryops, Desmospondylus). Die Arme sind kurz und gedrungen, der Carpus verknöchert. Der Humerus ist außer durch seine auffallende Kürze dadurch gekennzeichnet, daß sein oberer und unterer Abschnitt komprimiert erscheinen und daß diese beiden Ab- schnitte um 90° gegeneinander gedreht sind. Zweifellos ist die an der Außenseite des Schultergürtels entspringende und an den Armknochen inserierende Muskulatur ungewöhnlich kräftig gewesen. Die Stellung des Humerus muß bei diesen Formen horizontal und fast senkrecht zur Körperachse gewesen sein; die Unter- armknochen dürften in einem fast rechten Winkel gegen den Humerus abgebogen und nach unten gerichtet gewesen sein, während die zur Gänze dem Boden aufruhende Handfläche nach innen gerichtet war, wie dies die grabenden und kriechenden Anuren der Gegenwart zeigen (z. B. Pyxicephalus adspersus). 266 Die Stämme der Wirbeltiere. Die Fortbewegung dürfte in der Art vor sich gegangen sein, daß die starke Schultermuskulatur den Körper ein wenig in die Höhe hob und ein kurzes Stück vorwärts schob; wenn die Bauchfläche wieder dem Boden aufruhte, setzte das zweite Tempo ein. Die Hinterbeine dürften eine ähnliche, aber mehr schiebende Funktion besessen haben; die Zehen sind wahrscheinlich nicht nach innen, sondern nach außen gerichtet gewesen. Dieser Erklärungsversuch würde die starke Ver- knöcherung von Carpus und Tarsus bei diesen Formen verständlich machen. Derselbe Gliedmaßentypus kehrt bei paläozoischen Reptilien wieder (unter den Pelycosauriern bei Ophiacodon, unter den Cotylosauriern z. B. bei Limnoscelis, Diadectes, Diasparactus, Seymouria). Cacops, Eryops und Desmospondylus haben wahrscheinlich ihre Vorderbeine auch zum Graben benützt, wofür die Ausbildung eines starken Panzers über den Rückenwirbeln spricht, der z. B. bei Disso- rophus multicinctus so auffallend an die Panzerplatten der Gürteltiere erinnert, daß ihn E. D. Cope (1895) als „batrachian armadillo" be- schrieb. Diese Art der Fortbewegung, die wir für Cacops usw. annehmen müssen, unterscheidet sich wesentlich vom Schiebkriechen und ist vielmehr als ein Stemmkriechen zu bezeichnen. Die verschiedenen Bewegungsarten der lebenden 1 und fossilen Amphibien (bei erwachsenen Individuen) sind folgende: 1. Kriechen auf dem Lande (z. B. *Salamandra maculosa, Hylonomus). 2. Schiebkriechen auf dem Lande (z. B. Branchiosaurus)." 3. Stemmkriechen auf dem Lande (z. B. Cacops, Desmospon- dylus). 4. Wühlen auf dem Lande (z.B. * Ichthyophis, Ophiderpeton). 5. Schlängeln und Wühlen (z. B. Dolichosoma longissimum). 6. Schwimmen (z. B. * Proteus anguineus, *Molge cristata, Ar- chegosaurus Decheni, Lonchorhynchus Öbergi, Urocordylus, Ptyonius, Oestocephalus, Scincosaurus, Ceraterpeton, Diplocaulus). 7. Springen (z. B. *Rana temporaria, *Chorophilus ornatus). 8. Springen und Schwimmen (z. B. *Rana esculenta). 9. Springen und Klettern (z. B. *Hyla faber, *Phyllomedusa lheringi). 10. Springen und Fallschirmfliegen (z. B. *Rhacophorus Reinwardti). 1 . Über die Lebensweise der hier genannten lebenden, mit einem * bezeich- neten Arten vgl. F. Werner, Neubearbeitung von „Brehms Tierleben", IV. Bd., 1912. Amphibia (Lurche). 267 11. Wühlen und Schwimmen (z. B. *Amphiuma means, *Siren lacertina). 12. Kriechen und Graben (z. B. *Pyxicephalus adspersus, *Rhinophrynus dorsalis, *Breviceps mossambicus). 13. Schwimmen und Kriechen (z.B. * Megalobatrachus maximus). 14. Tasten und Kriechen (z.B. * Typhlomolge Rathbuni). Aufenthaltsorte der Stegocephalen. — Die erwachsenen Am- phibien sind entweder Süßwasser- oder Landbewohner oder bringen ihr Leben teils im fließenden oder stehenden Wasser, teils auf dem Lande zu. Ihre ursprüngliche Heimat sind wahrscheinlich seichte Landsümpfe und Strandsümpfe gewesen, in denen die lichtscheuen Tiere während der Nacht auf Beute ausgingen. Daß sich die kleineren Formen, wie z. B. die Branchiosauriden, tagsüber an geschützten Orten verbargen, beweisen . die wiederholten Funde solcher Formen in den Stämmen von Sigillarien und Lepidodendren Neuschottlands. Andere haben sich wahrscheinlich in den Schlamm eingewühlt und erst in der Dunkelheit ihre Verstecke verlassen. In der letzten Zeit sind in der Trias Spitzbergens langschnauzige, offenbar an das Wasserleben angepaßte Stegocephalen beschrieben worden (z. B. Lonchorhynchus und Aphaneramma), die möglicher- weise Meeresbewohner gewesen sind. Es ist jedoch anzunehmen, daß diese Typen ' erst im erwachsenen Zustande das Meer aufsuchten und ihre Larvenzeit wie alle Stegocephalen im Süßwasser verbrachten. Bei Lonchorhynchus spricht für das Wasserleben außer der bei lebhaften Wasserräubern sehr häufig auftretenden Schnauzenverlängerung vor allem die seitliche Lage der Augen, welche auch bei einer vor kurzem entdeckten Gattung von unsicherer systematischer Stellung (Cheno- pj-osopus Milleri, Mehl 1913, Perm von Neumexiko) zu beobachten ist. Die nach hinten verschobenen Nasengänge bei Lonchorhynchus beweisen, daß das Tier eine mehr horizontale Schwimmstellung besaß als jene aquatischen Reptilien, welche eine schräge (klinonekto- nische) Körperhaltung beim Schwimmen einnehmen, wie z. B. die Molche, und daher auch dann, wenn ihre Schnauzen beträchtlich ver- längert sind, die Nasenjöcher am Vorderende der Schnauze beibehalten, weil dieses zuerst aus dem Wasser auftaucht (z. B. bei dem lebenden Gavialis gangeticus, Crocodilus cataphractus und den fossilen Kroko- diliern Metriorhynchus, Geosaurus, Teleosaurus usf.). — Nur bei jenen aquatischen Wirbeltieren, welche beim Schwimmen eine horizontale Körperstellung einnehmen, werden die äußeren Nasenöffnungen gegen die Schädelkapsel, also nach hinten, verschoben (z. B. bei Walen und Sirenen) und das gleiche müssen wir daher auch als Folge der hori- zontalen Schwimmstellung bei fossilen Wirbeltieren annehmen 258 Die Stämme der Wirbeltiere. (z. B. bei Lonchorhynchus. Phytosaurus [= Belodon], Ichthyosaurus, Thalattosaurus, Mesosaurus usf.). Die Ablagerungen der Permzeit in Texas sind wohl am ehesten als Schichten zu deuten, die sich in sumpfigen Deltaniederungen gebildet haben. Obwohl Einschwemmungen vom Hinterlande her in solchen Deltabildungen häufig auftreten, so spricht doch die ganze Art des Vorkommens dafür, daß die Stegocephalen in diesen Gegcndtn boden- ständig waren. Die Fährten, welche als ,,Chirotherium" seit langer Zeit aus dem Perm und der Trias bekannt sind und früher meistens als Fußabdrücke von Stegocephalen gedeutet wurden, gehören wahrscheinlich Dino- sauriern an, da diese Fährten stets einen auffallenden Größenunter- schied von Hand und Fuß zeigen, einem Tiere mit fünffingeriger kleiner Hand angehörten und in einzelnen Fällen sicher von bipeden Wirbel- tieren in den Schlamm eingedrückt worden sind. * Nahrungsweise der Stegocephalen. Die lebenden Amphibien sind ausnahmslos Raubtiere. Die kleineren leben von Wassertieren der verschiedensten Gruppen, von Würmern, Insektenlarven und erwachsenen Insekten, kleinen Krustazeen, Schnek- ken usf., während größere Arten, wie der japanische Riesensalamander, sich hauptsächlich von Fischen, Fröschen, Würmern und Insekten er- nähren oder, wie mehrere Riesenfrösche, auch auf größere Tiere, wie Frösche, Eidechsen, Schlangen, Mäuse und Vögel Jagd machen. Rana Guppyi (Salomoninseln), dessen Weibchen bis 21 cm lang wird, nährt sich ausschließlich von großen Krebsen. Da viele Frösche vorwiegend von Molchen und anderen Fröschen leben, so dürfen wir von den größeren Stegocephalen der Vorzeit vermuten, daß sie namentlich auf Fische, Krebse und Stammesgenossen, wohl auch auf kleinere Reptilien Jagd machten. In diesem Zusammenhang gewinnt eine Beobachtung Powers besonderes Interesse, daß bei jenen Axolotllarven (Amblystoma tigrinum), die sich gewöhnt hatten, ihre Artgenossen zu verzehren, im Gebiß ein- zelne große Fangzähne zur Ausbildung gelangten. Das Vorhandensein ähnlicher großer Fangzähne bei vielen fossilen Stegocephalen, nament- lich bei den Labyrinthodontiden, spricht somit dafür, daß sie sich vor- wiegend von größeren Beutetieren ernährten. Ein sehr auffallend ge- staltetes Gebiß besaß Cricotus, dessen dichtstehende Zähne lateral kom- primiert sind und scharfe Schneiden tragen, die sich zu einer Säge an- einanderschließen. Die Kiemen der Stegocephalen. Wahrscheinlich haben alle Stegocephalen so wie die lebenden Am- phibien ein Larvenstadium mit Kiemenatmung durchlaufen. Bei einigen Amphibia (Lurche). 269 Stegocephalen sind Reste von Kiemen oder Kiemenbogenzähnchen nachgewiesen worden, so z. B. bei Branchiosaurus und Archegosaurus, aber nur bei jugendlichen Individuen. Bei dem ältesten bisher bekannten Urodelen, Lysorophus tricarinatus Cope aus dem Perm von Nordamerika, sind auch noch im erwachsenen Zustande vier Branchialbögen im ver- knöcherten Zustande nachweisbar, so daß daraus hervorgeht, daß dieses Tier eine perennibranchiate, ausschließlich aquatische Lebensweise ge- führt haben muß, weil es zeitlebens auf dem Larvenstadium stehen blieb. Das SeitenJiniensystem und die Schleimkanäle der Stegocephalen. Bei den Fischen und Cyclostomen ist ein System merkwürdiger Hautsinnesorgane ausgebildet, welche auf dem Kopfe und an den Körperflanken in bestimmter Anordnung stehen und z. B. bei Knochen- fischen auch äußerlich in der sog. ,, Seitenlinie" sichtbar sind, wes- halb dieser Hautsinnesorgankomplex den Namen „Seitenlinien- system" (Lateralliniensystem) erhalten hat. Die physiologische Be- deutung dieser Organe ist noch immer nicht zur Gänze aufgeklärt; gegenwärtig wird gewöhnlich angenommen, daß der Apparat zur Wahr- nehmung von Erschütterungen dient, die sich in Form von Wellen- bewegungen im Wasser fortpflanzen. Nach den Untersuchungen von G. H. Parker (1904) über die Funktion des Laterallinienorgans bei den Fischen ist es sehr wahrscheinlich, daß dieses Sinnesorgan eine Aufgabe zu erfüllen . hat, die ungefähr zwischen den Organen für den Tastsinn und jenen für den Gehörsinn die Mitte hält. 1 Diese Organe liegen bei den Knochenfischen in schleimabsondernden Kanälen („Schleimkanälen") unter der Haut und sind in Rinnen der Kopfknochen sowie in einem Kanal eingebettet, der die Schuppen durchbohrt; meist verläuft die Seitenlinie mehr oder weniger gerad- linig oder folgt parallel dem Dorsalprofile des Fischrumpfes in der Mitte der Flanke, aber zuweilen ist sie scharf umgeknickt 2 und sogar manchmal in einen oberen und unteren Abschnitt getrennt. 3 Bei Tief- seefischen gelangen im Zusammenhange mit den Laterallinienorganen Leuchtapparate zur Ausbildung (z. B. bei Porichthys 350 Photophoren jederseits). 1 G. H. Parker, The Function of the Lateral Line Organs in Fishes. Bull, of the Bureau of Fisheries, XXIV, 1904, p. 185. 2 Z. B. bei dem lebenden Pleuronectiden Lepidoblepharon ophthalmolepis Weber (1913) aus der Arafura-See bei den Kei-Inseln. (Max Weber, Die Fische der Siboga-Expedition. Leiden, 1913, p. 422, Taf. VI, Fig. 7.) 3 2. B. bei Tilapia Dolloi. (T. W. Bridge: Fishes. In „The Cambridge Natural History", Vol. VII, 1904, p. 152, Fig. 93.) 270 Die Stämme der Wirbeltiere. In typischen Fällen zerfällt das Lateralliniensystem der Fische in folgende Abschnitte, z. B. bei Gadus: 1. Lateralkanal (längs der Körperflanken und dem Hinterhaupt. Innerviert vom Nervus lateralis maior). Pmx. Fo.pa Dso. Fig. 199. Die Schleimkanäle (horizontal schraffiert) des Schädeldaches von Trematosaurus Brauni, Burm., in 2 /s na t- Gr. Adl. = Adlacrymale. Orb. = Orbita. Dso. = Dermosupraoccipitale. Pa. = Parietale. Fo. pa. = Foramen parietale. Pmx. = Praemaxillare. Fr. = Frontale. Pof. = Postfrontale. Ju. = Jugale. Porb. = Postorbitale. La. = Lacrymale. Sq. = Sqamosum. N. = Nasenöffnung. St. = Supratemporale. Na. = Nasale. 2. Supraorbitalkanal (oberhalb des Auges. Ramus ophthalmicus des Nervus facialis). 3. Infraorbitalkanal (unterhalb des Auges. Ramus buccalis und R. oticalis des N. facialis). Innerviert vom Innerviert vom Amphibia (Lurche). 271 4. Operculo-Mandibularkanal (= Hyomandibularkanal) (folgt der Außenseite des Unterkiefers und zieht sich in die Operkularregion hinauf.. Innerviert vom Ramus mandibularis ext. des N. facialis). Diese Längskanäle sind häufig durch quere Kommissuren ver- bunden, die auf der Oberseite des Schädels verlaufen (z. B. Supra- orbitalkommissur bei Gadus, Occipitalkommissur bei Polypterus, Fig. 29.) Dieselben Schleimkanäle finden sich auch bei den Amphibien, und zwar sind sie bei den lebenden meist nur in rudimentärem Zustande, selten wohlausgebildet vorhanden (z. B. bei Necturus). Genau dieselbe Anordnung und Ausbildung dieser Kanäle ist bei Micrerpeton caudatum Moodie aus dem Karbon von Illinois nachgewiesen worden. Hingegen zeigt der Schädel der meisten Stegocephalen viel tiefere und breitere Kanäle, als dies bei den Fisclien der Fall ist. Ganz be^ sonders scharf sind diese Kanäle auf dem Schädeldach der Labyrintho- dontiden ausgeprägt (Fig. 199). Wie R. L. Moodie (1908) gezeigt hat, sind diese Kanäle den Schleimkanälen des Fischschädels homolog. Bei den Branchiosauriden ist nur in der Schwanzregion das Lateral- liniensystem ausgebildet (Micrerpeton), während der Schädel keine Schleimkanäle trägt. Ob die Funktion der Schleimkanäle der Labyrinthodontiden die- selbe war wie bei den Fischen, ist sehr zweifelhaft. Wahrscheinlich dienten sie nur dazu, die Haut schleimig zu erhalten und das Aus- trocknen derselben zu verhindern, denn die großen Labyrinthodontiden, bei denen die Schleimkanäle besonders groß und scharf ausgeprägt sind, dürften wohl der Mehrzahl nach schwerfällige Landtiere, aber keine ausschließlich aquatischen Formen gewesen sein. I. Ordo: Rhachitomi (= Temnospondyli). Wirbel ursprünglich aus mehreren freibleibenden Elementen (Basi- dorsalia, Basiventralia, Interdorsalia, Interventralia) zusammengesetzt (rhachitomer Wirbeltypus), später durch Verschmelzung der Basidorsalia und Basiventralia unter gleichzeitiger Reduktion der Interdorsalia und Interventralia (stereospondyler Wirbeltypus) zu einem einheitlichen, vorn und hinten ausgehöhlten (amphizölen) Körper verschmelzend. Die ersten Vertreter des Stammes im Unterkarbon (hier schon stereo- spondyle Typen), die jüngsten in der Trias. Ausgestorben. 1 1 Eine eingehende Literaturübersicht, welche die Arbeiten über paläozoische Amphibien und Reptilien bis zum Jahre 1888 umfaßt, findet sich in: L. von Ammon, Die permischen Amphibien der Rheinpfalz. — München 1889. Die späteren Arbeiten sind weit zerstreut; die neuere Literatur (bis 1911) ist, soweit sie sich auf die nord- amerikanischen Funde bezieht, enthalten in: E. C. Case, Revision of the Amphibia and Pisces of the Permian of North America. — Carnegie Institution of Washington, Publication No. 146, 1911. 272 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Archegosauridae. Körper langgestreckt, bis 1,5 m und darüber erreichend; hierher gehört die größte bekannte Stegocephalengattung des Karbons, Sclero- cephalus. Der Schwanz ist lang und seitlich komprimiert, was in Ver- bindung mit der Schnauzenverlängerung einzelner Arten (z. B. Archego- Fig. 200. Rekonstruktion des Schädeldaches eines Archegosauriden (vgl. Chelydosaurus Vranyi, Fritsch), aus dem untersten Perm von Braunau, Böhmen. l / g nat. Gr. (Nach O. Jaekel.) saurus Decheni Gdf.) für eine aquatische Lebensweise dieser Formen spricht. Auch bei den im Alter langschnauzigen Arten ist jedoch der Schädel in der Jugend stumpf dreieckig. Die Augenhöhlen meist im hinteren Schädeldrittel gelegen, wenn der Schädel ausgewachsen ist, bei jungen Individuen in halber Schädellänge, meist oval, nur bei Sclero- Amphibia (Lurche). 273 cephalus kreisrund. Augenhöhlen durch Sklerotikalplatten geschützt. Hinterhaupt in der Jugend unverknöchert. Nasenlöcher am Vorder- ende der Schnauze. In der Jugend äußere Kiemen (bei Archegosaurus) nachgewiesen. Brustschultergürtel kräftig. Vorderfüße vierfingerig, Hinterfüße fünfzehig (Archegosaurus); Arme schwächer als die Hinter- beine (Archegosaurus). Bauchpanzer vorhanden, aus schmalen, spindel- oder leistenförmigen Hautschuppen (Sternalrippen) bestehend. Wirbel von typisch rhachitomem Bau. Schädelknochen in der Regel sehr stark skulpturiert (vgl. Fig. 200). Fig. 201. Actinodon Rochei, Gaudry, ein Archegosauride aus dem Perm von Autun, Frankreich. Humerus, a. von vorne, b. von der Seite, in 1 / 2 nat. Gr. (Nach A. Gaudry.) Sclerocephalus. — Schädel sehr breit, stark skulpturiert, Augen- höhlen kreisrund, klein, im hinteren Drittel der Schädellänge, weit von- einander getrennt. — Oberkarbon von Böhmen (Gaskohle von Nür- schan), Perm Deutschlands (Pfalz und Sachsen). 1 Osteophorus. — Der Schädel besitzt große Ähnlichkeit mit dem von Sclerocephalus, unterscheidet sich aber von diesem durch das Vor- handensein eines „Internasofrontale", eines medianen Knochens zwischen den Nasenbeinen und Stirnbeinen. Vielleicht ist aber dieser Knochen einem ,, Schaltknochen" gleichzusetzen, dem nur eine individuelle oder höchstens spezifische Bedeutung zuzusprechen ist. — Mittleres Rot- liegendes (Perm) Schlesiens. 2 Actinodon. (= Euchirosaurus). — Nahe verwandt mit Sclero- 1 F. Broili, Über Sclerocephalus aus der Gaskohle von Nürschan und das Alter dieser Ablagerungen. — Jahrbuch der K. K. Geol. Reichsanstalt in Wien, LVIII. Bd., 1908, p. 51. 2 H. von Meyer, Osteophorus Roemeri aus dem Rotliegenden von Klein- Neuendorf in Schlesien. — Paläontographica, VII. Bd., 1859, p. 101. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 18 274 Die Stämme der Wirbeltiere. cephalus, aber Augenhöhlen groß und weiter vorn gelegen. Frankreich (Autun). 1 (Fig. 201.) Perm von Na. Pmx. Fig. 202. Schädeldach von Trimerorhachis insignis, Cope, aus dem Perm von Texas, Re- konstruktion in 1 / 2 nat. Gr. mit Benützung der von R. Broom, F. v. Huene und S. W. Williston veröffentlichten Abbildungen. Das Vorhandensein eines Septo- maxillare ist hier nach Analogie von Trimerorhachis mesops angenommen. Adl. = Adlacrymale. Pmx. = Prämaxillare. Dso. = Dermosupraoccipitale. Pof. = Postfrontale. Fr. = Frontale. Porb. = Postorbitale. Fo. pa. = Foramen parietale. PL = Pterygoid. It. = Intertemporale. Q. = Quadratum. Ju. = Jugale. Qj- = Quadratojugale. La. = Lacrymale. Smx. = Supramaxillare. N. = Nasenöffnung. Spt. — Septomaxillare. Na. = Nasale. Sq. = Squamosum. Orb. = Augenöffnung. St. = Supratemporale. Pa. = Parietale. Tab. = Tabulare. Archegosaurus. — bekannten Stegocephalen. Gehört zu den häufigsten und daher best- — Perm Deutschlands (Sphärosideritknollen 1 A. Gaudry, L'Actinodon. — Nouvelles Archives du Museum d'Histoire nat. — T. X, 2" serie, 1887. A. Thevenin, Les plus anciens Quadrupedes de la France. — Annales de Paleontologie, T V., Paris 1910 (hier die ältere Literatur). Amphibia (Lurche). 275 des Rotliegenden von Lebach bei Saarbrücken; Rotliegendes von Sachsen; Karbon von Kaschmir). 1 (Fig. 171, 173, 196.) Cochleosaurus. — Dermosupraoccipitale löffeiförmig verlängert. — Oberes Karbon von Böhmen (Gaskohle von Nürschan). 2 Chelydosaurus. — Unterstes Perm von Brannau in Böhmen (Fig. 200). 3 Art. Pr.art. Compl. Ang. Int. cor. Po.spl. Compl. Spien. Praecor. Fig. 203. Rechter Unterkieferast von Trimerorhachis Alleni, Case, aus dem Perm von Texas, Gr. A. Außenansicht; B. Innenansicht. (Nach S. W. Williston.) Ang. = Angulare. Praecor* --= Praecoronoid. in 4 / 9 nat. Art. = Articulare. Pr. art. Compl. = Complementare. Po. spl. De. = Dentale. Spl. Int. cor. = Intercoronoid. = Praearticulare. = Postspleniale. = Spleniale. F. Trimerorhachidae. Gesamtlänge 1 / 2 — 1 m. Schädel flach, mit Schleimkanälen. Augen weit vorn gelegen, nach oben gerichtet. Intertemporale vorhanden. Condylus occipitalis einfach, konkav. Pleurozentren klein, Dornfort- 1 Das Hauptwerk über Archegosaurus ist: H. von Meyer, Reptilien aus der Steinkohlenformation in Deutschland. — Paläontographica, VI. Bd., 1857, p. 59. Über den Bau der Wirbel von Archegosaurus vgl. O. Jaekel, Über die Klassen der Tetrapoden. — Zoolog. Anzeiger, XXXIV. Bd., 1909, p. 201. 2 F. Broili, Beobachtungen an Cochleosaurus bohemicus Fritsch. — Palä- ontographica, LH. Bd., 1905, p. 1. 3 A. Fritsch, Die Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — I. Bd. 1883, II. Bd. 1885—1889. 18* 276 Die Stämme der Wirbeltiere. Sätze kurz. 31 präsakrale Wirbel, alle rippentragend, Sakralrippen nicht differenziert. Körper mit dünner, biegsamer, Knochenplättchen tragender Haut bedeckt. Scapula kurz, breit; Cleithrum fehlt. Clavi- culae und Interclavicula als schildförmige, skulpturierte Platten ent- wickelt. Gliedmaßen klein, schwach ossifiziert. Finger und Zehen sowie die Elemente des Carpus und Tarsus sind unbekannt; vielleicht waren sie knorpelig. Bei zahlreichen Exemplaren sind die Ilia bekannt; diese Knochen sind sehr klein und waren nach den Untersuchungen Willi- stons nicht fest mit dem Sacrum verbunden. Pubis und Ischium sind Pof. st. Adl. La. N. Na. Pmx. \ Fig. 204. Seitenansicht des Schädels von Eryops anatinus, Broom, aus dem Perm von Texas, in 1 / 2 nat. Gr. (Nach R. Broom.) Adl. = Adlacrymale. Pof. = Postfrontale. Ang. = Angulare. Pmx. = Praemaxillare. De. = Dentale. Qj. = Quadratojugale Ju- = Jugale. Sang. = Supraangulare. La. = Lacrymale. Smx. = Supramaxillare. N. = Nasenöffnung. Spl. = Spieniale. Na. = Nasale. Sq. = Squamosum. Orb. = Orbita. St. = Supratemporale Pa. = Parietale. Tab. = Tabulare. Pang. = Praeangulare. wahrscheinlich un verknöchert gewesen. Knapp bei dem hinteren Ende des Unterkiefers ist bei einem Exemplar ein flacher Knochen beob- achtet worden, der ein ungewöhnlich großes Hyoid oder Epibranchiale darstellen dürfte. Dieser Umstand sowie die Reduktion des Beckens, die sich in gleicher Weise beim lebenden Necturus findet, sprechen nach Williston dafür, daß Trimerorhachis ein aquatisches und zwar ein perennibranchiatesTier war, bei dem der knorpelige Zustand der unteren Beckenelemente sowie von Hand und Fuß eine sekundäre Anpassung an das Wasserleben nach Analogie von Necturus darstellt. Amphibia (Lurche). 277 T r i m e r o r h a c h i s. — Perm von Texas und Oklahoma. 1 (Fig. 202, 203.) F. Eryopidae. Große Tiere von V2 — 3 m Länge. Schädel flachgedrückt, mit Schleimkanälen. Interfrontale vorhanden. Zwei Hinterhauptskondylen. Otikalschlitz klein. Scapula groß, mit großem Cleithrum. Interclavi- cula und Clavicula mit rauher Oberfläche, Schultergürtel sehr kräftig. Fig. 205. Hinterhaupt von Eryops megacephalus, Cope, aus dem Perm von Texas, in etwa 7 4 nat. Gr. (Neue Rekonstruktion auf Grundlage verschiedener Abbildungen, nament- lich von S. W. Williston, E. C. Case, R. Broom, C.Wiman u. F. v. Huene.) Bo. = Basioccipitale. N.ö. = Nervenöffnung. Co. = Condylus occipitalis. Op. = Opisthoticum. Dso. = Dermoccipitale. Pt. = Pterygoid. Eo. = Exoccipitale. Q. = Quadratum. Fm. = Foramen magnum. Qj- = Quadratojugale F.pt. = Fenestra pteroccipitalis. So. = Supraoccipitale. F.oc. = Fenestra posttemporal is. Tb. = Ta biliare. Ein Sakralwirbel. Rippen mit Processus uncinatus versehen. (Fig. 172, 185—188, 190, 194, 204-206.) Eryops. — Perm von Texas, Oklahoma, Neumexiko. 2 1 S. W. Williston, The Primitive Structure of the Mandible in Amphibians and Reptiles. — Journal of Geology, Vol. XXI, 1913, p. 625. Derselbe, Trimerorhachis, a Permian Temnospondyl Amphibian. — Ibidem, Vol. XXIII, 1915, p. 246. Derselbe, The Skeleton of Trimerorhachis. — Ibidem, XXIV, 1916, p. 291. Derselbe, Synopsis of the American Permocarboniferous Tetrapoda. — Contributions from Walker Museum, Vol. 1, 1916, p. 206. 2 E. C. Case, Revision of the Amphibia and Pisces of the Permian of North America. — Carnegie Institution, Washington, Nr. 146, 1911, p. 91. F. von Huene, Beiträge zur Kenntnis des Schädels von Eryops. — Ana- tomischer Anzeiger, XLI. Bd., 1912, p. 98. R. Broom, Studies on the Permian Temnospondylous Stegocephalians of North America. — Bulletin American Mus. Nat. Hist., New York, Vol. XXXII, 1913,p. 579. S. W. Williston, Contributions from Walker Museum, Vol. 1, 1916, p. 200. 278 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Trematopsidae. Plumpe, kurzschwänzige, großköpfige Formen von etwa 1 / 2 bis 1 m Körperlänge. Schädel nicht flachgedrückt, sondern gewölbt; Augenhöhlen etwa in halber Schädellänge gelegen. Interfrontale und Intertemporale fehlen. Keine Schleimkanäle vorhanden. Am Vorder- ende der Schnauze eine mediane Fenestia internasalis; die Nasenöffnungen mit je einer großen Fenestra praeorbitalis in Verbindung; das weit nach vorn reichende Cavum oticale durch einen vom Tabulare und Squa- mosum gegen das Quadratojugale gerichteten Vorsprung gegen hinten abgeschnürt und geschlossen (Pseudotemporalgrube). Zwei Kondylen. Fig. 206. Rechter Humerus von Eryops (V» nat. Gr.). Fig. 207. Linker Humerus von Trematops Milleri ( 2 / 3 nat. Gr.). Mehrere Paar größere Fangzähne auf Vomer, Palatinum und Supra- maxillare. Kein Hautpanzer auf dem Rücken, Claviculae und Inter- clavicula ohne Skulptur. Becken- und Gliedmaßenknochen ähnlich wie bei Eryops gebaut, Carpus verknöchert (9 Elemente), Tarsus ebenso (12 Elemente). Phalängenformel der Hand unsicher (vielleicht 5 Finger vorhanden?), Zehenphalangenformel: 1, 2, 3, 4, 2. 23 — 25 präsakrale Wirbel, 2 Sakralwirbel. Trematops. — Ein fast vollständiges Skelett bekannt. Perm von Texas. 1 (Fig. 197, 207, 208.) F. Dissorophidae. Plumpe, gepanzerte, kurzschwänzige Formen, terrestrisch, wahr- scheinlich Grabtiere. Körperlänge etwa 1 / 2 m. Schädel plump, etwas 1 S. W. Williston, New or little-known Permian Vertebrates: Trematops, New Genus. — Journal of Geology, Vol. XVII, 1909, p. 636. Amphibia (Lurche). 279 deprimiert; Schleimkanäle, Interfrontale und Intertemporale fehlen. Otikalgrube geschlossen. Halswirbel und Rückenwirbel von je einem Paar Knochenschilder bedeckt, das vordere glatt, das hintere skulp- turiert. Scapula mit großem Cleithrum in Verbindung, Schultergürtel kräftig, ebenso das Becken. 21 präsakrale Wirbel, 2 Sakralwirbel. h.otg v. otg. Orb. Fen.pr. Fen. ina. Fig. 208. Schädel von Trematops Milleri, Will., aus dem Perm von Texas, in Vs n at. Gr. (Nach S. W. Williston.) h.otg. = hinterer Abschnitt des Cavum Orb. = Orbita. oticale. Cav. pr. - Fenestra praeorbitalis. v. otg. = vorderer Abschnitt des Ca- N. = Naris. vum oticale. Cav. ina. = Fenestra internasalis. Orb. Otg. Fig. 209. Schädel von Cacops aspidephorus, Will., aus dem Perm von Texas, V 2 nat. Gr. (Nach S. W. Williston.) Otg. = Cavum oticale (d.;rch den hinteren Abschluß zu einer Pseudotemporalgrube geworden, vgl. p. 251). Orb. = Orbita. Na. ■■= Naris. Cacops. — Panzerplatten über der Wirbelsäule nicht verschmolzen, seitlich nicht weit über die Neurapophysen vorspringend. Mehrere Skelette bekannt. — Perm von Texas. 1 C. aspidephorus (Fig. 195, 209, 210). 1 S. W. Williston, Cacops, Desmospondylus; New Genera of Permian Verte- brates. Bulletin of the Geological Society of America, Vol. XXI, 1910, p. 249. 280 Die Stämme der Wirbeltiere. 70 a> TT O 3 C/5 -n C TT r-t- 5" 3 < O 3 n 03 O O •o <*> S3 •o 5! 3" O gg n = ,3 £' O Cu 3 " *" 03 C cn o ?5' o. O. (V 3 3 cd rt> 3 2 03 O" CfQ CD 03: 3 D. H ro 03 o z 03 o sr Ol cro." o 3 Dissorophus. — Panzerplatten über den ganzen Rücken ausgedehnt, gürtel- tierartig angeordnet, wahrscheinlich noch schwach beweglich. Größter Teil des Ske- letts bekannt. — Perm von Texas. 1 D.multi- cinctus. F. Aspidosauridae. Den Dissorophi- den nahe verwandt, aber Otikalgrube noch offen und nur je eine Panzerplatte über je- dem Wirbel vorhan- den. Broiliellus. — Schädel und große Teile des Skeletts be- kannt. Vorderste Pan- zerplatte des Rückens groß. — Perm von Texas. 2 B. texensis. Aspidosaurus. — Schädel, Panzer und übrige Skeletteile großenteils bekannt. Rücken -Panzerplatten dachfirstartig gebaut, aneinanderstoßend. — A. Glascocki, A. ich- ton, A. apicalis, A.no- vomexicanus. Perm von Texas. 3 1 S.W.Williston, Dissorophus. Journal of Geology, Vol. XVIII, 1910, p.526.— 2 S.W.Williston, Broiliellus, A New Genus of Amphibians from the Permian of Texas. Journal of Geology, Vol. XXII, 1914, p. 49. 3 F. Broili, Permische Stegocephalen und Reptilien aus Texas. Paläonto- graphica, Bd. LI, 1904, p. 40. Amphibia (Lurche). 281 Alegeinosaurus. — Schädel unbekannt. — Perm von Texas. 1 A. aphthitos. F. Zatrachydae. Schädel außerordentlich flach, mit großer Fenestra internasalis. Augenhöhlen relativ klein, weit hinten gelegen, mit den vorderen Nasenöffnungen durch einen Wulst verbunden, so daß der mittlere Teil des Schädeldaches eingesenkt erscheint; außerhalb dieses Wulstes ist das Schädeldach gleichfalls grubig vertieft. Schädeldach hinten in Zacken verlängert; die äußeren vom Quadratojugale gebildet, die inneren vom Tabulare. Bei Platyhystrix ist überdies auch das Dermo- supraoccipitale hinten in einen Zacken verlängert. Zähne zahlreich, klein, chagrinartig. Dornfortsätze der Wirbel skulpturiert, entweder lateral als Träger für Panzerplatten verbreitert (Zatrachys) oder enorm verlängert, an die Dornfortsätze der Pelycosaurier erinnernd (Platy- hystrix). Gliedmaßen, Schulter- und Beckengürtel unbekannt. Körper- länge zwischen 1 / 2 und 1 m. Zatrachys. — Perm von Texas. 2 Z. serratus, etc. (Fig. 211). Dasyceps. — Perm von Kenilworth, England. 3 D. Bucklandi. Platyhystrix. — Perm von Neumexiko. 4 P. rugosus. F. Micropholidae. Aus den Procolophonschichten der Kapkolonie sind mehrere Reste eines sehr merkwürdigen kleinen Stegocephalen bekannt geworden, für den Huxley schon 1859 den Namen Micropholis Stowi aufstellte. Erst 1913 hat uns jedoch D. M. S. Watson 5 mit dem Schädelbaue dieser Form genauer bekannt gemacht. Micropholis ist der jüngste rhachitome Stegocephale, von dem vollständigere Reste vorliegen (die Schichten mit Procolophon gehören der unteren oder mittleren Trias an), da im württembergischen Keuper bisher nur vereinzelte Wirbelreste von rhachitomem Bau gefunden worden sind. Die Eigentümlichkeiten von Micropholis bestehen in der eigenartigen Anordnung der Knochen des 1 E. C. Case, Revision of the Amphibia and Pisces of the Permian of North America. — 1. c, 1911, p. 60. 2 Ibidem, p. 48. — R. Broom, Studies of the Permian Temnospondylous Stegocephalians of North America. — Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., XXXII, 1913, p. 592. 3 F. von Huene, Neubeschreibung des permischen Stegocephalen Dasyceps Bucklandi (Lloyd) aus Kenilworth. — Geologische und paläont. Abhandl., N. F. Bd. VIII (G. R. Bd. XII), 1910, p. 325. 4 S. W. Williston, American Permian Vertebrates. — Chicago, 1911, p. 135. Derselbe, Contributions from Walker Museum, 1. c, 1916, p. 204. 5 D. M. S. Watson, Micropholis Stowi, Huxley, a Temnospondylous Am- phibian from South Africa. — Geol. Magazine, London 1913, p. 340. 282 Die Stämme der Wirbeltiere. Schädeldaches, dem Vorhandensein eines Internasale in einer Grube zwischen den Prämaxillarien vor den Nasenbeinen, den enormen Pala- tinalgruben (größer als bei irgendeiner anderen rhachitomen Type), der Gelenkverbindung der Pterygoidea mit dem Basisphenoid statt mit dem Parasphenoid, der schwachen Ausbildung der Claviculae und Cleithra, dem schwachen Humerus und dem Verluste der Schleimkanäle auf dem Schädeldache. Die Herkunft der Micropholiden ist unbekannt. Fen. int Fig. 211. Dorsalansicht des Schädeldaches von Zatrachys microphthalmus, Cope, aus dem Perm Nordamerikas, in 4 / 6 nat. Gr. (Nach R. Broom, 1913.) Vo. = Vomer. Fen. int. = Fenestra internasalis. Spmx. = Septomaxillare. Die übrigen Bezeichnungen der Knochen wie in Fig. 202. F. Labyrinthodontidae. In dieser Gruppe, welche jedenfalls zahlreiche verschiedene Stämme umfaßt, deren Unterschiede und deren Geschichte aber noch nicht auf- geklärt sind, sind jene rhachitomen Stegocephalen vereinigt, welche einen stereospondylen Wirbeltypus (s. oben) aufweisen. Der erste Vertreter Amphibia (Lurche). 283 (Loxomma) erscheint bereits im unteren Karbon (im Eisenstein von Gilmerton in Schottland), ein Beweis für das bedeutend höhere Alter der Stegocephalen, als meist angenommen wird; ihre Entstehung fällt jedenfalls schon in die Devonformation und liegt vielleicht noch weiter zurück. Das Hinterhaupt ist fast gänzlich verknöchert (nur das Supra- occipitale und Basioccipitale ist häufig knorpelig geblieben). Das Schädeldach ist meist von tiefen Schleimkanälen durchfurcht, die zwischen den Augen- und Nasenhöhlen die Gestalt einer Lyra zeigen. Sklerotikalplatten und Bauchpanzerplatten (Bauchrippen) fehlen. Bei vielen jüngeren Formen sind die Fangzähne sehr kräftig; die unteren durchbrechen die Zwischenkiefer entweder gänzlich oder passen in tiefe Gruben derselben hinein, ohne auf der Oberseite des Schädeldaches auszutreten, wenn die Kiefer zusammengeklappt sind. Zuweilen sind größere Präorbitalöffnungen vorhanden, die mit den Augenhöhlen ver- bunden sind (Loxomma), mitunter sind die vorderen Nasenöffnungen mit den Durchbruchsöffnungen der Unterkieferzähne zu einer gemein- samen Öffnung verbunden (Anaschisma). Einige Gattungen besitzen eine stark verlängerte Schnauze (z. B. Lonchorhynchus, Aphaneramma). Zu dieser Gruppe gehören die größten bekannten Stegocephalen (Masto- donsaurus mit 1 m Schädellänge). Der Brustschultergürtel ist sehr kräftig, aber die Gliedmaßen klein. Die Gruppe, welche in dieser Fas- sung unnatürlich ist, da sie jedenfalls zahlreiche Stämme umfaßt, ent- hält langkörperige und langschwänzige Gattungen, sowie plumpe, kurz- schwänzige Typen; die ersteren dürften im erwachsenen Zustande eine marine Lebensweise geführt haben, die letzteren Landtiere gewesen sein. Man hat in früherer Zeit fünffingerige und fünfzehige Fährten (Chirotheriumfährten)mit den Labyrinthodontiden in Beziehung zu bringen versucht, aber diese Fährten, die namentlich im Rotliegenden und in der Trias (Buntsandstein) Deutschlands häufig gefunden werden, können nicht auf Stegocephalen bezogen werden, sondern dürften wohl von Dinosauriern herrühren, da unter ihnen die Fährten bipeder Typen auftreten, die Labyrinthodontiden wie überhaupt alle Stegocephalen nie- mals biped gewesen sind und nie mehr als vier Finger aufweisen. Auch der Größenunterschied der Hand- und Fußfährten spricht für die Deutung von Chirotherium als Dinosaurierfährten. 'Loxomma. — Schädel, Wirbel und Rippen bekannt. Augen- höhlen vorn mit der Präorbitalöffnung zusammenfließend; die von den Schleimkanälen des Schädeldaches gebildete ,,Lyra" vorn durch Quer- furche verbunden. — Im Unterkarbon von Schottland, Oberkarbon Böhmens und Englands. 1 (Fig. 212.) 1 Th. H. Huxley, On New Labyrinthodonts from the Edinburgh Coalfield: 1. Note respecting the Discovery of A New and Large Labyrinthodont (Loxomma 284 Die Stämme der Wirbeltiere. Anthracosaurus. — Oberkarbon von England. 1 A. Russelli. Ap. int. Pmx. Fig. 212. Unteransicht des Schädels von Loxomma, in V 4 nat. Gr. (Nach D.M. S. Watson.) Ap. int. = Apertura intermaxillaris. Q. = Quadratum. Bas. i= Basisphenoid. Qi- = Quadratojugale. Eo. = Exoccipitale. Smx. = Supramaxillare. Ju. = Jugale. Sq. = Squamosum. N. = Choane. Tr. = Transversum. Pal. = Palatinum. Z. = Zahn. Pmx. = Praemaxillare. zg. = Zahngrube (Stelle des ausge Pier. = Pterygoid. fallenen Zahns). Allmani) in the Gilmerton Ironstone. — Quarterly Journal Geol. Soc, Vol. XVIII, London 1862, p. 291. A. Hancock and Th. Atthey, On the Occurence of Loxomma Allmani in the Northumberland Coalfield. — Ann. Mag. Nat. Hist., London, 4. Ser., Vol. V, p. 374. D. M. S. Watson, The Larger Coal Measure Amphibia. — Memoirs and Proceedings of the Manchester Literary and Philosophical Society, Vol. LVII, 1912—1913, Manchester, 1912, p. 1. 1 Th. H. Huxley, Description of Anthracosaurus Russelli, a New Labyrin- thodont from the Lanarkshire Coalfield. — Quart. Journ. Geol. Soc, London, Vol. XIX, 1863, p. 52. Amphibia (Lurche). 285 Pteroplax. — Karbon von Northumberland. 1 P. Russelli (Atthey, non Huxley!). Anaschisma. — Augen weit vorn gelegen, Ohrenschlitze kaum angedeutet. Die vordere Nasenöffnung ist jederseits mit der Apertura intermaxillaris vereinigt. — Trias Nordamerikas. 2 A. Browni. Trematosaurus. — Schädel mit langgestreckter Schnauze. — Trias Deutschlands (Buntsandstein von Bernburg) und Trias (?) der Kapkolonie. 3 (Fig. 199, 213.) Aphaneramma. — Schädel mit langgestreckter, schlanker Schnauze. — Trias (Posidonomyenschiefer) von Spitzbergen. 4 Lonchorhynchus. — Schnauze sehr verlängert; langschnauzigste Stegocephalengattung, die bisher bekannt ist. Nasenlöcher weit hinten gelegen, vorderer Abschnitt des Rostrums nur von den Prämaxillaren gebildet. Jedenfalls aquatischer Räuber, wahrscheinlich Fischjäger; dürfte ebenso wie Aphaneramma im erwachsenen Zustand eine marine Lebensweise geführt haben. — Trias (Posidonomyenschiefer) von Spitz- bergen. 5 . (Fig. 214, 215.) Tertrema. — Schnauze lang, schmal, aber kürzer als bei Loncho- rhynchus. Wahrscheinlich dieselbe Lebensweise wie Lonchorhynchus. — Trias (Posidonomyenschiefer von Spitzbergen). 6 1 A. Hancock and Th. Atthey, Notes of the Remains of some Reptiles and Fishes from the Shales of the Northumberland Coalfield. — Ann. Mag. Nat. Hist., London, 4. Ser., Vol. I,.p. 260. D. M. S. Watson, 1. c, p. 1. 2 E. B. Branson, Structure and Relationsships of the American Labyrintho- dontidae. — Journal of Geology, Vol. XIII, 1905, p. 568. 3 H. Burmeister, Die Labyrinthodonten aus dem Bunten Sandstein von Bernburg, zoologisch geschildert. — Berlin 1849. O. Jaekel, Die Wirbeltiere. — Berlin 1911, p. 112. (Abbildung einer Re- konstruktion des Schädels von Trematosaurus Brauni.) Vgl. auch O. Jaekel, Über die Klassen der Tetrapoden. — Zoologischer Anzeiger, 1909, S. 197. K. A. von Zittel, Handbuch der Paläozoologie, III. Bd., S. 356 und 401. F. Drevermann, Über einen Schcädel von Trematosaurus. — Centralbl. f. Min. u w., 1914, Nr. 20. S. H. Haughton, Investigations in South African Fossil Reptiles and Am- phibia. — I. On a New Spezies of Trematosaurus (T. Sobeyi). — Annais South Afric. Museum, Vol. XII, Part II, 1915, p. 47. 4 A. Smith Woodward, On Two New Labyrinthodont Skulls of the Genera Capitosaurus and Aphaneramma. — Proceed.Zool. Soc, London 1904, Vol. II, p. 173. C. Wiman. Über die Stegocephalen aus der Trias Spitzbergens. — Bulletin of the Geological Institute of Ups'ala, Vol. XIII, 1914, p. 17. 5 Ibidem, p. 14. C. Wiman, Neue Stegocephalenfunde aus dem Posidonomyaschiefer Spitz- bergens. — Ibidem, Vol. XIII (2), 1916, p. 220. Derselbe, Über die Stegocephalen Tertrema und Lonchorhynchus. — Ibidem, Vol. XIV, 1917, p. 238. 6 C. Wiman, 1. c, 1914, p. 21. — 1. c, 1917, p. 229. 286 Die Stämme der Wirbeltiere. l'mx. . ra. Qi- Dso. F.m. F.pt. Tab. Fig. 213. ch von Trematosaurus Brauni, Burm., aus dem oberen Buntsandstein von Bernburg, in V 2 nat. Gr. (Nach 0. Jaekel.) Adl. = Adlacrymale. Pa. = Parietale. Dso. = Dermosupraoccipitale. Pfnx. = Praemaxillare. F. m. = Foramen magnum. Pof. - Postfrontale. F. pt. ~ Fenestra pteroccipitalis. Porb. = Postorbitale. Fr. = Frontale. Qj. = Quadratojugale. Ju. - Jugale. Sk. = Schleimkanal. La. = Lacrymale. Sq. = Squamosum. N. = Nasenöffnung. St. = Supratemporale. Na. = Nasale. Tab. = Tabulare. Orb. = Orbita. Amphibia (Lurche). 287 Peltostega. — Deckknochen des Schädels jeder für sich schild- förmig konvex. Foramen parietale in einer dreieckigen, glatten Ver- tiefung gelegen. — Trias von Spitzbergen. 1 Lyrocephalus. — Schleimkanäle des Schädeldaches außerordent- lich stark vertieft. — Trias von Spitzbergen. 2 (Fig. 216.) Metopias. — Schädel breit, Schnauze stumpf. Augen weit vorn gelegen. Fast das ganze Skelett bekannt. — Obere Trias (Keuper) von Hanweiler bei Stuttgart. 3 (Fig. 217.) Cyclotosaurus. — Ohrenschlitz hinten zu einer Pseudotemporal- grube (Cavum oticale) geschlossen. — Trias (Keuper) von Württemberg und von Stanton in Staffordshire. 4 (Fig. 189, 218, 219.) Capitosaurus. — Ohrenschlitze klein, offen. Nasalia auffallend groß. — Trias Deutschlands, Spitzbergens und Südafrikas. 5 Mastodonsäurus. — Größter aller bekannten Stegocephalen, Schädel etwa 1 m lang. — Trias Deutschlands (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper). 6 (Fig. 1 17, 191, 220.) 1 C. Wiman, 1. c, 1916, p. 210. - C. Wiman, Über das Hinterhaupt der Labyrinthodonten. — Ibidem, Vol. XII, 1912, p. 1. — Derselbe, 1. c, 1914, p. 10; 1916, p. 216. 3 E. Fraas, Die Labyrinthodonten der schwäbischen Trias. — Paläonto- graphica, XXXVI. Bd., 1889, p. 1. Derselbe, Führer durch die Kgl. Naturaliensammlung zu Stuttgart. I. Die geognostische Sammlung Württembergs. — 3. Auflage, Stuttgart 1910, S. 30. 4 E. Fraas, 1. c. 1889. A. Smith Woodward, On Two New Labyrinthodont Skulls, etc., I. c, P. Z. S., 1904, II, p. 170. — Der Schädelrest gehört, worauf schon H. Schröder 1913 (Jahr- buch Kgl. Preuß. Geol. Landesanstalt, XXXIII. Bd., S. 256) aufmerksam machte, wegen der Pseudotemporalgrube nicht zu Capitosaurus, sondern zu Cyclotosaurus. F. Broili (Über Capitosaurus arenaceus Münster. — Centralblatt für Min. usw., 1915, p. 574) vertritt die Meinung, daß Capitosaurus jüngere, Cyclotosaurus dagegen ältere Individuen eines enge zusammengehörigen und zu einer einzigen Gattung gehörigen Formenkreises umfaßt. Nach ihm ist der Verschluß des bei Capitosaurus offenen Ohrenschlitzes eine Alterserscheinung und darf daher nicht als Unter- scheidungsmerkmal zweier Gattungen benützt werden. Da mir über diese Frage die Akten noch nicht geschlossen zu sein scheinen, so habe ich hier die beiden Gattungen Capitosaurus und Cyclotosaurus einstweilen noch getrennt gehalten. E. Fraas, Neue Labyrinthodonten aus der schwäbischen Trias. — Paläonto- graphica, LX. Bd., 1913, p. 275. 5 H. Schröder, Ein Stegocephalenschädel von Helgoland. — Jahrbuch der Kgl. Preußischen Geologischen Landesanstalt, XXXIII. Bd., Berlin 1913, p. 232. (Hier die ältere Literatur einzusehen.) C. Wiman, 1. c. 1914, S. 21. (Bruchstück eines Schädeldaches.) R. Broom, Notice of some New South African Fossil Amphibians and Rep- tiles. — Annais South African Museum, Vol. VII, Part III, 1909, p. 271. »Capito- saurus africanus, n. sp.) 6 E. Fraas, Die Labyrinthodonten der schwäbischen Trias. — 1. c, 1889. (Hier die ältere Literatur.) 288 Die Stämme der Wirbeltiere. Pmx. Porb. Dso. Tab. Fo.pa. Fig. 214. Schädeldach von LonchorhynchusÖbergi, Wiman, aus der Trias Spitzbergens, von oben in 1 / 2 nat. Gr. (Orig. -Rekonstruktion auf Grundlage der Abbildungen von C. Wiman, 1914 und 1916.) Fo. pa. = Foramen parietale. Die übrigen Abkürzungen wie in Fig. 213. F. Plagiosauridae. 0. Jaekel hat (1913) aus der oberen Trias von Halberstadt einen sehr merk- würdigen Stegocephalen, Plagiosaurus depressus, be- schrieben, dessen Schädelbau mit der schon seit längerer Zeit bekannten Gattung Plagiosternum in zahlreichen Merkmalen übereinstimmt, so daß beide Gattungen in derselben Familie vereinigt werden müssen. Besonders auffallend ist bei Plagio- saurus jedoch die Skelett- zusammensetzung des Unter- kiefers sowie die an Dermo- chelyden erinnernde Panze- rung des Rumpfes, ferner der Bau der großen Inter- clavicula und die Art des Wirbelaufbaues. 0. Jaekel hat aus dem Verhalten der bisher noch nicht eingehen- der beschriebenen Wirbel den Schluß gezogen, daß Plagiosaurus nicht zu den temnospondylen Stegocepha- len, sondern zu den Stego- cephalen mit „Vollwirbeln" zu stellen sei und zwar reiht 0. Jaekel diese Gattung seinen Microsauria ein, die sich zum Teile mit der hier unterschiedenen Gruppe der Pseudocentrophori decken. Wenn es auch mit Rücksicht auf die erwähnten Merk- male von Plagiosaurus, wo- zu noch die Zweiköpfigkeit der Rippen kommt, nicht wohl möglich ist, diese Amphibia (Lurche). 289 Gattung und die ihr sehr nahestehende Gattung Plagiosternum in die Familie der Labyrinthodontiden einzureihen, so scheint doch Dso. -- ■<— hinten unten Fig. 216. Präparat der rechten Ohrregion von Lyrocephalus Euri, Wiman, aus der Trias Spitzbergens, von innen gesehen. 2 / 3 nat. Gr. (Nach C. Wiman, 1914.) Epipt. = Epipterygoid. Pte. = Pterygoid. Proot. = Prooticum. Stap. = Stapes. nach der Beschreibung Jaekels nur ein stereospondyler Wirbel- typus, aber weder ein pseudozentraler noch ein gastrozentraler Typus Abel, Stämme der Wirbeltiere. 1" 290 Die Stämme der Wirbeltiere. vorzuliegen. Die Plagiosauriden sind daher wohl nur als ein erloschener und sehr eigenartig spezialisierter Seitenzweig der Rhachitomi (in unserem Sinne) zu betrachten. Für den stereospondylen Wirbel (vgl. S. 224) ist es bezeichnend, daß der Wirbel scheinbar einheitlich ist, aber doch die Basidorsalia und die Basiventralia umfaßt, während die A. B. Fig. 217. Skelett von Metopias diagnosticus, H. v. Meyer, aus dem Keuper von Hanweiler bei Winnenden in Württemberg. A: Rückenansicht, B: Bauch- ansicht des Originals im Kgl. Naturalienkabinett zu Stuttgart. Schädel- länge 45 cm. (Nach E. Fraas.) Interventralia verloren gegangen sind und dies ist auch bei Plagio- saurus der Fall. Die bestehenden Unterschiede des Wirbelbaues sowie der übrigen Skeletteile von Plagiosaurus rechtfertigen jedoch zweifellos die Abtrennung einer selbständigen Familie, aber nur innerhalb der Rhachitomen und nicht außerhalb derselben. Amphibia (Lurche). 291 Plagiosaurus. — Obere Trias von Halberstadt. — Schädel flach, breit, von halbkreisförmigem Umriß, mit großen Augenhöhlen. Unter- kiefer einen dünnen Bogen bildend, mit doppelter Zahnreihe und schuppenartigen Deckknochen auf der Außen- und Unterseite des Den- tale. Interclavicula sehr groß und breit, mit seitlichen Gelenkzapfen Fig. 218. Unteransicht des Schädels von Cyclotosaurus ro oberen Trias der Umgebung Stuttgarts, ungefähr a. m. na. Ol. or. pa. = Orbita (von unten gesehen). = Supramaxillare. = Choane. = Exoccipitale. = Cavum oticale (durch den hinteren Abschluß als „Pseudotemporal- grube" erscheinend). = Palatinum (trägt vorne jederseits 2 Fangzähne und eine zur Supra- maxillarreihe parallele innere Zahn- reihe). pm. ps. pt. vi- v. bustus, H. von Meyer, aus der in 76 na t Gr. (Nach E. Fraas.) Praemaxillare (zwischen beiden pm und den beiden v die Apertura intermaxillaris für die Fangzähne des Unterkiefers sichtbar). Parasphenoid. Pterygoid. Quadratum. Quadratojugale. Vomer (bezahnt). für die Claviculae. Rumpf dorsal und ventral mit einem aus Polygonal- platten bestehenden kräftigen Panzer. Alle Hautknochen mit hohen Dornen besetzt, ebenso auch die Schuppen. Rippen zweiköpfig, an den oberen Bögen und an der Grenze zweier Wirbel einlenkend, die nur aus den Basiventralia und Basidorsalia bestehen. Körperform unbekannt. 1 1 O. J aekel, Über die Wirbeltierfunde in der oberen Trias von Halber- stadt. — Paläontolog. Zeitschrift, Berlin, I. Bd., 1913, p. 202. 19* 292 Die Stämme der Wirbeltiere. Plagiosternum. — Schädel sehr breit und kurz, von auffallender Gestalt. — Trias von Schwaben (oberer Muschelkalk und unterer Keuper). 1 (Fig. 221.) Sq. Tab. Dso. So. Op. Fig. 219. Hinterhaupt von Cyclotosaurus stantonensis, A. S. Woodward, aus dem unteren Keuper von Stanton bei Uttoxeter, England. — Rekonstruktion in 2 / 3 nat. Gr., mit Benützung der Abbildungen von A. Smith Woodward (1904), F. v. Huene (1910) und C. Wiman (1912). Bo. = Basioccipitale. Co. = Condylus occipitalis. Dso. = Dermosupraoccipitale. Eo. = Exoccipitale. Fm. = Foramen magnum. F. q. = Foramen quadrati. Op. = Opisthoticum. Pt. = Pterygoid. Q. = Quadratum. Qj. = Quadratojugale. So. = Supraoccipitale. Sq. = Squamosum. Tab. = Tabulare. (Vgl. dazu Fig. 189, S. 242). Fig. 220. Rekonstruktion von Mastodonsaurus giganteus, Jaeger, ein Stegocephale von etwa 3 in Länge aus dem Keuper Württembergs. (Rek. von O. Abel, 1911.) II. Ordo: Embolomeri. Wirbel ursprünglich wie jener der Rhachitomi auf einen Ausgangs- typus mit vier Paar getrennter Bogenelemente zurückgehend, aber ein- seitig derart spezialisiert, daß die Basiventralia als „Hypozentrum", 1 E. Fraas, Die schwäbischen Triassaurier nach dem Material der kgl. Naturaliensammlung in Stuttgart zusammengestellt. — Festgabe zur 42. Versammlung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Stuttgart, 1896, S. 8. Derselbe, Neue Labyrinthodonten aus der schwäbischen Trias. — Paläonto- graphica, LX. Bd., 1913, S. 277. Amphibia (Lurche). 293 die Interdorsalia + Interventralia als „Pleurozentrum" je eine gleich- große flachzylindrische Wirbelhälfte bilden. Nur aus dem Oberkarbon und Perm bekannt. F. Cricotidae. Schlanke, aquatische Stegocephalen von 1 — 2 m Körperlänge. Schädel mit verlängerter, vorn abgerundeter Schnauze, Nasenlöcher Smx. Fr. Pmx. Na. N. Orb. Pof. Pte. Eo. Co. So. Dso. Fig. 221. Dorsalansicht des Schädels von Plagiosternum granulosum, E. Fraas, aus dem Bouebed (obere Trias) von Crailsheim in Württemberg. Länge der Schädeldecke 20cm, Breite 50cm (ungefähr). (Nach E. Fraas, 1913; Zeichnung ergänzt und die Bezeichnungen der Knochen zum Teil abgeändert.) Adl. = Adlacrymale. Pmx. = Praemaxillare. Co. = Condylus occip talis. Pof. = Postfrontale. Dso. = Dermosupraocc pitale. Porb. = Postorbitale. Eo. = Exoccipitale. Pte. = Pteroticum. Fr. = Frontale. Q. = Quadratum. Ju- = Jugale. Qi- = Quadratojugale. La. = Lacrymale. Smx. = Supramaxillare. N. = Nasenöffnung. So. = Supraoccipitale. Na. = Nasale. Sq. = Squamosum. Orb. = Orbita. Tab. = Tabulare. Pa. = Parietale. ähnlich wie bei Lonchorhynchus nicht am Vorderende der Schnauze, sondern weiter außen gelegen, Augenhöhlen seitlich. Schwanz lang, schlank. Ilium mit Verlängerung des Hinterabschnittes. Bauch- schuppen vorhanden, Schädel mit Schleimkanälen. Cricotus. — Zähne dichtgedrängt, mit scharfer Schneide. Schädel und Wirbel gut, Gliedmaßen nur fragmentarisch bekannt, letztere 294 Die Stämme der Wirbeltiere. jedenfalls sehr kurz. Lebensweise vielleicht krokodilartig. — Perm von Texas, Illinois und Kansas. 1 (Fig. 174.) Diplovertebron. — Einzelne Wirbel, Fragmente des Schädels und der Gliedmaßen bekannt; die Wirbel ähneln stark jenen von Cri- cotus. — Oberkarbon Böhmens (Gaskohle von Nürschan). 2 III. Ordo: Phyllospondyli. Die bezeichnenden Merkmale dieser ' Gruppe der Stegocephalen liegen im Bau der Wirbelsäule. Während wir bei den bisher besprochenen Gruppen der Stego- cephalen einen zwar aus verschiedenen Bogenelementen aufgebauten, aber doch massiven, knöchernen Wirbel fanden, besteht der Wirbel jener Formen, die als Phyllospondyli unterschieden werden, zwar auch aus verschiedenen Bogenelementen, aber ein Teil derselben ist „neu- tralisiert" und bildet die knorpelige Intervertebralmasse, während der andere Teil der Bogenelemente nur in Gestalt von dünnen, sehr zarten Knochenblättchen entwickelt ist, die einen Schutz der Chorda dorsalis und des Rückenmarks darstellen. Die erwähnte Intervertebralmasse wird von den vereinigten Interdorsalia und Interventralia gebildet, der knöcherne Wirbel dagegen von den Basidorsalia und den Basi- ventralia, und zwar spielen dabei die Basidorsalia die Hauptrolle; die Basiventralia umschließen nur je ein unteres Viertel der Chorda. Die Querfortsätze für die Rippenartikulation werden von den Basidorsalia und den Basiventralia gemeinsam gebildet. Dieser Wirbeltypus ist daher nicht fundamental, sondern nur graduell von dem Wirbeltypus verschieden, den wir bei den lebenden Urodelen vorfinden. Da auch die übrigen morphologischen Merkmale keine scharfen Gegensätze zu jenen der Urodelen darstellen, so wäre es viel- leicht richtiger, die Gruppe der Phyllospondyli mit den Urodelen zu vereinigen und als eine primitive Gruppe derselben in das System 1 E. C. Case, Revision of the Amphibia and Pisces of the Permian of North America. — Carnegie Institution of Washington, Publ. No. 146, Washington 1911, p. 145. R. Broom, Studies on the Permian Temnospondylous Stegocephalians of North America. — Bulletin of the American Museum of Natural History, Vol. XXXII, 1913, p. 564. S. W. Williston, Synopsis of the American Permocarboniferous Tetrapoda. ■ — Contributions to the Walker Museum, Vol. I, Chicago 1916, p. 209. 2 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — II. Bd., Prag 1885. Amphibia (Lurche). 295 einzureihen. Aus den oben (S. 221) dargelegten Gründen ist es jedoch zweckmäßiger, die Phyllospondyli einstweilen als einen Zweig der Stammgruppe der Stegocephalen aufzufassen und sie in diesem Zu- sammenhange zu besprechen. Alle Phyllospondylen besaßen eine nur vierfingerige Hand, aber einen fünfzehigen Fuß. Das Seitenliniensystem der Gat- tung Micrerpeton scheint ähnlich wie bei der Larve des lebenden Necturus gewesen zu sein. Die Zähne waren einfach ge- baut und besaßen eine große Pulpa. Die ersten Phyllospondylen kennt man aus dem Karbon, die letzten aus dem Perm. F. Branchiosauridae. Salamanderförmige Stegocepha- len mit kurzem, breitem, sehr flachen Schädel mit unverknöcherter Hinter- wand, Carpus und Tarsus knorpelig; Hinterfuß in der Regel mit der Sohlenfläche nach oben gewendet. Pubis knorpelig und daher nicht er- halten. Gebiß aus zahlreichen feinen Zähnchen bestehend. Wirbel aus zwei Paar verknöcherten Bogenele- menten (Basidorsalia und Basiven- tralia) aufgebaut, die das Rücken- mark und die Chorda dorsalis um- hüllen. Der Dornfortsatz trägt je- derseits eine Präzygapophyse und eine Postzygapophyse. Karbon und Perm. Branchiosaurus. ■ — Kleine, salamanderförmige, in der Jugend aquatische, im erwachsenen Zustand wahrscheinlich terrestrische Tiere, die zwischen den Sumpfpflanzen ihre Nahrung suchten, die aus Würmern, Insekten usw. bestanden haben dürfte. Der Schwanz war sehr kurz und umfaßte nur etwa 15 Wirbel, gegen 20 — 26 der Präsakralregion. Die erhaltenen Larven besitzen Kiemenbögen, die den erwachsenen Tieren fehlen. Außerordentlich häufig im Oberkarbon Böhmens (Nür- schan), im Perm von Niederhäßlich bei Dresden, Braunau in Böhmen, Fig. 222. Pelosaurus laticeps, Credner, aus dem permischen Kalkstein von Niederhäß- lich bei Dresden. (Nach H. Credner.) 296 Die Stämme der Wirbeltiere. Lebach bei Saarbrücken u. a. Orten Deutschlands, sowie im Perm Frankreichs (Autun). 1 Pelosaurus. — Kopf sehr groß, Adlacrymale noch vorhanden, das bei Branchiosaurus fehlt. — Perm von Deutschland und Frank- reich. 2 (Fig. 222.) Melanerpeton. — Tiefer Otikalschlitz vorhanden, Hinterhaupt weit zurückspringend. — Perm von Sachsen, Böhmen und Mähren. 3 Micrerpeton. — Oberkarbon von Illinois. 4 Pelion. — ■ Ein einziges Exemplar aus dem Oberkarbon von Linton in Ohio bekannt. Oberarm und Oberschenkel sehr lang, Hand vier- fingerig, Wirbel unvollkommen verknöchert, Schädeldach breit, vorn breit abgerundet. Schwanz unbekannt, aber wahrscheinlich kurz. 5 F. Acanthostomatidae. Verhältnismäßig große Formen von salamanderartiger Körper- gestalt. Schädeldach breit, flach, vorn breit abgerundet, skulpturiert; Augenhöhlen in der hinteren Hälfte des Schädeldaches gelegen, Nasen- öffnungen durch weiten Zwischenraum getrennt, in der Mitte zwischen ihnen ein großes Cavum internasale. Prämaxillare, Supramaxillare, Vomer, Palatinum, Transversum bezahnt, und zwar stehen auf den drei letztgenannten Knochen einzelne größere Fangzähne (nach 0. Jaekel). Acanthostoma. — Perm von Niederhäßlich bei Dresden. 6 1 H. Credner, Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rotliegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden. ■ — Zeitschrift der Deutschen Geolog. Ges., 1881, p. 303, 575; 1883, p. 275, 277; 1886, p. 576. A. Fritsch, Fauna der Gaskohle, usw., — 1. c, I. Bd., p. 69. A. Thevenin, Les plus anciens Quadrupedes de la France. — Ann. de Paleont., T. I, Paris 1906. 2 H. Credner, 1. c, V. Teil, 1885, p. 706; III. Teil, 1883, p. 214. 3 H. Credner, 1. c, IV. Teil, 1883, p. 289; V. Teil, 1885, p. 694. 4 R. L. Moodie, The Dawn of Quadrupeds in North America. — The Populär Science Monthly, Vol. LXXII, 1908, p. 558. Derselbe, The Lateral Line System in Extinct Amphibia. — Journal of Mor- phology, Vol. XIX, 1908, p. 511. — The Ancestry of the Caudate Amphibia. — American Naturalist, Vol. XLII, 1908, p. 361. — The Carboniferous Amphibia of North America. ■ — Transactions of the Academy of Kansas, Vol. XXII, 1909. 5 J. Wyman, On Some Remains of Batrachian Reptiles discovered in the Coal Formation of Ohio. — The American Journal of Science and Arts (2), Vol. XXV, 1858, p. 158. R. L. Moodie, The Dawn of Quadrupeds etc. — 1. c, p. 562. 6 H. Credner, Die Stegocephalen und Saurier usw., 1. c, IV. Teil, Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges., XXXV. Bd., 1883, p. 277. Amphibia (Lurche). 297 IV. Ordo: Pseudocentrophori (nov.). Die systematische Abgrenzung dieser Gruppe ist bisher sehr un- sicher gewesen. Ich vereinige in dieser Gruppe alle jene Formen, welche keine Blattwirbel mehr besitzen, wie die Branchiosauriden, sondern Vollwirbel mit Pseudozentren , wie sie auch für die Urodelen kennzeichnend sind. Aus denselben Gründen, die für die Einreihung der Phyllospondyli in die Stegocephalen maßgebend sind, sind auch die in der Gruppe der Pseudocentrophori zusammengefaßten Familien der Ceraterpetontiden, Ptyoniden, Ophiderpetontiden, Molgophiden und Phlegethontiiden den Stegocephalen anzugliedern. Die primitivsten Formen enthält die Familie der Ceraterpetontiden, soweit dies die Spezialisation der Gliedmaßen betrifft. Sie sind hier noch wohlentwickelt (z. B. bei Ceraterpeton Galvani), werden aber schon bei den jüngeren Gattungen der Familie (Diplocaulus) rudi- mentär, sind auch bei den Ptyoniden stark reduziert und bei den Ophi- derpetontiden, Molgophiden und Phlegethontiiden gänzlich verloren ge- gangen. Mit der Reduktion der Gliedmaßen geht die Längenzunahme des bei den Ceraterpetontiden und Ptyoniden sehr stark komprimierten Schwanzes Hand in Hand; dabei gehen aber die hohen oberen und unteren Dornfortsätze, welche für diese beiden Familien sehr bezeichnend sind, verloren, und bei den gänzlich fußlos gewordenen Ophiderpetontiden, Molgophiden und Phlegethontiiden (= „Aistopoda") sind die unteren Dornfortsätze ebenso wie die oberen zu schwachen Kielen verkümmert und der ganze Wirbel infolge noch hinzutretender Reduktion der Quer- fortsätze sanduhrförmig geworden. Diese Veränderungen müssen durch eine Änderung der Bewegungsart und des Aufenthaltsortes bei den fußlos gewordenen Formen im Gegensatz zu den Ceraterpetontiden und Ptyoniden bedingt sein. Die beiden letzteren Familien waren Wasserbewohner und haben einen Ruderschwanz besessen, während die fußlos gewordenen Formen eine Lebensweise wie die lebenden Blindwühlen geführt haben müssen, die im erwachsenen Zustande Landtiere sind und sich in den Boden einwühlen. Der stark ver- breiterte Schädel von Diplocaulus spricht in Verbindung mit den auf die Dorsalseite des Schädeldaches verschobenen Augen dafür, daß diese Tiere auf dem Grunde von Gewässern lebten. F. Ceraterpetontidae. Langgestreckte Formen mit kleinen, bei den höchstspezialisierten Gattungen (Diplocaulus) rudimentär gewordenen Extremitäten. Die Augen des dorsoventral abgeplatteten Schädels liegen auf der Ober- seite desselben; nur bei Batrachiderpeton ist der Schädel gewölbt und 298 Die Stämme der Wirbeltiere. die Augen liegen auf den Seiten des- selben. Bei allen Gattungen dieser Familie ist der Schädel an den Hinter- ecken in Hörner ausgezogen, die bei den verschiedenen Gattungen aus verschie- denen Elementen bestehen. Bei Cera- terpeton springt der Seitenrand des Schädeldaches bis zum Quadratojugale nach außen vor, wendet sich dann nach einwärts, bildet eine Einbuchtung und wendet sich dann noch einmal nach hinten, wo das Tabulare als spitzer Kegel ziemlich weit nach hinten vor- springt. Bei Batrachiderpeton ist das Schädeldach gewölbt, so daß in der Oberansicht die Bucht zwischen Qua- dratojugale und Squamosum nicht sicht- bar ist, sondern nur in der Seiten- ansicht; sie ist hier bedeutend kleiner als bei Ceraterpeton, während das weit nach hinten vorspringende Hörn nicht nur vom Tabulare, sondern auch vom Squamosum gebildet wird. Bei Diplo- caulus ist das Hörn noch größer ge- worden und außer dem Tabulare und Squamosum auch noch das an den Außenenden verzerrte Dermosupraocci- pitale und das Parietale jederseits in die Bildung des „Horns" miteinbezogen Fig. 223. Ceraterpeton Galvani, Huxley. Oberkarbon von Castlecomer bei Kükenny, Irland. Ventralansicht des Skelettes in nat. Gr. (Nach A. Smith Woodward.) fr. ptn. orb. md. cl. i. cl. sc. x. r. u. fe- t. n- I.— V. = Frontale (das Schädeldach ist von unten her bloßgelegt, da die Schädelbasis weggebrochen ist). = Foramen parietale. = Orbita. = Unterkiefer. = Clavicula. Interclavicula. = Scapula. Coracoid oder Humerus. = Radius. = Ulna. = Femur. = Tibia. = Fibula. = 1. — 5. Zehen- bzw. Fingerstrahl. Amphibia (Lurche). 299 worden. Bei Diceratosaurus ist die Bildung des „Horns" durch die Verschmelzung von Tabulare, Squamosum und Postorbitale zustande gekommen. 0. J aekel hat dieses aus verschiedenen Deckknochen ver- schmolzene Hörn als „Perisquamosum" bezeichnet. Ob bei Scincosaurus derartige Hörner vorhanden waren, ist noch zweifelhaft und darum auch die systematische Stellung dieser Gattung unsicher. Der Bau der Wirbel würde allerdings für eine Einreihung in die Familie sprechen. Die Wirbel der Ceraterpetontiden unterscheiden sich im Rumpf- abschnitt und Schwanzabschnitt sehr bestimmt durch das Verhalten der Neurapophysen und der Hämapophysen. Nur im Schwanzabschnitt treten lange, meist an ihren distalen Enden fächerförmig verbreiterte untere Dornfortsätze (Hämapophysen) auf, welche ebenso wie die di- stalen Enden der Neurapophysen gekerbt zu sein pflegen. Die Neura- pophysen der Schwanzwirbel sind immer sehr hoch; bei den Dorsal- wirbeln ist es nur mit Ausnahme von Diplocaulus ebenso. Die Sakral- region ist durch eine abweichende Gestalt der Wirbel sehr genau ge- kennzeichnet; besonders deutlich ist dieser Formunterschied des Sakral- wirbels bei Diplocaulus. Der Brustschultergürtel der Ceraterpetontiden ist kräftig, aber die Arme sind kurz und schwach; die Hände sind vierfingerig 1 und klein. Ebenso sind auch die Hinterbeine sehr zart; bei Diplocaulus sind beide Gliedmaßenpaare rudimentär, das hintere mehr als das vordere. Hand- und Fußwurzel waren unverknöchert. Ceraterpeton. — Kleine molchartige Type mit außerordentlich verlängertem Schwanz, der die dreifache Rumpflänge aufweist. 15 bis 20 Präsakralwirbel, etwa 75 Schwanzwirbel vorhanden. Schädeldach breitdreieckig, vorn gerundet. Körperlänge 18 — 20 cm. — Oberkarbon von Kilkenny (Irland) und Staffordshire (England). 2 C. Galvani (F.'g. 223). Diceratosaurus. — Größer als die vorgenannte Gattung. Schwanz beträchtlich verlängert, bis zu 100 Wirbel. 12 Präsakralwirbel. Die Dorn- fortsätze der Rumpfwirbel tragen skulpturierte Verbreiterungen, welche als Träger von Hautknochen dienten. Die Querfortsätze der Dorsal- wirbel sind sehr lang, die Rippen einköpfig und kräftig. Zygosphen und Zygantrum vorhanden. Schädel breit, flach, Augen groß, ganz auf der Dorsalseite des Schädeldaches gelegen, Schnauze vorn breit abgestutzt. Hörner des Schädeldaches aus dem Postorbitale, Squa- 1 Dies ist bei Ceraterpeton Galvani nach den Abbildungen von A. Smith- Woodward vollkommen sicher. Die von Jaekel beschriebene fünffingerige Hand von Diceratosaurus ist der Hinterfuß. Die von Fritsch für Scincosaurus angenom- mene fünffingerige Hand ist rekonstruiert. 2 A. Smith Woodward, Ceraterpeton Galvani, Huxley. — Geological Maga- zine (4), Vol. IV, 1897, p. 293. 300 Die Stämme der Wirbeltiere. N. Na. l'mx. La. Smx. Fo.pa. >orb. + Sq. + Tb Dso. Fig. 224. Schädeldach von Diceratosaurus punctolineatus, Cope, aus der Karbonformation von Linton, Ohio. */i na t- Gr. (Nach O. Jaekel, 1903; Bezeichnungen der Knochen zum Teil abgeändert.) Orb. = Orbita. Pa. = Parietale. Pmx. = Praemaxiliare. Adl. = Adlacrymale. Dso. = Dermosupraoccipitale. Fo. pa. = Foramen parietale. Fr. = Frontale. Ju. = Jugale. La. = Lacrymale. N. = Nasenöffnung. Na. = Nasale. Pof. = Postfrontale. Porb. + Sq. + Tb. = Postorbitale + Squamosum + Tabulare. Qj. = Quadratojugale. Smx. = Supramaxillare. Amphibia (Lurche). 301 mosum und Tabulare gebildet. — Oberkarbon von Union, Ohio. 1 D. punctolineatus (Fig. 224). Scincosaurus. — Systematische Stellung unsicher, weil noch ungenügend untersucht. Schwanzwirbel mit quadratisch verbreiterten, J'mx. Porb. Tab Fig. 225. Dorsalansicht des Schädeldaches von Batrachiderpeton lineatum, Hanc. et Atth., aus dem Oberkarbon Englands, in \ 1 / 2 nat. Gr. (Nach D. M. S. Watson, 1913.) Adl. = Adlacrymale. Orb. = Orbita. Dso. = Dermosupraoccipitale. Pa. = Parietale. Fr. = Frontale. Pmx. = Praemaxillare. Fo. pa. = Foramen parietale. Pof. = Postfrontale. La. = Lacrymale. Porb. = Postorbitale. N. = Nasenöffnung. Srnx. = Supramaxillare Na. = Nasale. Tab. = Tabulare. an den distalen Kanten gekerbten oberen und unteren Dornfortsätzen. Schädeldach breit, flach, von halbeiförmigem Umriß. Bauchseite be- 1 O. Jaekel, Über Ceraterpeton, Diceratosaurus und Diplocaulus. Jahrb. f. Min. usw., 1903, I. Bd., p. 109. Neues 302 Die Stämme der Wirbeltiere. schuppt. Carpus und Tarsus verknöchert. — Oberkarbon von Nür- schan in Böhmen. 1 S. crassus (Fig. 181). Pmx. Cho. IX., X. Fig. 226. Unterseite des Schädels von Batrachiderpeton lineatum, Hanc. et Atth., Oberkarbon Englands, lV a nat. Gr. (Nach D. M. S. Watson, 1913.) Co. = Condylus occipitalis. Q. Cho. = Choane. Qf. Dso. = Dermosupraoccipitale. Smx. Op. = Opisthoticum. Tab. Pal. = Palatinum. Vo. Pas. - Parasphenoid. IX., X. Pmx. = Praemaxillare. Pier. = Pterygoid. = Quadratum. = Quadratojugale. = Supramaxillare. = Tabulare. = Vomer. = Austrittsstellen des IX. und X. Schädelnerven. Batrachiderpeton. — Schädeldach dreieckig, schwach gewölbt; Augen an den Seitenflächen des Schädels gelegen. Prämaxillare, Supra- 1 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Perinformation Böhmens. — II. Bd., 1885. H. Schwarz, Über die Wirbelsäule und die Rippen holospondyler Stego- cephalen (Lepospondyli Zitt.). — Beiträge zur Geol. und Paläont. Öst.-Ung. u. d. Orients, XXI. Bd., Wien 1908, S. 88. Amphibia (Lurche). 303 maxillare, Palatinum, Vomer und Pterygoid bezahnt. Unterkiefergelenke und Hinterhauptsgelenke ungefähr in derselben Linie gelegen, Schädel- dach nach hinten beiderseits in je ein großes, spitzes Hörn ausgezogen, das hauptsächlich vom Tabulare und zu einem kleinen Teile auch vom Squamosum gebildet wird. Brustschultergürtel kräftig, Interclavicula breit, scheibenförmig; die breiten Claviculae treten mittels eines spitzen Fortsatzes mit den T-förmigen Cleithren in Verbindung. Gliedmaßen und Wirbel unbekannt. — Oberkarbon Englands. 1 B. lineatum (Fig. 225, 226). Diplocaulus. — Hochspezialisierte Gattung. Der Schädel ist sehr niedrig, dabei sehr stark verbreitert und an den hinteren Außen- ecken in lange Hörner ausgezogen. Die Augenhöhlen sind klein und liegen auf der Oberseite des Schädeldaches nahe beieinander. Die Nasen- öffnungen sind ebenfalls sehr klein und liegen am Vorderrande des Schädeldaches. Das Foramen parietale ist bei jungen Individuen offen, bei erwachsenen geschlossen. Die durch die beiden Unterkiefergelenke des Schädels gelegte Linie liegt weit vor den Kondylen des Hinter- hauptes. Außer den Kieferknochen sind die Vomeres, Palatina und der vordere Teil der Transversa mit kleinen Zähnen besetzt. Das Para- sphenoid ist stark in die Länge gestreckt; es trennt die beiden medio- palatinalen Gruben. Das Postorbitale ist vorhanden und wird von folgenden Knochen. begrenzt: Postfrontale, Jugale, Squamosum, Parietale und gelegentlich auch vom Quadratojugale. Wirbel einheitlich, amphi- zöl, jederseits mit zwei Gelenkfortsätzen für die zweiköpfigen Rippen, mit Zygosphen und Zygantrum. 16 präsakrale Wirbel, ein Sakralwirbel, wahrscheinlich eine größere Zahl von Schwanzwirbeln, die aber nur zum Teile bekannt sind. Die präsakralen Wirbel unterscheiden sich in ihrer allgemeinen Form sehr bestimmt vom Sakralwirbel, dessen Ventralseite eine tiefe Aushöhlung trägt; er steht mit seinem verdickten und rauhen Hinterende durch eine zahnförmig verlaufende Sutur mit dem ersten Schwanzwirbel in Verbindung. Der 18. Wirbel (1. Schwanzwirbel) trägt zuerst hohe Dornfortsätze, und zwar eine Neurapophyse und eine Häma- pophyse, deren distale Enden verbreitert und gekerbt sind. Brust- schultergürtel stark, aber die Arme reduziert; noch stärker reduziert sind jedoch die Hinterbeine. Die Schwanzregion scheint auf der Dorsal- seite und auf der Ventralseite mit Panzerplatten bedeckt gewesen zu sein, da der 18. Wirbel in ähnlicher Weise wie bei Diceratosaurus skulp- turierte Verbreiterungen an den distalen Enden der Dornfortsätze trägt. Der Humerus besitzt ein Foramen entepicondyloideum. 1 D. M. S. Watson, Batrachiderpeton lineatum Hancock & Atthey, a Coal- Measure Stegocephalian. — Proceed. Zool. Soc. London, 1913, p. 949. 304 Die Stämme der Wirbeltiere. Nur aus dem Perm von Texas, Illinois und Oklahoma bekannt. (Fig. 183, 227, 228.) F. Ptyonidae. Schädel langgestreckt, dreieckig, mit spitz zulaufender Schnauze, ohne Hörnerbildung an den hinteren Außenecken des Schädeldaches. Augenhöhlen auf der Dorsalseite - gelegen, Nasenlöcher groß. Glied- maßen schwach entwickelt, verkümmert, während der Schwanz außer- ordentlich verlängert ist (bis zu 80 Wirbel bei Urocordylus). Dorn- fortsätze der Schwanzwirbel fächerartig erweitert und gekerbt. Zyg- osphen und Zygantrum vorhanden. Urocordylus. - — Oberkarbon von Kilkenny (Irland) und Nür- schan (Böhmen). 1 Ptyonius. — Oberkarbon von Linton (Ohio) und Nürschan (Böhmen). 2 (Fig. 178, 179, 180.) Oestocephalus. — Oberkarbon von Linton (Ohio) und Nür- schan (Böhmen). 3 (Fig. 177.) F. Ophiderpetontidae. Körper sehr lang, blindwühlenähnlich, bis zu 100 Wirbel um- fassend. Querfortsätze der Wirbel sehr kräftig entwickelt, Rippen zweiköpfig. Rücken und Bauch gepanzert. Proximaler Abschnitt der Rippen auffallend verbreitert. Schädel unvollständig bekannt. Glied- maßen fehlen vollständig, ebenso der Brustschultergürtel. Ophiderpeton. — Oberkarbon von Kilkenny (Irland) und Nür- schan (Böhmen). 4 (Fig. 198, A.) Thyrsidium. — Oberkarbon von Linton (Ohio). 5 (Fig. 175.) 1 Th. H. Huxley, On a Collection of Fossil Vertebrata from the Jarrow Colli- ery of Kilkenny, Ireland. — Transactions Royal Irish Academy Dublin, Vol. XXIV, 1867, p. 353. H. Schwarz, Über die Wirbelsäule und die Rippen holospondyler Stego- cephalen (Lepospondyli Zitt.). — Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österreich- Ungarns und des Orients, XXI. Bd., 1908, S. 79. 2 E. D. Cope, Synopsis of the Extinct Batrachia from the Coal Measures. — Report of the Geol. Survey of Ohio, Palaeontology, II, 1875, p. 350. H. Schwarz, 1. c, p. 82. 3 E. D. Cope, 1. c, 1875, p. 366. H. Schwarz, 1. c. p. 86. 4 Th. H. Huxley, 1. c, 1867. A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — I. Bd., 1880, S. 119; IV. Bd., 1901, S. 88. H. Schwarz, 1. c. S. 67. 5 E. D. Cope, I. c, 1875, p. 365. H. Schwarz, 1. c, 1908, S. 70. Amphibia (Lurche). 305 SM) i> .e- CM l_l C O > o> x: u H •a x: o c/5 — a> o w Q <-> « Ü 2 w . ^ -a 3 H O 3 > Ol *! a» O a, o E^ a> • "O i— I 3 QJ aT oj Q. c O tu 1- > O *m> „ 03 n sf s S E . c C/5 £ n s o M C 3 l< X) X) < c n "-S 3 E> o .3 w x: Ig Abel, Stämme der Wirbeltiere. 20 306 Die Stämme der Wirbeltiere. £ s I c o > w> c 3 c J=. o a> N i_ O) 3 o> QJ ÖJO re •a c i- O -■"> c «*-« 1 *-'' 3 c • ä C/3 _CJ X 'S a> N H c o c > 3 « . c -<-> 00 i- CN1 «« O) CM r> •a 3 öi .5 E o ."ü P3 'S , V3 1— OJ -4-> H c D £ 3 s- N a> *a V- Ol c o X) > ~ 3 tu O Q. •+-> O cn U ^_ •* .M «3 c ^ l_ , o u ^ c . M C/3 re E Ol 3 3 CS o o 3 O > 'S •o :« J= cj CO Amphibia (Lurche). 307 F. Molgophidae. Wie'die vorige Familie, aber Wirbel mit starker Seitenleiste; Rippen sehr kräftig. Schuppen fehlen. Molgophis. — Oberkarbon von Linton (Ohio). 1 (Fig. 198, B.) F. Phlegethontiidae. Fußlos und blindwühlenähnlich wie die beiden vorhergehenden Familien, aber Rippen sehr schwach verknöchert, fischgrätenartig, Hautschuppen sehr zart oder fehlend; Wirbel an der Ventralseite mit überzähligen, paarigen Gelenkfortsätzen (Infrapräzygapophysen [noin. nov.] und Infrapostzygapophysen [nom. nov.]), Querfortsätze schwach entwickelt. Die Ventralseite des Wirbelkörpers trägt einen medianen Kiel. Phlegethontia. — Die akzessorische Wirbelverfestigung wird durch einen medianen Zapfen verstärkt, der am Hinterrande der Neurapophyse steht (das Zygosphen steht sonst am Vorderrande der Neurapophyse), und der als Hyposphen bezeichnet wird, das sich in eine entsprechende Vertiefung (Hypantrum) am Vorderrande des hinten anschließenden Wirbels einfügt. Der obere Dornfortsatz (Neurapophyse) ist sehr niedrig und gerade abgestutzt. — Oberkarbon von Linton (Ohio). 2 (Fig. 182.) Dolichosoma. — Schädel relativ schmal, dreieckig, Schnauze spitz zulaufend. Unterkiefer lang, schlank. Der langgestreckte, blind- wühlenförmige Körper enthält angeblich bis zu 150 Wirbel, deren untere Gelenkfortsätze stärker entwickelt sind als bei der vorher besprochenen Gattung. Während aber dort außer den normalen Zygapophysen und Zu Fig. 22£ At. = Atlas. Par. = Parapophyse. Cho. = Choane. Pal. = Palatinuffi. Diap. = Diapophyse. Pmx. = Praemaxillare. Dso. = Dermosupraoccipitale. Psph. = Parasphenoid. Exo. = Exoccipitale. Pte. = Pterygoid. G. = Gaumengrube (Fenestra pala- Q. = Quadratum. tinalis). Ql- = Quadratojugale. Hu. = Humerus. R. = Rippe (zweiköpfig). Md. = Unterkiefer. Smx. = Supramaxillare. Mg.I. = Muskelgrube für den M. Ad- Sq. = Squamosum. ductor mandibulae. Tab. = Tabulare. Mg. II. = Muskelgrube für den M. Re- Tr. = Transversum. tractor mandibulae. Vo. = Vomer. Orb. = Orbita. Z. = Zahnreihe des Oberkiefers 1 E. D. Cope, 1. c, 1875, S. 365. H. Schwarz, 1. c, 1908, S. 73. 2 E. D. Cope, 1. c, 1875, S. 367. H. Schwarz, 1. c, 1908, S. 74. 20' 308 Die Stämme der Wirbeltiere. den überzähligen Infrazygapophysen noch ein Hyposphen vorhanden ist, fehlt hier das letztere. Die Wirbel sind sehr gleichförmig gebaut. Bei einigen Arten sind Schuppen vorhanden. — Oberkarbon von Kjlkenny (Irland) und Nürschan (Böhmen). 1 (Fig. 184.) mi, /!'W- Fig. 229. Rekonstruktion von Micro- brachis Pelikani Fr., aus der oberkarbonen Gaskohle von Nürschan (Böhmen), in nat. Gr. (Original.) die halbe Rumpflänge Arme sind viel stärker auf der Oberseite des V. Ordo: Gastrocentrophori (nov.). Nur bei einem kleinen Teile der fossilen Amphibien ist ein Wirbeltypus vorhanden, der für die Amnioten die ausschließliche Regel bildet und der dadurch gekennzeichnet ist, daß die Hauptmasse des Wirbelzentrums aus den Inter- ventralia aufgebaut ist, welche das „Gastro- zentrum" bilden. Die Basiventralia sind als selbständige Hämapophysen entwickelt und treten mit dem Wirbelkörper nur in lockere Verbindung. Trotz dieses übereinstimmenden Wirbelbaues der Amnioten und dieser wenigen Gattungen, die in der Gruppe der Stego- cephalen als selbständige Ordnung unterschie- den werden müssen, können die bisher be- kannten Formen dieser Ordnung nicht als un- mittelbare Vorfahren der Reptilien angesehen werden, da sie einseitig spezialisiert sind. Alle hierher gehörigen Gattungen besitzen einen langgestreckten Körper und einen sehr kurzen Schwanz, der höchstens die halbe Rumpflänge erreicht. Die Gattung Microbrachis ähnelt in ihrer allgemeinen Körperform außerordentlich der lebenden Gattung Amphiuma (Aalmolch), kann aber wegen ihres abweichenden Wirbel- baues nicht als Vorfahrentype dieser Gruppe der lebenden Amphibien in Betracht kommen. F. Microbrachidae. Kleine, schlanke, an Amphiuma erinnernde Formen mit sehr kurzem Schwanz, der kaum erreicht und verkümmerten Extremitäten; die reduziert als die Hinterbeine. Die Augen liegen skulpturierten Schädeldaches und stehen weit i Th. H. Huxley, 1. c, 1867. H. Schwarz, 1. c, 1908, S. 76. (Hier die weitere Literatur.) Amphibia (Lurche. 309 vorn. Rumpfrippen schwach gebogen, zweiköpfig. Bauchschuppen vor- handen. Der Schwanz ist konisch verjüngt, nicht komprimiert, und somit kein Ruderschwanz wie z. B. bei den Ptyoniden; die kleinen Tiere sind wahrscheinlich ebenso wie Amphiuma Schlammwühler gewesen. Microbrachis. — Oberkarbon von Nürschan (Böhmen). 1 (Fig. 176,229.) F. Hylonomidae. Von der vorhergehenden Familie wenig verschieden, vielleicht mit ihr zusammenfallend. Hylonomus. — Oberkarbon von South Joggins (Neuschottland), Oberkarbon von Nürschan und Kounova (Böhmen), Perm von Nieder- häßlich bei Dresden. 2 F. Limnerpetontidae. Wie die vorhergehende Familie kaum von den Microbrachiden zu trennen. Limnerpeton. — Oberkarbon, Nürschan. 3 Amphibamus. — Oberkarbon, Illinois. 4 1 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — I. Bd., 1883, S. 174. H. Schwarz, Über die Wirbelsäule und die Rippen holospondyler Stegocephalen (Lepospondyli Zitt.). — Beiträge zur Paläontologie und Geologie Österr.-Ungarns u. d. Orients, XXI. Bd., Wien 1908, S. 91. O. Jaekel, Über die Klassen der Tetrapoden. — Zool. Anzeiger, Bd. XXXIV, 1909, S. 206, 208, 209. (Zu der Diagnose der Haplosauri ist zu bemerken, daß Micro- brachis einen auffallend kurzen Schwanz besitzt, während für diese Gruppe nach O. Jaekel ein langer Schwanz bezeichnend sein soll.) Derselbe, Die Wirbeltiere. — Berlin 1911, S. 119. 2 J.W. Dawson, On a terrestrial Mollusk, a Chilognathus Myriapod, and some New Species of Reptiles from the Coal-Measure of Nova Scotia. — Quart. Journ. Geol. Soc, Vol. XVI, 1860, p. 274. Derselbe, On the Results of Recent Explorations of Erect trees containing Animal Remains in the Coal Formation of Nova Scotia. — Philos. Transactions Roy. Soc, London, Vol. CLXXIII, Part. 2, 1882, p. 621. A. Fritsch, Fauna der Gaskohle uws., I. Bd., 1883, S. 88. H. Credner, Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rotliegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden. — Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges., 1885 (V. Teil, S. 724) und 1890 (IX. Teil, S. 240). H. Schwarz, 1. c, 1908, S. 98. 3 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle usw., I. Bd., 1883, S. 147. 4 E. D. Cope, On Amphibamus grandiceps, a New Batrachian from the Coal- Measures. — Proc. Acad. Nat. Sei., Philadelphia, 1865, p. 134. Derselbe, Supplement to the Description of Vertebrates. — Geol. Survey Illinois, Vol. II, 1866, p. 135. R. L. Moodie, The Dawn of Quadrupeds in North America. — The Populär Science Monthly, Vol. LXXII, 1908, p. 563. Derselbe, The Mazon Creek, Illinois, Shales and their Amphibian Fauna. — Amer. Journ. Science, Vol. 34, 1912, p. 277 (Übersicht der Amphibienfauna der Mazon Creek Shales). 310 Die Stämme der Wirbeltiere. Incertae sedis. Gephyrostegus. — Diese Gattung von unsicherer systematischer Stellung, die in einem Exemplar aus der oberkarbonen Gaskohle von Nürschan vorliegt, ist durch die seitliche Aushöhlung des Schädels an der Stelle der Temporalgruben und der Verdünnung der Schädelwand sq Jsq r^jTS Pmx Ang Fig. 230. Seitenansicht des schief zusammengedrückten und daher auch die Oberseite des Schädeldaches zeigenden Schädels von Gephyrostegus bohemicus, Jaekel, aus dem obersten Karbon der Gaskohle von Nürschan in Böhmen, in 2 /s nat. Gr. (Zeichnung von O. Jaekel, Deutung der Knochen im folgenden zum Teil abgeändert.) Ang. = Angulare. Prf. = Lacrymale. Dt. = Dentale. Psq. = Squamosus. Ep. = Tabulare. Ptf. = Postfrontale. Jsq- = Intertemporale (darunter Qi- = Quadratojugale. liegt das Postorbitale). Sang. = Supraangulare. La. = Adlacrymale. So. = Dermosupraoccipitale. n. = Nasenöffnung. Spl. = Spleniale. Na. = Nasale. sq. = Supratemporale (zwischen bei Pmx. = Praemaxillare. den liegen die Parietalia). Pr. = Frontale. an den eingebuchteten Stellen bemerkenswert. Die von Jaekel ge- äußerte Vermutung, daß diese Gattung einen Übergangstypus zu den Reptilien darstellt, ist jedoch unhaltbar, weil die Temporalgruben der Reptilien auf einem anderen Wege entstanden sind. 1 (Fig. 230.) Chenoprosopus. — Perm (Miller Bone-Bed) von Neumexiko. — Bisher nur der Schädel bekannt; es ist noch nicht möglich gewesen, 1 O. Jaekel, Über einen neuen paläozoischen Tetrapodentypus, Gephyro- stegus bohemicus, n. g. n. sp. — Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges., LIV. Bd., 1902, S. 127. Derselbe, Die Wirbeltiere, 1. c, 1911, S. 137. Amphibia (Lurche). 311 diese eigentümliche Type einer der bisher bekannten Familien oder größeren systematischen Abteilungen der Stegocephalen einzureihen. M. G. Mehl (1913) stellt die Gattung zu den Rhachitomen, hebt aber gewisse Reptilienmerkmale und scharfe Unterschiede der Gaumenregion im Vergleich zu den Rhachitomen hervor 1 ; S. W. Williston (1916) reiht Chenoprosopus der Familie der Cricotidae ein 2 (Fig. 231.) Fig. 231. Chenoprosopus Milleri, Mehl; aus dem Permokarbon am Poleo Creek bei Arroyo de Agua (Neumexiko). A: Schädel von links, B: von oben gesehen. Schädel- länge 288mm. (Nach M. G.Mehl, 1913.) II. Unterklasse: Anura (Froschlurche). Allgemeine Kennzeichen des Stammes. Das hervorragendste Kennzeichen aller Angehörigen des ganzen - Stammes ist der im erwachsenen Zustande schwanzlose 8 , gedrungene Körper, dessen Schwanzwirbel zu einem dolchförmigen, in der Mittel- 1 M. G. Mehl, Description of Chenoprosopus Milleri gen. et spec. nov. (In: E.C.Case, S. W. Williston and M.G.Mehl, Permo-Carboniferous Vertebrates from New Mexico.)— Carnegie Institution of Washington, Publ. 181, Washington 1913, p. 11. 2 S. W. Williston, Synopsis of the American Permocarboniferous Tetrapoda. Contributions from Walker Museum, Vol. I, Nr. 9, Chicago 1916, p. 209. 3 Nur bei dem Discoglossiden Ascaphus Truei aus Nordamerikas tritt, wie mir mein Freund Professor Dr. F. Werner mitteilt, im erwachsenen Zustande ein ziem- lich langes Schwanzrudiment auf, das bei drei erwachsenen d 1 beobachtet worden ist und somit keine zufällige atavistische Bildung darstellt. 312 Die Stämme der Wirbeltiere. ' 2 >, 2! = et- o O o- cp 2 2 cp 13 -r c« c/> TD Jr a — 3 a> 3 n 2 3 S) 3+3 *E O. 03 • i tri -o.©© Co -q * + ? § "0 "* CO r> 3* 03: Q. 2. < o 3 03 3 03 < o 3 C er IT 3 DO < o 3 3 3 !-+- D. ^ n ■/. n — a 3 II II II II II II II II -»o£o33"3ro Q. O o o 03_ co' 03 _. ~ ~t -t 3 CTO S"H. g » » o 2. + ST 3 «2. § e P- r >=•• 3 3 3 CO o 2. ^ C/3 V. C/j 13 • 03 "t" £L "■E CTO 03 * **** a- > 3 £13 »"■. ' ' Q. >•«< IT o ■n» -1 *t II J || II II II CO O: ^ CO 13 *D < c g 3" 3> ^- 03 -l 5£_ C 03: 3 .. -3 03 5 3 3 r+ — 1 ?r ^_ ■-■ 3 3 rt - ^ v it <—►■ O 2 3 ii 3 H rD -n <-**"*" 2 it 3: *-. O Q* TJ IT 3 1 J*>0 ■ Öq' cfö' Q.~ 3 co' ir" 3 Cß Q. 3 D. fD o. *r" «T 3 3 H «i&t^ m Fig. 240. Fig. 241. Schädel von Hemiphractus scutatus, Spix. Schädel von Ceratohyla fasciata, Peters. Beide etwas gedreht, so daß sie von links und ein wenig von oben gesehen erscheinen. Beide Schädel sind noch von der Haut bedeckt. (Nach J. E. V. Boas.) d. = Schädeldach. je. ■■- Fenster im Schläfendach. o. = Orbita. /. Trommelfell. Von Einzelheiten ist das Vorhandensein eines Septomaxillare (= Intranasale, Gaupp, 1896) im Schädel von Rana hervorzuheben, das sich aber wahrscheinlich auch bei vielen anderen Anuren nach- weisen lassen dürfte. Die Fenestra ovalis (= F. vestibuli) der Ohrkapsel wird durch eine ovale Knochenplatte, das Operculum, verschlossen, mit welcher ein dünnes Stäbchen, das Plectrum, in Verbindung steht. Oper- culum und Plectrum sind Teile des Stapes (= Columella auris), dessen distales Ende mit dem Trommelfell in Verbindung tritt, das in einem Knorpelring (Annulus tympanicus) ausgespannt ist. 1 1 E. Gaupp, Anatomie des Frosches, 3. Abt., 2. Aufl., Braunschweig, 1904, S. 679. 318 Die Stämme der Wirbeltiere. Wirbelsäule und Rippen der Anuren. Der Aufbau des Wirbels der Anuren ist von dem der übrigen Am- Pr. spin, Proc. trans. Praezyg. Postzyg. phibien durchaus verschieden; er bildet den notozentralen Typus (s. oben), d. h. die Wirbel umfassen in der Regel nur drei Paar Bogen- elemente (die Interventralia sind verloren gegangen) oder, wenn auch die Basiventralia (z. B. bei Pipa und Bombinator) verloren gehen, nur zwei Paare (Basidorsalia und Inter- dorsalia), von denen die Interdorsalia als Notozentrum die Hauptmasse des Wirbelkörpers bilden. Jeden- falls geht dieser Wirbeltypus auf einen primitiven rhachitomen Ty- pus zurück. Als ,, Halswirbel" kann man nur den ersten, an den beiden Con- dyli occipitales des Hinterhauptes einlenkenden bezeichnen, der jedoch mit dem Atlas der Reptilien, Vögel und Säugetiere nicht homolog ist (H. Gadow, 1896); dies hängt da- mit zusammen, daß den Amphibien der XII. Schädelnerv (i. e. aus dem Schädel austretende Nerv) fehlt. Der XII. Schädelnerv der Amnioten ist dem ersten Spinalnerven der Amphibien homolog und erst später in das Schädelinnere einbezogen worden. Außer dem einzigen Halswirbel liegen zwischen dem Schädel und dem Sacrum, das in der Regel von einem, selten von zwei (Pelobates, Pipa, Hymenochirus) Wirbeln ge- bildet wird, meist 7 Wirbel, -so daß wir meist 8 präsakrale Wirbel bei den Anuren antreffen (bei Pelobates fuscus 9, bei Pipa 7, bei Hymeno- chirus 5). Das Steißbein (Coccyx = Os coccygeum) ist aus der Fig. 242. Wirbelsäule von Rana esculenta, von oben gesehen. 2 /i nat. Gr. (Nach E. Gaupp.) i — 9 = Wirbel. Pr.spin. = Processus spinosus. Proc. trans. = Processus transversus. Praezyg. Praezygapophyse. Postzyg. = Postzygapophyse. = Epiphysen. = Coccyx. Ep Cocc. Amphibia (Lurche). 319 weitgehenden Verschmelzung von 12 Schwanzwirbeln hervorgegangen (Fig. 242, 243). Freie Rippen sind nur an den vordersten Wirbeln der Disco- glossiden und bei den Larven der Aglossa nachgewiesen; die langen Querfortsätze (Processus transversi) der Anurenwirbel sind die Rudi- mente der Rippen (A. M. von Fejerväry, Verh. Zool. Bot. Ges. Wien, 1918, S. 114). Fig. 243. Skelett von Rana ridibunda Pallas. Tuldscha. (Nach O.Abel, 1912.) Brustschultergürtel und Vordergliedmaßen der Anuren. Der Brustschultergürtel der Anuren unterscheidet sich von dem der Stegocephalen vor allem durch das Fehlen eines Cleithrum, so- wie durch eine andere Anordnung der einzelnen, von den Stegocephalen ererbten Elemente. Dem Scapulare schließt sich ein zum Teile verkalkter, zum Teile knorpelig gebliebener Knochen, das Suprascapulare, an, das sich in starker Wölbung wie ein Schild um das Vorderende des Thorax auf dessen Dorsalseite legt und mit seinem ventralen Ende an das Scapulare stößt. Vom Ventralende des Scapulare zweigt nach vorn die Clavicula, nach hinten das Coracoid ab; die Clavicula verbindet sich mit dem Praecoracoid, das Coracoid mit dem Epicoracoid. Die Grenzen zwischen Praecoracoid und Epicoracoid sind nicht scharf zu erkennen, aber da in beiden Elementen beim erwachsenen Frosche getrennte Verkalkungen 320 Die Stämme der Wirbeltiere. auftreten, so ist ihre Selbständigkeit wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher. In der Mittellinie treten die Elemente des Brustbeinabschnitts mit dem Schultergürtel derart in Verbindung, daß sich vorn an die beiden Praecoracoidea das Episternum (ein unpaariger Knorpel- knochen, der mit der Interclavicula der Stegocephalen nicht homolog ist) und hinten an die beiden Epicoracoidea das Sternum (= Xiphi- sternum) anschließt. Beide Sternalelemente bleiben zum Teil knorpelig, so daß in ihnen eine Pars ossea von der Pars cartilaginea zu unter- scheiden ist (Fig. 244, 245). Im Armskelett fällt vor allem die vollständige Verschmelzung von Radius und Ulna zu einem einzigen Knochen auf, der aber die Herkunft aus zwei Elementen stets deutlich erkennen läßt. In der Hand ist der Daumen als Oriment entwickelt, das in Gestalt eines Griffels der Handflächenseite (Volarseite) des Carpale I. aufsitzt. An der Vorderseite des Metacarpale II. ist eine Tuberosität ausgebildet, die nur beim Männchen auftritt und als Muskelansatzstelle des in der Brunstzeit sehr stark werdenden Musculus abductor indicis longus dient. Die Carpalia III, IV, V sind untereinander verwachsen, das Radiale auffallend groß und an die Vorderseite der Hand verschoben (Fig. 246). Beckengürtel und Hintergliedmaßen der Anuren. Das Becken der Anuren unterscheidet sich von dem der Stego- cephalen vor allem durch die enorme Verlängerung der Ilia, ihre Lage zur Wirbelsäule und die Ausbildung des Coccyx, der sich in eine Grube auf der Oberseite der Ilia an ihrer hinteren Vereinigungsstelle hineinlegt. Ebenso wie die beiden Knochen des Unterarmes sind auch Tibia und Fibula miteinander vollständig in ihrer ganzen Länge verwachsen, doch ist die ursprüngliche Grenze beider Knochen durch eine Rinne (Sulcus intermedius) gekennzeichnet. Das Mittelstück besitzt eine Markröhre, die oberen und unteren Enden aber je zwei, so daß also die Wand zwischen beiden Knochen nur in der Mitte des Knochens fehlt. Im Tarsus sind Tibiale (= Astragalus) und Fibulare (= Cal- caneus) außerordentlich verlängert und repräsentieren in physiologischer Hinsicht einen Unterschenkel; die proximalen und distalen Enden beider Knochen werden von einer gemeinsamen Epiphyse umfaßt. Vor der ersten Zehe liegt ein Praehallux, ebenso wie der Daumen der Frösche ein Oriment, der die knöcherne Grundlage des Fersenhöckers am Innenrande des Froschfußes bildet und bei jenen Arten besonders stark entwickelt ist, welche mit ihren Hinterbeinen graben. Der Praehallux umfaßt ein Metatarsale und zwei Phalangen (Fig. 247). Amphibia (Lurche). 321 Fossile Überreste der Anuren. Obwohl die Anu- ren schon in früher Zeit von der Stamm- gruppe der Stegoce- phalen abgezweigt sein müssen, so fin- den sich doch die ältesten fossilen Ver- treter derselben erst in der Juraformation Spaniens und Nord- amerikas, bei denen die wesentlichen Anurenmerkmale in derselben Ausprä- gung wie bei den lebenden vorhanden zusein scheinen, so- weit die Erhaltung der Reste ein Urteil darüber zuläßt. Alle bisher be- kannten fossilen Anuren gehören dem Stamme der Pha- neroglossa an; die Mehrzahl dieser For- men sind Areiferen, nur ein kleiner Bruchteil gehört den Firmisterniern an. Die Kreidefor- mation hat bisher keine Anurenreste geliefert; im Tertiär sind sie häufiger und von zahlreichen Fundorten Europas bekannt. Im Eozän von Ostindien (bei Abel, Stämme der Wirbeltiere. CO C CO c CD i- 3 3 < O — z> cu «B *" C/3 i— cu CU Ö/J -•„ c« ^ &0 ._ +^ co co ü: b V-. — — CO CO 3 CU cu .5 > cu — i QJ CU -a ä es DO 5 - — , tu — cj tu :o D. C 2*2 3 QJ * r? Ö C p, U. C >- — « ~ u aj ii cj 3 .3 -w +J CO CO CO CO CO du He 3 °° . . . co co co co co cu «3 cu :0 .2 s- cu > sz CJ CO c-o OB C 1) CO cu !5 '5 cj CO 1* O CJ cO ¥ CO _cß O aj Oß 3 -3 o CO > «-» ert - CO :c0 -3 O if CJ S/J 3 CJ OCjtl 21 322 Die Stämme der Wirbeltiere. Bombay) und im Eozän Nordamerikas (Wyoming) sind vereinzelte Reste gefunden worden. Die fossilen Anuren verteilen sich auf folgende Familien 1 : I. Ordnung: Aglossa (Zungenlose). F. Xenopodidae (fossil unbekannt). F. Pipidae (fossil unbekannt). cm. c. in.— v, Fig. 246. Rechte Hand eines Männchens von Rana esculenta von der Volarseite. Vergrößert. Nach E. Gaupp (Bezeichnungen der Knochen teilweise abgeändert). u. = Ulnare. //. — V. = Finger II — V. i. = Intermedium. C. //. = Carpale II. r. = Radiale. C. III.— V. = Carpale III + IV + V. U. = Ulna. tnb. = Tuberosität des Metacar- R. = Radius. pale II zum Ansatz des /. = Oriment des Daumens Musculus abductor indicis (Metacarpale I). longus. II. Ordnung: Phaneroglossa (Zungenfrösche). Erste Reihe: Arcifera. F. Palaeobatrachidae. Palaeobatrachus Gaudryi Vidal (oberer Jura Spaniens). Verschiedene Arten aus dem Oligozän Oberitaliens und Deutsch- lands und aus dem Miozän Deutschlands und Böhmens. 1 In der folgenden Liste sind nur die wichtigsten Formen angeführt. Amphibia (Lurche). 323 F. Bufonidae. Eobatrachus agilis Marsh (oberer Jura [Como Beds] von Wyo- ming). Bufo serratus Filh. (alttertiäre Phosphorite des Quercy). G. Fi. G. Ti. IV. Fig. 247. Rechter Hinterfuß von Rana esculenta, Dorsalseite, in 2 /i na t Gr. Nach E. Gaupp. G. Fi. = Gelenkfläche für die Fibula. /.— V. = Zehe I— V. G. Ti. = Gelenkfläche für die Tibia. prh. = Praehallux. fib. = Fibulare. t. II. + III. = Cuneiforme II + III. üb. = Tibiale. Ep. = Epiphysen. t. I. ce. = Cuneiforme I. = Centrale. F. Discoglossidae. Protopelobates gracilis Bieb. (Oberoligozän Böhmens). Alytes Troscheli H. v. Mey. (Untermiozän von Rott bei Bonn). 21 324 Die Stämme der Wirbeltiere. Pelophilus Agassizii Tschudi (Obermiozän von Öningen). Latonia Seyfriedi H. v. Mey. (Obermiozän von Öningen). F. Pelobatidae. Pelobates Decheni Trosch. (Untermiozän von Rott bei Bonn). P. fuscus Wagl. (rezent, auch im deutschen Plistozän). F. Cystignathidae. Vertreter der lebenden Gattungen Ceratophrys und Lepto- dactylus im Plistozän Brasiliens. F. Hylidae (fossil unbekannt). F. Amphignathodontidae (fossil unbekannt). F. Hemiphractidae (fossil unbekannt). Zweite Reihe: Firmisternia. F. Ranidae. Oxyglossus pusillus Owen (Eozän von Bombay). Rana (zahlreiche Arten,- seit dem Alttertiär bekannt). F. Engystomatidae (fossil unbekannt). • III. Unterklasse: Urodela (Schwanzlurche). In der allgemeinen Körperform, im Bau des Schädels und der Gliedmaßen haben sich die Urodelen von den Stegocephalen weniger weit entfernt als die Anuren. Ein wesentliches Spezialisationsmerkmal liegt in der Reduktion des Schläfendaches, das bei den am höchsten spezialisierten Typen ganz verloren gegangen ist, so daß die die Schläfen- höhlen füllende Muskulatur freiliegt, während bei weniger hoch spezia- lisierten Typen zwei übereinanderliegende Schläfenfenster zur Aus- bildung gelangt sind, die an die entsprechenden Durchbrüche des Rep- tilienschädels erinnern (z. B. bei Diemyctilus viridescens). Vom Schädel- dach sind in der Regel noch die Nasalia, Lacrymalia, Frontalia, Parie- talia sowie die Kieferknochen übrig geblieben, während die Adlacrymalia sehr selten erhalten sind; auch die Supramaxillaria können ganz fehlen. Die Palatina treten sehr oft in feste Verbindung mit den Vomeres. Die Parietalia stoßen unmittelbar an die Exoccipitalia, so daß die Dermosupraoccipitalia und das Supraoccipitale unterdrückt erscheinen. Das Parasphenoid ist groß und breit, Quadratum und Squamosum verknöchert, aber das Quadratojugale zu einem Ligament reduziert. Die Pterygoidea sind groß und nehmen in einzelnen Fällen (z. B. Crypto- branchus und Megalobatrachus) einen großen Raum an der Basis der Schläfenhöhle ein. Die Basisplatte des Stapes (Operculum) ist ver- knöchert. Alle Zahnknochen können bezahnt sein. Ein Parietalforamen fehlt bei allen Urodelen (Fig. 248). Amphibia (Lurche). 325 CO o ~ cu "cu C/3 cö 5 3 Ol > cu 03 'X 3 '3 03 1— ■a 3 X 3 03 co e O £ - Q.3 S>< _ > 03 <-» . -^ cö X od co o Q ^ a -5 00 ■"CT SP CU C2 :0 •— CuO •— > CD CO 03 aj cu cu •a :03 cu CO c _CU (Li •a o CO c Ol OQ CU cxO n o > "cu •a :03 CU _03 — r- 'S | cu o 03 O T3 "5 cu .s •5 ° 03 <" w z a. a. o. q. cl x ^ ^ a, q. q, q, q. cu n 03 O s: u bJO . c .co 3 03 :0 n cu CO 03 z o . • CU CJ CU i- -4-> ° 13 = „• B +j cu . — 3 'B-?5 Q-" ro 03 *""■ »*-« "3 "3 3 ^~ 12 o 3 B *- rt < 3 X CO c n 3 rc rt~ 3 CO OS rt 3 Q. CO 5' < o 3 •5 rc' 3 r» 3 er 2 Cd OS CO CD IW III. Ordnung: Pelycosauria. Mit Ausnahme der Ophiaco- dontiden, bei denen zwei laterale Schläfengruben auftreten, ist in dieser Gruppe nur eine seit- liche Schläfengrube jeder- seits vorhanden, die der unteren Temporalgrube von Sphenodon entspricht (obere Begrenzung vom Postorbitale und Squamosum, untere vom Jugale und Squamosum gebildet; die untere Spange ist jedoch bei Varanosaurus aus der Familie der Poliosauriden verloren gegangen, ein Merkmal, das außer bei Varanosaurus auch bei den Sauro- pterygiern und bei den Squamata auftritt und in diesen drei Fällen ganz unabhängig erworben worden ist). 1 F. vonHuene, Übersicht über die Reptilien der Trias. — Geologische Abhandlungen, Bd. X), 1902, sauria der 3 F. Trias. — Paläontographica, LIX. von Huene, Ibidem, p. 70. und Paläontologische N. F. Bd. VI (O. R. p. 23. Derselbe, Die Cotylosauria der Trias. — Paläontographica, LIX. Bd., 1912, p. 94. 2 F. von Huene, Die Cotylo- Bd., 1912, p. 82. Reptilia. 353 Im. Schädel sind Septomaxillare, Adlacryniale, Postorbitale, Qua- dratojugale, Squamosum und Epipterygoid immer vorhanden. Das Foramen parietale ist stets vorhanden, das Ectopterygoid (= Trans- O.+ T. Porb. Tab. Dso. Adl. La Fo.pa. P. Sq. Fr. O.+ T. Fo.pa. Po f. Na. Smx, Pmx. Dso. Tab. Porb. Q. Qj. Fig. 273. Oberansicht und Seitenansicht des Schädels aus der Trias von Elgin, Schottland, i (Nach F. von H Adl. = Adlacryniale. Dso. = Dermosupraoccipitale. Fr. = Frontale. Fo. pa. = Foramen parietale. Ju. = Jugale. La. = Lacrymale. N. = Naris (Nasenöffnung). Na. = Nasale. O.+ T. = Orbita + Temporalgrube. von Telerpeton elginense, Mant., n nat. Gr. (Rekonstruiert.) uene.) P. Parietale. Pmx. = Praemaxillare. Pof. = Postfrontale. Porb. = Postorbitale. Q. Quadratum. Qj. Quadratojugale. Smx. = Supramaxillare. Sq. Squamosum. Tab. = Tabulare. versum) bis jetzt nicht nachgewiesen. Im Unterkiefer ist das Prae- articulare vorhanden und von den Nachbarknochen getrennt; das Com- plementare (= Coronoid = Epicoronoid) ist verlängert; das Spleniale Abel, Stämme der Wirbeltiere. 23 354 Die Stämme der Wirbeltiere. nimmt an der Symphyse teil. — Bei verschiedenen Pelycosaurier- gattungen sind die Dermosupraoccipitalia nachgewiesen worden und wahrscheinlich sind auch in einigen Fällen die Tabularia und Supra- temporalia vorhanden. Prorb Orb. + Tg. Md. Fo.pa. Orb. + Tg. + Prorb Fig. 274. Schädel von Koiloskiosaurus coburgiensis, Huene, aus dem Buntsandstein von Coburg, in nat. Gr., von oben und von der Seite gesehen. N. = Nasenöffnung. Orb. = Augenöffnung. Prorb. = Präorbitalöffnung. Fo. pa. = Foramen parietale. Tg. , = Schläfengrube. Md. = Unterkiefer. Der Halsabschnitt umfaßt 6 — 7 Wirbel; alle Wirbel einschließlich der Kaudalregion besitzen getrennte Hypozentren (= Interzentren) bzw. Hämapophysen. Der Proatlas artikuliert mit dem Atlas und den Exoccipitalia. — Die Rippen sind zweiköpfig; das Tuberculum lenkt an der Diapophyse ein, das Capitulum artikuliert intervertebral. Der Brustschultergürtel ist robust gebaut; Clavicula und Inter- clavicula vorhanden; Coracoid, Metacoracoid und Scapula im Alter Reptilia. 355 verschmolzen. Foramen supraglenoideum und Foramen supracoracoideum vorhanden. — Beckenknochen abgeflacht, ein kleines Foramen ob- turatorium meistens vorhanden, das Acetabulum undurchbohrt. Gliedmaßen länger als bei den Cotylosauriern, fünffingerig und fünfzehig, mit stark verknöchertem Carpus (Radiale, Intermedium, Ulnare, Centralia, fünf distale Carpalia) und Tarsus (6 — 9 Elemente). Centrale und Tarsale quintum selten unverknöchert. Zehen meist kurz, gerade gestreckt, nur in wenigen Fällen (z. B. Ophiacodon) nach vorn gebogen, in umgekehrter Richtung wie bei den Lacertiliern. Phalangen- formel: 2, 3, 4, 5, 3 (4) in Hand und Fuß. Die zahlreichen Familien, die nach dem Vorschlage von S. W. Willi- ston (1916) in der Gruppe der „Theromorpha" (= Pelycosauria) zu ver- einigen sind, stellen aber keineswegs eine natürliche, systematische Einheit im Vergleiche mit anderen Reptilordnungen (z. B. Crocodilia, Squamata, Ichthyosauria usf.) dar. Aller Wahrscheinlichkeit nach gehören sie sehr verschiedenen Stämmen an, die in der Wurzel der Cotylosaurier, der ,, Stammgruppe" der Reptilien, zusammenlaufen. Man hat früher zwischen den ,, Cotylosauriern" und „Theromorphen" tiefgreifende Unterschiede feststellen zu können vermeint, aber es ist nichts davon übrig geblieben als der Unterschied, daß die Cotylosaurier keine Schläfengruben besitzen, also noch ein stegales Schädeldach tragen, während sich bei den , .Theromorphen" bereits eine Schläfengrube ent- wickelt hat, das Schädeldach also zygal geworden ist. Diese Bildung einer Temporalgrube, welche der unteren Schläfengrube von Sphenodon entspricht, ist aber wohl nur ein Merkmal, das den Charakter einer Entwicklungsstufe repräsentiert, die von sehr verschiedenen Nach- kommen der Cotylosaurier durchlaufen werden konnte. Wenn wir noch Ophiacodon berücksichtigen, so finden wir sogar schon einen oberen Schläfendurchbruch, wenn auch erst sehr klein, in Ausbildung, so daß wir hier einen Übergang zu den Reptilien mit doppelten Schläfen- gruben vor uns sehen. Diese Schläfengruben sind aber, wie wir später zeigen werden, bei den verschiedenen Reptilienstämmen ganz unab- hängig voneinander entstanden und untereinander keinesfalls homolog, da ihre Begrenzung sehr verschieden ist; in einigen Stämmen entsteht die untere zuerst, in anderen die obere, wieder in anderen bildet sich eine Temporalgrube aus, die den Raum der oberen und unteren ein- nimmt usf. Die Bezeichnung eines Reptils als „theromorph" ist also nur im Sinne einer höheren Entwicklungsstufe im Vergleiche zu den primitiven „cotylosauriden" Reptilien aufzufassen und anzuwenden. Daß die theromorphen Reptilien nicht nur hinsichtlich ihrer Temporal- gruben, sondern auch in ihren übrigen osteologischen Merkmalen auf einer höheren Spezialisationsstufe als die Cotylosaurier stehen, geht aus der Diagnose der einzelnen Familien hervor. 23* 356 Die Stämme der Wirbeltiere. Die hier als „Pelycosauria" zusammengefaßten Stämme "haben zum Teil extreme Spezialisationen erreicht, wie die Sphenacodontiden (z. B. Dimetrodon) und Edaphosauriden (z. B. Naosaurus). Diese Stämme finden in den jüngeren Reptilienfamilien keine Fortsetzung und sind gänzlich erloschen. F. Sphenacodontidae (Marsh = Clepsydropidae Cope). Karnivore, terrestrische Reptilien von 1 bis 3 m Körperlänge. Zähne kegelförmig, lateral komprimiert, mit scharfen Spitzen; Zähne ungleich groß (anisodont), zwischen Supramaxillare und Praemaxillare in der Zahnreihe eine Lücke (Diastema). Dermosupraoccipitalia, Tabu- laria und Supratemporalia vorhanden (nach F. v. Huene, 1913). Unter- kiefer am Hinterrande mit tiefer Einkerbung. Schädel im ganzen hoch und schmal. Wirbel mit verlängerten Dornfortsätzen, extrem verlängert bei Dimetrodon, bei den anderen Gattungen kürzer. 27 Präsakralwirbel, 3 Sakralwirbel. 11 Karpalknochen, 8 Tarsalknochen. Endphalangen spitz, gekrümmt. Dimetrodon. — Perm von Texas und Oklahoma. — Neura- pophysen die 25fache Höhe des Wirbelkörpers erreichend. Zähne mit krenelierten Schneiden. Fast das ganze Skelett bekannt. 1 (Fig. 275—278.) Sphenacodon. — Perm von Neumexiko. — Dornfortsätze höchstens sechsmal so hoch als der Wirbelkörper. Ränder der Zähne glatt. Nicht so gut bekannt wie die vorige Gattung. 2 Clepsydrops. — Perm von Illinois und Texas. — Dornfortsätze niederer als bei Dimetrodon, Schwanz lang. Wirbel, Schädelfragmente, Gliedmaßenreste bekannt. 3 1 E. C. Case, Revision of the Pelycosauria of North America. — Carnegie Institution of Washington, Publication No. 55, 1907, p. 43ff. Derselbe, Desription of a Skeleton of Dimetrodon incisivus Cope. — Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXVIII, 1910, p. 189. F. von Huene, A Comparison of the Permian Reptiles of North America with those of South Africa. — Ibidem, p. 224. Derselbe, Das Hinterhaupt von Dimetrodon. — Anatomischer Anzeiger, 1913, p. 519. R. Broom, A Further Comparison of the South African Dinocephalians with the American Pelycosauria. — Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXXIII, 1914, p. 135. S. W. Williston, The Osteology of Some American Permian Vertebrates. — Journal of Geology, Vol. XXII, 1914, p. 413. Derselbe, Synopsis of the American Permocarboniferous Tetrapoda. — Con- tributions from Walker Museum, Chicago, Vol. I, 1916, p. 222. 2 E. C. Case and S. W. Willis ton, Permocarboniferous Vertebrates from New Mexiko. — Chapter VI. — Carnegie Instit., Washington, Publ. No. 181, 1913, p. 61. 3 E. C. Case, Revision of the Pelycosauria. — 1. c, 1907, p. 37ff. Reptilia. 357 Adl. La. F. 0. Po. Pt. Por. Tg. Schädel Texas, De. Fig. 275. Ang. Sang. und Unterkiefer von Dimetrodon incisivus, Cope, aus dem Perm von rekonstruiert. 1 / 3 nat. Gr. (Im wesentlichen Adl. = Adlacrymale. Pa. = Ang. = Angulare. Pmx. = Art. = Articulare. Po. = De. = Dentale. Por. F. = Frontale. Q. Fen. = Fenster zwischen Sq. u. Qj. Qj. Ju. = Jugale. Sang. La. = Lacrymale. Smx. N. = Naris. Spt. Na. = Nasale. Sq. 0. = Orbita. Tg. nach R. Broom, = Parietale. = Praemaxillare. = Postfrontale. = Postorbitale. = Quadratum. = Quadratojugale. = Supraangulare. = Supramaxillare. = Septomaxillare. = Squamosum. = Temporalgrube. 1910.) 358 Die Stämme der Wirbeltiere. -pmx .-m x Fig. 276. Unteransicht eines Schädels von Dimetrodon incisivus, Cope, aus dem Perm von Texas. 3 / 8 nat. Gr. (Nach E. C. Case.) pmx. = Praemaxillare. bs. = Basisphenoid. pv. = Vomer. po. = Opisthoticum. mx. = Supramaxillare. 1- = Quadratum. pt. = Pterygoid. ii- = Quadratojugale. pl. = Palatinum. /'■ = Jugale. Itf. = Fenestra temporal is lat. psq. = Squamosum. bpt. = Processus basipteryg oideus * = Facette auf dem Basisphenoid bo. = Basioccipitale. für den Kopf des Stapes. Reptilia. 359 Fig. 277. Rücken- und Lendenwirbel von Dimetrodon macrospondylus, Cope, aus dem Perm von Texas, von der Seite gesehen. — Höhe des Wirbels mit dem höchsten Dornfortsatz: 64cm. (Nach E. C. Case.) 360 Die Stämme der Wirbeltiere. aus Tetraceratops. — Perm von Texas. — Schädel mit zwei Höcker- paaren für Hörner auf den Lacrymalia und Nasalia. Gebiß mit Diastema. 1 (Rg. 279.) F. Palaeohatteriidae. Diese Familie ist von G. Baur für die Gattung Palaeohatteria dem Perm von Niederhäßlich bei Dresden errichtet worden. Man hat fast allgemein bis in die letzte Zeit daran festgehalten, daß Palaeo- hatteria als eine primitive Rhyncho- cephalengattung anzusehen sei. Zu dieser unrichtigen Auffassung, deren Unhaltbarkeit S. W. Willi- ston (1914) gezeigt hat 2 , führte namentlich die falsche Beobach- tung der Temporalregion. Palaeo- hatteria besitzt nicht, wie früher /? IM Mtrm^ angenommen wurde, zwei Paar \ M(bb rahh. Temporalgruben, sondern nur die untere Temporalgrube, bzw. eine Öffnung im Schädeldach, die der unteren Temporalgrube von Sphenodon homolog ist. Palaeohatteria erreichte eine Länge von 40 bis 45 cm und war, wie aus dem Gebiß hervorgeht, ein Raubtier; seine Lebensweise war terrestrisch. Der Schultergürtel und das Becken, beide von S. W. Williston (1914) auf Grund einer Revision der Leipziger Originale neu dargestellt, beweisen die Zu- gehörigkeit zu den Theromorphen und besitzen die meiste Ähnlichkeit mit den entsprechenden Skelett- elementen von Varanops und Ophiacodon. Die Rippen sind einköpfig wie bei Ophiacodon. Auf 27 Präsakralwirbel folgen 3 Sakralwirbel. Die Chorda persistiert in der Achse der aus amphieölen Hülsenwirbeln Fig. 278. Vorderansicht des linken Humerus von Dimetrodon incisivus, Cope, aus 'dem Perm von Texas, in Vi na t- Gr. (Nach E. C. Case.) d. = Muskelleiste. je. = Foramen entepicondyloideum. 1 W. D. Matthew, A Four-Horned Pelycosaurian from the Permian of Texas. — Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXIV, 1908, p. 183. 2 S. W. Willis ton, The Osteology of Some American Permian Vertebrates I. Journal of Geology, Vol. XXII, No. 4, May-June 1914 (Contributions from the Walker Museum, Vol. I, No. 8), p. 396—398. Auf die Ähnlichkeit mit den Sphe- nacodontiden hat schon v. Huene (1910) hingewiesen. Reptilia. 361 bestehenden Wirbelsäule; zwischen den Wirbelkörpern sind Hypozentren (= Interzentren) vorhanden, die in der Kaudalregion als Hämapophysen ausgebildet sind. Palaeohatteria. — Perm Sachsens. 1 (Fig. 280.) Fig. 279. Rekonstruktion des Schädels eines vierhürnigen Pelycosauriers, Tetraceratops insignis, Matthew, ans dem Perm von Texas. % nat. Gr. (Nach W. D. Matthew.) Fig. 280. Palaeohatteria longicaudata, Credner. Schultergürtel (links) und Beckengürtel (rechts), beide der linken Körperhälfte angehörig, von der Seite gesehen. Perm von Nieder- häßlich bei Dresden. (Nach S. W. Williston, 1914.) Sc. = Scapulare. //. = Ilium. Cl. = Clavicula. Pu. = Pubis. Id. = Interclavicula. Is. = Ischium. Cor. = Coracoid. Ac. = Acetabulum F. Poliosauridae. Insektivore oder karnivore Reptilien von 1 bis 1,5 m Körperlänge. 1 H. Credner, Die Stegocephalen und Saurier aus dem Rothliegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden. — VII. Teil. Zeitschrift d. Deutsch. Geol. Ges., XL. Bd., 1888, p. 490. 362 Die Stämme der Wirbeltiere. < OS —t OS 3 O oo OS c cn < o 3 < O 05: 3 O. 7Q° CT) o OS 3 CTQ a> C/3 TT n 0Q N3 00 03 Q. n n •t 3 < o 3 H n X 03 CO 03 O 3* o 3 CO Schädel verlängert, schmal, nicht in die Höhe gezogen. Dermosupraoccipitalia vor- handen (ob auch Tabularia und Supratemporalia?). 27 Präsakralwirbel, 2 Sakralwirbel. Schwanz lang. Dornfortsätze höchstens dreimal so hoch als der Wirbelkörper. Cleithrum fehlt. Rippen zart. Klauen zugespitzt. Varanops. — Perm von Texas. — Mehrere vollständige Skelette bekannt. Rippen zweiköpfig. Temporalgrube groß. In jeder Kieferhälfte etwa 30 Zähne. 1 Varanosaurus. — Perm von Texas. — Schädel länger als bei Varanops. Bis 50 Zähne in jeder Kieferhälfte. Rippen einköpfig. 2 (Fig. 281, 282.) 1 S. W. Williston, Synopsis etc., 1. c, 1916, p. 225. 2 Derselbe, American Per- mian Vertebrates. — Chicago, 1911, p. 85. F. Broili, Permische Stego- cephalen und Reptilien aus Texas. — Paläontographica, LI. Bd., 1904, p. 71. E. C. Case, Revision of the Pelycosauria. — 1. c, 1907, p. 79. F. Broili, Über den Schädel- bau von Varanosaurus acutirostris. — Zentralbl. f. Mineral, usw., 1914, p. 27. D. M. S. Watson, Notes on Varanosaurus acutirostris, Broili. — Ann. and Mag. Nat. Hist, Lon- don (8), Vol. XIII, 1914, p. 297. F. Broili, Unpaare Elemente im Schädel der Tetrapoden. — Ana- tomischer Anzeiger, IL. Bd., 1916, p. 563. Reptilia. 363 Poliosaurus. — Perm von Texas. — Etwa 30 Kegelzähne in jeder Kieferhälfte. Vielleicht nur Jugendform einer anderen Gattung, da das Skelett teilweise knorpelig geblieben war. 1 Fig. 282. Rekonstruktion des Schädels von Varanosaurus brevirostris, Will., aus dem Perm von Texas. Oberansicht und Seitenansicht in 2 / 3 nat. Gr. (Nach S. W. Willis ton.) Mycterosaurus. — Perm von Texas. — Im Jahre 1914 wurde am Mitchel-Creek ein gut erhaltener Schädel nebst einigen schlecht erhaltenen anderen Skelettresten entdeckt. Der Bau des Schädels be- weist nach den Untersuchungen von S. W. Williston (1915 und 1916) seine Zugehörigkeit zu den Pelycosauriern, doch ist die Einreihung in die Familie der Poliosauridae einstweilen noch als provisorische an- zusehen, da im Baue der Zähne Unterschiede bestehen. Der allgemeine Charakter des Schädels stimmt am besten mit dem von Varanosaurus überein. 2 (Fig. 283.) 1 E. C. Case, Revision of the Pelycosauria, 1. c, p. 18. S. W. Williston, American Permian Vertebrates. — 1. c, p. 80. Derselbe, Synopsis usw., 1. c, 1916, p. 225. 2 S. W. Williston, A New Genus and Species of American Theromorpha: Mycterosaurus longiceps. — Journal of Geology, Vol. XXIII, 1915, p. 554. 364 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Ophiacodontidae. Küstentiere oder Tieflandbewohner von etwa 2 m Körperlänge, karnivor oder insektivor. Schädel auffallend hoch, lang und schmal. Zahnreihe geschlossen, Zähne spitz kegelförmig. Orbita weit hinten gelegen, fast dreieckig, dahinter eine sehr kleine obere und unter dieser eine größere untere Temporalgrube, beide durch Postorbitale und Squa- mosum getrennt. Dornfortsätze niedrig, 27 Präsakralwirbel und 2 Sakral- Fig. 283. Oberansicht und- Seitenansicht des Schädels von Mycterosaurus longiceps, Will., aus dem Perm von Texas, in nat. Gr. (Nach S. W. Williston, 1916.) wirbel, Schwanz lang. Rippen einköpfig. Brustschultergürtel kräftig; Carpus und Tarsus sehr kräftig und stark verknöchert; Zehen kurz, relativ schwach, nach vorn einen konkaven Bogen bildend. Bauch- rippen vorhanden. Ophiacodon. — Perm von Neumexiko. — Ein fast vollständiges Skelett bekannt, aber Schädel stark verdrückt. Vielleicht identisch mit der Gattung Theropleura aus dem Perm von Texas. 1 (Fig. 284-287.) F. Caseidae. Die Tiere, die ungefähr 1 m Körperlänge erreichten, dürften Pflanzen- fresser gewesen sein, da sie sehr kräftige Zähne mit abgerundeten, stum- pfen Spitzen besaßen. In jedem Kiefer standen etwa 1 1 Zähne. Der 1 S. W. Williston and E. C. Case, Description of a Nearly Complete Skeleton of Ophiacodon, Marsh. — Permocarbonif. Vertebr. from New Mexiko. — Carnegie Instit. Publ. 181, 1913, p. 37. Reptilia. 365 Fig. 284. Ophiacodon mirus, Marsh; aus dem Permokarbon von Neumexiko. Die Knochengrenzen sind zum Teil recht zweifelhaft; ebenso ist die Deutung der Knochen unsicher. Zu beachten sind, die beiden kleinen Schläfengruben hinter der birnförmigen Augenhöhle und das kleine Nasenloch sowie der enorme Gesichtsteil des Schädels bei großer Schnauzenhöhe. l / 3 nat. Gr. (Nach S. W. Williston und E. C. Case, 1913.) Fig. 285. Ophiacodon mirus, Marsh; aus dem Permokarbon von Neumexiko. — Die Halswirbel 1—6 von der Seite gesehen; über ihnen die dorsalen Endflächen der Neurapophysen 3—6 von der Oberseite gesehen; rechts der 6. Halswirbel von vorne. Links ist ein Teil des Hinterhauptes und Unterkiefers sichtbar. — V 2 nat. Gr. (Nach S. W. Williston und E. C. Case.) pa. = Proatlas. an. = Neurapophyse des Atlas. ax. = Axis (Epistropheus). o. = Processus odontoideus des Epistropheus. q. = Quadratum. d. = Diapophyse. r, r. = Rippen. h. = Basiventrale(Haemapophyse = Hypozentrum = Interzentrum). 366 Die Stämme der Wirbeltiere. Schädel ist kurz, breit und hoch. Palatinum und Complementare (= Co- ronoid aut.) dicht mit kleinen, kegelförmigen Zähnchen besetzt. Ein großes Parietalloch vorhanden. Dermosupraoccipitalia und Tabularia r. Fig. 286 Rechter Arm von Ophiacodon mirus, Marsh, aus dem Permokarbon von Neumexiko. 7a nat. Gr. (Nach S. W. Williston und E. C. Case, 1913.) Hu. = Humerus. /'. = Intermedium. Ra. = Radius. pi. = Pisiforme. U. = Ulna. ce l7 ce 2 = Centrale 1 und 2. ul. = Ulnare. q — c 5 = Carpalia distalia 1 — 5. ra. = Radiale. /. — V. = 1. — 5. Finger. nachgewiesen. Schwanz sehr lang, 25 Präsakral- und 3 Sakralwirbel. Vorderbeine verhältnismäßig kurz und stämmig, Schultergürtel kräftig. Eine Art (Casea Broilii) im Perm von Texas. 1 (Fig. 288.) 1 S. W. Williston, The Skulls of Araeoscelis and Casea, Permian Reptiles. Journal of Geology, Vol. XXI, 1913, p. 743. Derselbe, American Permian Vertebrates. — 1911, p. 1 12. Reptilia. 367 F. Edaphosauridae. Die beiden in dieser Familie zu vereinigenden Gattungen (Edapho- saurus und Naosaurus) sind früher mit den Sphenacodontiden (z. B. IV. Fig. 287. Rechter Hinterfuß von Ophiacodon mirus, Marsh, aus dem Permokarbon von Neumexiko; oben: Tarsus von der Dorsalseite, unten: Hinterfuß von der Plantarseite. V« nat - Gr - ( Nacn S. W. Williston und E. C. Case.) As. = Astragalus. t 1 — 1 5 = Tarsale 1 — 5. Ca. = Calcaneus. ce 1) ce 2 = Centrale 1 und 2. /.— V. = 1.— 5. Zehe. Dimetrodon) zu einer Familie vereinigt worden, wozu namentlich die analoge Spezialisation der Wirbel geführt hatte, deren Dornfortsätze zu enorm verlängerten Spießen ausgezogen sind. An dem im amerika- nischen Museum montierten Skelett des ,, Naosaurus claviger" waren irrtümlich ein Schädel und die Gliedmaßen von Dimetrodon mit der 368 Die Stämme der Wirbeltiere. Wirbelsäule von Naosaurus kombiniert worden; neue Funde im Jahre 1911 im Perm von Texas zeigten jedoch, daß Edaphosaurus von Di- metrodon und den Sphenacodontiden überhaupt weit verschieden ist und daß Edaphosaurus und Naosaurus einer Familie angehören, die sich in sehr wesentlichen Merkmalen von den Sphenacodontiden unter- scheidet. Wahrscheinlich waren die Edaphosauriden terrestrische Tiere, die aber keine räuberische Lebensweise führten, sondern wahrscheinlich herbivor, vielleicht auch insektivor gewesen sind. Der Schädel ist kurz anqr. Fig. 288. Casea Broilii, Will. Perm von Texas. Schädel und Unterkiefer von links, darunter Innenansicht des linken Unterkieferastes. Nat. Gr. (Nach S. W. Williston.) = Supramaxillare. ang. = Angulare. = Praemaxillare. ar. = Articulare. = Lacrymale. sa. = Postorbitale. cp. = Jugale. sp. = Dentale. pa. m. P- la. po. ju. d. = Supraangulare. = Complementare. = Spleniale. = Praearticulare. und hoch, dabei relativ schmal und trägt auf den Palatinen und Ptery- goiden sowie auf den Vomeres (nach R. Broom, 1910) zahlreiche kleine Zähne, ebenso auf den Kieferknochen. Die Schläfengrube ist sehr groß und wird oben vom Parietale und Squamosum, unten vom Jugale und Squamosum begrenzt. Zwischen Jugale, Quadratojugale und Squa- mosum soll sich nach R. Broom (1910) eine kleine Spalte befinden, ähnlich wie sie auch bei Dimetrodon auftreten soll (nach Broom, 1910), aber die Untersuchungen über neue Funde im Perm von Neu- mexiko durch S. W. Williston und E. C. Case (1913) haben diesen Befund nicht bestätigen können. Die Rückenwirbel tragen sehr hohe, spitze Dornfortsätze, die den Wirbelkörper um das Zehn- bis Zwanzig- Reptilia. 369 fache an Höhe übertreffen und vielleicht durch einen Hautkamni ver- bunden waren; diese Dornfortsätze waren wieder mit transversalen Pmx. Bas Fig. 289. Unterseite des Schädels von Edaphosaurus pogonias, Cope, aus dem Perm von Texas; Rekonstruktion in 2 / 3 na t- Gr. (Nach R. Broom, 1910, umgezeichnet.) Bas. = Basisphenoid. Pas. ~ Parasphenoid. Clw. = Choane. Pmx. = Praemaxillare. Co. = Condylus occipitalis. Pte. = Pterygoid. fe. pal. = Fenestra palatinalis. Q. = Quadratum. fe. p. 1. = Fenestra palat. lateralis. Qj- = Quadratojugale. f. m. = Foramen magnum. Smx. = Supramaxillare. Pal. = Palatinum. Vo. - Vomer. Stacheln besetzt, welche wahrscheinlich frei nach den Seiten vor- standen und eine Hornscheide trugen. Die Rippen sind zweiköpfig, der Schwanz sehr lang; das Sacrum umfaßt zwei Wirbel. Der Hinterfuß Abel. Stämme der Wirbeltiere. 24 370 Die Stämme der Wirbeltiere. ist unbekannt. Es ist zweifelhaft, ob die beiden Gattungen Edapho- saurus und Naosaurus nicht ident sind. Edaphosaurus. 1 — Naosaurus. — Zuerst im Oberkarbon Böh- mens (ein Wirbel 2 ), dann im Perm (Rotliegenden) Deutschlands 3 und im Perm von Texas, Neumexiko und Ohio. E. pogonias, E.novomexi- canus (ein vortrefflich erhaltener Schädel nebst anderen Skelettresten), 4 E. cruciger, N. claviger 5 , N. microdus sind die wichtigsten Arten. (Fig. 289-^292.) Fig. 290. Rekonstruktion von Edaphosaurus cruciger, Cope, aus dem Perm von Texas. Körperlänge ungefähr 182 cm. (Nach E. C. Case, 1914.) Ctenosaurus. Untere Trias (Buntsandstein) von Rheinhausen bei Göttingen. Nur aus Wirbeln mit naosaurusartigen Dornfortsätzen be- kannt. 6 Bull. 1 E. C. Case, Revision of the Pelycosauria. — 1. c. 1907. R. Broom, Permian Reptiles of North America and South Africa. Am. Mus. Nat-Hist., Vol. XXVIII, 1910, p. 221. E. C. Case, Restoration of Edaphosaurus cruciger, Cope. — Amer. Naturalist, Vol. XLVIII, 1944, p. 117. S. W. Willis ton, Synopsis of the American Permocarboniferous Tetrapoda, 1. c, 1916, p. 230. 2 A. Fritsch, Fauna der Gaskohle und der Kalksteine der Permformation Böhmens. — Bd. I, 1883, S. 29; Bd. III, 1885, S. 121; Bd. IV, 1895, S. 86. 3 Ü. Ja ekel, Naosaurus Credneri im Rotliegenden von Sachsen. — Zeitschr. Deutsch. Geol. Ges., LXII. Bd., 1910, S. 526 (Monatsberichte). 4 S. W. Williston and E. C. Case, A Description of Edaphosaurus, Cope. — Permo-Carbonif. Vert. from New Mexiko. — Carnegie Institution, Publ. 181, p. 71. 5 H. F. Osborn, A Mounted Skeleton of Naosaurus, a Pelycosaur from the Permian of Texas. — Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXIII, 1907, p. 265. 8 F. von Huene, Neue Beschreibung von Ctenosaurus aus dem Göttinger Buntsandstein. — Centralblatt f. Mineral, usw., 1914, S. 496. Reptilia. 371 24' 372 Die Stämme der Wirbeltiere. IV. Ordnung: Deuterosauria. Im Perm Rußlands sind Reste von Reptilien gefunden worden, die zu zwei Gattungen gehören, für welche die Namen Deuterosaurus und Rhopalodon aufgestellt worden sind. Obwohl der Schädel beider Typen unvollständig erhalten ist, so ließ sich doch namentlich durch < S B. Fig. 292. A: Vorderansicht des 8. Wirbels von Naosaurus microdus, Cope. Perm von Texas. V 6 nat. Gr. B: Seitenansicht zweier Wirbel (hintere Halswirbel oder vordere Brustwirbel) von Naosaurus claviger, Cope. Perm von Texas. l / 6 nat. Gr. C: Neurapophyse eines Rückenwirbels von Naosaurus microdus, Cope. Perm von Texas. 1 / 3 nat. Gr. D: Schräge Seitenansicht eines Wirbels von Naosaurus inhabilis, Fritsch. Ober- karbon von Kounova, Böhmen. 1 / 6 nat. Gr. (A— C nach E. C. Case, D nach A. Fritsch.) Reptilia. 373 die Untersuchungen von Hnenes feststellen, daß der Aufbau der Seitenwände des Schädeldaches durchaus eigenartig ist und keinen Anschluß von Deuterosaurus an andere Ordnungen gestattet; diese Eigentümlichkeiten bestehen in der Lage und Form der einzigen Schläfenöffnung, welche der oberen Temporalgrube der Reptilientypen mit zwei lateralen Schläfenöffnungen entspricht. Ähnliche Verhältnisse sind unter den zahlreichen lebenden und fossilen Stämmen der Reptilien nur noch bei den Placodontiern und bei den Ichthyosauriern bekannt, mit denen jedoch die Gattung Deuterosaurus ebensowenig wie mit Araeoscelis vereinigt werden kann, bei welcher Gattung ein sekundärer Verschluß der unteren Temporalgrube eingetreten ist. Die meiste Ähnlich- keit in der Form, Lage und unteren Begrenzung der Schläfengrube von Deuterosaurus scheint mit den Schädeln einzelner Schildkrötengattungen vorzuliegen, doch bestehen auch hier so große Unterschiede, daß die Sonderstellung von Deuterosaurus als Vertreter einer selbständigen Reptilienordnung gerechtfertigt erscheint. Mit den Sauropterygiern sind keine engeren Beziehungen nachweisbar, ebensowenig mit den Placo- dontiern. Der Schädel ist auffallend kurz und hoch und trägt in den Zwischen- kiefern jederseits fünf, im Supramaxillare dagegen nur zwei große, in der Form an die großen, gezähnelten Zähne der Sphenacodontiden erinnernde Zähne. Überhaupt bestehen zu dieser Gruppe der Pelycosaurier ver- schiedene Beziehungen; da jedoch die Pelycosaurier nur eine untere Schläfengrube besitzen, deren Oberrand vom Postorbitale gebildet wird, so scheiden sie unbedingt aus einem engeren Vergleich mit Deutero- saurus aus. Die Verhältnisse der Schädelbasis sind noch zu ungenügend bekannt, um daraus weittragende Schlüsse auf die verwandtschaftlichen Bezie- hungen zu anderen Reptiliengruppen ableiten zu können. Die Choanen von Deuterosaurus und Rhopalodon liegen nach Seeley ziemlich weit hinten und werden von den Vomeres getrennt, die bei Deuterosaurus sehr klein, bei Rhopalodon auffallend groß sind; während sie bei Deutero- saurus durch die Palatina von den Pterygoidea getrennt erscheinen, stoßen sie bei Rhopalodon mit ihnen zusammen, so daß die Palatina bei dieser Gattung seitwärts abgedrängt erscheinen wie bei den Phyto- sauriern. Die Zähne von Deuterosaurus stimmen nach Huene in Form und Kerbung auch mit jenen von Erythrosuchus aus der Familie der Pely- cosimiiden (Parasuchiern) überein, so daß wir also Beziehungen zu ver- schiedenen Reptilienordnungen im Schädel von Deuterosaurus fest- stellen können. In der Wirbelsäule fehlen die Hypozentren (Interzentren) in der hinteren Hälfte des Rückens; die Wirbelkörper sind kurz. Die vorderen Rippen sind zweiköpfig, die hinteren einköpfig. 374 Die Stämme der Wirbeltiere. Eine sehr auffallende und bisher kaum gewürdigte Tatsache liegt in der häufigen Verschmelzung der Rippen mit den Wirbeln, was den Gedanken an zum mindesten ähnliche Verhältnisse wie bei den Schild- kröten nahelegt, ohne daß jedoch daraus weitere Schlüsse abgeleitet werden könnten. Im Extremitätenskelett bestehen Ähnlichkeiten zwischen den Deu- terosauriern und den Sphenacodontiden; ebenso ist der Schultergürtel jenem der Sphenacodontiden ähnlich. Auch der Armbau ist in beiden Gruppen nahezu derselbe, soweit sich aus den erhaltenen Resten der Deuterosauriden etwas über diese Beziehungen entnehmen läßt (Humerus und Ulna erhalten). Auch das Becken ist ähnlich wie bei Dimetrodon gebaut, zeigt aber auch nach Huene Ähnlichkeiten mit den Parasuchiern. Soweit sich aus den bisherigen Beobachtungen und Vergleichen ein Urteil gewinnen läßt, nehmen die Deuterosauriden keine hoch spezia- lisierte Stellung ein, sondern vereinigen eine Reihe von Merkmalen primitiver Art. Ob sie eine durchaus selbständige Stellung beibehalten haben oder ob von einzelnen, noch unbekannten Vertretern dieser * Gruppe eine Brücke zu anderen Ordnungen hinüberführt, kann heute noch nicht ernstlich erörtert werden. Deuterosaurus. — Perm Rußlands. 1 (Fig. 293.) Rhopalodon. — Perm Rußlands. 2 Sehr unve-llkommen bekannt. Außerdem mehrere auf dürftige Reste errichtete Gattungen, deren Stellung ganz unsicher ist. V. Ordnung: Testudinata (= Chelonia). Die Schildkröten bilden einen sehr alten Zweig des Reptilienstammes, von dem heute noch etwa 232 Arten leben (nach F. Sieben rock, 1909). Ihre genetischen Beziehungen zu den ältesten und primitivsten Rep- tilien sind bis in die letzte Zeit sehr unklar gewesen und erst vor kurzem ist durch die Entdeckung einer sehr primitiven Schildkröte (Triassochelys dux) in der oberen Trias von Halberstadt, die von O. Jaekel (1916) eingehend beschrieben wurde, etwas mehr Licht in die bisher dunkle Frage nach der Herkunft der Schildkröten verbreitet worden. Das hauptsächlichste Merkmal aller Schildkröten besteht in der Ausbildung einer knöchernen Kapsel (Theca), die den Rumpf umschließt 1 F. von Huene, Über Erythrosuchus, Vertreter der neuen Reptilordnung Pelycosimia. — Geologische und paläontologische Abhandlungen, N. F. Bd. X (G. R. Bd. XIV), Jena 1911, S. 38. E. C. Case, Revision of the Pelycosauria. — Carnegie Institution of Washington, Publ. No. 55, 1907, p. 67. 2 F. von Huene, 1. c. p. 40. Reptilia. 375 und sich in ein Rückenschild (Carapax) und Bauchschild (Plastron) gliedert. Die Terminologie der Panzerelemente ist folgende. Im Carapax haben wir zunächst eine mediane Reihe von Knochen- platten zu unterscheiden. Der erste und zweite Rückenwirbel wird von einer meist quer verlängerten Platte, der Nackenplatte oder Nuchal- plattc überdeckt, an welche sich als horizontale Deckplatten die Neuralplatten anschließen; meist sind acht oder neun solcher Neural- 2 / 3 nat. Gr. Fig. 293. Rekonstruktion des Schädels von Deuterosaurus, aus dem Perm Rußlands, in Rekonstruktion auf Grundlage der Zeichnung F. v. Huenes (1911). Pmx. = Praemaxillare. Po. Postorbitale. Pt. = Pterygoid. Q. = Quadratum. Smx. = Supramaxillare. Sg. = Sqamosum. St. = Supratemporale. F. = Frontale. J- - Jugale. L. = Adlacrymale Na. = Nasale. P. = Parietale. Pf- Postfrontale. Prf. - Lacrymale. platten vorhanden. Sie legen sich auf die Neurapophysen des 3. bis 10. Rückenwirbels. An die Neuralplatten schließen sich die medianen Pygal platten (bis drei) an, die meist zu einer verschmolzen sind. An diese medianen Knochenplatten schließen sich seitlich die paarigen Rippenplatten oder Kostalplatten an, die sich über die Rippen legen und mit ihnen in so feste Verbindung treten, daß sie meist als die ver- breiterten Rippen selbst angesehen worden sind. Die Bildung der Kostalplatten setzt mit dem 3. Rückenwirbel ein (0. Jaekel, 1916), und zwar sind ursprünglich neun Paar Kostal- platten vorhanden gewesen, wie Ti iassochelys dux zeigt; daß bei den 376 Die Stämme der Wirbeltiere. lebenden Schildkröten in der Regel nur acht Rippenpaare mit dem Carapax in Verbindung treten, hat seinen Grund darin, daß die beiden letzten in der Regel verschmolzen sind, weshalb die ,, achte" Kostal- platte meist die doppelte Breite der vorhergehenden (siebenten) Kostal- platte besitzt. Der Rand des Carapax wird von einer größeren Zahl von Rand- platten oder Marginalplatten gebildet, die bei den Trionychoidea fehlen. Der knöcherne Carapax wird von hornigen, großen Mittelschildern und kleineren Randschildern derart überdeckt, daß deren Grenzen nicht mit den Grenzen der Neural-, Kostal- und Marginalplatten zu- sammenfallen, sondern diesen Grenzlinien ausweichen. Dadurch wird eine stärkere Verfestigung des ganzen Panzers bewirkt. Man unter- scheidet die mittlere Reihe von Hornschildern als die Vertebralscuta; an sie schließt sich beiderseits je eine Reihe von Lateralscuta (oder Costalscuta) und außen die Marginalscuta an. Außerdem war aber noch bei Triassochelys zwischen den Reihen der Marginal- und Lateral- scuta eine dritte Reihe, die der Submarginalscuta, vorhanden, die z. B. bei Proganochelys Quenstedti aus der oberen Trias (mittlerer \Keuper) Württembergs nur mehr vorn und hinten erhalten geblieben, aber in der Mitte ausgefallen ist; bei den jüngeren Schildkröten sind die Submarginalscuta ganz verloren gegangen. Die Hornplatte über dem Nuchale bezeichnet man als Nuchalscutum, die über dem Pygale als Pygalscutum. Sie gehören der Reihe der Marginalscuta an. Der Bauchschild oder das Plastron unterscheidet sich vom Rücken- schild in erster Linie durch das Fehlen einer medianen, durchlaufenden Reihe von Knochenplatten. Im Plastron einer pleurodiren Schildkröte liegen vorn die paarigen Klavikularplatten oder Epiplastra, die (nach 0. Jaekel, 1916) den Claviculae homolog sind; an ihren Hinter- rand legt sich das mediane Entoplastron an, das der Interclavicula der Cotylosaurier homolog ist und den einzigen medianen Knochen des Plastrons bildet. Dann folgt ein Paar Hyoplastra und diesem ein Paar Hypoplastra; den hinteren Abschluß des Bauchpanzers bilden die beiden Xiphiplastra. Die Hornschilder, welche sich dem Bauch- panzer auflegen, werden als Armschilder oder Brachialscuta, die folgenden als Pectoralscuta (Brustschilder), Abdominalscuta (Bauch- schilder) und Femoralscuta (Schenkelschilder), die beiden hintersten als An als cu ta bezeichnet. Die vordersten nennt man Kehlplatten oder Gularscuta. Zuweilen ist auch ein In tergularscu tum vor- handen. Bei der obertriadischen Gattung Proterochersis (aus dem Keuper Württembergs) treten Kau.dalscuta und In terkaudalscuta auf, die bisher bei keiner anderen Schildkröte beobachtet worden sind (Fig. 319). Reptilia. 377 Die morphologische Zusammensetzung des Carapax ist noch strittig. Nach J. Versluys (1914) besteht der Carapax aus der- malen Elementen, die teils einer tieferen Schicht, teils einer höheren Schicht der Lederhaut ihren Ursprung verdanken; die ersten wären als tliekale, die zweiten als epithekale Hautverknöcherungen zu bezeichnen. Als tliekale Elemente betrachtet J. Versluys die Costalia und Neuralia (das Nuchale und die Pygalia gehören dazu), ferner die Claviculae (Epiplastron), die lnterclavicula (Entoplastron) und die Bauchrippen, welche nach 0. Jaekel (1916) an der Bildung des Bauch- panzers von Triassochelys entscheidenden Anteil nehmen (Fig. 304). Als epithekale Elemente sind die Marginalia anzusehen. 0. Jaekel (1914) betrachtet dagegen sowohl die Neuralia als auch die Costalia als Be- standteile des Innenskeletts und nimmt mit A. Goette (1899) an, daß die Kostalplatten keine Auflagerungen auf den Rippen, sondern Ver- breiterungen der Rippen selbst sind, während die Neuralia die oberen plattenförmigen Verbreiterungen der Neurapophysen darstellen (Fig. 300, 307—312, 314, 318, 319). Eine sehr merkwürdige Veränderung hat der Schultergürtel der Schildkröten erfahren. Bei den primitivsten bisher bekannten Schild- kröten, Ti 'assochelys und Proganochelys aus der oberen Trias, ist noch dasCleithrum vorhanden (Fig. 305), geht aber schon bei den Juraformen verloren. Die noch vorhandenen Elemente des Schultergürtels der lebenden Schildkröten bestehen im Coracoid und in der Scapula. Ein Präcoracoid fehlt; der mit diesem verwechselte Knochen ist nur ein von der Scapula aus entspringender Fortsatz, der Processus acromialis; dieser ist ein nach vorwärts und innen gewendeter stielartiger Fortsatz, der als Ori- ment schön bei Triassochelys öux nachweisbar ist (0. Jaekel, 1 9 1 6) . Das Oberende der Scapula scheint sich bei Ti assochelys in ein Supra- scapulare fortgesetzt zu haben. Das Sacrum wird in der Regel von zwei, mitunter auch von mehr Wirbeln gebildet. Das Ilium ist mit dem Sacrum verschmolzen; Pubis und Ischium bleiben entweder frei oder verbinden sich (bei den Pleurodiren) mit dem- Bauchschild (Fig. 306). Die Gliedmaßen sind bei den Landschildkröten plump und stämmig, bei den Seeschildkröten zu Flossen umgeformt, und zwar sind die Vorder- flossen viel größer als die Hinterflossen (Fig. 3 '2). Nur bei denTrionychoidea sind überzählige Phalangen über die für die Schildkröten normale Phalangen- zahl (2, 3, 3, 3, 3) am vierten Finger- und Zehenstrahl zu beobachten; hier treten 4 — 5 Phalangen auf, bei Cycloderma und Cyclanorbis kann der vierte Finger sogar 6 Phalangen tragen. Bei den langflossigen Cheloniiden ist dagegen die Phalangenformel normal (2, 3, 3, 3, 3), doch sind die Phalangen enorm verlängert. Der Schädel besitzt zahlreiche auffallende Spezialisationsmerkmale. 378 Die Stämme der Wirbeltiere. c Reptilia. 379 Zu Fig. 294. Adl. = Adlacrymale. Par. = Parietale. Ang. = Angul; re. Paro. = Paroccipitale. Art. = Articulare. Pmx. = Praemaxillare. C. tv. = Cavum tympani. Porb. = Postorbitale, De. = Dentale. Q. = Quadratum. Fr. = Frontale. Qi- = Quadratojugale. ./"• = Jugale. Sang. = Supraangulare. La. = Lacrvmale. Smx. = Supramaxillare. N. = Naris. Spl. = Spleniale. Na. = Nasale. Sq. = Squamosum. Orb. = Orbita. St. = Supratemporale Orb. I — Proot. Op. Exo. Fe.pot. Sq. Co. Fig. 295. Schädel von Hydromedusa Maximiliani, Mikan, aus Brasilien und Säo Paulo; Dorsalansicht in nat. Gr. (Nach O. Jaekel; Deutungen der Knochen zum Teil abgeändert auf Grundlage von Untersuchungen an Hydromedusaschädeln im k. k. Naturh. Hofmus. in Wien.) Proot. = Prooticum. So. = Supraoccipitale. Co. = Condylus occipitalis. Op. = Opisthoticum. Exo. = Exoccipitale. Fe. pot. = Fenestra posttemporalis. (Die übrigen Abkürzungen wie in Fig. 294.) 380 Die Stämme der Wirbeltiere. Fig. 296. Oben: Emys orbicularis L.; unten: Chelpnia mydas, L. (Nach C. Rabl.) Der primitivere Schädeltypus ist durch Emys, aber nicht, wie C. Rabl meint, durch Chelonia repräsentiert. Aus dem stegalen Schädeltypus von Triassochelys (Fig. 294) entwickelte sich durch Erweiterung der Posttemporalöffnung nach vorne die große, bis zum Scheitelkamm reichende Muskelgrube, die somit eine ganz andere Entstehungsgeschichte besitzt als die , .obere Temporalgrube" der meisten speziali- sierten Reptilien. Bei Chelonia ist diese Posttemporalgrube, deren obere Querspange (vgl. Hydromedusa, Fig. 295) schon bei Emys fehlt, sekundär verschlossen worden. Der „pseudostegale" Verschluß wird durch seitliches Wachstum des Postfrontale, Parietale und Squamosum gebildet. Erklärung der Abkürzungen Fig. 296 — 299: F. - Frontale. Pf- = Postfrontale. J. Jugale. Prf. Lacrymale. M. Supramaxillare. Pro. Prooticum. Oc. Supraoccipitale. Qu. = Quadratum. Opo. Opisthoticum. Quj. Quadratojugale P. Parietale. Siju. Squamosum. Pm. Praemaxillare. Reptilia. 381 Durch den Fund von Tiiassochelys (Fig. 294) und die von 0. J aekel durch- geführte morphologische Analyse des Schädels darf es jetzt als feststehend betrachtet werden, daß die Schildkröten von Vorfahren mit einem voll- ständig geschlossenen Schädeldach ohne seitliche Temporalgruben ab- stammen, wie dies beim Schädel der Cotylosaurier der Fall ist. Nur die Hinterseite des Schädels ist von einem Paar großer Posttemporal- öffnungen durchbrochen, die vom Squamosum, Supraoccipitale und Paroccipitale umrahmt werden (Fig. 301). Fig. 297. Trionyx cartilagineus, Bodd. (Nach C. Rabl.) Gekennzeichnet durch enorme Erweiterung der Posttemporalgrube nach vorne und Aus- dehnung des medianen Schädelkammes nach hinten. Dieser Typus stellt eine höhere Spezialisationsstufe der z. B. durch Emys gekennzeichneten Anpassungsrichtung dar. In der Regel wird diese Posttemporalöffnung nach vorn erweitert, wobei es zur Bildung einer großen Temporalgrube kommt, deren Lage ziemlich genau dieselbe ist wie bei den Reptilien mit oberer Schläfen- öffnung; aber die Spange, die sonst diese obere Schläfengrube abschließt, geht meist verloren und ist nur in wenigen Fällen erhalten, wie in der Familie der Chelyiden, z. B. bei Hydromedusa (Fig. 295), wo sie vom Parietale und Squamosum gebildet zu werden pflegt (sie fehlt bei Che- lodina). Die sehr differente Form der Temporalregion des Schildkröten- schädels hat zu verschiedenen Theorien über die Entstehung der lateralen Temporalgruben und der Wanderung des Jochbogens quer über die Schädel- wand von unten vorn (z.B. Trionyx, Fig. 297) nach oben hinten (z.B. Hydro- medusa, Fig. 295) Veranlassung gegeben (vgl. die Arbeiten von C. Rabl 382 Die Stämme der Wirbeltiere. [1903] 1 , J. E.V. Boas [1914] 2 usw.). Hierbei ist meist nicht berücksichtigt worden, aus welchen Elementen die betreffende Schädelwand und die an- geblich wandernde Spange aufgebaut ist. Von einigen Autoren ist der Schädel von Chelon'a(F,g.296) als ein primitiver, dem Cotylosaurierschädel vergleichbarer Typus betrachtet worden 3 , aber die Lagerung der Knochen zeigt deutlich, daß es sich hier um eine sekundäre Schläfendachbildung handelt, die 0. J aekel mit dem Terminus ,,tegal" zum Unterschied vom primär „stegalen" Typus der Stegocephalen und Cotylosaurier bezeichnet hat. Es ist aber auch noch ein zweiter Weg zur Bildung eines sekundären Schläfendaches bei den Schildkröten nachzuweisen, und dieser liegt bei Podocnemis vor, wo eine sekundäre laterale Ver- breiterung des Parietale mit dem Jugale und Quadratojugale in Ver- bindung tritt, während das sekundäre Schläfendach bei Chelon'a vom Parietale, Postfrontale und Squamosum gebildet wird. Dieser sekundäre Verschluß der oberen Temporalgrube scheint nach 0. J aekel eine Folge- erscheinung aquatischer Lebensweise zu sein. Der bogenförmige Ausschnitt, den wir an vielen Schildkröten- schädeln unterhalb der vom Postfrontale, Jugale, Postorbitale (?) und Quadratojugale gebildeten unteren Abschlußspange der oberen Temporalgrube finden, kann unmöglich der „unteren" Temporalgrube der Reptilien homolog sein, da ja die Knochen, welche sonst den unteren Abschluß dieser Öffnung bilden, bei den Schildkröten den Oberrand dieses Ausschnittes bilden. Dieser Ausschnitt ist z. B. bei Testudo (Fig. 298, B) sehr weit und groß; sein Vorderrand wird vom Supramaxillare gebildet. Mitunter fehlt der Jochbogen vollständig (z. B. bei Terrapene, Fig. 298). Zähne fehlen den jüngeren Schildkröten gänzlich; nur bei T.iasso- chelys dux stehen dichtgedrängte kleine Zähne auf dem Parasphenoid, den Pterygoidea und dem Vomer (?) und bilden eine Art Hechel. Diese Zähne besitzen eine Kegelform mit abgerundeter Spitze. Außerdem sind bei Tn'assochelys dux sowohl in den oberen als in den unteren Kiefer- rinnen rudimentäre Zähne entdeckt worden, die in kleinen Zahn- höhlen liegen (0. Jaekel, 1916). Die rudimentären Zähne des Ober- kiefers und Unterkiefers haben den Schmelzüberzug verloren. Die Be- festigungsart ist als eine thekodonte zu bezeichnen (vgl. p. 248). Die stets vereinigten äußeren Nasenöffnungen liegen immer weit vorn am Schnauzenende; die Augenhöhlen sind groß. Die Kiefer 1 C. Rabl, Über einige Probleme der Morphologie. — Verhandl. d. Anatom. Ges., XVII. Vers, zu Heidelberg 1903, S. 154. 2 J. E. V. Boas, Die Schläfenüberdachung und das Palatoquadratum in ihrem Verhältnis zum übrigen Schädel bei den Dipnoern und den terrestren Wirbel- tieren. — Morpholog. Jahrbuch, 1914, S. 286. 3 C. Rabl, 1. c, S. 167. Reptilia. 383 B. A. Fig. 298. A: Geoemyda punctularia, Daud. Südamerika. — B: Testudo oculifera, Kühl. Südafrika. — ' C: Terrapene ornata, Ag. Nordamerika. (Nach C. Rabl.) Die primitivste Form dieser Reihe (hinsichtlich des Verhaltens des Jochbogens) ist Geoemyda. Der tiefe, bogenförmige Einschnitt am Unterrande des Jochbogens darf keinesfalls mit der ,, unteren Temporalgrube" der mit zwei normalen, lateralen Schläfengruben versehenen Reptilien identifiziert werden, da in diesen Fällen der vom Jugale und Quadratojugale gebildete Jochbogen die untere Grenzspange der „unteren" Temporalgrube bildet. Bei Geoemyda noch kräftig, ist der Jochbogen bei Testudo sehr zart gebaut, bei Terrapene aber gänzlich verloren gegangen, so daß dieser Ausschnitt mit der Posttemporalgrube zu einer einheitlichen, weiten Muskelgrube zusammenfließt. 384 Die Stämme der Wirbeltiere. besitzen schneidende Ränder und sind von Honischeiden überdeckt. Die Praemaxillaria sind rudimentär und liegen vor den äußeren Nasen- öffnungen. Sie sind schon bei Tiiassochelys sehr klein. Im Hinterhaupt nehmen die Paroccipitalia einen großen Raum ein. Die Schildkröten bilden einen geschlossenen Stamm, dessen Ent- stehung vielleicht noch in die Permzeit zurückreicht; die neueren morphologischen Untersuchungen über diese Gruppe festigen die An- sicht immer mehr, daß sie auf die Cotylosaurier zurückgehen und viel- leicht kurze Zeit hindurch ein Pelycosaurierstadium durchlaufen haben, Fig. 299. Cinostermn'n scorpioides L., var. integrum, Leconte. Südamerika. (Nach C. Rabl.) Charakteristisch für diese Schädeltype ist die Höhe des Jochbogens. Dieser Zustand ist als ein sekundärer zu betrachten und von einem Typus abzuleiten, bei dem der Jochbogen niedriger, aber der untere bogenförmige Ausschnitt (wie z. B. bei Geoemyda) vorhanden war. Die Erhöhung des Jochbogens ist hier durch ein sekun- däres Wachstum von Supramaxillare, Jugaie und Quadratojugale zustande ge- kommen und zwar wird der Hauptteil dieses sekundär vergrößerten Jochbogen- abschnittes vom Quadratojugale gebildet. wobei sie die Reduktion der Phalangen und eine obere Temporalgrube erwarben. Die ältesten Schildkröten sind zweifellos nicht aquatische, sondern terrestrische, und zwar aller Wahrscheinlichkeit nach grabende Tiere gewesen, die bei dieser Lebensweise einen Panzer erhielten, ähn- lich wie wir dies für die Vorfahren der Gürteltiere annehmen müssen. Die ältesten bekannten Schildkröten Tiiassochelys, Proganochelys und Proterochersis sind schon mit Rücksicht auf den gewölbten Carapax als Landschildkröten zu betrachten. Unter diesen ist der Stamm der Cryptodira der primitivere; die noch lebenden Testudiniden gehören zu den primitivsten Vertretern der lebenden Testudinaten, da sie die meisten altertümlichen Merkmale bewahrt haben. Dagegen sind die Cheloniidea ein spezialisierter Seitenzweig des Schildkrötenstammes. Reptilia. 385 Die Trionychoidea haben sich wahrscheinlich sehr früh (viel früher als in der Kreide) von Landschildkröten abgezweigt und sind als kon- servative Gruppe auf der früh erreichten Spezialisationshöhe, die sie heute einnehmen, stehen geblieben. Der letzte Hauptzweig des Schild- Fig. 300. Oberansicht des Carapax von Triassochelys dux, Jaekel, obere Trias von Halberstadt. Die gegenwärtige größte Breite von 60 cm war im Leben geringer, da N der Gesteins- druck den Carapax in die Breite gedrückt hat. (Nach O. Jaekel.) 3 — 77 = Marginalia. krötenstammes, die Pleurodiren, muß sich gleichfalls schon sehr frühzeitig von den Cryptodiren getrennt haben; die obertriadische Gattung Proterochersis zeigt in der festen Verwachsung des Beckens mit dem Plastron unverkennbare Pleurodirenmerkmale und darf als der älteste Vertreter der Pleurodiren betrachtet werden. Abel, Stämme der Wirbeltiere. ~3 386 Die Stämme der Wirbeltiere. 1. Unterordnung: Cryptodira. Kopf und Hals vertikal in die Schale zurückziehbar, keine oder nur kurze Querfortsätze an den Halswirbeln vorhanden; Becken mit dem Plastron nicht fest verbunden; letzteres mit 11 oder 12 Horn- schildern bedeckt; Gliedmaßen mit Klump- oder Schwimmfüßen ver- sehen, an denen '4 — 5 Krallen vorhanden sind; Phalangen mit Kon- dylen; Schale mit Hornschildern bedeckt. (Nach F. Siebenrock, 1909.) F. Triassochelyidae. Triassochelys. — Obere Trias (Keuper) von Halberstadt. 1 — Schädel, Carapax und Plastron sowie das Innenskelett fast vollständig, Glied- maßen unvollständig bekannt. Der Carapax umfaßt 9 Kostalien, mehr als 30 Marginalien und 12 Neuralien, deren vorderste zu einem Nuchale verwachsen sind; die Pygalia liegen dem Sacrum auf. Zahlreiche mar- ginale Hornschilder, die in zwei parallelen Kränzen die vier großen Neuralscuta und die beiderseits von diesen liegenden vier kleinen Lateralscuta umrahmen; der innere Kranz ist als die Reihe der Sub- marginalscuta anzusehen (Fig. 300). Das Bauchschild (Fig. 304) ist hauptsächlich aus verwachsenen Bauchrippen zusammengesetzt. Im Schultergürtel ist ein Cleithrum vor- handen; die Scapula ist in einen kurzen Akromialfortsatz verlängert (Fig. 305). Der Schädel trägt mit Ausnahme der großen posttemporalen Durch- bruchsöffnungen keine Temporalgruben, ist also stegal gebaut (Fig. 294, 301). Auf dem Parasphenoid, den Vomeres und Pterygoidea stehen Zähne, die eine Hechel bilden (Fig. 302). Außerdem sind in den Zahnrinnen des Ober- und Unterkiefers kleine, in Alveolen steckende Zahnrudimente zu beobachten (Fig. 303). Die Deckknochen des Unterkiefers sind normal entwickelt, aber miteinander verwachsen. Nur eine Art (Triassochelys dux) in einem Exemplar bekannt (Fig. 300). Die Länge des Carapax beträgt in der Mittellinie 54 cm, die größte Länge erreicht er seitlich von der vorn und hinten eingebuchteten Mittellinie 1 O. Jaekel, Die Wirbeltierfunde aus dem Keuper von Halberstadt. — II. Teil: Testudinata. — Paläontologische Zeitschrift, II. Bd., Berlin 1916, S. 88. Da der von O. Jaekel aufgestellte Name „Stegochelys" bereits vor längerer Zeit von R. Lydekker für eine andere fossile Schildkröte aufgestellt wurde (auch von Zittel in seinem Handbuch der Paläozoologie, III. Bd., S. 546 angeführt), so ist eine andere Benennung dieses neuen Schildkrötentyps aus der Trias von Halber- stadt notwendig geworden. O. Jaekel hat mir auf eine diesbezügliche Anfrage 1917 mitgeteilt, daß er nunmehr den Namen Triassochelys für die von ihm als Stegochelys dux beschriebene Gattung und Art vorschlägt. Reptilia. 387 mit 65 cm. Der 15 cm lange Schädel ist sehr stark verknöchert und wird in dieser Hinsicht nur von der Gattung Miolania übertroffen. Proganochelys. — Obere Trias (Keuper) Württembergs. 1 Ähnlich Triassochelys, aber unvollständig bekannt. Die Reihe der Submarginalia auf den vorderen und hinteren Teil des Carapax beschränkt, in der Fig. 301. Hinteransicht des Schädels von Triassochelys dux, Jaekel, aus der oberen Trias von Halberstadt. Etwas kleiner als nat. Gr. (Nach O. Jaekel.) Bo. = Basioccipitale. Paro. Co. = Condylus occipitalis. Pas. Exo. = Exoccipitale. Pte. Fe. pt. --- Fenestra posttemporalis. Q. F. m. = Foramen magnum. Qj. G. fl. = Gelenkfläche des Q. für den So. Unterkiefer. Sq. Hyp. = Hypophysengrube (Hypodyse). St. Pur. = Parietale. Stap. = Paroccipitale. = Parasphenoid. = Pterygoid. = Quadratum. Quadratojugale. = Supraoccipitale. = Squamosum. - Supratemporale. = Stapes. Mitte des Randes verloren gegangen. Die Marginalia an den Hinter- ecken zu großen Kegelhöckern ausgezogen (Fig. 307). Das Becken ist unbekannt. E. Fraas hatte eine pleurodirenartige Verbindung des Beckens mit dem Plastron angenommen, doch ist dies sehr zweifelhaft. 1 E. Fraas, Proganochelys Quenstedti Baur (Psammochelys keuperiana Qu.). — Ein neuer Fund der Keuperschildkröte aus dem Stubensandstein. — Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg, LV. Bd., 1899, S. 401. 25* 388 Die Stämme der Wirbeltiere. r.G. Gl.fi. Fig. 302. Unterseite des Schädels von Triassochelys dux, Jaekel, aus der oberen Trias von Halberstadt, in nat. Gr. (Nach O. Jaekel, 1916.) Bas. = Basisphenoid. Pas. = Parasphenoid. Cho. = Choane. Pmx. = Praemaxillare. Co. = Condylus occipitalis. Pier. Pterygoid. F.q. = Foramen quadrati. Q. = Quadratuni. Gl. fl. = Gelenkfläche des Q. für Qi- = Quadratojugale. den Unterkiefer. r.G. = rechte Gaumengrube Hvp. = Hypophysengrube. Smx. = Supramaxillare. ./"• Jugale. Stap. = Stapes. Pol. ^ Palatinum. Vo. = Vomer. Reptilia. 389 Die übrigen fossilen Vertreter der Cryptodiren, unter denen nament- lich die Gattung Testudo häufiger (im Oberpliozän Ostindiens durch die Riesenform Testudo Atlas mit 2 m Carapaxlänge und im Pliozän von Serrat (Ostpyrenäen) durch T. Perpiniana mit 1,20 m Carapaxlänge) vertreten ist, die auch schon unteroligozäne Riesenformen umfaßt (Testudo ß c D ^ Fig. 303. Die rudimentären Zahnanlageh von Triassochelys dux, Jkl., aus der oberen Trias von Halberstadt. (Nach O. Jaekel, 1916.) A: Schnabelrinne des rechten Unterkiefers (nat. Gr.). B: Schnabelrinne des linken Unterkiefers (nat. Gr.). In der Mitte der Schnabel- rinne die Reihe der kleinen Zahngruben. C: Zwei dieser Zahngruben in 20facher Vergrößerung. D: Ein Teil der Doppelreihe der Zahngruben des rechten Oberkiefers, lOfach vergrößert. Amnion aus Ägypten mit 36,8 cm Carapaxlänge, Fig. 308), bieten ge- ringen Aufschluß über den Verlauf der Stammesgeschichte der einzelnen Familien. Von den lebenden Familien der Cryptodiren (Chelydridae, Cinosternidae, Dermatemydidae, Platysternidae und Testudinidae) sind mit A'-.snahme der Chelydriden und Platysterniden fossile Vertreter be- kannt. 2. Unterordnung: Cheloniidea. Die Cheloniidea bilden einen Seitenzweig der Schildkröten, der vom Landleben zum Meeresleben übergegangen ist. Die verbindenden 390 Die Stämme der Wirbeltiere. Zwischenformen dürfen wahrscheinlich Küstensümpfe bewohnt haben. Dieser Wechsel der Lebensweise hat durchgreifende Veränderungen des Skelettbaues und der allgemeinen Körperform zur Folge gehabt. Freilich G. G. F, + A. P.+ A Fig. 304. Plastron von Triassochelys dux, Jaekel, aus der oberen Trias von Halberstadt, von außen gesehen. Vorne (punktierte Umrißlinien) liegen die Gularia; die Grenzen der nach hinten sich anschließenden Hornschilder (Brachialia, Pectoralia -f Abdominalia, Femoralia und Analia) sind durch tiefe Furchen markiert. (Nach O. Jaekel.) G. Gulare. F. = Femorale. B. = Brachiale. An. = Anale. P. + A. = Pectorale + Abdominale. ist die typische Schildkrötengestalt auch bei dm hochspezialisiertesten Hochseetypen nicht verwischt worden, aber der Rückenschild hat doch seine Form bei allen Meeresschildkröten geändert und seine hohe Wöl- bung, wie sie für die Landschildkröten bezeichnend ist (z. B. Testudo), Reptilia. 391 schon bei den Sumpfschildkröten und Süßwasserschildkröten (z. B. Emys) verloren und macht bei den Hochseeschildkröten mehr und mehr einer flachen, herzförmigen Gestalt Platz. Die Verbindung des Rücken- schildes mit dem Bauchschilde hat sich gelockert und es ist bei den marinen Typen zu einer Reduktion der Außenenden der Costalia und des Kernes des Plastrons gekommen; wir können diesen Prozeß der Reduktion der Verknöcherung bei den fossilen Thalassemydiden, Chelo- Fig. 305. Die Einfügung des Schulterapparates unter den Rückenpanzer bei Triassochelys dux, Jkl., aus der oberen Trias von Halberstadt. (Nach O. Jaekel, 1916.) W8—11 ■■= 8.— 11. Wirbel. Fos. = Foramen supracoracoideum RS— ii ='8.— 11. Rippe. ( = F, infrascapulare). Ct. Cleithrum. Icv. = Interclavicula. Sc. Scapulare. G. = Cavitas glenoidalis. Ssc. = Suprascapulare. Hc. = Blutgefäßkanal. Co. = Coracoid. Cr. = Clavicula. Ac. Acrotnion. niiden und Dermochelyiden in seinen verschiedenen Stufen deutlich verfolgen. Im weiteren Verlaufe wird der Carapax auf einen schmalen medianen Schild reduziert (z. B. bei Allopleuron aus der oberen Kreide von Holland und Belgien), der noch von einem Kranz schwacher Mar- ginalia umgeben ist; wenn aber auch die Kostalplatten verloren ge- gangen sind, bleiben doch noch die Rippen selbst erhalten (z. B. Ar- cheion ischyros aus der Oberkreide von Dakota). Im Bauchschild werden die einzelnen Elemente voneinander getrennt, die in der Mitte 392 Die Stämme der Wirbeltiere. des Plastrons entstehende Fontanelle wird immer größer, und schließ- lich bleibt vom Plastron nur ein schmaler Knochenring übrig, der von den Claviculae, den Hyoplastra, Hypoplastra und Xiphiplastra ge- bildet wird. Dieses Stadium der Reduktion des knöchernen Bauch- schildes ist am weitesten bei der lebenden Gattung Dermochelys vor- Fig. 306. Beckengürtel von- Triassochelys dux, Jaekel, ans der oberen Trias von Halberstadt. 2 / 3 nat. Gr. Hinteransicht. (Nach O. Jaekel, 1916.)" = Processus caudalis. Wirbelkörper, darüber der Neuralkanal. = Postzygapophyse. = Praezygapophyse. = Dornfortsatz des Wirbels. = Caput femoris. = Trochanter maior. = Trochanter minor. = Fossa intertrochanterica. //. = Ilium. Pc. Is. : Ischium (hinterer Teil an der W. punktierten Bruchfläche ab- gebrochen). Ptz. p. = Pubis. Prz. Fo. = Foramen obturatorium. Df. Cm. = Crista medialis externa. Cf. Sk. = Sakralrippe. Tr. I. Pp. = Processus posterior der Tr. II Sakralrippe. Fi. Pd. = Processus dorsalis. geschritten; bei ihr ist vom ehemaligen Carapax nichts mehr übrig geblieben als die N uchalplatte. Wir finden jedoch in dem häutigen, mosaikartig gefelderten Rücken - schild der Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) sehr zarte Knochen- plättchen, die kalkig und durch zackige Nähte verbunden sind. Auch auf der Bauchseite liegen kleine Knochenkörperchen in der Haut, aber sie schließen sich nicht zu einem Mosaik zusammen, sondern liegen ganz unregelmäßig verstreut in der Haut. Reptilia. 393 Diese Mosaikplättchen in der Rückenhaut und die knöchernen Tuberkeln in der Bauchhaut sind ebenso wie die noch vorhandenen, zarten Randplättchen (Marginalia) nicht als Rudimente des primären Carapax und Plastrons, sondern als Rudimente eines über diesem vor- handen gewesenen sekundären Knochenschildes anzusehen. Während Fig. 307. Carapax von Proganochelys Quenstedti, Baur, aus dem obersten Keuper Württembergs. (Nach E. Fraas.) Die Grenzlinien der (nicht erhaltenen) Ffornschi Ider sind durch doppelte Linien bezeichnet. nu. - Nuchalplatte. py. ■= Pygalp'atte. 'h — n 8 = Neuralplatten. fj — r 8 = Costalplatten. der Carapax und das Plastron mit Ausnahme der Marginalia in einer tieferen Schicht der Lederhaut, der „thekalen" Schicht, gebildet werden, gehört dieser sekundäre Panzer einer höheren Schicht der Lederhaut, der ,,epithekalen " Schicht, an. Da sich der epithekale Panzer bei Dermochelys gleichfalls im Stadium vorgeschrittener Reduktion befindet, so muß die Lederschildkröte von 394 m Die Stämme der Wirbeltiere. TM 4 Fig. 308. Knochenpanzer von Testudo Amnion, Andrews, aus dem Unteroligozän des Fayüm (Nord von Birket-el-Qurun), Ägypten. Karapaxlänge 86,8 cm. (NachC. W. Andrews.) Nu. = Nuchalplatte (Knochen). N x — N 8 =Neuralplatte (Neurale) I. — VIII. (Knochen). nu. ^-Nuchal-, n$ — n i =Neuralscutum. Py. = vordere u. hintere Pygalplatte (Knochen). Reptilia. 395 Ahnen abstammen, die einen funktionellen sekundären Rückenschild und Bauchschild über den Rudimenten des primären Carapax und Plastron besaßen. Wir kennen derartige Typen in der Gattung Psepho- phorus (Fig. 315), die vom Eozän bis zum Oberpliozän lebte und eine gewaltige Größe erreichte; da Psephophorus Scaldii aus dem Mittel- pliozän von Antwerpen die riesige Testudo (Colossochelys) Atlas (mit 2 m Carapaxlänge) noch bedeutend übertraf, so war sie die größte bisher bekannte fossile Schildkröte. Bei dieser ist ein aus dicken Knochen- platten bestehender Mosaikpanzer vorhanden, der bei den Ahnen von Dermcchelys in gleicher Weise ausgebildet gewesen sein muß. L. Dollo 1 hat (1901) dargelegt, daß die wechselvolle Geschichte des Panzers bei den Vorfahren von Dermochelys dadurch zu erklären ist, daß eine zweimalige, von einer Rückkehr zum Küstenleben unter- brochene Wanderung in die Hochsee eingetreten sein muß. Die Re- duktion des primären, bei der terrestrischen Lebensweise erworbenen Panzers (Carapax und Plastron) ist eine Folge des Aufenthaltes in der Hochsee und läßt sich bei den Thalassemydiden und Cheloniiden schritt- weise verfolgen (Fig. 309 — 312, 314). Von derartigen hochspezialisierten Hochseeformen aus dem Stamme der Cheloniiden muß ein Seitenzweig zur littoralen Lebensweise zurückgekehrt sein und bei dieser den se- kundären, epithekalen Mosaikpanzer erworben haben. Dermochelys ist aber wieder zu einem Hochseebewohner geworden, bedarf also des se- kundären Knochenschildes ebensowenig wie des primären und hat daher auch den zweiten verloren. In der oberen Kreide Nordamerikas sind einige Cheloniidea ge- funden worden, bei denen auf dem thekalen Carapax entweder ver- einzelte mediane Knochenplatten aufsitzen, die der epithekalen Leder- hautfchicht entstammen (z. B. bei Toxochelys Bauri drei epithekale Knochenhöcker auf den Neuralia, Fig. 310) oder die eine geschlossene Reihe von Knochenplatten in der Medianlinie bilden (z. B. Archeion isehyros, Fig 312). Diese Typen zeigen uns den Weg, auf dem die Entstehung von Psephophorus und Dermochelys vor sich gegangen ist. Der Schädel der Cheloniidea hat im Laufe der Stammesgeschichte eine wichtige Veränderung durch die Ausbildung eines sekundären Schläfendaches erfahren, das bei den Gattungen aus der Kreidefor- matien nech nicht so weit ausgebildet ist als bei Chelonia, wo das sekundäre Schläfendach vollständig die Temporalgrube überdeckt. Die „absteigenden Fortsätze" 2 der Parietalia sind bei den Thalassemydiden noch nicht in der Weise ausgebildet wie bei den jüngeren Cheloniidea. 1 L. Dollo, Sur l'Origine de la Tortuc Luth. — Bull. Soc. Roy. Sciences medicales et naturelles de Bruxelles, 1901. 2 O. Jaekel hat diese Teile der Parietalia, die zur seitlichen Umwandung der Gehirnkapsel dienen, als ,,Entomella" bezeichnet (1916). 396 Die Stämme der Wirbeltiere. o CG 3 5 ■a C 3 re 03 1 öi 05 ^ " 03 3 U- r-* t"; CJ bi u-§ Li- 03 £Z — u >. .5 ~ £ £ k „f 2^v OS JS — ^P»'*' s _ \/. • "^^i . pi&l X c - ; ^^r C^' > s*?3rar C " ■ J ^ "1 ~v .•.«■^J - * A, in * - -1 h-3 « 03 c Reptilia. 397 Die Gliedmaßen sind zu Flossen umgewandelt und besonders die Hände verlängert worden. Die verschiedenen Gattungen der Cheloniidea sind in zahlreiche Familien aufgeteilt worden, deren Abgrenzung jedoch keine sehr scharfe ist, da eine Reihe von Zwischenformen vorliegen. Die „Familien" der Cheloniidea stellen im wesentlichen nur aufeinanderfolgende Entwick- lungsstufen dar, die jeweils eine Zahl von Gattungen enthalten, die infolge von Spezialisationskreuzungen aus der Ahnenreihe vieler jüngerer Gattungen ausscheiden; da aber die Nachkommen der verschiedenen, einer dieser Entwicklungsstufen angehörenden Gattungen sicli wieder selbständig zu der nächstfolgenden Stufe weiterentwickelt haben, so zerschneidet das bisherige ,, System" die genetischen Linien an mehreren Stellen. Wenn im folgenden die Gruppierung der Cheloniidea in die -Familien der Thalassemydidae, Cheloniidae und Dermochelyidae bei- behalten wurde, so soll damit nicht gesagt sein, daß die erstgenannte „Familie" einen selbständigen Ast bildet. Die Familien der Protoste- giden, Toxochelyiden, Propleuriden und Lytolomiden vereinige ich mit der Familie der Cheloniiden, da kein zwingender Grund für die Ab- trennung dieser Familien vorliegt. F. Thalassemydiden. Die Thalassemydiden bilden die Stammgruppe der jüngeren Chelo- niidea und sind im allgemeinen durch geringe Spezialisationshöhe jener Anpassungen gekennzeichnet, die sich in gesteigerter Form bei den Cheloniiden und Dermochelyiden vorfinden. Sie bilden die Brücke zu den Emydinen, einer Unterfamilie der Testudiniden, und beweisen die Herkunft der Cheloniidea von den Cryptodiren. Die Gliedmaßen waren noch emysartig; die Zehen und Finger endeten mit Krallen und waren kurz, aber im Carapax sind bereits Fontanellen infolge Reduktion der randlichen Partien der Costalia vorhanden, während im Plastron die zentrale Fontanelle auftritt. Der Rückenschild ist nur noch bei Chelo- nides aus dem oberen Jura Norddeutschlands stärker gewölbt, zeigt aber Zu Fig. 309. Die Grenzen zwischen den Skelettelementen sind durch einfache Nahtlinien, jene der darüber liegenden Hornschilder durch doppelte Linien gekennzeichnet. Die Lage der Hornschilder ist durch kleine Sterne bezeichnet. Knochenschilder: hypo. = Hypoplastron. IUI. Nuchalplatte. xi P h - = Xiphiplastron. py. = Pygalplatte. n x — n a = Njuralplatten 1— 8. Hornschilder: c lt c t = Costalplatten 1 und 8 VS—VSt = Vertebralscutum 1—4. Marginalplatten 1—11. LS 1 —LS l = Lateralscutum 1—4. -m 1 1 liyop. = Hyoplastron. Py. S. = Pygalscutum. 398 Die Stämme der Wirbeltiere. bereits die ersten Anpassungen an das Meeresleben in kleinen Fonta- nellen zwischen den Rippenenden und einer großen zentralen Fonta- nelle des Plastrons. Einen anderen Typus repräsentiert Idiochelys aus dem oberen Jura Frankreichs und Bayerns, da der Rückenschild zwar sehr flach und thalassemysartig gebaut ist, das Plastron aber keine zentrale Fontanelle aufweist. Hier liegen also zweifellos Spezialisations- kreuzungen vor. Eine weitere, bereits höher spezialisierte Gattung ist Thalassemys (Fig. 309) aus dem oberen Jura Deutschlands und der Schweiz, und noch weiter spezialisiert ist Eurysternum aus gleichalte- rigen Bildungen Bayerns und Frankreichs; bei dieser Gattung ist das sekundäre Schläfendach bereits vollständig geschlossen. Die Entstehung der Thalassemydiden aus den Emydinen und somit die Abzweigung der Cheloniidea von den Cryptodira dürfte in diese Zeit des oberen Jura oder der unteren Kreide fallen; in der Wealdenform Chitracephalus liegt bereits eine Type vor, die in den wesentlichen Merkmalen durchaus den Charakter der primitiveren Cheloniiden auf- weist. Chelonides. — Oberer Jura von Hannover. 1 Idiochelys. — Oberer Jura von Kelheim und Cerin. 2 Thalassemys. — Oberer Jura von Solothurn und Neuenburg in der Schweiz, Schnaitheim in Schwaben. 3 (Fig. 309.) Eurysternum (= Acichelys). — Oberer Jura von Kelheim, Soln- hofen und Cerin. 4 1 G. A. Maack, Die bis jetzt bekannten fossilen Schildkröten und die im oberen Jura bei Kelheim (Bayern) und Hannover neu aufgefundenen ältesten Arten derselben. — Paläontographica, XVIII. Bd., 1869, S. 193. A. Portis, Über fossile Schildkröten aus dem Kimmeridge von Hannover. Ibidem, XXV. Bd., 1878, S. 125. W. Oertel, Beiträge zur Kenntnis der oberjurassichen SchÜdkrötengattung Hydropelta. — Centralblatt f. Min. usw., 1915, S. 347. 2 H. von Meyer, Zur Fauna der Vorwelt. Reptilien aus dem lithographischen Schiefer des Jura in Deutschland und Frankreich. — Frankfurt a. M., 1860. 3 L. Ruetimeyer, Die fossilen Schildkröten von Solothurn und der übrigen Juraformation. Mit Beiträgen zur Kenntnis von Bau und Geschichte der Schild- kröten im Allgemeinen. — Neue Denkschriften der Schweizerischen Gesellschaft f. Naturwissenschaften, XXV. Bd., 1873. (Hier Verweise auf die ältere Literatur.) E. Fraas, Thalassemys marina E. Fraas aus dem oberen weißen Jura von Schnaitheim nebst Bemerkungen über die Stammesgeschichte der Schildkröten. — Jahreshefte d. Ver. f. vaterländische Naturkunde in Württemberg, 1903, S. 72. 4 L. Lortet, Les Reptiles fossiles du Bassin du Rhone. — Archives du Musee d'hist. nat. de Lyon, T. V., 1892, p. 3. K A. von Zittel, Bemerkungen über die Schildkröten des lithographischen Schiefers in Bayern. — Paläontographica, XXIV. Bd., 1877, S. 175. Zu dieser Gattung gehört der größte Teil der unter dem Namen Hydropelta (z. B. H. Meyeri) beschriebenen Arten (vgl. W. Oertel, 1. c, 1915, S. 347). Reptilia. 399 Chitracephalus. Belgien. 1 Sontiochelys. - — Unteie Kreide (Wealden) von Bernissart in Untere Kreide vom Monte Santo bei Görz. 2 F. Cheloniidae. Der Rücken schild z.igt an den Rändern große Fontanellen zwischen den Rippen, die sich im Laufe der Stammesgeschichte immer weiter gegen die Wirbelsäule zu ausdehnen, bis sie bei Protosphargis dieselbe erreicht haben. Ebenso ist die zentrale Fontanelle des Plastrons bei den älteren Cheloniiden noch relativ klein, erweitert sich aber bei den jüngeren und besonders bei Protosphargis derart, daß die Hyoplastra, Hypo- plastra und Xiphiplastra nur mehr einen Ring bilden, der vorn durch Fig. 310. Carapax und Plastron von Toxochelys Bauri Wieland aus der oberen Kreide von Gove County (Kansas), von der Seite gesehen. Länge etwa 53 cm. (Nach G. R. Wieland, 1905.) /. = Foramen postnuchale. s. = die drei epithekalen Buckel der Mittellinie. das getrennte Entoplastron abgeschlossen wird. Der Schädel weist den schon bei Eurysternum vollzogenen sekundären Verschluß des Schläfendaches in verschieden hohem Grade auf. Carapax und Plastron, die schon bei Thalassemys nicht mehr miteinander verwachsen waren (E. Fraas, 1903), sind bei den sich um Toxochelys gruppierenden Gattungen nur mehr locker miteinander verbunden, während bei der lebenden Chelonia die Verbindung durch Ligamente bewerkstelligt wird. Die Brücke zu den Thalassemydiden wird durch die Gattungen Osteopygis, Lytoloma und einige verwandte Gattungen gebildet. Die Brücke zu den Dermochelyiden bilden vielleicht Archeion und Protosphargis, so 1 L. Dollo, Premiere Note sur les Cheloniens de Bernissart. ■ — Bulletin du Musee Royal d'Histoire naturelle de Belgique, T. III, 1884, p. 63. 2 G. Stäche, Sontiochelys, ein neuer Typus von Lurchschildkröten (Pleu- rodiren) aus der Fischschieferzone der unteren Karstkreide des Monte Santo bei Görz. - - Verhandl. d. K. K. Geol. Reichsanstalt in Wien, 1905, S. 285. 400 Die Stämme der Wirbeltiere. daß also keine scharfen Grenzen zwischen diesen drei Familien bestehen und die Differenzen nur gradueller Natur sind. Würde an der bisher geübten Methode der Errichtung von Familien innerhalb des Kreises Fig. 311. Carapax von Toxochelys Bauri, Wieland, aus der oberen Kreide (Niobrara Cretaceous) von Gove County in Kansas. Länge etwa 53 cm. (Nach G. R. Wieland, 1905.) /. . = Foramina postnuchalia. /. — VIII. = Costalia I. — VIII. /j und / 9 = Laterale Fontanellen. N. - Nuchalplatte. der Cheloniidea festgehalten werden, so müßte schließlich für jede einzelne der vielen fossilen Gattungen eine separate Familie errichtet werden. Reptilia. 401 Osteopygis. — Obere Kreide Nordamerikas. — Carapax ohne Fontanellen, Plastron mit kleiner zentraler Fontanelle. Man kann im Zweifel sein, ob diese Gattung als ein noch in der Kreide lebender Ver- treter der Stammgruppe der Thalassemydiden anzusehen oder den Che- loniiden einzureihen ist. 1 Lytoloma. — Obere Kreide (Cenoman) bis Obereozän Belgiens,. Englands, Nordamerikas, Afrikas (Tunis). — Ca.apax mit randlichen Fontanellen zwischen den Marginalien und den Costalplatten. Die Sym- physe des Unterkiefers ist ungewönlich lang. Das Tier lebte (nach L. Dollo, 1903) littoral und war durophag (conchifrag). Lytoloma bildet wahrscheinlich das Endglied eines Seitenastes der Cheloniiden. 2 Toxochelys. — Untere Kreide (Aptien) Hannovers 3 und obere Kreide Nordamerikas. — Kurze Symphyse des Unterkiefers 4 (Fig. 310, 311). 1 G. R. Wieland, Structure of the Upper Cretaceous Turtles of New Jersey: Adocus, Osteopygis, and Propleura. —^American Journal of Science, Vol. XVII, 1904, p. 118. 2 L. Dollo, Premiere Note sur Ies Cheloniens Landeniens (Eocene inferieur) de La Belgique. — Bulletin du Musee Roy. d'Hist. Nat. de Belgique, T. IV, 1886, p. 129. (Als Pachyrhynchus Gosseleti beschriebener Unterkiefer von Lytoloma Gosseleti, Dollo.) Im Naturhistorischen Museum zu Brüssel befinden sich aus dem Untereozän von Erquelinnes (Belgien) die Reste von mehr als 25 Individuen von Lytoloma Gosse- leti, von denen 13 montiert sind. Sie sind noch nicht eingehender beschrieben (L. Dollo, Bulletin Soc. Beige de Geologie etc., T. XXI, 1907, p. 83). Derselbe, Eochelone brabantica, Tortue marine nouvelle du Bruxellien (Eocene moyen) de La Belgique. — BulI.Acad.Roy.de Belgique, 1903, pag. 62 — The Fossil Vertebrates of Belgium. — Annais of the New York Academy of Sciences, Vol. XIX, 1909, p. 99. Vgl. überdies: O. P. Hay, The Fossil Turtles of North America. — Carnegie Institution of Washington, Publication Nr. 75, 1908. (Ausführliche Literatur über die fossilen Schildkröten Nordamerikas.) 3 W. Oertel, Toxochelys gigantea nov. sp., eine neue Schildkröte aus dem Aptien von Hannover. ■ — VII. Jahresbericht d. Niedersächsischen Geol. Vereins zu Hannover, 1914, S. 91. Von dieser Art liegt zwar nur ein Schädel vor, der aber nach Oertel der nordamerikanischen Art Toxochelys procax so nahe steht, daß die neue Art zweifellos als Vertreter dieser früher nur aus der oberen Kreide Nordamerikas bekannten Gattung anzusehen ist. Vgl. ferner O. P. Hay, 1. c. sowie die folgenden Arbeiten: 4 G. R. Wieland, Notes on the Cretaceous Turtles, Toxochelys and Archeion, with a Classification of the Marine Testudinata. — American Journal of Science, Vol. XIV, 1902, p. 95. Derselbe, A New Niobrara Toxochelys. — American Journal of Science, Vol. XX, 1905, p. 325. O. P. Hay, Description of two Species of Fossil Turtles, Toxochelys steno- pora and Chisternon? interpositum, the latter hitherto unknown. — Proceed. U. S. National Museum, Vol. XXXVI, 1909, p. 191. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 26 402 Die Stämme der Wirbeltiere. =r re 3 . , VI D. n 3* v> "<; -1 m C X V. IT ■-t S »1 ~-t- IT D3 n ■ ■ •-t n < 83 fB O —> T *""h O •n r* Jü, V. £3 s *-^ 3 Vi n. 3 iT CfQ O cr> r-K CA! ^ C i n O v: r+- rr CA) 1 ?r T1 CL O 1 ?r «~+- H Ul 03 ^ V. r— CJ Q. Ol V. 2J O r-t~ =T IT --V *< IT "- , n ,«— -v X < |"7* IT -1 .— *. " z "vi ~ ^* — . * 0. ^ 3 c IT - tt O s. 3 &>: 3 JQ Ol co Reptilia. 403 Protostega. — Obere Kreide Nordamerikas. 1 Allopleuron. — Obere Kreide Belgiens (Obersenon und Mae- strichtien). 2 Archeion. — Obere Kreide Nordamerikas. 3 A. ischyros erreichte eine Länge von etwa 4,25 m (Schädellänge 1 m). (Fig. 312— 313.) Fig. 313. Schädelrekonstr,uktion von Archeion ischyros, Wieland, aus der oberen Kreide vom Cheyenne River in Süddakota (Fort Pierre Cretaceous). Schädellänge 1 m erreichend. (Nach G. R. Wieland, 1900.) = Quadratojugale. = Quadratum. = Jugale. = Squamosum. = Stapes. pr. = Parietale. ptf. = Postfrontale. /. = Frontale. pf. = Lacrymale. m. = Supramaxillare. n. = Nasenöffnung. pm. = Praemaxillare. v. = Vomer. pl. = Palatinum. q- !■ sq. st. qr. = Articulare. sr. = Supraangulare. d. = Dentale. Protosphargis. — Obere Kreide Oberitaliens (Verona). 4 (Fig. 314.) 1 G. R. Wieland, Revision of the Protostegidae. — American Journal of Science, Vol. XXVII, 1909, p. 101. 2 T. C. Winkler, Des Tortues Fossiles conservees dans le Musee Teyler et dans quelques autres Musees. — Archives du Musee Teyler, Vol. II, 1869. 3 G. R. Wieland, The Skull, Pelvis, and Probable Relatioships of the Hugh Turtles of the Genus Archeion from the Fort Pierre Cretaceous of South Dakota. — American Journal of Science (4), Vol. IX, 1900, p. 237. Derselbe, Revision of the Protostegidae. — Ibidem (4), Vol. XXVII, 1909, p. 101. 4 G. Capellini, Le Piastre marginali della Protosphargis veronensis. — Rendiconto delle Sessioni della R. Accademia delle Scienze delPIstituto di Bologna. Vol. II, 1898, p. 97. 26* 404 Die Stämme der Wirbeltiere. Argillochelys. — • Untereozän Belgiens und Englands. 1 Eochelone. — Mitteleozän von Brabant (Belgien). 2 Oli gochelone. — Mitteloligozän von Boom (Belgien). 3 Thalassochelys. — Lebend. Chelonia. — Lebend (Fig. 296). Hypo. Fig. 314. Protosphargis veronensis, Capellini, aus der oberen Kreide von Verona, in 1 / 16 nat. Gr. R. =< Rippen. Hyo. = Hyoplastron. M. = Marginalia. Hypo. = Hypoplastron. Epip. = Epiplastron. Xiph. = Xiphiplastron. F. Dermochelyidae. Sind auch die Gattungen, welche die Ahnenformen der Dermo- chelyiden bilden, bisher noch nicht bekannt, so ist doch der Weg voll- kommen klargelegt, den die Entwicklung dieser Familie aus den Cheloniiden genommen hat. Vielleicht wurzeln die Dermochelyiden in den älteren Thalassemydiden, so daß die weitgehenden Ähnlich- 1 R. Lydekker, Catalogue of the Fossil Reptilia and Amphibia in the British Museum. III. Chelonia. — 1889, p. 40. 2 L. Dollo, Eochelone brabantica etc., — 1. c, 1903. 3 L. Dollo, The Fossil Vertebrates of Belgium. — 1. c. 1909, p. 114. Der im Brüsseler Museum aufbewahrte Rest (vollständiger Carapax und Glied- maßenknochen) ist noch nicht näher beschrieben. Reptilia. 405 keiten der Cheloniiden und Dermochelyiden nur als Folgen paralleler Entwicklung anzusehen wären; dafür würden das Vorhandensein einer Fig. 315. Psephophorjjs polygonus, H. v. Meyer. Bruchstück des Carapax (Original von H. v. Meyer und H. G. Seeley) aus dem kieseligen, miozänen Sandstein des Thebener Kobels bei Neudorf a. d. March, Ungarn. Original in der k. k. Geol. Reichsanstalt in Wien. Phot.: Ing. F. Hafferl. (Die untere Hälfte des Stückes war nach der Entdeckung des Fundes verschleppt worden und wurde durch einen Zufall 25 Jahre später zustande gebracht. — y 5 na ^- Gr.) 406 Die Stämme der Wirbeltiere. starken ersten Rippe, das Fehlen der absteigenden Parietalplatten als Teile der Seitenwand des Schädeldaches und das eigentümliche Ver- halten des Parasphenoids (J. Versluys, 1909 und 1914) sprechen. Die Frage der Abzweigungsstelle der Dermochelyiden sowie des Zeit- punktes derselben muß weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben, doch kann schon jetzt an der nahen Verwandtschaft der Cheloniiden und der Dermochelyiden kein Zweifel mehr bestehen. Als wesentliches Kennzeichen der Gruppe kann man die Ausbildung des sekundären, epithekalen Panzers ansehen, der bei Dermochelys wieder im Ver- schwinden begriffen ist; unter diesem Gesichtspunkte würde vielleicht auch Archeion in diese Familie zu stellen sein, aber es ist ja immerhin möglich, daß hier ein paralleler Spezialisationsweg bei zwei verschiedenen Stämmen vorliegt. Psephophorus. — Vom Mitteleozän bis zum Mittelpliozän Europas (Obereozän Ägyptens, Miozän Nordamerikas), — Epithekaler Panzer als Mosaikschild entwickelt, dessen Platten sehr dick sind. 1 (Fig. 315.) Dermochelys. — Lebend. — Der Schädel der Gattung Pseudo- sphargis (Oberoligozän Norddeutschlands) ist Dermochelys ähnlich, aber durch den Besitz der Pterygoidflügel an der Seiten wand der Gehirn- kapsel verschieden, so daß die Stellung dieser Gattung unsicher ist; sie gehört vielleicht zu den Cheloniiden. 2 (Fig. 316.) 3. Unterordnung: Pleurodira. Das wesentlichste Merkmal des Pleurodirenskeletts liegt in der festen Verbindung des Beckens mit dem Bauchschild (Fig. 317); dazu kommt die Ausbildung kräftiger Querfortsätze an den Halswirbeln und die Art des Verbergens des Schädels unter den Panzerschutz. Während 1 H. G. Seeley, Note on Psephophorus polygonus H. v. Meyer. - Quar- terly Journal of the Geol. Soc. London, Vol. XXXVI, 1880, p. 406. L. Dollo, Premiere Note sur ies Cheloniens Oligocenes et Neogenes de La Belgique. — Bull. Mus. Roy. d'Hist. Nat. Belg., t. V., 1888, p. 59. Derselbe, Sur l'Origine de la Tortue Luth (Dermochelys coriacea). — Bull, de la Soc. Roy. des Sciences medicales et naturelles de Bruxelles, 1901, p. 1. 2 H. Voelker, Über das Stamm-, Gliedmaßen- und Hautskelett von Der- mochelys coriacea L. — Zool. Jahrbücher, Abt. f. Anatomie, XXX III. Bd., 1913, S. 431 (ausführliche Literatur). J. Versluys, Ein großes Parasphenoid bei Dermochelys coriacea. — Zool. Jahrbücher, XXVI II. Bd., 1909, S. 283. Derselbe, On the Phylogeny of the Carapace, and on the Äff inities of the Leathery Turtle, Dermochelys coriacea. — British Association etc., Birmingham 1913. Derselbe, Über die Phylogenie des Panzers der Schildkröten und über die Verwandtschaft der Lederschildkröte (De mochelys coriacea). — Paläontologische Zeitschrift, Berlin 1914, I. Bd., S. 321. Reptilia. 407 ra. = Radius. c. = Centrale. ul. = Ulna. j- — 5 = Carpale distale r. - Radiale. 1 — 5. u. --- Ulnare. / — V = Finger I — V. /. = Intermedium. M. V. = Metacarpale V. p. = Pisiforme. M. /. ^Metacarpale I. Fig. 316. — Linke Hand von der Dorsalfläche gesehen (links: älteres, Zu beachten ist die Grenze zwischen dem Carpale 4 und C. 5 bei dem jüngeren Tier, ebenso die Grenze zwischen dem Intermedium und Centrale, so daß daraus die ursprüngliche Trennung dieser beim erwachsenen Tier verschmolzenen Carpalelemente bewiesen ist. Fig. A in 1 / i , B in 11 / 4 nat. Gr. (Nach H. Völker, 1913.) Dermochelys coriacea, L. rechts: jüngeres Tier). 408 Die Stämme der Wirbeltiere. bei den Cryptodiren der Kopf durch eine in der Medianebene sich voll- ziehende Biegung der Halswirbel zurückgezogen wird, wird Kopf und Hals bei den Pleurodiren seitlich umgebogen, um so zwischen Carapax und Plastron verborgen zu werden. Diese Fähigkeit steht mit der starken Ausbildung der Querfortsätze der Halswirbel (Muskelansatzstellen) in Zusammenhang. P Fig. 317. Plastron eitler pleurodiren Schildkröte, von der Bauchseite gesehen (Nach O. Jaekel.) C7. = Epiplastra ( = Claviculae). Hp. --= Hypoplastra Entoplastron ( = Interclavicula). Xp. Hyoplastra. Id. Xiphiplastra (auf ihnen p = die Ansatzflächen für das Becken). Alle lebenden Pleurodiren sind Wasserbewohner; sie verlassen das Wasser entweder nie oder doch nur zeitweilig. Daher sind auch bei allen Pleurodiren Schwimmfüße ausgebildet. Die systematische Bestimmung der fossilen Vertreter der Pleuro- diren kann nur dann mit Sicherheit erfolgen, wenn entweder die Über- einstimmung des Panzerbaues mit lebenden Gattungen über jeden Zweifel erhaben ist, oder wenn die Anheftung des Beckens an das Plastron (Fig. 317, 320) oder der Bau der Halswirbel beobachtet werden kann. Reptilia. 409 F. Archaeochelyidae. Die älteste pleurodire Schildkröte ist Proterochersis robusta, die E. Fr aas (1913) aus dem Keuper Württembergs beschrieb. Der Cara- pax ist hoch gewölbt; das Becken ist sehr kräftig und mit dem Cara- .^ ■ml Fig. 318. Proterochersis robusta E. Fraas, die älteste pleurodire Landschildkröte aus dem Stubensandstein von Rudersberg in Württemberg (obere Trias). Carapax, von oben gesehen, rekonstruiert. Ungefähr 1 / 3 nat. Gr. IUI. n 1 — n 8 py- (Nach E. Fraas, 1913.) Nuchalplatte. tri 1 — m 12 = Marginalplatten. Neuralplatten. VS X — V5 5 = Vertebralscuta. Pygalplatte. LS X — LSj = Lateralscuta. Costalplatten. pax und Plastron fest verwachsen. Im Plastron finden sich zwischen den Hyoplastra und Hypoplastra zwei Paar Me'soplastra eingeschaltet. Das Vorhandensein derselben ist als ein primitives Merkmal anzusehen (E. Fraas, 1913). Die hohe Wölbung der Schale spricht dafür, daß das Tier eine Landschildkröte war. 410 Die Stämme der Wirbeltiere. Proterochersis. — Obere Trias Württembergs 1 (Fig. 318, 319). F. Plesiochelyidae. Aus dem oberen Jura Deutschlands und der Schweiz liegen mehrere Fig. 319. Plastron von Proterochers is (vgl. Fig. 318.) e. = Entoplastron. GS. = Gularscutum. ep. = Epiplastron. BS. = Brachialscutum. hyp. = Hyoplastron. AS. = Abdominalscutum. mp. I = vorderes Mesoplastron. FS. = Femoralscutum. mp. 11 = hinteres Mesoplastron. AnS. = Analscutnm. hpp. = Hypoplastron. IcS. = Caudalscutum. xp. = Xiphiplastron. CS. = Intercandalscutum 1GS. Intergularscutum. Arten vor, deren Zugehörigkeit zu den Pleurodiren aus der Verwachsung des Beckens mit dem Plastron hervorgeht. Diese Arten verteilen sich 1 E. Fraas, Proterochersis, eine plenrodire Schildkröte aus dem Keuper. — Jahreshefte des Vereins f. Vaterländische Naturkunde in Württemberg, 1913, S. 13. Reptilia. 411 auf die Gattung Plesiochelys einerseits und die Gattung Craspedochelys anderseits. Der Rückenschild von Plesiochelys ist kreis- oder herzförmig und ziemlich stark gewölbt, so daß daraus zu entnehmen ist, daß die An- passung an das Wasserleben bei dieser Artengruppe noch nicht sehr weit vorgeschritten war. Bei Craspedochelys ist die Schale schwach ge- wölbt und bei einzelnen Arten nahezu flach; so daß also diese Gattung bereits ein vorgeschritteneres Anpassungsstadium an. das Wasserleben darstellt. Daß sich der Anpassungsprozeß an das Wasserleben auch in anderen Teilen des Skelettes der Plesiochelyiden bemerkbar macht, geht u. a. aus dem Vorhandensein einer zentralen Fontanelle im Plastron von Craspedochelys und bei mehreren Arten von Plesiochelys hervor. Das Mesoplastron fehlt. Die Tiere erreichten eine stattliche Größe; einige Plesiochelysarten besaßen eine Schale von 50 cm Rückenlänge. Da die Beziehungen der beiden Gattungen zu der Familie der lebenden Chelyiden noch nicht ganz sicher stehen, so müssen die beiden Gattungen Plesiochelys und Craspedochelys provisorisch als Vertreter einer selbständigen Familie betrachtet werden, bis durch weitere Funde die genetische Zusammengehörigkeit mit den heute auf Südamerika, Australien und Neuguinea beschränkten Chelyiden sichergestellt ist. Plesiochelys. — Oberer Jura von Hannover 1 , Solothurn und Neuen bürg (Schweiz). 2 Wahrscheinlich Süßwasserbewohner. 3 Craspedochelys. — Oberer Jura von Solothurn. 4 Wahrschein- lich Süßwasserbewohner. F. Amphichelyidae. Die Familie der Amphichelyiden ist bisher ein Sammelbegriff für verschiedene Gattungen von unsicherer systematischer Stellung ge- wesen, die ausgeschieden werden müssen (z. B. Platychelys, Glyptops mit einem Becken, das nicht mit dem Plastron verwachsen ist). Als typische Vertreter der Familie sind die Gattungen Pleurosternum und Baena zu betrachten (F. Pleurosternidae, Hay), bei denen nur ein Mesoplastron zwischen dem Hyoplastron und Hypoplastron jederseits eingeschoben ist. Der Carapax ist abgeflacht, ein Zeichen dafür, daß diese Gruppe bereits an- das Wasserleben angepaßt gewesen ist. 1 G. A. Maack, 1. c, Paläontographica, XVIII. Bd., 1869. 2 L. Ruetimeyer, Die fossilen Schildkröten von Solothurn und der übrigen Juraformation. — Denkschriften der Schweizerischen Naturforschenden Ges., XXV. Bd., 1873. 3 E. Fr aas, Thalassemys marina, etc., 1. c, 1903, p. 88. 4 L. Ruetimeyer, 1. c; E. Fraas, I. c. 412 Die Stämme der Wirbeltiere. Pleurosternum. — Oberer Jura und Wealden von Norddeutsch- land. — Carapax sehr flach. 1 (Fig. 320.) Baena. — Eozän (Wasatch und Bridger) Nordamerikas (Wyoming und Neumexiko). 2 F. Miolanüdae. Diese Familie ist für die eigenartig spezialisierte, riesige Gattung Miolania errichtet worden, die aus dem Pliozän (Plistozän?) von Neu- südwales, aus dem Plistozän von Queensland und Lord Howe Island, sowie aus Schichten unbestimmten Alters (Eozän?) Patagoniens be- kannt geworden. Aus Patagonien und Queensland liegt ]: ein trefflich Fig. 320. Innenansicht des Hinterendes des Plastrons von' Pleurosternum Bullocki, einer pleurodiren Schildkröte aus dem oberen Jura (Purbeck) von Dorsetshire. V 4 nat. Gr. (Nach R. Lydekker.) /. = Ansatzstelle für das Pubis. xp. = Xiphiplastron. hp. p. = Hypoplastrorf. erhaltener Schädel vor, der am Hinterrande mit langen kegelförmigen Zapfen besetzt ist, ähnlich wie der Schädel von Elginia mirabilis (Fig. 269). Das Aussehen des Tieres, dessen Schwanz in eine knöcherne, stachelige Scheide eingehüllt war (ähnlich wie bei Glyptodon), mag sich dem der lebenden Matamata (Chelys fimbriata) Südamerikas und zum Teil der stachelhalsigen Type Platemys Spixii aus Südamerika genähert haben. Miolania. — Plistozän von Queensland, Lord Howe Island, Neu- 1 R. Owen, A Monograph of the Fossil Chelonian Reptiles of the Wealden Clays and Purbeck Limestones. ■ — Palaeontographical Society, Vol. VII, 1853. A. Grabbe, Beitrag zur Kenntnis der Schildkröten des Deutschen Wealden. — Zeitschrift d. Deutschen Geol. Ges., XXXVI. Bd., 1884, S. 17. A. Smith Woodward, Outlines of Vertebrate Palaeontology. — 1898, p. 172. 2 E. D. Cope, The Vertebrata of the Tertiary Formations of the West. — Book I, Report of the U. S. Geological Survey of the Territories, Washington, 1884, p. 146. Reptilia. 413 südwales (hier Pliozän?) und Schichten unbestimmten Alters in Pata- gonien. — Schädelbreite am Hinterende 58 cm. 1 (Fig. 321.) ' iriü#' Fig. 321. A: Miolania argentina, Amgh., Schädel und Unterkiefer in l / 4 nat. Gr. Aus dem roten Eozän (?) -Sandstein von Chubut, Argentinien (geol. Alter unsicher. (Nach A. Smith Woodward.) B: Miolania Oweni, A. S. W., aus dem Plistozän von Queensland. (Nach A. Smith Woodward.) Stark verkl. 1 R. Owen, Description of Fossil Remains of Two Species of a Megalanian Genus (Meiolania) from Lord Howe's Island. — Philosophical Transactions Roy. Soc, London 1886, Vol. CLXXVII, p. 471. G. A. Boulenger, On the Systematic Position of the Genus Miolania, Owen (Ceratochelys, Huxley). — Proceed. Zool. Soc, London 1887, p. 554. A. Smith Wood ward, On some Extinct Reptiles from Patagonia, of the 414 Die Stämme der Wirbeltiere. Die übrigen fossilen Pleurodiren geben über die Stanimesgeschichte dieser Gruppe keine wesentlichen Aufschlüsse. Die systematische Stellung vieler Gattungen ist sehr unsicher. 4. Unterordnung: Trionychoidea. Die Trionychoidea sind eine sehr alte Gruppe, die sich frühzeitig vom Hauptstamme der Schildkröten abgezweigt und einseitig spezia- lisiert hat. Dafür spricht das Auftreten vieler sehr primitiver Merk- male neben eigenartigen, den anderen Schildkröten fehlenden Spezia- lisationen. Der Hals wird in der Medianebene in die Schale zurück- gezogen und mit dieser Gewohnheit steht auch die schwache Ausbildung der, Querfortsätze der Halswirbel in Zusammenhang. Das Becken ist mit dem Plastron nicht verwachsen. Die Gliedmaßen sind zu Flossen ausgebildet, die Schnauze endet in einem Rüssel und der Carapax sowie das Plastron haben die Hornschilder verloren. Die Marginalia sind entweder vorhanden (Carettochelyidae) oder fehlen (bei den meisten Trionychidae); zuweilen sind die Marginalia ohne Verbindung mit dem Carapax im hinteren Abschnitt des Lederschildes als Rudimente er- halten geblieben (Emyda). Besonders bezeichnend ist die rauhe, grubige Skulptur der Panzerplatten des Carapax und des Plastrons. Die ersten Trionychiden treten in der oberen Kreide Nordamerikas auf; im Tertiär waren sie weit verbreitet und sind aus Europa, Afrika, Ostindien und Nordamerika beschrieben worden. Fast jeder neue Fund einer Trionychide wurde zu einer eigenen Art gestempelt, so daß heute bereits ungefähr 80 Artnamen für fossile Vertreter der Gattung Trionyx aufgestellt worden sind. 1 Die Mehrzahl dieser „Arten" wird jedoch ein- zuziehen sein. Über die Phylogenie der Trionychoidea geben diese Reste, wenigstens nach den bisher vorliegenden Untersuchungen, keinen Aufschluß. Die lebenden Trionyxarten (z. B. Fig. 297) sind Süßwasserbewohner und fehlen nur in Australien und Südamerika, von wo sie auch nicht durch fossile Vertreter bekannt sind. Genera Miolania, Dinilysia, and Genyodectes. ■ Proceedings Zoological Society, London 1901, Vol. 1, p. 169. R. Etheridge, On the Occnrrence of the Genus Meiolania in the Pliocene Deep Lead at Canadian, near Gulgong. — Records of the Geol. Survey of New South Wales, Vol. I, 1889, p. 149. L. Dollo, Expedition Antarctique Beige: Poissons. — Anvers, 1904, p. 223. (Hier die weitere Literatur.) 1 Eine (nicht ganz vollständige) Übersicht über die bis 1891 beschriebenen fossilen ,, Arten'' der Gattung Trionyx findet sich bei A. Negri: Trionici eocenici ed oligocenici del Veneto. — Memorie della Soc. Italiana delle Scienze, T. VIII, Napoli 1892, p. 5. Einen Überblick über die zahlreichen „Arten" aus der engeren Verwandtschaft von Trionyx protriunguis gibt W. Teppner (Centralblatt f. Min., Geol. u. Pal., 1914, p. 628). Reptil ia. 415 VI. Ordnung: Theriodontia. Die Theriodontier stellen eine Gruppe von Reptilien dar, die in manchen Merkmalen mit den Sphenacodontiden verwandt zu sein scheinen, ohne daß sich jedoch direkte genetische Beziehungen zwischen beiden Stämmen nachweisen ließen. Der Hauptstamm der Theriodontier ist die im Perm und in der Trias zu hoher Blüte gelangte Gruppe der Therocephalia, die sich in einer ähnlichen Richtung wie die Säugetiere entwickelt haben und mit ihnen so zahlreiche Übereinstimmungen auf- weisen, daß wiederholt der Gedanke von einem unmittelbaren gene- tischen Zusammenhang der Therocephalier und der Säugetiere auf- getaucht ist. An die Therocephalia schließen sich noch drei weitere Stammes- reihen (Dinocephalia, Dromasauria und Dicynodontier) an, die mit ihnen zur Ordnung der Theriodontier vereinigt werden können, da sie in vielen Merkmalen des Skelettbaues übereinstimmen. Die Theriodontier stellen also in dieser Umgrenzung einen Reptil- stamm dar, der sich durch folgende gemeinsame morphologische Merk- male kennzeichnet: Die Schädelknochen weisen niemals eine Skulptur wie jene der Cotylosaurier oder mancher Theromorphen auf. An den Schläfen ist eine einzige große Temporalgrube zur Ausbildung gelangt; außerdem ist eine kleine Temporalgrube unterhalb der großen in einigen wenigen Fällen beobachtet worden. Diese untere Temporalgrube kam im Stamme der Theriodontier nie zur vollen Ausbildung und ist auf einige Formen beschränkt geblieben, wo sie nur den Charakter einer kleinen Spalte zwischen dem Jugale und Squamosum besitzt (z. B. Fig. 326 u. 335). Die große vorhandene Temporalgrube entspricht daher jedenfalls der oberen Temporalgrube jener Reptilien, bei denen zwei laterale Tem- poralgruben ausgebildet worden sind. Der Schädel ist fast immer sehr schlank und lang; die Praemaxil- laria sind kurz, die Supramaxillaria groß, und zwar reichen die letz- teren ziemlich hoch an der Schädelseite hinauf. Septomaxillaria sind immer vorhanden. Die Nasalia sind lang und reichen an den Schädel- seiten tief hinab. Mit einziger Ausnahme von Delphinognathus (Fig. 335). fehlt bei allen Theriodontiern das Quadratojugale, und das Squamosum drängt das immer kleiner werdende Quadratum ganz herab, so daß es namentlich bei den triadischen Therocephalia, die man früher meist unter dem Namen Cynodontia zusammengefaßt und den primitiveren Gattungen des Perms gegenübergestellt hat, rudimentär wird. Bei allen Theriodontiern stoßen die Vomeres mit den Pterygoidea zu- sammen und drängen daher die Palatina ganz zur Seite. Ein Inter- parietale und die Tabularia sind (nach Watson, 1913) immer vor- 416 Die Stämme der Wirbeltiere. banden. Das Postorbitale und Postfrontale liegt an der vorderen Ecke der Temporalgrube. Die Wirbel sind amphicöl, zwei bis vier setzen das Sacruni zu- sammen. Das Becken weist ein geschlossenes Acetabulum auf und die drei Elemente (Ilium, Pubis und Ischium) sind durch Nähte fest mit- einander verbunden. Im Humerus ist ein Foramen entepicondyloideum vorhanden. Die Phalangenzahl ist in Hand und Fuß auf zwei im ersten Strahl und auf drei in allen übrigen Fingern und Zehen reduziert. Die Theriodontier erscheinen zuerst im Perm und sterben in der Trias ohne Nachkommen aus. Pmx Fig. 322. Schädel eines permischen Therocephaliers, Aloposaurus gracilis, Broom. Kapkolonie. 3 / i nat. Gr. (Nach R. Broom.) Ang = Angulare. Pa = Parietale. Art = Articulare. Pmx = Praemaxillare. D = Dentale. Po Postorbitale. Fr = Frontale. Prf Lacrymale. .1 = Jugale. Sang = Supraangulare. La = Adlacrymale. Sept -- Septomaxillare Mx = Supramaxillare. Sz Squamosum. Na = Nasale. 1. Unterordnung: Therocephalia. Diese Gruppe der Theriodontier gehört zu den merkwürdigsten fossilen Reptilien. Die überwiegende Mehrzahl der in diese Gruppe gehörenden Formen ist an die räuberische Lebensweise in einer Weise angepaßt gewesen, daß eine überraschende Ähnlichkeit im Gebiß, in der allgemeinen Schädelform, in der Körpergestalt usf. zustande kam. Nur wenige Gattungen, wie Diademodon, sind nach Durchlaufung einer karnivoren Vorstufe zur Herbivorie übergegangen. Die auffallendste Säugerähnlichkeit des Schädels besteht in der Reptilia. 417 Differenzierung des Gebisses in Greifzähne, Reißzähne und Scheren- zähne, dfe den Inzisiven, Kaninen und Molaren der Säugetiere funk- tionell entsprechen. Die Greifzähne sind dicht gedrängt und ihre Zahl schwankt von acht (bei Alopecodon) bis zu vier (z. B. bei Cynognathus, Galesaurus usf.). Die den Caninen oder Eckzähnen entsprechenden großen Reißzähne stehen wie bei den Säugetieren am Vorderende des Suprainaxillare und die unteren Antagonisten vor ihnen. Die unteren Reißzähne greifen aber nicht wie bei den Säugetieren an den oberen Fig. 323. Vergleich zweier Therocephalierschädel, um die Verschiedenheiten des Aufbaues des Jochbogens zu zeigen: A: Lycosuchus Vanderrieti, Broom. Perm der Kapkolonie. B: Cynognathus platyceps, Seeley. Trias der Kapkolonie. (V 4 nat. Gr. Nach R. Broom.) Ag = Angulare. Ar = Articulare. D = Dentale. F = Frontale. J Jugale. L = Adlacrymale. Mx = Supramaxillare. Na = Nasale. O = Orbita. P = Parietale. Pc = Processus coronoideus. Pm = Praemaxillare. Po = Postcrbitale. Prf = Lacrymale. Q = Quadratum. Sq = Squamosum. Eckzähnen vorbei und legen sich nicht auf die Außenseite der Supra- maxillaria, sondern greifen in Gruben vor den oberen Eckzähnen in die Gaumenfläche der Supramaxillaria ein. Meist sind oben jederseits zwei Reißzähne hintereinander entwickelt (z. B. Fig. 322 u. 323), seltener nur einer jederseits (z. B. bei Cynognathus, F.'g. 326). Hinter den Eckzähnen folgen kleinere Zähne, welche die Aufgabe des Zer- kleinerns der Beutetiere haben und als Scherenzähne funktionieren. Bei den höher spezialisierten Gattungen sind sie dreispitzig, bei den primitiveren einspitzig. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 27 418 Die Stämme der Wirbeltiere. Smx. Na. La. AM. Fr. Ju. Pof. Porb. Par. J'mx. De. Fig. 324. Ang. Par. Ju. Porb. Orb. Ju. Smx. Na N. Pmx. Ang. Sang. FJg 325 Par. u.T.n. Porb. Pof. o. T. r. 4 dl. Smx. De. Fig. 326. Reptilia. 419 Mit der geänderten Gebißfunktion steht eine wesentliche Veränderung des Unterkieferbaues in kausalem Zusammenhang (Fig. 324 — 328). Das Dentale hat eine gewaltige Vergrößerung auf Kosten aller anderen Unterkieferknochen erfahren und es ist zur Ausbildung eines Pro- cessus coronoideus des Dentale gekommen, der durchaus an den Kronen- fortsatz des Säugetierunterkiefers gemahnt. Die von den älteren Wirbel- tieren ererbten Elemente: Articulare, Praearticulare, Angulare, Supra- angulare, Spleniale und Complementare sind zwar noch vorhanden, werden aber bei den jüngeren Therocephaliern stark reduziert. Arti- culare, Angulare, Supraangulare und Praearticulare liegen bei drsen in einer Grube am Hinterende und auf der Innenseite des Dentale (Fig. 328) und sind so locker mit diesem verbunden, daß sie bei der Fossilisation sehr leicht aus dem Verbände mit dem Dentale herausfallen und verloren gehen. Die Ausbildung des Kronenfortsatzes des Dentale sowie die all- gemeine Form dieses Unterkieferelementes spricht dafür, daß die Aus- bildung des Massetermuskels und des bei den Säugern auf dem Kronen- fortsatz inserierenden Temporalmuskels bei den Therocephaliern dieselbe oder doch sehr ähnlich war wie bei den Säugetieren. Die Schädelkapsel ist sehr klein und das Gehirn wenig dif- ferenziert gewesen, wie aus den Ausgüssen der Hirnhöhle hervorgeht. Zu Fig. 324—326. Die Schädel und Unterkiefer dreier Therocephalier aus dem Perm und der Trias der Kapkolonie, die die allmähliche Reduktion der hinteren Unterkieferpartie (mit Articulare, Angulare und Supraangulare) zeigen. Scylacosaurus Sclateri, Broom; Perm Südafrikas (Kapkolonie), in Fig. 324. Fig. 325. Fig. 326. */ 7 nat. Gr. (Nach R. Broom.) Bauria cynops, Broom; Trias Südafrikas (Kapkolonie); in 3 / 4 nat. Gr. •(Nach R. Broom.) Cynognathus crateronotus, Seeley; aus den oberen Beaufortschichten nat. Gr. (Neue Rekonstruktion des Schädels auf Grundlage der Abbildungen des Schädels nach A. Smith Woodward, 1898, und des Unterkiefers [nach der beendeten Präparation] nach D. M. S. Watson, 1912; das Original im Brit. Mus. Nat. Hist. in London.) (Trias) der Kapkolonie, etwa in 1 / i Ang. = Angulare. Par. = Parietale. Art. = Articulare. Pmx. = Praemaxillare. Adl. = Adlacrymale. Pof. = Postfrontale. De. = Dentale. Porb. = Postorbitale. Fr. = Frontale. Q. = Quadratum. Ju. = Jugale. Smx. = Supramaxillare La. = Lacrymale. Spt. = Septomaxillare. N. = Nasenöffnung. Sq. = Squamosum. Na. = Nasale. Sang. = Supraangulare. Orb. = Orbita. u. T. g. = untere Tempor o. T. g. = obere Temporalgrube. "gl"? 27* 420 Die Stämme der Wirbeltiere. An die Schädelkapsel schließen sich die lateralen, sehr großen und weiten Temporalgruben an, welche für eine starke Ausbildung der in diesen Höhlen liegtnden Muskulatur sprechen. Diese großen Temporal- gruben werden unten von einem starken Jochbogen begrenzt, der aus dem Postorbitale, Jugale und Squamosum aufgebaut wird. Zwischen dem Jugale, Squamosum und Postorbitale liegt bei einzelnen Formen, wie bei Cynognathus, eine kleine Fissur, die der unteren Temporalgrube der Reptilien mit oberen und unteren lateralen Temporalgruben homo- log ist (Fig. 326). Der Gelenkhöcker der Therocephalier ist ursprünglich einköpfig, später doppelt, und zwar kommt diese Verdoppelung dadurch zustande, daß das Basioccipitale nach vorn ausweicht (Fig. 331). De. Art. Fig. 327. Außenansicht des rechten Unterkieferastes von Scymnosuchus Whaitsi, Broom, in Y 2 nat. Gr. (Zähne nicht eingezeichnet.) (Nach D. M. S. Watson.) Ang. = Angulare. De. = Dentale. Art. = Articulare. Sang. = Supraangulare. Die Schädelbasis bietet besonders im Abschnitt der Choanen wichtige Eigentümlichkeiten dar. Bei den permischen Therocephaliern ist der Gaumen noch primitiv gebaut; die Choanen werden durch die Vomeres (nach Broom ,,Praevomeres", aber gewiß ident mit den Vo- meres der Stegocephalen und Cotylosaurier sowie der übrigen höheren Wirbeltiere) getrennt, welche sich nach hinten zwischen die Palatina einkeilen und mit dem Vorderende der Pterygoidea zusammenstoßen. Bei den jüngeren Therocephaliern der Trias ist ein sekundärer Gaumen zur Ausbildung gelangt, indem die Choanen von zwei Platten über- brückt werden, die von den Palatina entspringen. Dadurch wird die Gaumenplatte sekundär verlängert und die Öffnung der Choanen weiter nach hinten verlegt. Auf dem Palatinum sind in einigen Fällen (bei Cyno- gnathus und Diademodon) sehr kleine, dichtstellende Zähnchen zu beob- achten, ebenso auf dem Pterygoid (bei Scylacosaurus, Fig. 329). Zwischen dem Palatinum, Pterygoid und Supramaxillare ist noch ein kleines Trans- versum vorhanden; zwischen Transversum, Palatinum und Pterygoid liegt Reptilia. 421 eine Lücke, die bei Scylacosaurus groß, bei Diademodon aber rudimentär ist (Fig. 330). Die äußeren Nasenöffnungen sind nur bei Galesaurus zu einer einzigen Öffnung verschmolzen, sonst sind sie getrennt. Das Quadratum ist bei den permischen Therocephaliern zwar auch schon verkleinert, doch nimmt die Reduktion dieses Knochens bei den tria- Art A. B. Sy. Präa. Ang. Spl. Fig. 328. A. Rechter Unterkieferast von Cynognathus crateronotus, Seel., aus der Trias der Kapkolonie, von außen gesehen. Die Zähne sind nicht dargestellt. B. Linker Unterkieferast desselben Tieres, von innen gesehen. Beide Figuren in 7 4 nat. Gr. (Nach D. M. S. Watson.) Präa. = Präarticulare. Sang. = Supraangulare. Spl. = Spleniale. S.v. = Symphyse. Ang. = Angulare. Art. = Articulare. Cpl. = Complementare. Dcnt. = Dentale. dischen Gattungen stark zu. Der Hauptknochen dieses Schädelab- schnittes, in dem sonst, z. B. bei den Stegocephalen und Cotylosauriern, das Quadratum und das Quadratojugale die Hauptrolle spielen, wird bei den Therocephaliern vom Squamosum eingenommen. Die Therocephalier umfassen jedenfalls verschiedene Familien, die sich zum Teil ganz einseitig spezialisiert haben, deren Merkmale und Unterschiede aber bis jetzt noch nicht scharf abzugrenzen sind. Zu 422 Die Stämme der Wirbeltiere. diesen einseitigen Spezialisationen gehört z. B. das sekundär herbivore Gebiß von Diademedon und Gomphognathus, die einem Seitenast an- gehören; dazu gehört ferner die Reduktion der Knochenspange zwischen der Orbita und der Temporalgrube bei Bauria; ein weiteres einseitiges Spezialisationsmerkmal ist die Verschmelzung der beiden Frontalia zu einem medianen, unpaarigen Knochen und die schon erwähnte Ver- einigung beider Nasen Öffnungen zu einer einzigen bei Galesaurus usf. Trotz dieser Verschiedenheiten in Einzelheiten, die das Vorhanden- sein verschiedener Entwicklungsreihen im Rahmen der Therocephalia beweisen, bieten sie doch in ihrer Gesamtheit eine überraschende Fülle von Merkmalen dar, die wir unter den Säugetieren wiederfinden. Diese sind: 1. Das Vorhandensein eines einzigen Jochbogens, der vom Squa- mosum und Jugale gebildet wird (Owen, Seeley, Broom, Watson). 2. Die Differenzierung des Gebisses in Greifzähne (Inzisiven), Reißzähne (Caninen) und Mahlzähne (Molaren) (Owen, Seeley, Broom, Watson). 3. Die Art der Einpflanzung der Zähne in Alveolen (Owen, Seeley, Watson). 4. Das Vorhandensein eines sekundären Gaumens bei den jüngeren Therocephaliern (Seeley, Broom, Watson). 5. Das Vorhandensein eines medianen Parasphenoids. Außerdem sind im vorderen Teile des Gaumens die paarigen Vomeres vorhanden, welche von Broom als ,,Praevomeres" bezeichnet werden, aber zweifel- los mit den als Vomeres bei den Amphibien unterschiedenen Knochen homolog sind, die wieder, von verschiedenen Forschern in der letzten Zeit dargelegt wurde 1 , ebenso wie mit dem unpaarigen Vomer der Schildkröten, mit dem unpaarigen Vomer der Säugetiere homolog sind. 6. Die starke Reduktion des Quadratums(Seeley, Broom, Watson). 7. Die starke Reduktion der Unterkieferelemente mit Ausnahme des Dentale (Seeley, Broom, Watson). 1 Die Bezeichnung „Praevomer" hat R. Broom aufgestellt (On the Homo- logy of the Palatine Process of the Mammalian Praemaxillary. — Proc. Linnean Soc. New South Wales (X), 1895; On the Mammalian and Reptilian Vomerine Bones. — Ibidem, 1902). Seither ist diese Bezeichnung in der paläontologischen Literatur häufig angewandt worden. Der ,, Vomer" der Säugetiere wird jedoch in einzelnen Fällen (z. B. bei Homo und Didelphis) noch paarig angelegt und verschmilzt hier erst im Laufe der Ontogenie. Da außer diesem Vomer ( = Praevomeres, Broom) bei Didelphis auch ein Rudiment des Parasphenoids nachgewiesen werden konnte, ist für die Unterscheidung der „Praevomeres" der Reptilien und des ,, Vomer" der Säugetiere kein Grund mehr vorhanden. Vgl. darüber insbesondere F. von Huene: Ein ganzes Tylosaurusskelett. — Geol. u. Paläont. Abhandl., N. F. Bd. VIII (G. R.. Bd. XII), 1910, p. 309. Rept'ilia. 423 8. Das Vorhandensein eines langen äußeren Gehörganges (Meatus auditorius externus) (Gregory, Watson). 9. Die Ausbildung eines doppelten Gelenkkopfes des Hinterhauptes bei den triadischen Therocephaliern (Seeley, Watson). 10. Die allgemeine Form und Anordnung der Abschnitte der Wirbel- säule (Seeley, Watson). 11. Die auffallende Säugetierähnlichkeit der Scapula und des Schiiltergürtels überhaupt (Seeley, Broom, Watson, Gregory). 12. Die Gestalt des Humerus, der ein Foramen entepicondyloideum besitzt (Owen, Seeley, Broom, Watson, Gregory). 13. Das Vorhandensein eines Olecranons in der Ulna (Seeley, Watson). 14. Der Bau der Handwurzel (Seeley, Bardeleben, Broom, Watson, Gregory). 15. Die Reduktion der Phalangen in den Fingern und Zehen und das Vorhandensein derselben Phalangenformel wie bei den normalen Säugetieren (2, 3, 3, 3, 3) (Broom, Osb'orn, Watson). 16. Der Aufbau des Sacrums aus mehr als zwei Wirbeln (Owen, Seeley, Watson). 17. Der Bau des Beckens (Owen, Seeley, Broom, Watson). 18. Der Bau des Tarsus (Broom, Watson, Gregory). 19. Die Kleinheit der Fenestra vestibuli (Watson). 20. Die ventrale Lage des inneren Ohres (bei Theromus beobachtet) (Watson). 21. Das Vorhandensein zahlreicher Gefäßlöcher an der Seite der Gehirnkapsel, nur mit dem Gefäßsystem dieser Region des Insektivoren- schädels vergleichbar (Watson). 22. Der einmalige Zahnwechsel der Inzisiven, Caninen und Prä- molaren (bei Diademodon, nach R. Broom 1913). Trotz dieser großen Zahl von Säugetiermerkmalen können die Therocephalia aus dem Grunde nicht als die Ahnengruppe der Säuge- tiere betrachtet werden, weil sie in wichtigen Merkmalen, wie im Bau des Gehirns und der Schädelkapsel, von den Säugetieren weit ver- schieden sind. Wir dürfen jedoch aus der Tatsache, daß die Thero- cephalier eine so große Menge von Säugetiermerkmalen aufweisen, darauf schließen, daß sie zusammen mit den Säugetieren von gemein- samen Ahnen abstammen. Da die ältesten Therocephalier im Perm auftreten, so muß der Zeitpunkt der Entstehung der Säugetiere in an- nähernd dieselbe Zeit wie die Abtrennung der Therocephalia fallen. Beide Stämme sind auf kleine Reptilien zurückzuführen, die aus der Gruppe der Cotylosaurier entstanden sind. Während jedoch die Säuge- tiere erst viel später zur Blüte gelangten und das ganze Mesozoikum 424 Die Stämme der Wirbeltiere. hindurch auf einer tiefen Entwicklungsstufe verharrten, entwickelten sich die Therocephalier sehr rasch zu hoher Blüte, um aber schon in der Trias zu erlöschen, ohne daß es ihnen gelungen wäre, sich im Kampfe mit den anderen Raubtieren des Reptilienstammes erfolgreich zu be- haupten; aus der Trias sind die Therocephalia bisher nur aus der Kap- kolonie bekannt und selbst in reichen Fossillagern dieser Formation ist in Europa oder Nordamerika nie die geringste Spur ihrer Anwesen- heit entdeckt worden, während sie im Perm auch aus Europa nach- gewiesen werden konnten. Das Hauptlager der Therocephalier sind die dem Perm zuzurechnenden unteren und die der Trias angehörenden oberen Beaufortschichten Südafrikas (Kapkolonie). Die wichtigsten Gattungen sind 1 : Scylacosaurus. — Perm Südafrikas. — Z. B. S. Sclateri (Fig. 324, 329). Scaloposaurus. — Perm Südafrikas. — Z. B. S. constrictus, der 1 Die wichtigste Literatur über diese interessante und für die Frage nach der Abstammung der Säugetiere sehr wichtigen Gruppe der Reptilien ist folgende: R. Broom, On the Development and Morphology of the Marsupial Shoulder Girdle. -- Transactions Royal Society Edinburgh, Vol. XXXIX, Part III, 1899, p. 749. — On the Mammalian and Reptilian Vomerine Bones. — Proc. Linnean Society New South Wales, 1902, Part IV, p. 545. — On the Structure of the Palate in the Primitive Theriodonts. ■ — Geological Maga- zine, London (4), 1903, Vol. X, p. 343. — On the Classification of the Theriodonts and their Allies. — Report of the South African Assosiation of the Advancement of Science, Vol. I, 1903, p. 1. — On an almost perfect Skull of a New Primitive Theriodont (Lycosuchus Vander- rieti). — Transactions South African Philosoph. Soc, Vol. XIV, 1903, p. 197. — The Origin of the Mammalian Carpus and Tarsus. — Ibidem, Vol. XV, 1904, p. 89. — On the Structure of the Theriodont Mandible, and un its Mode of Articulation with the Skull. - - Proc. Zool. Soc, London 1904, Vol. I, p. 490. — On the Use of the Term Anomodontia. — Records of the Albany Museum, South Africa, Vol. I, 1905, p. 266. — Preliminary Notice of some New Reptiles collected by Mr. Alfred Brown at Aliwal North, S. Africa. — Ibidem, p. 269. - On some Points in the Anatomy of the Theriodont Reptile Diademodon. — Proc. Zool. Soc, London 1905, Vol. I, p. 96. — Reptiles of the Karrooformation. ■ — In: A. W. Rogers, ,,An Introduction to the Geology of Cape Colony", London 1905, p. 228. — On a New Cynodont Reptile (Aelurosuchus Browni). Transactions South African Phil. Soc, Vol. XVI, 1906, p. 376. — Some Recent Advances in South African Paleontology. "— Science, N. S., Vol. XXVI, 1907, p. 796. — On the Origin of Mammals. — Report of the Brit. and South Africa Assoc, Vol. III. 1907, p. 1. Reptilia 425 kleinste bekannte Therocephale, dessen Schädellänge kaum 5 cm be- trägt. Das Angulare ist noch groß, aber der Kronenfortsatz des Den- tale bereits stark entwickelt. Lycosuchus. — Penn Südafrikas. — Z. B. L. Vanderrieti (Fig. 323). R. Broom, On the Geological Horizons of the Vertebrate Genera of the Karroo- formation. — Records of the Albany Museum, Vol. II, 1907, p. 156. — The origin of the Mammal-like Reptiles. — Proc. Zool. Soc, London 1907, p. 1047. — On the Interrelationships of the Known Therocephalian Genera. — Annais of the South African Museum, Vol. IV, Part IV, 1908. — Notice of some new South African Fossil Amphibians and Reptiles. — Ibidem, Vol. VII, Part III, 1909, p. 270. — On the Shoulder Girdle of Cynognathus. — Ibidem, p. 283. — An Attempt to determine the Horizons of the Fossil Vertebrates of the Karroo. — Ibidem, p. 285. — The Skull of Tapinocephalus. - - Geological Magazine, London 1909, p. 400. — A Comparison of the Permian Reptiles of North America with those of South Africa. — Bulletin Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXVIII, Art. 20, 1910, p. 197. — Observations on some Specimens of South African Fossil Reptiles preserved in the British Museum. — Transactions Royal Soc. South Africa, Vol. II, Part I, 1910, p. 19. — On the Structure of the Skull in Cynodont Reptiles. — Proc. Zool. Soc, London 1911, p. 893. — On some New South African Permian Reptiles. — Ibidem, p. 1073. — On some New Carnivorous Therapsids. — Bulletin Amer. Mus. Nat. Hist., New York, Vol. XXXII, 1913, p. 557. - On Evidence of a Mammal-like Dental Succession in the Cynodont Reptiles. — Ibidem, p. 465. R. Owen, On some Reptilian Fossils from South Africa. — Quart. Journal Geol. Soc, London 1860, Vol. XVI, p. 49. — Descriptive and Illustrative Catalogue of the Fossil Reptilia of South Africa in the Collection of the British Museum. — London 1876. W. K. Gregory, The Orders of Mammals. — Bulletin of the Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXVII, 1910, p. 113. — Critique of Recent Work on the Morphology of the Vertebrate Skull, Especially in Relation to the Origin of Mammals. -- Journal of Morphology, Baltimore 1913, Vol. XXIV, No. 1, p. 1. H. G. Seeley, Researches on the Structure, Organization, and Classification of the Fossil Reptilia. — Part IX, On the Therosuchia. — Philosophical Transactions, Roy. Soc, London 1895, Vol. CLXXXV B, p. 987. — Ibidem, Part IX, Sect. 2, p. 1019. — Ibidem, Part IX, Sect. 4, Vol. CLXXXVI, 1895, p. 1. — Ibidem, Part IX, Sect. 5, Vol. CLXXXVIII, 1895, p. 59. D. M. S. Watson, The Skull of Diademodon, with Notes on those of some other Cynodonts. — Annais and Magazins of Natural History (8), Vol. VIII, 1911, p. 293. — On some Features of the Structure of the Therocephalian Skull. — Ibidem (8), Vol. XI, 1913, p. 65. A. Smith Woodward, Outlines of Vertebrate Paleontology. — Cambridge 1898, p. 150. 426 Die Stämme der Wirbeltiere. Aloposaurus. — Perm Südafrikas. Z. B. A. gracilis. Schädel- länge 12 cm (Fig. 322). Alopecodon. — Perm Südafrikas. 8 Greifzähne, 2 Reißzähne und 8 Mahlzähne oben jederseits vorhanden. Pmx. Pte. Pte. Fig. 329. Gaumenansicht des Schädels von Scylacosaurus Sclateri, Broom, ein Therocephalier aus dem Perm Südafrikas; rekonstruiert in 4 / 7 nat. Gr. (Nach R. Broom, 1910.) Q. -- Quadratum. Bo. = Basioccipitale. N. = Choane. Pal. = Palatinum. Pmx. = Praemaxillare. Pte. = Pterygoid. Ptz. = Pterygoidalzähne. Smx. Supramaxillare. Sq. = Squamosum. Tr. = Transversum. Vo. = Vomer. Scymnosuchus. i— Perm Südafrikas. Z. B. S. Whaitsi. — Angulare noch groß (Fig. 327). * Lycosaurus. r- Perm Südafrikas. — Übergangstype zu den jün- geren Gattungen. Reptilia. 427 Inostranzewia. Perm Rußlands (noch nicht eingehend be- schrieben). Cynognathus. Trias Südafrikas. — Z. B. C. crateronotus (Fig. 323, 326, 328, 331). rar. F.ju. Co. F. Bas. Fig. 330. Rekonstruktion der Unterseite des Schädels von Diademodon Browni, Seeley, aus der Trias Südafrikas (Kapkolonie). 4 / 5 na t- G r - (' m wesentlichen nach D. M. S. Watson, ergänzt im Vorderteile der Kiefer nach Gomphognathus minor, Broom, aus der Trias der Kapkolonie; Einzelheiten zum Teil nach R. Broom.) Alv. = Alveole vor dem Reißzahn. P.Z. = Palatinalzähne. Bas. = Basisphenoid. Co. = Condylus occipitalis. Cho. = Choane. F. = Frontale. F. ju. = Foramen jugulare. F. pt. = Foramen pterygopalatinum. Ju. = Jugale. Op. = Opisthoticum. Pal. = Palatinum. Par. = Parietale. Pmx. = Praemaxillare. Pt. = Pterygoid. Q. = Quadratum. v Smx. - Supramaxillare. Sq. = Squamosum. Tr. = Trans versum. Vo. = Vomer. Bauria. - — Trias Südafrikas. — Z. B. B. cynops (Fig. 325). Gomphognathus. — Trias Südafrikas. — Z. B. G. polyphagus. Herbivor. 428 Die Stämme der Wirbeltiere. Diademodon. — Trias Südafrikas. — Z. B. D. Browni. Herbi- vor. — 4 Greifzähne, 1 Reißzahn, 12 Mahlzähne (bei D. platyrhinus). fieor PtySo- Fig. 331. Unterseite des Schädels von Cynognathus platyceps Kapkolonie. Ungefähr l / a nat. Gr. (Nach W Ang. = Angulare. mb. ty. Ar. = Articulare. As. = Alisphenoid. Bo. = Basioccipitale. p. cor. Bs. = Basisphenoid. D. = Dentale. PI. e. a. in. = Meatus auditorius ex- ternus. pl. Mx. Ex. o. ■ = Exoccipitale. Pt. /. /. p. + /. con. = Foramen lacerum po- sterius + Foramen condylo- p. ty. So. ideum. Qu. gl. Sq. = Gelenkfläche des Squamo- So. sums. Sq. J- P- = Interparietale. St. Ja. (Ma.) = Jugale. Vo. , Seeley, aus der Trias der . K. Gregory, 1913.) wahrscheinliche Lage und Umriß des Trommelfells (Membrana tympanica). Kronenfortsatz (Processus coronoideus) des Dentale. Palatinum. Gaumenvorsprung des Supramaxillare. Pterygoid. Processus posttympanicus des Squamosums. Quadratum. Supraoccipitale. Squamosum. Stelle für den verloren ge- gangenen Stapes (Columella). Parasphenoid. Nach R. Broom (1913) ist bei Diademodon ein Zahnwechsel in der- selben Weise wie bei den Säugetieren zu beobachten; wenn das Tier seinen Reifezustand erreicht, so werden die Greifzähne, Reißzähne und Reptilia. 429 Fig. 332. A. Die drei letzten Backenzähne von Diademodon Browni, von der Kaufläche gesehen (vgl. Fig. 330). A'. Seitenansicht des letzten Backenzahns von D. Browni. B. Die drei letzten Backenzähne von Diademodon entomophonus. C. Die zwei vorletzten Backenzähne von Diademodon mastacus. Alle Figuren in 3 /i nat - G r - Die Reste stammen aus den „Red Beds" bei der Farm Witkop (Distrikt Albert der Kapkolonie), die wahrscheinlich der obersten Trias angehören. (Nach D. M. S. Watson, 1913.) Fr. Porb. La. Adl Smx. Na Aud. Fig. 333. Seitenansicht des rekonstruierten Schädels von Sesamodon Browni, Br. des säugetierähnlichsten der bisher bekannten Therocephalier aus der Trias der Kapkolonie. (Nach R. Broom, 1911.) Aud. Adl. De. = Gehöröffnung. = Adlacrymale. = Dentale. Na. Pmx. Porb. = Nasale. = Praemaxillare. = Postorbitale. Fr. J.U. La. N. = Frontale = Jugale. = Lacrymale. = Naris. Sq. Smx. Spt. = Squamosum. — Supramaxillare = Septomaxillare 430 Die Stämme der Wirbeltiere. der vordere Teil der Mahlzähne durch 4 Inzisiven, 1 Canin und 4 Prä- molaren ersetzt, während die der ersten Dentition angehörenden Mo- laren stehen bleiben und nicht gewechselt werden, also die hinteren 8 Mahlzähne der ersten Dentition (Fig. 320, 332). Sesamodon. — Trias Südafrikas. — S. Browni. Diese Art ist unter den Therocephaliern die säugetierähnlichste. Die Zahnformel um- faßt Greifzähne, Reißzähne, Backenzähne; die Differenzierung des Ge- bisses steht in innigem Zusammenhang mit der Form und dem Bau Orh. l'oih. Tg Pmx D. Smx. Sjpl. Ju. Ang. Sang. Fig. 334. Rekonstruktion des Schädels von Galepus Jouberti, Broom, aus dem Perm Südafrikas. 5 / 3 nat. Gr. (N ach R. Broom.) Adl. = Adlacrymale. Pmx. = Praemaxillare. Ang. = Angulare. Port. = Postorbitale. Art. = Articulare. Q. = Quadratum. D. = Dentale. Sang. = Supraangulare. Ju. = Jugale. Spl. = Spieniale. La. = Lacrymale. Spt. = Septomaxillare N. = Nasenöffnung. Sq. = Squamosum. Na. = Nasale. T.g- = Temporalgrube Orb. = Orbita. .des Unterkiefers, in dem das Dentale auf Kosten der anderen Mandi- bularelemente sehr stark entwickelt und ein starker Kronenfortsatz ausgebildet ist. Der Unterkiefer konnte (nach Broom, 1. c, 1911, p. 916) eine' anteroposteriore Bewegung ausführen; W. K. Gregor y (The Orders of Mammals, 1910, 1, c, p. 119 und 220) nimmt dagegen eine mediolaterale Bewegungsfähigkeit des Unterkiefers an. Die late- rale Verbreiterung der Kronen der Backenzähne scheint dafür zu sprechen, daß Sesamodon Browni ein herbivores Tier war. Als direkter Ahne der Säugetiere kann es aber trotz der vielen und großen Ähnlich- keiten nicht in Betracht kommen (Fig. 333). Reptilia. 431 2. Unterordnung: Dromasauria. Die wichtigsten Kennzeichen dieser Unterordnung sind das Fehlen des Quadratojugale (wie bei den Therocephaliern) und die Ausbildung eines langen Astes des Squamosums, der nach unten vorspringt und an seinem Ende ein kleines Quadratuni trägt (wie bei den Dicynodontiern). Die Augenhöhlen sind außerordentlich vergrößert. Der Gesamthabitus des Schädels erinnert an Eidechsen. Im Schädeldach ist ein großes Parietalloch vorhanden. Im Unterkiefer ist das Angulare und Supra- angulare gut entwickelt und beide Knochen nehmen fast dieselbe Länge wie das Dentale ein. Reißzähne sind nicht ausgebildet und alle Zähne von gleicher Gestalt und Größe. Der Schultergürtel ist ebenso gebaut wie bei den Therocephaliern, aber das Vorhandensein eines Cleithrums ist zweifelhaft. Die Phalangenformel ist: 2, 3, 3, 3, 3. Abdominalrippen sind vorhanden. Galechirus besitzt einen Skleiotikahing. F. Dromasauridae. Galechirus. — Perm von Südafrika. 1 G. Scholtzi. Galepus. — Perm von Südafrika. — Schädellänge ungefähr 40 mm. 2 G. Jouberti (Fig. 334). 3. Unterordnung: Dinocephalia. Die Dinocephalier sind durch einige Gattungen aus dem Perm der Kap- kolonie vertreten; ob die als Eubrachiosaurus aus der Trias Nordamerikas beschriebenen Reste dieser Gruppe einzureihen sind, ist sehr fraglich. Ob- wohl die einzelnen Gattungen bisher nur unvollständig bekannt sind, so läßt sich doch aus den vorhandenen Schädelresten schließen, daß sie einen Seitenzweig der Theriodontier bilden, der sich schon sehr frühzeitig von den Therocephaliern getrennt haben muß, da bei Delphinognathus noch ein Quadratojugale vorhanden ist, das den Therocephaliern fehlt. Es scheint jedocli, daß Tapinocephalus kein Quadratojugale mehr be- sessen hat. Der Schädel der Dinocephalier ist verhältnismäßig kurz und hoch und die Bezahnung schwach ausgebildet. Ebenso wie bei einigen Therocephaliern findet sich auch bei Delphinognathus eine kleine laterale Temporalgrube unterhalb der großen lateralen Tem- 1 R. Broom, On Some New Reptiles from the Karroobeds of Victoria west, South Africa. — Transactions South African Phil. Soc, Vol. XVIII, 1907, p. 31. 2 R. Broom, A Comparison of the Permian Reptiles of North America with those of South Africa. — Bulletin Amer. Mus. Nat. Hist., New York 1910, Vol. XXVIII, p. 205. Derselbe, On the Structure of the Skull in Cynodont Reptiles. — Proc. Zool. Soc, London 1911, p. 893. 432 Die Stämme der Wirbeltiere. poralgrube, woraus hervorgeht, daß auch bei den Dinocephaliern die letztere nur der oberen Temporalgrube der Reptilien mit doppelten Lateralgruben in der Schläfenregion entspricht. Die Augenhöhle ist bei Delphinognathus und Tapinocephalus, den am besten bekannten Gattungen, relativ klein. J'a. Pmx. Ana. . A. Linker Unterkieferast von Dicynodon, aus dem Perm der Kapkol in y a nat. Gr., von innen gesehen. B. Rechter Unterkieferast desselben Exemplars, von außen gesehen. (Nach D. M. S. Watson.) Abkürzungen wie in Fig. 336. Die kleinen Ohröffnungen liegen auf der Hinterseite des Schädels. Am vollständigsten ist das Skelett von Lystrosaurus latirostris bekannt. Die Wirbelsäule ist bei dieser Art sehr kräftig gebaut und umfaßt 25 Präsakralwirbel, 6 Sakralwirbel und 10 Kaudalwirbel. Der Schultergürtel umfaßt die drei Elemente Scapula, Coracoid und Präcoracoid; am Vorderrande der Scapula findet sich ein dem Acromion der Säugetierscapula vergleichbarer Fortsatz. Das Becken besitzt in einigen Punkten eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Säuge- tierbecken, und zwar besteht diese Ähnlichkeit hauptsächlich in der Reptilia. 439 Art der Nahtverbindung der drei Elemente des Beckens, sowie im Vor- handensein eines Foramen obturatorium zwischen dem Pubis und Is- chium. Die Gliedmaßen waren kurz und stämmig und hatten die Pha- langenformel 2, 3, 3, 3, 3. Daß die Dicynodonten Wasserbewohner waren, ist als sicher an- zunehmen; eine ganze Reihe von Anpassungen, die D. M. S. Watson bei Lystrosaurus latirostris analysiert hat, sprechen dafür, daß es Tiere waren, die dieselbe oder doch eine sehr ähnliche Lebensweise wie die Sirenen geführt haben. Die Ähnlichkeit des Schädels mit der besonders bei Lystrosaurus an die Stoßzahnbildung der Halitheriiden und Hali- coriden (hier ist es ein Schneidezahn) erinnernden Stellung und Form A. Fig. 342. B. A. Huinerus von Dicynodon pardiceps, Owen, aus dem Perm der Kapkolonie. B. Humerus von Udenodon ( = Platypodosaurus) robustus , Owen, ebendaher. (Nach R. Owen.) je. = Foramen entepicondyloideum. des Eckzahnes in Verbindung mit einer Reduktion des übrigen Ge- bisses, wie bei Rhytina, spricht dafür, daß die Nahrungsweise der Di- cynodonten eine ähnliche war wie bei den Seekühen. Die Tiere waren aber keinesfalls in derselben Weise wie die Sirenen zum Schwimmen befähigt, da der Schwanz kurz und plump ist und keine Anzeichen des Vorhandenseins einer Schwanzflosse trägt, und beide Gliedmaßenpaare vorhanden sind. Es ist daher wahrscheinlich, daß dieser ganz einseitig spezialisierte und nur auf das Perm und die Trias beschränkte Zweig des Reptilstammes eine Lebensweise in Sümpfen und ruhigen Strömen führte, wie heute die Flußpferde oder die fluviatilen Lamantine und daß sich diese schwerfälligen Tiere, deren Größe zwischen einer Ratte und einem kleinen Flußpferd schwankte, von Wasserpflanzen genährt haben. 440 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Dicynodontidae. Endothiodon. — Schon 1876 beschrieb R. Owen aus dem Penn der Kapkolonie eine Gattung aus der Verwandtschaft von Dicynodon, um welche sich einige später entdeckte Gattungen (z. B. Esöterodon, Smx. Fig. 343. Udenodon gracilis, Broom. Perm Südafrikas. Nat. Gr. Schädel in normaler Stellung zur Horizontalebene. (Nach R. Broom.) Adl. = Adlacrymale. Pa. = Parietale. Ang. = Angulare. Pmx. Praemaxillare. Art. = Articulare. Porb. Postorbitale. Co. = Condylus occ. Pte. Pterygoid. Fr. = Frontale. Q. = Quadratum. Ju. Jugale. Sang. Supraangulare. La. Lacrymale. Smx. Supramaxillare. N. Nasenöffnung. Sq. Squamosum. Na. Nasale. De. Dentale. Orb. = Orbita. Cryptocynodon, Opisthoctenodon, Pristerodon) gruppieren. Das wesent- liche Kennzeichen dieser Gattungen isf der geringere Spezialisations- grad des Gebisses im Vergleiche zu den Gattungen Lystrosaurus, Dicy- nodon, Udenodon, Gordonia, Cistecephalus usw., bei denen entweder Reptilia. 441 nur noch ein Paar Reißzähne im Oberkiefer stehen oder alle Zähne ver- loren gegangen sind; bei Endothiodon und seinen engeren Verwandten stehen dagegen noch im hinteren Teile der Oberkiefer und Unterkiefer eine oder mehrere Reihen kleinerer Zähne. Auffallend ist die große mx. l.pi. Bas. Fig. 344. Rekonstruktion des Schädels von Udenodon pusillus, Jaekel ; links von der Unter- seite, rechts von der Oberseite gesehen, 1 l '.-, mal vergrößert. (Nach O. Jaekel.) Bo. Basioccipitale. Orb. Orbita. Bas. = Basisphenoid. Par. = Parietale. Cho. = Choane. Pal. = Palatinum. Fe. pal. Fenestra palatinalis mediana. Porb. Postorbitale. F. pa. Foramen parietale. Pmx. Praemaxillare. Fr. = Frontale. Pte. = Pterygoid. J"- Jugale. Smx. Supramaxillare. La. Lacrymale. Sq. = Squamosum. N. = Naris. T. Z- = Temporalgrube. Na. Nasale. Ähnlichkeit der Gattungen Esoterodon und Cryptocynodon einerseits und der Gattungen Opisthoctenodon und Pristerodon anderseits, die sich nur dadurch voneinander unterscheiden, daß die Gattungen Crypto- cynodon und Pristerodon ein Paar Reißzähne im Oberkiefer besitzen, 442 Die Stämme der Wirbeltiere. Esoterodcn und Opisthoctenodon dagegen nicht. Vielleicht liegen hier wirklich nur sexuelle Unterschiede vor. 1 Die oben genannten, nur aus dem Perm Südafrikas bekannten Gattungen sind meist als geschlossene Familie (Endothiodontidae) den Dicynodontiden gegenübergestellt worden. Diese Trennung scheint mir J'mv. Fori. Par So Fig. 345. Rekonstruktion des Schädels von Cistecephalus microrhinus, Owen, ein Dicynodontide aus dem Perm (Karrooformation) der Kapkolonie. Nat. Gr. (Nach R. Broom.) Adl. - Adlacrymale. Ipa. -■- Interparietale. Die übrigen Abkürzungen wie in Fig. 344. nicht genügend begründet und nur geeignet, das Bild von tWn engen Beziehungen der beiden Gattungsgruppen zu verwischen, die sich allein durch graduelle Differenzen in der Spezialisation des Gebisses unter- scheiden. Lystrosaurus. - Perm von Südafrika und Ostindien. - - Wichtigste 1 R. Broom, A Comparison of the Permian Reptiles of North America with those of South Africa. Bulletin of the American Museum of Natural History. Vol. XXVIII, 1910, p. 211. Reptilia. 443 Arten: L. declivis, L. latirostris. Nasenlöcher weit nach hinten bis in die Nähe der Orbita verschoben. 1 (Fig. 338.) Sagecephalus. — Untere Trias der Kapkolonie. 2 (Fig. 339.) Gordonia. — Perm von Cutties Hillock bei Elgin in Schottland. 3 (Fig. 340.) Dicynodon. — Perm und Trias von Südafrika. 4 (Fig. 341, 342.) Udenodon. — Perm und Trias von Südafrika. 5 (Fig. 343, 344.) Cistecephalus. — Perm von Südafrika. — Eine vollständig zahn- los gewordene Form mit stark verkürztem Schädel. 6 (Fig. 345.) VII. Ordnung: Rhynchocephalia. Man hat seit dem genaueren Bekanntwerden der lebenden Gattung Sphenodon (= Hatteria) in Neuseeland die phylogenetische Bedeutung der Rhynchocephalen allgemein sehr hoch eingeschätzt. Durch die Untersuchungen v. Huenes ist mit dieser althergebrachten Vorstellung gründlich aufgeräumt worden; es sind wohl primitive Stammeslinien, die sich schon in früher Zeit von den Cotylosauriern losgelöst haben, aber sie haben sich einseitig entwickelt und niemals zu besonderer 1 D. M. S. «Watson, The Skeleton of Lystrosaurus. - - Records of the Albany Museum, Vol. II, p. 287. Derselbe, The Limbs of Lystrosaurus. - Geological Magazine, London (5), Vol. X, 1913, p. 256. Derselbe, Some Notes on the Anomodont Brain Case. — Anatomischer An- zeiger, XLIV. Bd., 1913, p. 210. 2 O. Jaekel, Die Wirbeltiere. ■ Berlin 1911, p. 191, Fig. 209 (ohne nähere Beschreibung). 3 E. T. Newton, Some New Reptiles from the Elgin Sandstone. — Philo- sophical Transactions of the Royal Society, Vol. CLXXXIV (B), London 1893, p. 431. 4 I. B. J. So 1 las and W. J. So I las, A Study of the Skull of a Dicynodon by Means of Serial Sections. — Philosophical Transactions of the Royal Soc. Vol. CCIV(B), London 1913, p. 201. (Hier Zitate der älteren Literatur.) D. M. S. Watson, On Some Reptilian Lower Jaws. - - Ann. Mag. Nat. Hist., Vol. X, London 1912 (8), p. 575. — Udenodon wird von Watson als das Weibchen von Dicynodon angesehen. 5 O. Jaekei, Über den Schädelbau der Dicynodonten. Sitzungsberichte der Ges. Naturforschender Freunde in Berlin, 1904, p. 172. R. Broom, A Comparison of the Permian Reptiles of North America with those of South Africa. - - Bull. Amer. Mus. Nat. Hist., Vol. XXVIII, 1910, p. 212. 6 Ibidem, p. 213. R. Broom, Observations on Some Specimens of South African Fossil Rep- tiles Preserved in the British Museum. — Transactions of the Royal Soc. of South Africa. Vol. II, Part I, 1910, p. 24: ,, Cistecephalus . . . . is evidently the last Stage in the Development of the Dicynodonts". 444 Die Stämme der Wirbeltiere. Blüte entfaltet. Seitdem die Cotylosaurier genauer bekannt geworden sind und dem Vorhandensein der beiden Temporalgruben bei Sphenodon und seinen Vorfahren nicht mehr die große phylogenetische Bedeutung wie früher zugeschrieben werden kann, stellen sich eben die Cotylo- saurier als die Ahnengruppe der höheren Reptilien dar, von denen eine große Zahl verschiedener Stammesreihen abgezweigt sind. Außer der durch Sphenodon in der Gegenwart vertretenen Gruppe der echten Rhynchocephalen oder Sphenodontiden sind in der Ordnung der Rhynchocephalen noch folgende Familien zu unterscheiden: die Sauranodontiden, die Rhynchosauriden, die Champsosauriden und die Acrosauriden. Die Thalattosauriden, die früher vielfach mit den Rhyncho- cephaliern vereinigt worden sind, erweisen sich jetzt nach eingehenderen Untersuchungen als eine Gruppe der Lepidosauria, die schon in sehr früher Zeit, wahrscheinlich schon im Perm, neben den Rhynchocephalen auftreten und einen von diesen ganz unabhängigen Stamm der Rep- tilien darstellen, der sich in ähnlicher Richtung wie die gleichfalls aus den Lepidosauriern hervorgegangenen Mosasaurier (= Pythonomorphen) abgezweigt und an das Meeresleben angepaßt hat, ohne aber die Trias zu überleben, in der er entstanden ist. F. Sphenodontidae. Im Schädel sind zwei übereinanderliegende Temporalgruben vor- handen, die untere vom Jugale und Quadratum nebst Quadratojugale gebildete Spange als unterer Abschluß der unteren Temporalgrube ist wohl entwickelt. Die Nasenlöcher sind getrennt, das Foramen parietale klein. Das Quadratum ist mit dem Schädeldach unbeweglich verbunden. Die Wirbelsäule weist im erwachsenen Zustande noch Reste der Chorda auf; die Wirbel sind amphizöl und auf der Ventralseite finden sich Hypozentren ausgebildet. Das Supramaxillare, Palatinum und Dentale tragen dreieckige abgeplattete Zähne, das Praemaxillare ist zahnlos oder trägt einen schneidenden Zahn, der stark nach unten vorspringt. Bei Polysphenodon sind Praemaxillare, Supramaxillare, Palatinum, Pterygoid und Transversum mit zahlreichen stumpfkonischen Zähnen besetzt, was auf eine durophage Lebensweise hindeutet. Bauchschuppen QJ .J« o - "3 E ■3*3.3 O) CU u oo tg 3 CO cu 3 a> E^ 3 CO 0> E x .. 3 OB g o 9 o tuot"' a. c« xj ~ - CU cd br o O X3 o . c cu a> « ■*"■" co co E-2 3 5 c «2 eis o ' 93 B 3 o t»o 0) H..S ü £ 2 d. m u- oo .,_, O =t- <+- oo >, cu c0c0-*-'"'-' aj<1J t-P C0c000i-s_+->.0 CO CO 5 <- >- 2 ■a -a 5 CO CO 3 3 CO ■5 Q. co cu -a :3 - ° e SL? E +-> ._ a> 3 C <-> JS ö CO U Q.— .2 So :c0 CJ c o > co cu 3 -t-> _0 *-! *-< ni di cu oo 3 a. 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Diese Familie ist durch eine kleine Gattung aus dem oberen Jura Europas vertreten, die sich einseitig an das Meeresleben angepaßt hat und einen sehr langen Körper (mit über 45 Präsakralwirbeln) und kleine Flossen besitzt. Der allgemeine Habitus erinnert am meisten an den der Mosasaurier. Pleurosaurus. — Oberer Jura von Bayern und Frankreich. 3 — Junge Individuen wurden als Acrosaurus beschrieben. 4 F. Rhynchosauridae. Eine hochspezialisierte Gruppe, die sich von primitiven Rhyncho- cephalen abgezweigt und einseitig differenziert hat. Als die wesent- lichsten Kennzeichen der Familie können die zu einer einzigen Öffnung vereinigten Nasenlöcher, die sehr merkwürdige, schnabelartig nach unten abgebogene Form der Zwischenkiefer und das nach oben scharf aufgebogene Unterkieferende in Verbindung mit der durophagen Be- zähmung- des Supramaxillare und des Dentale gelten; die Palatina und Praemaxillaria sind unbezahnt. Das Supratemporale scheint zu fehlen. Die Begrenzung der Augenhöhle unterliegt bei den einzelnen Gattungen durchgreifenden Verschiedenheiten; das vorgeschrittenste Stadium scheint bei Stenometopon aus der mittleren Trias von Elgin vorzuliegen. Beide Temporalgruben sind wohl ausgebildet. Hyperodapedon. — Mittlere Trias von Elgin in Schottland und Ostindien. 5 (Fig. 347, B.) 1 O. jaekel, Die Wirbeltiere. — Berlin 1911, S. 146. (Eine eingehendere Beschreibung fehlt noch.) 2 L. von Ammon, Über Homoeosaurus Maximiliani. — Abhandl. der math. phys. Klasse d. Kgl. Bayrischen Akad. d. Wiss., XV. Bd., München 1885, S. 499. 3 W. Dames, Beitrag zur Kenntnis der Gattung Pleurosaurus H. v. Meyer. Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin, XLII. Bd., 1896, S. 1107. 4 A. Andreae, Acrosaurus Frischmanni H. v. Mey. — Ein dem Wasserleben angepaßter Rhynchocephale von Solnhofen. — Ber. d. Senckenberg. Ges. Frank- furt a. M., 1893, S. 21. 5 Th. H. Huxley, Further Observations on Hyperodapedon Gordoni. — Quarterly Journal Geolog. Soc, Vol. XL III, London 1887, p. 675. R. Burckhardt, On Hyperodapedon Gordoni. — Geological Magazine, Dec. IV, Vol. VII, London 1900, p. 486. G. A. Boulenger, On Reptilian Remains from the Trias of Elgin. ■ — Philo- sophical Transactions R. Soc, Vol. CXCVI (B), London, 1903, p. 176. Reptilia. 447 Fig. 347 A. Gaumenansicht des Schädels von Polysphenodon Müllen', Jaekel, aus der oberen Trias (mittlerer Keuper) von Fallersleben (Hannover), 4 mal vergr. (Nach O. Jaekel.) Pm. = Praemaxillare (bezahnt). Pa. = Palatinum (bezahnt). Mx. --= Supramaxillare (bezahnt). Pt. = Pterygoideum (bezahnt). V. = Vomer. Tr. = Transversum (bezahnt). Ni. = Choane. . J/ 2 Nat. Gr. (Nach C. Wiman, 1910.) Fig. 367. Unterarm und proximale Carpalreihe von Eurypterygius platydactylus, Broili, aus dem Aptien (obere Unterkreide) Hannovers (vgl. Fig.364). 1 / 2 nat. Gr. (Nach F. Broili.) r. = Radius. t\ = Radiale. U. = Ulna. i. = Intermedium. rx. = Gelenkfläche für das radiale Sesambein. «x. = Gelenkfläche für das ulnare Sesambein. u 1 = Ulnare. IV. --- Gelenkfläche für das Pisiforme. Der Schultergürtel der Ichthyosaurier ist sehr kräftig gebaut. An ein medianes, ursprünglich dreieckiges und später T-förmiges Mittel- stück, das der Interclavicula entspricht, legen sich zu beiden Seiten die großen Coracoide an, die zusammen mit der Scapula das Arm- gelenk bilden. An die Scapula und den vorderen, quer verbreiterten Teil der Interclavicula legt sich beiderseits eine schlanke, stabförmige Clavicula an. Abel, Stämme der Wirbeltiere. *>" 466 Die Stämme der Wirbeltiere. Der Beckengürte] der ältesten Ichthyosaurier hat noch große Ähn- lichkeit mit jenem der tetrapoden Landreptilien der Permzeit. Zu- nächst lockert sich bei der Anpassung an das Wasserleben die Ver- bindung des Iliums mit der Wirbelsäule, das zu einem schmalen Stab wird, später senkt sich das Becken immer mehr herab und steht bei den Liasichthyosauriern nicht mehr mit der Wirbelsäule in Verbindung. Die Hinterextremitäten sind stets kleiner als die Vorderextremitäten und unterliegen bei den meisten Gattungen und Arten aus jüngerer Zeit einer fortschreitenden Reduktion, die besonders stark bei Oph- thalmosaurus zum Ausdruck kommt. Bei dieser Gattung sind Pubis und Ischium völlig miteinander verwachsen, aber vom Ilium getrennt; Fig. 368. Abnormale Ichthyosaurierflosse aus dem Unterlias von Street, Somersetshire. - Wahrscheinlich = Eurypterygius inter- medius (Guide of Fossil Reptiles, Brit. Mus. Nat. Hist., London, 1910, p. 39, Fig. 38, A). Orig.-Zeichnung nach einem Abguß im Brit. Mus. Nat. Hist., Nr. 2562. in dem plattenförmigen, aus der Verschmelzung von Pubis und Ischium hervorgegangenen Knochen ist ein kleines Foramen obturatorium sichtbar (Fig. 371). • Zwischen den beiden Gliedmaßenpaaren sind sehr zahlreiche, dünne, schwach gebogene Bauchrippen ausgebildet. Die häutige Rückenflosse, die an mehreren Exemplaren aus dem deutschen Oberlias freipräpariert werden konnte, hatte dieselbe Form wie die Rückenflosse der Delphine der Gegenwart (Fig. 372 — 374). In der Kehlregion einzelner Exemplare aus dem deutschen oberen Lias ist ein runder Sack erhalten, der wahrscheinlich als Kehlsack zu deuten ist 1 ; seine Funktion ist jedoch noch fraglich (Fig. 372, 374). 1 O. Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere. — 1912. p. 422. Ich habe hier die Reptilia. 467 Bei zahlreichen Exemplaren hat man in der Leibeshöhle junge Tiere gefunden, die wiederholt zu der Vorstellung geführt haben, daß es sich in allen derartigen Fällen um Embryonen handelt, die mit der Mutter zugrunde gegangen sind. Indessen sind in einzelnen dieser Fälle Fig. 369. Linke Vorderflosse von Ophthalmosaurus icenicus, Seeley, aus dem Oxfordien von Peterborough in England, 1 / 6 nat. Gr. (Nach C.W. Andrews, 1910.) Fig. 370. Ventralansicht der rechten Hinter- flosse derselben Art, 1 / 6 nat. Gr. h. = Humerus. dr. = Crista trochanterica femoris r. = Radius. a. s. = Ventralseite des Femur. ü. = Ulna. t. = Tibia. P- = Pisiforme. f. = Fibula. rad. = Radiale. üb. = Tibiale. int. = Intermedium. int. = Intermedium. uln. = Ulnare. fib. = Fibulare. / — V. = Reihenfolge der Finger. /. — ///. = erste bis dritte Zehe. die Jungen verschieden groß und liegen zum Teil so weit vorn in der Leibeshöhle, daß es sich wohl nur um gefressene Junge handeln kann. Möglicherweise liegen in einigen Fällen wirklich Embryonen vor; daß die Ichthyosaurier vivipar gewesen sind, ist übrigens auch ohne Nach- Vermutung ausgesprochen, daß es sich in dem Kehlsack entweder um eine Schall- blase oder um eine Einrichtung handelt, die mit der Nahrungsaufnahme in irgend- einem Zusammenhange steht. 30* 468 Die Stämme der Wirbeltiere. weis von dem Vorhandensein von erhaltenen Embryonen nahezu sicher, da die Lebensweise eine Fortpflanzung auf oviparem Wege als unwahr- scheinlich erscheinen läßt. 1 Die Nahrung der Ichthyosaurier bestand in Fischen, Belemniten und anderen Cephalopoden, wie erhaltene Speisereste in der Magen- gegend beweisen. An einzelnen Fundstellen von Ichthyosauriern sind ihre Exkremente häufig (Koprolithen). 2 F. obt Fig. 371. Pubis + Ischium von Ophthalmosaurus icenicus, Seel., aus dem Oxfordien Eng- lands. V2 na t- Gr. (Nach C. W. Andrews.) Is. = Ischium. P. = Pubis. F. obt. = Foramen obturatorium. Die Körperlänge der Ichthyosaurier schwankte zwischen 1 m und 1 2 m. Der größte Ichthyosaurier dürfte I. trigonodon gewesen sein ; ein 2 m langer Schädel dieser Art wurde im oberen Lias Frankens gefunden. Schon im Rhät lebten riesige Ichthyosaurier, wie das gewaltige Unterkieferfragment aus dem Bonebed von Aust Cliff am Severn bei Bristol beweist, das F. von Huene(1912) beschrieb 3 . Dieses Tier könnte vielleicht noch größer gewesen sein als Ichthyosaurus trigonodon, doch sind einstweilen genauere Schätzungen unmöglich. 1 W. Branca, Sind alle im Inneren von Ichthyosauren liegenden Jungen ausnahmslos Embryonen? — Abhandl. Kgl- Preuß. Akad. d. Wiss., 1907, S. 1. Derselbe, Nachtrag zur Embryonenfrage bei Ichthyosaurus. - Sitzungsber. Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss., XVIII. Bd., 1908, S. 392. O.Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere. 1912. S. 75. 2 Viele der unter dem Namen ,,Ichthyosaurierkoprolithen" beschriebenen Exkremente dürften jedoch von Fischen herrühren. 3 F. v. Huene, Der Unterkiefer eines riesigen Ichthyosauriers aus dem eng- lischen Rhät. — Centralbl. f. Mineral, usw., 1912, S. 61. Reptilia. 469 Man hat ursprünglich sowohl die Arten mit kurzen und breiten Flossen wie die Arten mit langen und schmalen Flossen in einer Gat- tung (Ichthyosaurus) vereinigt und faßt auch heute noch sehr hetero- gene Typen unter diesem Namen zusammen. Es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß es sich in den Breitflossern und in den Schmal- Fig. 372. Rekonstruktion von Stenopterygius quadriscissus, Quenstedt, aus dem oberen Lias Württembergs, auf Grundlage des Originals im Senckenberg-Museum zu Frankfurt a. M. (vgl. Fig. 374). (Nach O. Abel, 1912.) Fig. 373. Stenopterygius quadriscissus, Qu. (emend. E. Fraas). Sehr junges Exemplar von 50 cm Körperlänge. — Oberer Lias von Holzmaden in Württemberg. - Original im Kgl. Naturalienkabinett zu Stuttgart. (Nach E. Fraas, 1911.) flossern (diese Unterscheidung deckt sich nicht ganz mit den systema- tischen Gruppen der Latipinnati und Longipinnati) um Vertreter zweier durchaus divergenter Stammesreihen handelt, welche ebenso scharf von- einander geschieden sind, wie etwa die breit- und kurzflossigen Balae- niden von den lang- und schmalflossigen Balaenopteriden unter den Bartenwalen. 0. J aekel hat daher schon 1904 vorgeschlagen 1 , die 1 O. J aekel, Eine neue Darstellung von Ichthyosaurus. Deutsch. Geol. Ges., LVI. Bd., 1904, S. 32. — Zeitschrift der 470 Die Stämme der Wirbeltiere. --' l r+ cd 3 o O •"! T3 K CD "1 3 *< 03 CTQ CO 03 3 a CD 03 O D. re ?r — i CA 2 3 o 3 er cä" cd CA ~t C '= °s. c« 03 i — | CA o <© rt 3" 3 2 c 3 — n r-h ST CT- — C 3 3" 03_ r-t~ N n N — n -ri —. CD 03 X Tl Z W -^ - 3" TT n T 5 03 — b r- 1 r+- f. -t f-t- 00 -^ g s (-h 03 3 cÄ r 3: i-h 1 3 c z C/3 CT CD 03 ~t 3* cd — -i = rn Q. r ro 03 ö .-*- V> *n mn < O 3 < o 3* re 3 «3* 03 Q. n" 3 3 3 03 O * o. cd 3" 3 c« 03 3 W "1 o' r-t- 3" er c-t- (B 3 03 er *n CD •-I Q. CTQ CD -\ 03 G ö CD 3* 03 03 3 1 Reptilia. 471 Breitflosser unter den Ichthyosauriern unter dem Namen Eurypterygius und die Schmalflosser unter dem Namen Stenopterygius zusammen- zufassen, doch hat sich diese Bezeichnung gegenüber dem eingebürgerten Namen Ichthyosaurus noch nicht durchzusetzen vermocht. Jedenfalls ist dieses Merkmal des Flossenbaues' zur Unterscheidung der Ichthyo- saurusarten von viel größerer Wichtigkeit, als etwa die verschiedene Schnauzenlänge, die bei I. breviceps aus dem unteren Lias Englands extrem kurz, bei I. campylodon aus dem Gault des Rounddown Tunnel bei Dover extrem lang ist. Eine sehr merkwürdig differenzierte Gat- tung mit enorm verlängerter Schnauze und kurzem Unterkiefer, die in dieser Hinsicht eine überraschende Konvergenz mit dem langschnau- zigen Zahnwal Eurhinodelphis aus dem Obermiozän von Antwerpen aufweist, habe ich (1909) als „Eurhinosaurus" abgetrennt. 1 Fig. 375. Rekonstruktion des Schädels von Ophthalmosaurus icenicus, Seeley, eines Ichthyosauriers aus dem Oxfordien Englands mit riesigen Augenhöhlen und breitem Sklerotikalring. Schädellänge etwa 1 m. Gebiß rudimentär. (Nach C. W. Andrews.) Bei der oberjurassischen Gattung Ophthalmosaurus mit außer- ordentlich vergrößerten Augenhöhlen sind die Zähne sehr klein und auf die vordersten Teile der Kiefer beschränkt. Es liegt hier eine par- allele Anpassung mit den sekundär zahnarm gewordenen Zahnwalen vor, und zwar ist als die Ursache dieser Gebißreduktion wohl der Über- gang von der ichthyophagen zur ausschließlich teuthophagen Ernährung, d. i. Cephalopodennahrung, anzusehen. 2 (Fig. 375.) Die Ichthyosaurier stammen nicht direkt von den Cotylosauriern ab, sondern von einer Ahnengruppe, bei der bereits ein oberes Schläfen- loch jederseits zur Ausbildung gelangt war. Huene hat es (1916) wahr- scheinlich zu machen versucht, daß die direkten Ahnen auf der Spezia- lisationsstufe der Poliosauriden gestanden und diesen sehr ähnlich waren, 3 1 O. Abel, Cetaceenstudien. I. Mitteilung. — Sitzungsber. d. Kais. Akad. d. Wiss., Wien, CXVIII. Bd., math. nat. KL, 1909, S. 245. 2 O. Abel, Paläobiologie der Wirbeltiere, S. 526. 3 F. von Huene, Beiträge zur Kenntnis der Ichthyosaurier im deutschen Muschelkalk. — Paläontographica, XLII. Bd., 1916, S. 63. 472 Die Stämme der Wirbeltiere. aber dagegen spricht vor allem, daß die Poliosauriden nur eine untere, aber keine obere Temporalgrube besessen haben, so daß die Ichthyosaurier mit ihrer oberen Temporalgrube und fehlenden unteren Temporalgrube nicht auf den Schädeltypus von Varanosaurus usf. zurückgehen können. Auch ist der hintere steile Absturz'des Schädeldaches von Varanosaurus so eigenartig, daß an eine Ableitung der Ichthyosaurier von varano- saurusartigen Theromorphen nicht gedacht werden kann. Indessen mag zugegeben werden, daß die langgestreckte, schmale und spitz zulaufende Schädelform von Varanosaurus acutirostris unverkennbare Ähnlichkeiten Id. Clav. Scap. Fig. 376. Schultergürtel von Mixosaurus atavus, Quenst., aus der mittleren Trias Deutschlands, in 1 / i nat. Gr.; kombiniert und rekonstruiert von F. v. Huene, 1916. Id. = Interclavicula. Scap. = Scapulare. Clav. = Clavicula. Cor. = Coracoid. (Vgl. dazu die Kritik F. Broili's (1917, Anat. Anz., 49. Bd., S. 484), in welcher die Richtigkeit dieser Rekonstruktion bestritten wird.) mit dem Schädel der primitiven Ichthyosaurier aufweist, aber diese Ähnlichkeiten sind höchstens auf Rechnung einer analogen Nahrungs- weise zu setzen. Zwischen den Mesosauriern und Ichthyosauriern bestehen keine verwandtschaftlichen Beziehungen und die vorhandenen Ähnlichkeiten sind teils als Folge der aquatischen Lebensweise beider Stämme, teils als gemeinsam von den Ahnen ererbte Merkmale anzusehen. Wir müssen die Ahnen der Ichthyosaurier in primitiven Reptilien der Theromorphenstufe aus der Permzeit suchen, die jedoch bis heute unbekannt geblieben sind. 1 1 Gegen die Ableitung der Ichthyosaurier von Mesosaurus oder Stereosternum sprechen vor allem die in ganz anderer Richtung entwickelten Anpassungen an das Wasserleben bei den beiden Gruppen. Während die Mesosaurier den Molchtypus aufweisen, haben die Ahnen der Ichthyosaurier zweifellos schon sehr frühzeitig die Richtung zum Torpedotypus eingeschlagen, ohne daß irgend ein Merkmal dafür sprechen würde, daß die Vorstufe der Ichthyosaurier von molchförmigen Typen ge- bildet worden und diese Anpassungsform an das Schwimmen später mit der fusi- formen Körpergestalt vertauscht worden wäre. Vgl. hierüber auch Stromer, Die ersten fossilen Reptilreste aus Deutsch-Südwestafrika und ihre geologische Be- deutung. — Centralblatt f. Min., usw., 1914, S. 538. Reptilia. 473 Mixosaurus. — Die Reste dieser kleinen, höchstens 1 m Körper- länge erreichenden Gattung sind bisher aus der Trias der Lombardei, Spitzbergens, Deutschlands und Nevadas bekannt geworden. Das Schwanzende ist nur wenig abgebogen, so daß die Schwanzflosse sehr niedrig gewesen sein- muß. Die Zähne stecken in Alveolen, nicht in einer Zahnrinne. Die Interclavicula (Fig. 376) ist dreieckig, die Flossen breit und kurz, die Vorderflosse viel größer als die Hinterflosse, die Knochen des Oberarms und Oberschenkels, des Unterarms und Unterschenkels ver- hältnismäßig primitiv gebaut und in ihrer Form noch deutlich von den proximalen Elementen des Carpus und Tarsus unterschieden. M. ata- vus: Deutschland, unterer Muschelkalk; M. Nordenskjöldi: Spitzbergen, oberer Muschelkalk; M. Cornalianus: obere Trias der Lombardei; M. Fraasi: mittlere Trias von Nevada und einige andere Arten. 1 (Fig. 365, 366, 376, 377.) Cymbospondylus. — Mittlere Trias von Nevada, Muschelkalk Deutschlands. — Der Schädel zeigt im Bau der Region zwischen den Augenhöhlen wesentliche Verschiedenheiten, die besonders in dem ver- schiedenen Größenverhältnis der Frontalia und Nasalia zum Ausdruck kommen. Die Tiere waren relativ groß (Schädellänge etwa 1 m). Der Schwanz war wie bei Mixosaurus nur wenig nach unten gebogen. In der Länge der Arm- und Beinknochen ist C. noch primitiv. Die Vorder- und Hinterflossem sind etwa gleich groß. Ob sie breit und kurz waren, ist noch zweifelhaft. 2 (Fig. 378.) Merriamia. — Obere Trias von Kalifornien. Die Flossen sind sehr schmal und lang und enthalten in der Vorderflosse nur drei funk- tionelle Fingerstrahlen nebst Rudimenten eines vierten Fingerstrahls; die Hinterflosse ist kleiner als die Vorderflosse. In dieser Hinsicht ist 1 E. Repossi, II Mixosauro degli Strati Triasici di Besano in Lombardia. — Atti Soc. Italiana, XLI. Bd., Milano 1902, p. 361. J. C. Merriam, Triassic Ichthyosauria with Special Reference to the American Forms. — Memoirs of the University of California, Vol. I, 1908. C. Wiman, Ichthyosaurier ans der Trias Spitzbergens. — Bulletin of the Geol. Inst, of Upsala, Vol. X, 1910, p. 124 (Literatur p. 144). Derselbe, Über Mixosaurus Cornalianus Bass. sp. — Ibidem, Vol. XI, 1912, p, 230 (Literatur p. 240). Derselbe, Notes on the Marine Triassic Reptile Fauna of Spitzbergen. — University of California Publications, Bull, of the Department of Geology, Vol. X, 1916, p. 63 (Literatur p. 73). F. von Huene, Beiträge zur Kenntnis der Ichthyosaurier im deutschen Muschelkalk. — Paläontographica, LXII. Bd., 1916, p. 1 (Literatur p. 66). F. Broili, Einige Bemerkungen über die Mixosauridae. — Anatomischer An- zeiger, XLIX. Bd., 1916, S. 474. 2 Vgl. außer der oben genannten Abhandlung Mer Harns auch seine Studie: The Types of Limb-Structure in the Triassic Ichthyosauria. - - Americ. Journal of Science (4), Vol. XIX, New Haven 1905, p. 23. 474 Die Stämme der Wirbeltiere. also Merriamia bereits höher spezialisiert als die mangelhaft bekannte Gattung Toretocnemus, bei der die Hinterflossen ebenso lang oder etwas länger sind als die Vorderflossen; Toretocnemus ist in der oberen Trias Kaliforniens gefunden worden. 1 (Fig. 361.) Fig. 377. Rekonstruktion des Schädels von Mixosaurus atavus, Quenst., aus der Mitteltrias (Homomyen- Mergel des Wellendolomits bei Simmozheim, Schwarzwald) Deutschlands, von oben gesehen. V 2 nat. Gr. ^ach F. v. Huene, 1916.) Adl. = Adlacrymale. Bo. = Basioccipitale. Fr. = Frontale. Fo.p. = Foramen parietale fu. - Jugale. La. = Lacrymale. N. = Nasenöffnung. Na. = Nasale. Orb. = Orbita. Pa. = Parietale. Prnx. = Praemaxillare. Porb. = Postorbitale. Q. = Quadratum. Ol- = Quadratojugale. Smx. = Supramaxillare. Sq. = Squamosum. Sta. = Stapes. S.t. = Supratemporale. T.g. = Temporalgrube. Fo.p. Porb Shastasaurus. Obere Trias Kaliforniens. — Nur zwei bis drei Fingerstrahlen in der sehr schmalen Vorderflosse, welche die rudimentäre Hinterflosse bedeutend an Länge übertrifft. 2 Eurypterygius (= Ichthyosaurus e. p., Gruppe der polydaktylen 1 Ibidem und J. C. Merriam, i. c. stipra. 2 J. C. Merriam, I. c. 1908. Reptilia. 475 Pmx. Ichthyosaurier). 1 — Weit verbreitet, vom unteren Lias bis zur oberen Kreide. Diese Gat- tung kann unmög- lich von den wenig- fingerigen (oligodak- tylen) Triasichthyo- sauriern abstam- men, da sie nicht nur ihre normale, von den Landrep- tilien ererbte Finger- zahl besaß, sondern die Flossenbreite im Laufe der Stammes- geschichte der Gat- tung noch beständig vermehrte. Wahr- scheinlich stecken auch noch nach der Abtrennung von Eurhinosaurus und Stenopterygius in der Gattung Eury- pterygius mehrere verschiedene Gat- tungen, deren Ab- grenzung aber einst- weilen noch nicht möglich ist und ein- gehendere morpho- logische Vergleiche aller bekannten Arten voraussetzt, die bis heute noch fehlen. Die Gattung Eurypterygius ist wahrscheinlich aus einer der primitiven Gattungen Mixo- saurus oder Cymbo- 1 O. J aekel, Eine neue Darstellung von Ichthyosaurus. — Sitzungsberichte d. Deutschen Geol. Ges., Zeitschrift d. Deutsch. Geol. Ges., LVI. Bd., 1904, S. 32. Orb. T.g. Fo.j). Porb. Fig. 378. Rekonstruktion des Schädels von Cymbospondylus spec. aus der mittleren Trias Kaliforniens, von oben gesehen. 1 / 1 nat. Gr. (Nach'J. C. Merr iam.) Abkürzungen wie in Fig. 377. 476 Die Stämme der Wirbeltiere. spondylus hervorgegangen; die sclnnalflossigen, oligodaktylen, hoch- spezialisierten Gattungen Merriamia, Shastasaurus usw. kommen nicht als Ahnenformen in Betracht und stellen jedenfalls einen blinden Seiten- ast der Ichthyosaurier dar, da die Juraichthyosaurier, die sich einerseits um Eurypterygius, andererseits um Stenopterygius gruppieren, in ihrem Flossenbau auf breitflossige Ahnen mit voller Finger- und Zehenzahl zurückgehen und daher nicht von Formen mit reduzierten Fingern und Zehen abgeleitet werden können. Schon bei den im Lias auftretenden Arten der Gattung Eurypterygius sind Ulna, Radius, Tibia und Fibula sehr stark modifiziert und haben die Form der angrenzenden Carpalia bzw. Tarsalia angenommen. Im weiteren Verlauf der Stammesentwicklung der Gattung keilt sich das Intermedium immer weiter zwischen Radius und Ulna ein und erreicht schon bei E. extremus aus dem unteren Lias Englands den Unterrand des Humerus. Durch Vermehrung der Fingerstrahlen bzw. der Längs- reihen von Phalangen können bis zu elf Strahlen in der Brustflosse von E. communis auftreten. Die Art der Vermehrung unterliegt großen Schwankungen selbst innerhalb der Arten, wie Vergleiche der Flossen von E. communis zeigen. Die Vermehrung der "Phalangenreihen findet hauptsächlich an der ulnaren Seite der Hand, aber auch, freilich in schwächerem Maße, an der Vorderseite oder Radialseite der Hand statt. Die Gattung Eurypterygius entspricht nicht genau der Gruppe der ,,Latipinnati", da diese nicht nur durch breite, kurze Flosse, sondern namentlich dadurch gekennzeichnet sein soll, daß vom Intermedium der Handwurzel zwei Fingerstrahlen ausgehen, während bei den ,,Longi- pinnati" nur ein einziger Fingerstrahl in 'der Mitte der Vorderflosse stehen soll; nach dieser Auffassung soll bei den „Latipinnati" der dritte Finger verdoppelt sein und statt des einen Centrale bei den Longipinnati sollen zwei Centralia vorhanden sein. Da jedoch die Be- stimmung der betreffenden Knochen als „Centralia" außerordentlich zweifelhaft ist, kommt diese systematische Gliederung kaum in Be- tracht. Dagegen scheint es, daß Flossentypen wie die des E. extremus einem anderen Stamme angehören als die Flossentypen, wie sie uns bei E. platydactylus entgegentreten, und es ist daher wahrscheinlich, daß auch in der Gattung Eurypterygius weit mehr Gattungen stecken als man bisher anzunehmen pflegt. 1 Zu den breitflossigen Ichthyosauriern (Eurypterygius) sind z. B. zu rechnen: E. intermedius (unterer Lias Englands) (Fig. 368). E. Conybeari (unterer Lias Englands), 1 Die Literatur über Ichthyosaurier ist sehr umfangreich. G. Baur, E. D. Cope, R. Owen und E. Fraas haben zahlreiche Abhandlungen über diese Reptilien Reptilia. 477 E. communis (oberer Jura Englands [Kimmeridge]) (Fig. 358 B, 362). E. extremus (oberer Jura [Kimmeridge] Englands). 1 (Fig. 363.) E. platydactylus (untere Kreide [Neokom und Aptien] Norddeutsch- lands) (Fig. 364, 367) usf. Stenopterygius (= Ichthyosaurus e. p., Gruppe der oligodaktyleu Ichthyosaurier). — Hauptverbreitung im Lias. 2 — Die Ichthyosaurier des süddeutschen oberen Lias aus den schwarzen Schiefern und Kalken von Holzmaden, Boll und anderen Fundorten in Süddeutschland ge- hören zu den Ichthyosauriern, die meist eine reduzierte und nur selten die normale Fingerzahl aufweisen und nur in wenigen Fällen an der veröffentlicht. Zu den wichtigsten derselben, in denen auch die weitere Literatur nachzusehen ist, gehören: E. Fr aas, Die Ichthyosaurier der süddeutschen Trias und Juraablagerungen. — Tübingen 1891. — Die Hautbedeckung von Ichthyosaurus. — Jahreshefte d. Ver. f. Vaterland. Naturkunde in Württemberg, L. Bd., 1894, S. 493. — Ein unverdrückter Ichthyosaurusschädel. — Ibidem, 1913, S. 1. G. Baur, ün the Morphology and ürigin of the Ichthyopterygia. — American Naturalist, Vol. XXI, 1887, p. 837. R. Lydekker, Note on the Classification of the Ichthyopterygia. — Geolog. Maga- zine (3), Vol. V, 1888, p. 309. R. Owen, Monograph of the Fossil Reptilia of the Liassic Formations. — Part III (Ichthyopterygia). — Palaeontographical Society, Vol. XXXV, London 1881, p. 83. G. Baur, Die Palatingegend der Ichthyosauria. — Anat. Anzeiger, X. Bd., 1895, S. 456. • R. Lydekker, Catalogue of the Fossil Reptilia and Amphibia in the British Mu- seum. — Part II. — 1889. O. P. Hay, Bibliography and Catalogue of the Fossil Vertebrata of North America. — Bull. 179 of the U. S. Geol.-Survey, Washington 1902, p. 461 (aus- führliche Literatur, besonders über Proteosaurus, Home [Type: P. platyodon, Conyb.)]. F. Broili, Ein neuer Ichthyosaurus aus der norddeutschen Kreide. — Paläonto- graphica, LIV. Bd., 1907, S. 139. — Neue Ichthyosaurierreste aus der Kreide Norddeutschlands und v das Hypo- physenloch bei Ichthyosauriern. — ■ Ibidem, LV. Bd., 1909, S. 295. E. von Stromer, Neue Forschungen über lungenatmende Meeresbewohner. — Fortschritte der naturw. Forschung, II. Bd., Berlin u. Wien 1910, S. 101. 1 Das geologische Alter des von G. A. Boulenger (A Paddle of a New Species of Ichthyosaur. — Proc. Zool. Soc, London 1904, p. 424) beschriebenen Restes war unbekannt, ebenso wie der Fundort; als wahrscheinlich wurde angenommen, daß der Rest aus dem unteren Lias der Gegend von Bath stamme. Da ein zweites, allerdings nicht so vollständiges Exemplar im oberen Jura (Kimmeridge) von Swindon in England gefunden wurde, wie C. W. Andrews (Marine Reptiles of the Oxford Clay. — Vol. I, 1910, p. 54) berichtet, so ist es wahrscheinlich, daß diese Art dem oberen und nicht dem unteren Jura angehört, wofür ja auch, wie Andrews hervor- hebt, der extrem hohe Spezialisationsgrad der Flosse spricht. 2 O. Jaekel, Eine neue Darstellung von Ichthyosaurus. — Zeitschrift der Deutschen Geol. Ges., LVI. Bd., 1904, S. 32. 478 Die Stämme der Wirbeltiere. ulnaren Seite der Hand überzählige Phalangenreihen besitzen. Die > "2 CO 1-t- ct> 3 C •o O CTO C vi CO 3 r+ E. ZT o c Vi Vi o -3 o o 3 ■< er - § 3 =f 3 W 3 w 3 TJ — ™ F =■ o. 3 n e. — . 3 1 S -| _ o 2 C tu CO O v> CO <-f "3 -' xt 3 CO ST ro 03 § « 3-' °- • § 'co r i z r o 3 O. O 3 CO o Vi n r-t- Vi =T -^ - ■P n 3 CTO Co O. 3 £0 O cro CO -4 o Flosse kann dabei (vgl. St. tenuirostris, Fig. 379) sehr breit und groß sein, ist aber oft klein (St. quadriscissus, Fig. 380). Hierher gehören Reptilia. 479 die häufigsten Ichthyosaurierarten St. quadriscissus, St. tenuirostris, St. acutirostris, St. longifrons, St. platyodon. Wahrscheinlich wird auch die Gattung Stenopterygius in mehrere Gattungen zu zerlegen sein, doch sind erst genauere Unter- suchungen darüber erforderlich. Eurhinosaurus. — Oberer Lias Württembergs und Englands. 1 — Schnauze enorm verlängert, den kurzen Unterkiefer weit überragend, Flossen dreifingerig, lang und schmal, die vorderen Flossen länger als die hinteren. 2 Die Schnauzenlänge des etwa 5 m langen Tieres erreichte, von der Spitze bis zum Nasenloch ge- messen, über 1 m. — E. longirostris und E. longipes mit Flossen von über 1 m Länge. 3 1 0. Abel, Cetaceenstudien. I. Mit- teilung: Das Skelett von Eurhinodelphis Cocheteuxi aus dem Obermiozän von Ant- werpen. — Sitzungsberichte d. K. Akad. d. Wiss. Wien, math. nat. KL, CXVI1I. Bd., 1909, S. 245. 2 Die Vorderflossen eines von B. Hauff präparierten „Hautexemplars" aus dem Lias von Holzmaden von 4 m Körper- länge sind 80 cm, die Hinterflossen nur 60 cm lang. (Nach einer Mitteilung von E. Fraas an F. König. — F. König: Fossilrekonstruktionen. — München, bei Dultz u. Co., 1911, S. 41.) Zittel hatte hervorgehoben, daß die Hinterflossen bei diesem Typus länger seien als die Vorder- flossen, was sich nunmehr als unrichtig erwiesen hat. 3 K. A. von Zittel, Handbuch der Paläozoologie. — III. Bd., S. 470. Das Verhältnis zwischen Rostrum und Unterkiefer, das auffallend an den miozänen Zahnwal Eurhinodelphis aus dem Bolderien von Antwerpen erinnert, ist an einem trefflich erhaltenen Schädel des Stutt- garter Naturalienkabinetts sehr gut zu be- obachten. &v bjo :3 •o E o X c c > cc _g . ° E 5 •o cz c 3 '5b Q. O CO c > CO ' 480 Die Stämme der Wirbeltiere. Ophthalmosaürus. — Oberer Jura von England und Nord- amerika, vielleicht noch in der oberen Kreide Englands. — Augen- höhlen sehr groß, Knochenspange hinter den Augenhöhlen stark re- duziert. Supramaxillare klein, zahnlos, Praemaxillare sehr lang. Zähne nur in den Zwischenkiefern und im vorderen Teile der Unterkiefer, Fig. 381. Hinterhaupt von Ophthalmosaürus icen Peterborough, England. 1 / 3 nat. = Gelenkfläche des Quadra- tums. ' -== Basioccipitale. = Condylus occipitalis. = Exoccipitale. = Foramen im Supraoccipitale. = Foramen magnum. = Opisthoticum. = Facette für das Opisthoticum (am Squamosum). = Fortsatz des Supraoccipitale, in das Foramen magnum vor- springend. art. boc. cond. cxo. for. for. mag. op. op. f. icus, Seeley, aus dem Oxfordien von Gr. (Nach C. W. Andrews.) pa. f. = Facette am Supraoccipitale für die Parietalia. p. b. sq. = Parietalast des Squamosums. p. e. a. = hinterer Ast des Squamosums. pt. = Pterygoid. pt. foss. ■■= Fenestra posttemporalis. q. = Quadratum. q. b. sq. -- Quadratast des Squamosums. soc. = Supraoccipitale. st. = Supratemporale. /. b. sq. Temporalast des Squamosums. XII. -- Foramen für den hinteren Ast des N. hypoglossus. sehr klein, locker in der Zahnrinne stehend und daher bei der Fossili- sation leicht ausfallend. Vordere Halswirbel verschmolzen. Dornfort- sätze der Wirbel lateral stark komprimiert, breit. Vorderflossen breit oval, sehr kurzfingerig, nur mit vier Fingern in Funktion 1 , der fünfte 1 C.W.Andrews bildete 1910 (A Descriptive Catalogue of the Marine Reptiles of the Oxford Clay, PI. II, Fig. 4) die linke Vorderflosse eines Ichthyosauriers unter dem Namen Ophthalmosaürus icenicus ab, ohne sich im Texte darauf zu beziehen (das Exemplar wurde erst nach dem Drucke des Textes gefunden). Die Flosse ist Reptilia. 481 rudimentär. Hinterflossen viel kleiner als die vorderen, außerordentlich reduziert, nur mehr drei kurze Zehenstrahlen umfassend. Pubis und Ischium verschmolzen, mit kleinem Foramen obturatorium. O. icenicus. — Oberer Jura (Oxfordien) Englands. 1 (Fig. 369, 370, 371, 375, 381). Die Ichthyosaurier der Kreide werden unter dem Sammelbegriff „Ichthyosaurus" zusammengefaßt, gehören aber wahrscheinlich ebenso verschiedenen Gattungen an wie die Juraichthyosaurier. I. campylodon ist aus der Kreide Englands, Frankreichs und Rußlands bekannt; andere Reste aus den Kreideablagerungen Europas werden zu verschiedenen Arten gestellt. Vereinzelte Reste von Ichthyosauriern sind in der Kreide von Australien und Neuseeland, ein riesiges Schnauzenfragment in der Kreide von Ceram und einzelne Wirbel in der Kreide Ostindiens ge- funden worden. XI. Ordnung: Sauropterygia. Die Sauropterygier bilden eine Gruppe von Reptilien, die sich von terrestrischen Vorfahren abgezweigt haben und zur marinen Lebens- weise übergegangen sind. Abweichend von der Mehrzahl der sekundär aquatisch gewordenen Vertebraten ist der Schwanz der Sauropterygier nicht als Lokoniotionsorgan verwendet und daher verkürzt worden; die Fortbewegung geschah ausschließlich mit Hilfe der zu großen, langen und schmalen Ruderflossen umgeformten Gliedmaßen, die wohl in ähnlicher Weise funktioniert haben wie die Flossen der Meeresschild- kröten, an die auch die ganze Körpergestalt erinnert. Freilich sind diese Ähnlichkeiten rein äußerlicher Natur und ebenso als Konvergenz- erscheinungen anzusehen wie die allgemeine Ähnlichkeit des Körper- typus der Delphine, Ichthyosaurier und Haifische. Die Geschichte der Sauropterygier ist heute in den Grundzügen als aufgeklärt anzusehen. Die primitivsten Typen unter den Sauro- pterygiern sind nächst den Trachelosauriden die Nothosauriden, die man vielfach, aber mit Unrecht, als die Ahnen der Plesiosaurier betrachtet. In vielen Merkmalen, wie z. B. im Bau der Gliedmaßen, der Wirbelsäule, des Schultergürtels und Beckens usw. primitiv, stellen sie im Bau der Schädelbasis hochspezialisierte Typen dar, während die Plesiosaurier im Bau des Gaumens eine tiefere Spezialisationsstufe als die Notho- polydaktyl und zwar besteht sie aus acht Fingerstrahlen, die teilweise durch Teilung eines einfachen Strahls verdoppelt sind. Ob diese Flosse zu Ophthalmo- saurus icenicus gehört, scheint mir sehr zewifelhaft, da die anderen Abbildungen eine ausgesprochene Oligodaktylie beider Flossen zeigen. 1 Ibidem, p. 2. Abel, Stämme der Wirbeltiere. 31 482 Die Stämme der Wirbeltiere. sauriden einnehmen, sonst aber die entsprechend höhere Spezialisations- stnfe des Sauropterygierstammes repräsentieren. Unter den Plesiosauriern sind wieder ganz verschiedene Spezia- lisationsreihen zu unterscheiden. Wir kennen kurzschnauzige Formen mit starkem Rechengebiß, wie z. B. Simolestes vorax; andere Schädeltypen erinnern in hohem Grade an Krokodile, z. B. Pliosaurus ferox; wieder andere, wie z. B. Trinacromerum bentonianum (Fig. 399), besitzen lange, schmale Schnauzen. Diese verschiedenen Schnauzenformen zeigen be- reits, daß die Nahrungsweise der Plesiosaurier ziemlich verschieden gewesen sein muß, da Formen, wie Simolestes, benthonische Beute- tiere gefressen haben müssen, während Trinacromerum ein schnell- schwimmender Fischjäger gewesen sein dürfte. Bei der Gruppe der durch Elasmosaurus markierten Formen tritt eine außerordentliche Verlängerung des Halses ein, der (bei Elasmosaurus selbst) die unter Wirbeltieren einzig dastehende Zahl von 76 Halswirbeln erreicht und den Körper beträchtlich an Länge übertrifft (Hals: Rumpf = 23: 9), so daß das rekonstruierte Bild dieses Reptils einen ganz verzerrten Ein- druck hervorruft. Daß dieses Tier gleichfalls vorwiegend von bentho- nischen Tieren lebte, geht wohl daraus hervor, daß in der Magen- gegend von Elasmosaurus Snowii Gastrolithen (d. s. verzehrte und im Magen geschliffene Kieselsteine) gefunden worden sind. Der lange Hals der Elasmosaurier ist daher mit den langen Hälsen verschiedener gründelnder Wasservögel in Parallele zu stellen. Die Verschiedenheiten des Brustgürtels bei den Nothosauriden und bei den Plesiosauriden, die zuweilen als Gründe für die Divergenz beider Stämme angeführt werden, sind nur gradueller Natur und durch die verschiedene Funktion der Arme bedingt; dagegen ist es unmöglich, den Gaumentypus der Plesiosauriden auf den der Nothosauriden zurück- zuführen, so daß wir die Nothosauriden als einen blind endenden Seiten- zweig der Sauropterygier ansehen müssen, deren Hauptstamm von den Plesiosauriden gebildet wird. Die Nothosaurier sind nur aus der Trias bekannt; die ersten dürftigen Reste der Plesiosaurier treten im Muschel- kalk auf, aber erst im Lias erscheinen die mitunter prachtvoll erhaltenen Skelette von Plesiosaurus, die dieses Reptil neben den Ichthyosauriern zu den populärsten gemacht und schon seit langer Zeit wieder- holt den Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gebildet haben. Trotzdem sind noch manche Fragen aus der Stammesgeschichte der Plesiosauriden, namentlich die verwandtschaftlichen Beziehungen der jurassischen zu den kretazischen Gattungen, dringend einer Aufklärung bedürftig. F. Trachelosauridae. Die neuerliche Untersuchung eines Reptilienskelettes aus dem Bunt- Reptilia. 483 Sandstein (untere Trias) von Bernburg im Herzogtum Anhalt 1 hat er- geben, daß in ihm ein Sauropterygier von sehr geringer Spezialisations- höhe vorliegt. F. Broili, der die nicht zum Abschlüsse gebrachten Untersuchungen 2 E. Fischers beendete und herausgab, legt dar, daß es sich um eine Type handelt, die zwar in vielen Punkten, so z. B. im Baue des Beckens geradezu als eine Vorstufe von Nothosaurus zu be- trachten ist, aber in anderen, wie im Baue der Halswirbelsäule, bereits einen höheren Spezialisationsgrad als Nothosaurus erreicht hat. Der Halswirbelabschnitt der Wirbelsäule umfaßt etwa 20 (21?) Wirbel, war also auffallend lang. In dieser Hinsicht sowie in der Art der Gelenkverbindung der Halsrippen allein mit dem Wirbelkörper schließt sich Trachelosaurus Fischeri, wie F. Broili diesen Saurier ge- nannt hat, enge an die übrigen Sauropterygier an; dagegen unter- scheidet er sich von diesen sehr bestimmt durch die Größenabnahme der Rückenwirbel im Vergleiche mit den hinteren Halswirbeln. Ferner sind bei den Nothosauriden, die wir bisher als die primitivsten Sauro- pterygier betrachteten, die Wirbelkörper und Dornfortsätze in der Hals- region nur sehr locker verbunden, bei Trachelosaurus dagegen durch feste Gelenke vereinigt. Es liegen also in diesen beiden Spezialisationen zwischen Trachelosaurus und den Nothosauriden „Spezialisationskreu- zungen" vor, .die uns daran verhindern, Trachelosaurus als unmittel- baren Vorläufer bzw. Ahnen der Nothosauriden anzusehen, obwohl der Bau des Iliums einer Vorstufe des Nothosaurideniliums entspricht. Trachelosaurus ist daher nach F. Broili als der Vertreter einer bisher unbekannt gewesenen Gruppe der Sauropterygier anzusehen, die eine selbständige Entwicklungsreihe repräsentiert und sich weder in die Nothosauriden noch in die Plesiosauriden fortgesetzt hat. Obwohl Broili aus der Form des Iliums die Annahme einer terre- strischen Lebensweise von Trachelosaurus zu begründen versucht, so scheint mir doch für diese Annahme kein zwingender Grund vorzu- liegen. In den Anfangsstufen der Anpassung an das Wasserleben macht sich namentlich in jenen Fällen, in denen die Hinterextremitäten •nicht funktionslos werden, sondern noch als Ruder fungieren, nur eine sehr geringe Veränderung des Beckens bemerkbar. Die allgemeine Körperform scheint, wie aus den Ausführungen Broilis zu schließen ist, der eines Lariosaurus ziemlich ähnlich gewesen zu sein. 1 F. Broili und E. Fischer, Trachelosaurus Fischeri nov. gen. nov. spec. — Ein neuer Saurier aus dem Buntsandstein von Bernburg. — Jahrbuch der Königl. Preußischen Geologischen Landesanstalt für 1916, Berlin 1917, XXXVII. Bd., p. 359. 2 Dr. E. Fischer fiel im Gefecht von Freconrupt (Vogesen) am 21. August 1914. F. Broili gab dem neuen Typus den Artnamen. 31* 484 Die Stämme der Wirbeltiere. F. Nothosauridae. Die Nothosaurier zeigen zwar auch schon deutlich die ersten An- passungsstufen an das Wasserleben, aber die Gliedmaßen besitzen, Fig. 382. Lariosaurus Baisami, Curioni (von der Bauchseite), aus dem Muschelkalk (mittlere Trias) von Perledo am Comersee. Original im Senckenberg- Museum zu Frankfurt a. M. Ungefähr J /2 nat - G r - (J un g es Tier.) (Nach F. Drevermann.) wie z. B. Lariosaurus Baisami (Fig. 382) zeigt, noch durchaus den all- gemeinen Charakter, wie ihn terrestrische Vertebraten aufweisen; Reptilia. 485 freilich wurden sowohl die Hand als auch der Fuß bereits als Flossen verwendet. Die Hauptknochen der Gliedmaßen sind noch relativ lang, der Unterarm auffallend massiv; überhaupt sind Hand und Fuß ziemlich zart und klein im Verhältnis zu den übrigen Abschnitten der Gliedmaßen. Bei der höher spezialisierten Gattung Proneusticosaurus rig. 383. Gaumenansicht des Schädels von Simosaurus Gaillardoti, H. v. Meyer, aus der mittleren Trias (oberer Muschelkalk) von Crailsheim in Württemberg, in 1 / 2 nat. Gr. (Nach O. Ja ekel.) Pm = Praemaxillare. Pt = Pterygoideum. Mx = Supramaxillare. Tr = Transversum. N = Vomer. Q = Quadratum. PI = Palatinum. (Der hintere Teil des Schädels ist ergänzt.) sind Hand und Fuß bereits zu typischen Flossen geworden, weisen aber noch keine Verlängerungen der Finger- und Zehenstrahlen auf. Der Schädel ist bei einigen Gattungen (z. B. Lariosaurus, Simo- saurus) (Fig. 383) kurz und breit, bei Nothosaurus (Fig. 384) lang und schmal. Die Nasenlöcher sind vom Vorderende der Schnauze weg gegen hinten verschoben, die Nasalia verkümmert; das Vorderende der Schnauze 486 Die Stämme der Wirbeltiere. wird allein von den Praemaxillaria gebildet. Die Frontalia und Parietalia sind verwachsen, die Parietalia sehr schmal; zwischen ihnen steht ein Foramen parietale. Die oberen Temporalgruben (Fig. 384) sind sehr groß und drängen die Parietalia in der Mittellinie zu einem schmalen Kamm zusammen' (bei Fig. 384. Oberansicht des Schädels von Nothosaurus cfr. Friedericianus, v. Fritsch, aus der Mitteltrias (unterer Muschelkalk) von Mühl- hausen in Thüringen. 2 /a nat - Gr - (Nach O. Jaekel.) Nothosaurus; bei Simosaurus ist der mediane Parietalabschnitt breiter). Diese obere Temporalgrube wird unten von einer Knochenspange abge- schlossen, die vom Squamosum und Postorbitale gebildet wird; die untere Temporalgrube ist vorhanden, aber unten geöffnet, und diesem spezia- lisierten Zustand entspricht auch das Fehlen des Jugale und Quadrato- Reptilia. 487 jugale. Diese Verhältnisse der Temporalregion beweisen, daß die Sauro- pterygier von Vorfahren abstammen müssen, die beide Schläfengruben- paare besaßen. Der Schädel der Nothosauriden war durchaus unbeweg- lich (akinetisch). Ganz eigentümliche Verhältnisse zeigt der Bau des Gaumens (Fig. 383). Die beiden Vomeres (N) trennen die Choanen und die an deren Hinterrand beginnenden Palatina; an das Hinterende der Vomeres schließen sich die Pterygoidea an, welche eine gewaltige Ausdehnung besitzen und bis an das Hinterende der Schädelbasis reichen, so daß weder das Para- sphenoid noch das Basisphenoid bei der Betrachtung der Schädel- unterseite sichtbar sind. Zwischen den Pterygoidea bleibt bei Simo- saurus Gaillardoti eine sehr schmale Spalte frei; bei Nothosaurus schließen sie fest aneinander. An den Seiten der Pterygoidea schiebt sich zwischen A B Fig. 385. A: Proneusticosaurus Madelungi, Volz, aus dem untersten Muschelkalk von Sacrau in Oberschlesien; B: Stereosternum (nach Seeley). Die beiden Figuren sind auf gleiche Größe gebracht, um den Vergleich zu erleichtern. In Fig. A ist der letzte Brustwirbel, beide Lendenwirbel und der erste Sakralwirbel dargestellt, in Fig. B das Sacrum und beide Ilia. (Nach W. Volz.) ihnen und den Supramaxillaria jederseits ein Transversum ein. Zähne stehen nur auf den Praemaxillaria, Supramaxillaria und Dentalia; sie sind spitzkegelförmig (Nothosaurus) oder stumpfkegelförmig (z. B. Simo- saurus), und zwar sind die vorderen größer; besonders stark sind die Größendifferenzen der Zähne bei Nothosaurus, wo die Zwischenkiefer- zähne die hinteren Supramaxillarzähne beträchtlich an Länge über- treffen. Die Wirbel sind platycoel. Bei Proneusticosaurus (Fig. 385) und verwandten Formen ist eine auffallende Verdickung (Pachyostose) der Wirbel, und zwar namentlich ihrer Fortsätze, zu beobachten. Der Halsabschnitt umfaßt bei Nothosaurus 22 Wirbel, ebensoviel bei Lario- saurus (20—21), aber Neusticosaurus besitzt nur 16 Halswirbel. Die Rippen sind einköpfig; die sehr kräftigen Bauchrippen bilden ein dichtes Geflecht. 488 Die Stämme der Wirbeltiere. , DerBrustgürtel(Fig.386) besteht aus einer kleinen Interclavicula, an die sich die beiden Claviculae anschließen; mit der Scapula ist die Clavi- cula jederseits durch eine Quernaht verbunden. Die Scapula entsendet eilten kräftigen Ast nach oben und hinten und tritt mit dem größten Knochen des Schultergürtels, dem Coracoid, in feste Nahtverbindung. Die Coracoidea stoßen median zusammen, so daß zwischen dem Clavi- cularabschnitt und Coracoidabschnitt des Schultergürtels eine weite Öffnung freibleibt, in der vielleicht knorpelige Praecoracoidea lagen. Scap. Fig. 386. Schultergürtel von Nothosaurus mirabilis, Münster, aus dem Muschelkalk (mittlere Trias) von Bayreuth, in 1 / i nat. Gr.; von der Dorsalseite gesehen. (Nach K. A. v. Zittel.) Interclavicula. Clavicula. Icl. Cl. Scan. = Scapula. Cor. = Coracoid. Das Becken, das aus den relativ locker verbundenen normalen Elementen besteht, ist bei Proneusticosaurus mit sechs Sakralwirbeln fest verbunden. Lariosaurus. — Muschelkalk (mittlere Trias) der Lombardei. — Die Pterygoidea sind bei Jugendexemplaren noch nicht in der Mitte geschlossen; daraus ergibt sich, daß im Bau des Gaumens diese Gat- tung unter den Nothosauriden die tiefste Stellung einnimmt. Die all- gemeinen Verhältnisse des Körpers weisen trotz vielfacher Ähnlich- keiten mit Landreptilien bereits deutliche Sauropterygiermerkmale auf; die Bauchrippen bilden ein dichtes Geflecht, und zwar schließen sich je drei (eine mediane und je eine laterale) zu einer Querspange zu- Reptilia. 489 sammen. Die Größe des Tieres war gering; die Körperlänge erwachsener Exemplare erreicht kaum 1 m 1 (Fig. 382). Nothosaurus. — Vom Buntsandstein (untere Trias) bis zur Letten- kohle (obere Trias) Deutschlands. Die Körperlänge einzelner Arten er- reicht 3 m, andere, wie N. Friedericianus, blieben, wie aus den Schädel- maßen hervorgeht, weit hinter dieser Zahl zurück. Hand und Fuß sind noch immer unbekannt, obwohl bereits zahlreiche Skelette gefunden worden sind 2 (Fig. 384, 386). Partanosaurus. — Mittlere Trias (Partnachschichten) Vorarlbergs. P. Zitteli. 3 Anarosaurus. — Muschelkalk von Remkersleben bei Magdeburg 4 (Fig. 387). Proneusticosaurus. — Muschelkalk (mittlere Trias) Schlesiens 5 C; Unterkiefer von Plesiosaurus dolichodeirus, aus dem Unterlias von Lyme Regis in England, Vi na t. Gr. (Aus dem Guide Foss. Reptiles usw., Brit. Mus. Nat. Hist. London, 1910, Fig. 31, p. 35.) Die Kieferformen B und A beweisen, daß die Tiere Muschelfresser gewesen sein müssen. Der Typus A erinnert an die Unterkieferform der Schildkrötengattung Lytoloma. nicht zusammenstoßen; hierher gehört z. B. Tricleidus aus dem Ox- fordien Englands und eine Reihe anderer Gattungen, M. Leedsi von Peterborough in England. Cryptocleidus. — Oxfordien Englands. — Hals relativ kurz (32 Halswirbel), Halsrippen einköpfig; dies ist im Vergleich zu Plesio- saurus und Thaumatosaurus, bei denen die Halsrippen zweiköpfig sind, Abel, Stämme der Wirbeltiere. 32 498 Die Stämme der Wirbeltiere. als ein Spezialisationsfortschritt zu betrachten, während andererseits im Bau des Schädels primitivere Verhältnisse vorliegen. Schädel kurz, plump, relativ klein. Mehrere trefflich erhaltene Skelette aus dem Ox- fordien von Fletton bei Peterborough bekannt. C. oxoniensis 1 (Fig. 395, 398). Scaj). Cae.gl. Fig. 392. Schultergürtel von Plesiosaurus Guilelmi imperatoris, Dames, aus dem oberen Lias von Holzmaden in Württemberg, von der Ventralseite gesehen. y 6 nat. Gr. (Nach E. Fraas.) Id. = Interclavicula. Cav.gl. = Cavitasglenoidalis(Gelenk- C7. = Clavicula. fläche für den Humerus). Scap. = Scapula. Cor. = Coracoid. Pliosaurus. — Oxfordien Englands. — Schädel relativ groß, ähnlich dem eines langschnauzigen Krokodils, Hals kurz, mit zwei- köpfigen Rippen. Die Pterygoidea schließen hinter der Parasphenoidal- lücke zusammen und entsenden gegen die Quadrata lange, schlanke Äste. Das Jugale erreicht den Unterrand des Schädels, ohne einen Zacken, wie z. B. bei Thaumatosaurus, zu bilden. P. ferox. 2 Peloneustes. — Oxfordien Englands. — Schädelform ähnlich wie bei Pliosaurus. P. philarchus. Unterkiefersymphyse lang 3 (Fig. 391, A). 1 C. W. Andrews, A Descriptive Catalogue of Marine Reptiles of the Oxford Clay. — 1. c, 1910, p. 164. 2 Derselbe, Ibidem, Part II, London 1913, p. 2. 3 Ibidem, p. 34. Reptilia. 499 Simolestes. — Oxfordien Englands. — Schädel kurz, breit, Unter- kieferäste stark nach außen gebogen; Kiefer am Vorderende mit langen, spitzen Zähnen besetzt, die eine Fangreihe bilden und weit nach außen vorspringen. S. vorax. 1 Fig. 393. Schultergürtel von Trinacromerum bentonianum, Cragin, aus der oberen Kreide von Kansas, in V 6 nat. Gr. (Nach S. W. Williston.) Cl = Clavicula. Icf = Foramen interclaviculare. Co = Coracoid. Sc = Scapula. ic — Interclavicula. Brancasaurus. — Wealden Westfalens. 2 1 C. W. Andrews, Ibidem, Part. II, London 1913, p. 25. 2 Th. Wegner, Brancasaurus Brancai Wegner, ein Elasmosauride aus dem Wealden Westfalens. — Branca-Festschrift, Berlin 1914, S. 235. (Übersicht der bisher aus der Kreide Europas bekannten Plesiosauriden und ihrer Unterschiede sowie aus- führliche Literatur.) Aus Europa sind bisher ungefähr 30 verschiedene Arten be- schrieben, die sich voneinander z. T. sehr wesentlich unterscheiden, aber von Wegner sämtlich unter dem Gattungsnamen Plesiosaurus zusammengefaßt werden. Die Mehrzahl dieser „Arten" ist freilich auf ganz dürftigen Resten, meist nur auf ein- zelne Halswirbel, einige andere „Arten" auf einzelne Brustwirbel und andere auf 32* 500 Die Stämme der Wirbeltiere. Elasmosaurus. — Obere Kreide Nordamerikas. — Hals enorm verlängert, bis 76 Halswirbel. 1 Die Halslänge verhält sich zur Körper- länge (3 m) wie 23:9 (Fig. 397). t ma, Ü0I ^ir w iß Fig. 394. Hinterflosse von Plesiosaurus Guilelmi imperatoris, Dames, aus dem oberen Lias von Holzmaden in Württemberg. nat. Gr. (Nach E. Fraas.) Via Fe = Femur. Fi = Fibula. Ti = Tibia. fi = Fibulare. i = Intermedium. ti = Tibiale. * = Tarsalia 1.— 3. //. = Flabella (fibulares Sesam- bein). mtj, mt 5 = Metatarsale I., V. I, V = erste und fünfte Zehe. Y einzelne Gliedmaßenknochen errichtet und stellen eigentlich nur einen sehr lästigen Ballast der Literatur dar. Hoffentlich wird einmal eine von phylogenetischen Ge- sichtspunkten in Angriff genommene Monographie der Plesiosauriden mit diesem wertlosen Material gründlich aufräumen, das gegenwärtig eine klare Übersicht der Plesiosauriden und einen Einblick in ihre Geschichte nahezu unmöglich macht. 1 Auch aus Nordamerika ist eine größere Zahl von Plesiosaurierarten be- schrieben worden; die letzte Zusammenstellung aus dem Jahre 1908 von S. W. Williston (Journal of Geology, Vol. XVI, 1908, p. 736) führt 4 Arten (Plesio- saurus shirleyensis, Pantosaurus striatus, Megalneusaurus rex, Cimoliasaurus lara- miensis) aus dem oberen marinen Jura von Wyoming und 32 Arten aus der Kreide an. Auch von diesen Arten sind sehr viele auf ganz ungenügende und schlecht er- haltene Reste errichtet worden. Die Gattung Elasmosaurus ist jetzt verhältnismäßig am besten bekannt. S. W. Willis ton, North American Plesiosaurs, Elasmosaurus, Cimoliasaurus, and Poly- cotylus. -- The American Journal of Science (4), Vol. XXI, 1906, p. 221. Vgl. auch S.W. Williston, North American Plesiosaurs, Part I, Publication Nr. 73 of the Field Columbian Museum, Geol. Ser., Vol. II, Chicago 1903. Reptilia. 501 ra. Fig. 395. Hinterflosse von Cryptocleidus oxo- niensis, Phil., aus dem oberen Jura (Oxfordien) Englands. 1 j 1 nat. Gr. (Nach C.W.Andrews. 1910.) Fig. 396. Vorderflosse von Cimoliasaurus Bernardi, Owen, aus der oberen Kreide von Isjum, Gouvernement C.harikow, Rußland. Stark verkleinert. (Nach A. Riabinin.) Fe. = Femur. H. = Humerus. Fi. = Fibula. R. = Radius. TL = Tibia. U. = Ulna. ti. = Tibiale. ra. = Radiale. fi- = Fibulare. id. = Ulnare. t. = Tarsale 1. in. = Intermedium. mt 5 . = Metatarsale V. aCj— -ac 3 = Akzessorische Sesambeine I.— V. = 1.— 5. Zehe. mc 5 . = Metacarpale V. mc x . = Metacarpale I. C. = die drei distalen Carpalia 502 Die Stämme der Wirbeltiere. ■ —- fjft ' *~'T* /- Fig. 397. Rechte Hinterflosse von Elasmosaurus ischiadicus Willi- ston, obere Kreide (Niobrara Cretaceous) von Kansas. (Nach S.W. Williston, 1906.) Trinacromerum. — Obere Kreide von Kansas. — Schädel außerordentlich lang und schmal, Unterkiefersymphyse sehr lang, Hals fast ebenso lang als der Kopf, nur etwa 19—23 Wirbel umfassend 1 (Fig. 393, 399). Brachauchenius. — Obere Kreide Nordamerikas. — Schädellänge etwa 1 m, Unterkiefersymphyse sehr kurz, Hals nur aus 13 Wirbeln bestehend, an denen ein- köpfige Rippen artikulieren. 2 Die Zahl der unterscheidbaren Gattungen und Arten der Plesiosaurier ist zwar sehr groß, aber es ist bisher noch nicht gelungen, die phylogenetischen Beziehungen zwischen ihnen aufzuklären. 3 Jedenfalls umfaßt dieser Stamm eine größere Reihe von selbstän- digen Formenreihen, die schon sehr früh- zeitig, wahrscheinlich schon im unteren Jura, divergiert haben dürften. Die durch Elasmo- saurus vertretene und bis auf Muraeno- saurus zurückreichende Formenreihe ist viel- leicht am besten in der Familie der Elasmo- sauridae, die Gattungen Trinacromerum und 1 S.W. Willis ton, North American Plesio- saurs: Trinacromerum. — Journal of Geology, Vol. XVI, 1908, p. 715. 2 S. W. Williston, The Skull of Brachau- chenius, with Observations on the Relationships of the Plesiosaurs. — Proceedings of the U. S. Nat. Mus. Washington, Vol. XXXII, 1907, p. 477. 3 S. W.Williston'hat schon 1902 („On Cer- tain Homoplastic Characters in Aquatic Air-brea- thing Vertebrates." — Kansas University Science Bulletin, Vol. I, Nr. 9, 1902, p. 259) die An- passungsmerkmale der Plesiosaurier, deren graduelle Steigerung einen Aufschluß über die phylogenetische Stellung und die Gruppierung der einzelnen Stämme vermitteln kann, angeführt. Bei der großen Menge der bisher bekannten Reste von Plesiosauriden ist es verwunderlich, daß gerade über die Geschichte dieser seit so langer Zeit bekannten Reptilien- gruppe noch immer kein klares Bild gewonnen werden konnte, obwohl alle Voraussetzungen dafür gegeben zu sein scheinen. Reptilia. 503 Polycotylus 1 , denen noch Piratosaurus 2 wäre Willi- in der Polyco- anzuschließen (nach S. W ston, 1908), Familie der tylidae zu vereinigen. Pliosaurus und Bra- chauchenius scheinen einen geschlossenen Stamm, die Familie der Pliosauridae, zu bilden. Über diese Fragen kann jedoch, da noch immer eine Monographie der Sau- ropterygia fehlt, einst- weilen kein abschlie- ßendes Urteil gefällt werden. Einzelne der bisher beschriebenen Gattungen und, Arten dürften selbständigen Formenreihen ange- hören, wie z. B. Ci- moliasaurus Bernardi, Owen (Fig. 396), aber 1 S. W. Williston, 1. c, Amer. Journ. of Science, Vol. XXI, 1906, p. 233. 2 J. Leidy, Creta- ceous Reptiles of the Uni- ted States. — Smithsonian Contribution to Know- ledge/Nr. 192, 1864, p. 29. S.W. Williston (I.e., Journal of Geology, Vol. XVI, 1908, p. 735) be- zeichnet es als möglich, daß diese Gattung mit Polycotylus oder Tri- nacromerum identisch sein könnte. Sie ist nur auf dürftige Reste begründet. o — CO — 2 o co _: o c lO ü- co CO I V M c o :ca > Öfl O, ^ J_ —* :0 'S •6 S H •a ca 1_! öjo o e ■+-> W e 3 n -i— > *-* I-, _, --> £P ■*-> o n o :— £3 O — ,Q ^ La ^ SJ o > j- £ o cd > 2 £J c OJ X 1 >> Ol o X O 1/3 £ "™ CO « :— ^ —5 cö r-» 2 s CS r- CO v, o 2 1-1 cd Dh S < C/> co s .— CO "5 cd o •^-> -*-» X jd o cd Vj •Sä 73 H co '_S a> o •a o -fcj cd Q. >> 2 u CO So c o o -^j > o Ä CU s-, «c j_ tr a. 3 o-E 3 CT 3 4> CO CO C/3 H I! 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